Das Ziel dieser Arbeit ist es, zwei Spracherwerbstheorien zu skizzieren und zu untersuchen, ob diese einer ausreichenden Begründung des Erstspracherwerbs fähig sind.
Hierfür gehe ich zunächst auf den geschichtlichen Verlauf der Spracherwerbsforschung ein. Weiterhin werde ich die Grundfragen der Erwerbsforschung darstellen und erläutern, an welchen menschlichen Voraussetzungen sich die einzelnen Erwerbstheorien orientieren. Anschließend werde ich zwei bekannte Spracherwerbstheorien genauer untersuchen. Zum einen gehe ich auf den Nativismus ein, welcher durch seinen wichtigsten Vertreter Noam Chomsky geprägt ist. Überdies werde ich den Kognitivismus vorstellen, welcher durch Jean Piaget Verbreitung findet. Nachdem ich die theoretischen Grundlagen der Konzepte erläutere, werde ich einige Kritikpunkte anhand von empirischen Evidenzen erörtern. Abschließend werde ich beurteilen, ob und inwieweit die theoretischen Konzepte eine Begründung des Erstspracherwerbs liefern.
Das Verwenden der Sprache ist heute eine selbstverständliche Fähigkeit, welche für uns Menschen eine enorme Wichtigkeit besitzt. Nur durch Sprache gelingt eine zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion. Nahezu jeder beherrscht die eigene Muttersprache, da er sie im bereits Kindesalter erworben hat. Doch so selbstverständlich das Verwenden von Sprache scheinen mag, so stellt sich dennoch die Frage, wie es möglich ist, im Kindesalter die komplexen sprachlichen Strukturen zu erwerben. Diese Frage beschäftigt ebenfalls die Forschung seit einigen Jahren. Es wurden zahlreiche Theorien entwickelt, welche eine Erklärung des Erstspracherwerbs versuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Spracherwerbsforschung
3. Spracherwerbstheorien
4. Der Nativismus
4.1 Theoretische Grundlagen
4.2 Das sprachliche Wissen
4.3 Der Spracherwerbsmechanismus
4.4 Das P&P Modell
5. Kritik am Nativismus
5.1 Neuronale Befunde
5.2 Auffälligkeiten des Spracherwerbs bei sprachlicher Isolation
6. Der Kognitivismus
6.1 Theoretische Grundlagen
6.2 Die Intelligenzentwicklung
6.2.1 Die sensomotorische Intelligenz
6.2.2 Weitere Entwicklungsphasen
6.3 Die Sprachentwicklung
7. Kritik am Kognitivismus
7.1 Grundlegende Annahmen
7.2 Die Phasen der Intelligenzentwicklung
7.3 Sprachvergleichende Studien
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die nativistische und die kognitivistische Theorie des Spracherwerbs zu skizzieren und kritisch zu untersuchen, inwieweit diese Ansätze eine ausreichende Begründung für den kindlichen Erstspracherwerb liefern können. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob der Erwerb sprachlicher Strukturen primär durch angeborene biologische Voraussetzungen oder durch kognitive Entwicklungsprozesse gesteuert wird.
- Historischer Verlauf der Spracherwerbsforschung
- Analyse der nativistischen Theorie nach Noam Chomsky
- Untersuchung des kognitivistischen Ansatzes nach Jean Piaget
- Kritische Würdigung beider Theorien anhand empirischer Evidenzen
- Vergleich von Spracherwerbsverläufen unter Berücksichtigung kognitiver Reife
Auszug aus dem Buch
4.4 Das P&P Modell
Noam Chomsky geht nun in dem von ihm entwickelten P&P – Modell differenziert darauf ein, weshalb das angeborene sprachliche Wissen für alle natürlichen Sprachen auf der Welt gültig sei. Das Prinzipien und Parametermodell besagt, dass eine Universalgrammatik zur Prädisposition eines jeden Kindes gehört. Diese Universalgrammatik besteht aus abstrakten allgemeinen Prinzipien. Sie sind für alle Sprachen gültig und beinhalten gewisse Wahlmöglichkeiten, welche die Menge der möglichen natürlichen Einzelsprachen bestimmen. Dem zu Folge muss jede vorhandene natürliche Sprache in der Universalgrammatik vorhanden sein. Da das Kind über diese universale Grammatik verfügt, welche nur die möglichen zulässigen Sprachen entwickeln kann, kann keine falsche Grammatik aufgebaut werden. Für den Spracherwerb muss das Kind nur die für seine Erstsprache spezifischen Parameter und die damit implizierten sprachlichen Merkmale erkennen. Dies geschieht, indem das Kind die Inputdaten auf die möglichen Optionen seiner Sprache untersucht. Hierbei kann das Kind auch mit einem beschränkten Input auskommen, da es sich die Grammatik aufgrund des Wissens über allgemeine Prinzipien selbst erschließen kann. Indem die Parameter der Erstsprache nun fixiert werden, gelingt es dem Kind eine Kern – Grammatik zu erschließen. Dieser gesamte Prozess ist genetisch determiniert. Chomsky geht davon aus, dass Sprache grundsätzlich angeboren ist und daher nicht erlernt wird, jedoch kommt er ebenfalls zu dem Entschluss, dass Aspekte der Sprache gibt, welche dennoch zu erlernen sind.
Dazu zählen zum Beispiel die sprachlichen Struktureigenschaften, welche zufällig sind und daher nicht mit Hilfe der Universalgrammatik erschlossen werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Spracherwerbsfähigkeit ein und formuliert das Ziel der Arbeit, zwei zentrale Erwerbstheorien zu untersuchen.
2. Die Spracherwerbsforschung: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und die methodischen Herausforderungen der wissenschaftlichen Untersuchung des kindlichen Spracherwerbs.
3. Spracherwerbstheorien: Hier werden die biologischen und kognitiven Fragestellungen des Spracherwerbs thematisiert und eine erste Abgrenzung zwischen Nativismus und Kognitivismus vorgenommen.
4. Der Nativismus: Das Kapitel erläutert die Grundlagen von Chomskys Ansatz, das sprachliche Wissen und den postulierten Spracherwerbsmechanismus (LAD) sowie das P&P-Modell.
5. Kritik am Nativismus: Es werden neuronale Befunde und die Beobachtung isoliert aufgewachsener Kinder herangezogen, um die nativistischen Thesen kritisch zu hinterfragen.
6. Der Kognitivismus: Dieses Kapitel stellt Piagets Modell vor, das den Spracherwerb eng an die kognitive Intelligenzentwicklung und deren Stadien koppelt.
7. Kritik am Kognitivismus: Die kritische Analyse zeigt Grenzen der kognitivistischen Annahme auf, dass Sprache notwendigerweise von der allgemeinen Intelligenzentwicklung abhängt.
8. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass keine der beiden Theorien den Spracherwerb vollständig erklärt und schlägt eine Kombination beider Ansätze als fundiertere Erklärung vor.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Nativismus, Kognitivismus, Noam Chomsky, Jean Piaget, Universalgrammatik, P&P Modell, Intelligenzentwicklung, Erstspracherwerb, LAD, Modulartheorie, spracherwerbsforschung, biologische Prädisposition, kognitive Entwicklung, Sprachvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, auf welchen Grundlagen der Erstspracherwerb beim Kind basiert und ob dieser Prozess primär biologisch-nativistisch oder durch kognitive Entwicklungsprozesse erklärbar ist.
Welche zwei großen Theorieansätze werden in den Mittelpunkt gestellt?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf den Nativismus, vertreten durch Noam Chomsky, und den Kognitivismus, der maßgeblich durch Jean Piaget geprägt wurde.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit die beiden theoretischen Konzepte den Spracherwerb hinreichend begründen und erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt die Autorin zur Untersuchung?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert und diese durch die Diskussion von empirischen Befunden zu Hirnläsionen, Fallstudien und sprachvergleichenden Daten ergänzt.
Was sind die thematischen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der nativistischen Grundlagen, einschließlich Parameter und Universalgrammatik, und die Koppelung der Sprachentwicklung an die stadienweise Intelligenzentwicklung nach Piaget, jeweils gefolgt von einer kritischen Prüfung.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Spracherwerb, Universalgrammatik, biologische Determinismus, Kognition, Intelligenzentwicklung und die kritische Abwägung theoretischer Erklärungsmodelle.
Wie lautet die Kritik an der nativistischen Annahme eines "sprachspezifischen Moduls"?
Die Kritik stützt sich auf neuronale Befunde, die zeigen, dass keine spezifischen Hirnareale allein für die Sprache zuständig sind, sowie auf die Beobachtung, dass bei Kindern mit frühen Hirnläsionen Sprachfunktionen durch andere Areale übernommen werden können.
Was besagt die Kritik am Kognitivismus bezüglich der Kausalbeziehung zwischen Denken und Sprechen?
Die Kritik weist darauf hin, dass Kognition und Sprache nicht zwingend in einer direkten Ursache-Wirkungs-Beziehung stehen; so können manche Kinder trotz kognitiver Beeinträchtigungen überdurchschnittliche Sprachfähigkeiten entwickeln, was die Notwendigkeit der Intelligenz als Voraussetzung schwächt.
- Quote paper
- Anne Kahlen (Author), 2016, Spracherwerbstheorien. Nativismus und Kognitivismus im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1493514