Mangroven in Südamerika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedeutung der Mangroven für die Geographie

2. Merkmale der Mangroven
2.1 Artenzusammensetzung
2.2 Salzverträglichkeit
2.3 Zonierung
2.4 Wurzeln
2.5 Fortpflanzung

3. Verbreitung der Mangroven

4. Bedeutung der Mangrovenwälder

5. Mangrove in Südamerika

6. Vorkommen

7. Verschiedene Untersuchungsgebiete
7.1 Brasilien
7.1.1 Nutzung der Mangrove
7.1.2 Bedrohung der Mangrove
7.1.3 Schutz der Mangrove
7.2 Ecuador und Peru
7.2.1 Standortbedingungen der Mangrove
7.2.2 Aquakultur in Verbindung mit der Mangrove
7.3 Kolumbien
7.3.1 Standortbedingungen der Mangrove
7.3.2 Einflüsse und deren Folgen

8. Anthropogene Eingriffe und Bedrohung

9. Ausblick

10. Literaturverzeichnis

1. Bedeutung der Mangroven für die Geographie

Bei Mangroven handelt es sich gleichzeitig um eine Baumart und eine Pflanzenformation. Der Begriff stammt vom Wort „manggi“. Er wurde von den Guarani, einem einheimischen Volk in Südamerika, geprägt und bedeutet „krummer Baum“. Die Benennung geht auf eine bestimmte Mangrovenart zurück, die Rote Mangrove. Die Bezeichnung „manggi“ beschreibt die Wuchsform der Pflanze (Mexiko-Lexikon 2008).

Mangroven sind vor allem „im Gezeitenbereich von Lagunen und Ästuaren des Küstenraums“ (Schmidt 1995: 128) zu finden. Sie können jedoch nicht nur auf Schlickuntergrund wachsen, sondern auch auf Sandböden und sogar nackten Korallenriffen (Lerch 1980: 173).

Viele verschiedene Meeres- und Landorganismen teilen sich den Lebensraum „in den Mangrovensümpfen der tropischen und subtropischen Küsten“, wie zum Beispiel Vögel, Insekten, Fische, Krebse und Algen (Lighthouse Foundation o. J.). Es handelt sich um ein bedeutendes Ökosystem, dessen Stellenwert im Laufe der Arbeit noch erläutert werden wird.

Das „Holz wird unter anderem zum Haus- und Bootsbau, als Brennholz und zur Holzkohleproduktion genutzt“ (Elster 1997: 2). „[D]ie Blätter der Mangroven können als Viehfutter dienen“ (Elster 1997: 2). Einige der Pflanzen finden sogar Anwendung in der Medizin (Elster 1997: 2).

Um die Nutzung der Mangrove zu erläutern, müssen zunächst ihre Merkmale und Anpassungen aufgeführt werden. Zu ihnen gehören unter anderem die Wurzelsysteme und Salzverträglichkeiten der Pflanzen. Im Anschluss stellt sich die Frage des Vorkommens und der Bedeutung der Mangrove. An welche Faktoren ist das Auftreten der Pflanzenformation in Südamerika gebunden? Nutzung und Probleme, wie die Zerstörung, werden exemplarisch an drei Regionen des Kontinents konkretisiert. Auch der Einfluss des Menschen auf die Mangrove wird thematisiert. Abschließend dienen die behandelten Aspekte einer Beurteilung und dem Blick in die Zukunft.

2. Merkmale der Mangroven

„Rund 70 Bäume, Sträucher, Palmen und Farne aus 20 Familien bilden die eigentliche Mangrove“ (Saint Paul u. Schnack 2006: 178). Diese Vegetationsform ist an warmes Wasser gebunden und verkraftet keinen Frost. „Unter sehr günstigen Bedingungen können Mangroven eine Höhe von 40 bis 50 m erreichen“ (Elster 1997: 2). Die Wuchsgröße wird dabei von der Sonnenintensität und der geographischen Breite beeinflusst (Elster 1997: 2). Bei der typischen Mangrove handelt es sich um Halophyten. Diese wachsen auf salzreichem Boden. Sie „verankern sich [mit] ihre[n] stelzartigen, undurchdringlichen Wurzelsysteme[n] im weichen Schlick“ der tropischen Marschenküsten (Kehl 2008). Man unterscheidet zwischen echter und unechter Mangrove. Echte Mangroven können mindestens in einer Salzkonzentration wachsen, die der des Meerwassers entspricht (Walter u. Breckle 32004: 223). „Die pflanzliche Diversität ist äußerst gering, gewissermaßen sind diese Gebiete das Gegenstück zum artenreichen Lebensraum Regenwald“ (Weissenhofer u. Huber 2006: 137).

2.1 Artenzusammensetzung

„Die größte Artenvielfalt herrscht im Bereich des Indomalayischen Archipels und den angrenzenden Gebieten des Indischen und Pazifischen Ozeans“ (Lerch 1980: 173). Dort verfügt die Mangrove mit etwa 40 Arten über ihren beachtlichsten biologischen Reichtum (Saint Paul u. Schnack 2006: 178). „Mit zunehmender Entfernung von diesem Ausbrei-tungszentrum nimmt die [...] [Vielfalt] rapide ab“ (Lerch 1980: 173). Daher wird zwischen einer artenreicheren „östlichen“ und einer artenärmeren „westlichen“ Mangrove unterschieden (Schroeder 1998: 176). Die geographische Ausbreitung hängt also mit der Differenziertheit der Arten zusammen. Dies lässt sich durch paläobotanische und paläogeographische Untersuchungen auf die Kontinentalverschiebung zurückführen. Erklären lässt sich dies mit dem Ursprungsgebiet der Mangrove, das in Südostasien liegt. Im Zentrum des Indopazifiks herrschen die besten klimatischen und geomorphologischen Bedingungen für das Wachstum der Pflanzen (Saint Paul u. Schnack 2006: 178). „Zu den Häufigsten Mangroven [weltweit] zählen:

Avicennia germinans: (Schwarze Mangrove - hauptsächlich Neotropis)
Avicennia marina: (Graue Mangrove - hauptsächlich Paläotropis)
Laguncularia racemosa: (Weisse Mangrove - W-Afrika, N- und S-Amerika)
Rhizophora mangle: (Rote Mangrove - hauptsächlich W-Afrika, N- und S-Amerika)
Rhizophora mucronata: (Asiatische Mangrove - O-Afrika, Indi. Ozean, W-Pazifik)
Sonneratia alba: (Apfel-Mangrove - hauptsächlich Paläotropis)“ (Kehl 2008).

2.2 Salzverträglichkeit

„Die einzelnen Mangrovenarten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Salztoleranz“ (Kehl 2008). Mit ihrem Potential in einem Lebensraum mit hoher Salzkonzentration zu überleben, gehören die Pflanzen zu den Halophyten (Lerch 1980: 177). Das Hauptproblem der Salz-pflanzen „ist die Salzanreicherung in den Zellen infolge der Transpiration“ (Schroeder 1998: 176). Um in dieser Situation leben zu können, passten sich die Mangroven im Laufe der Zeit an die Gegebenheiten an. Zu den erfolgreichen Methoden gehören die Einschränkung der Transpiration, die Sukkulenzsteigerung, die Salzabscheidung und die Salzabwehr (Schroe-der 1998: 176).

Die zu letzt aufgeführte Anpassung funktioniert am besten bei den Rhizophora-Arten (z.B. bei der Roten Mangrove) (Lerch 1991: 237). Die Pflanzen lassen kaum Salz eindringen. Die „Wurzelzellen wirken wie Ultrafilter“ (Lerch 1980: 178), die für Salzionen kaum passierbar sind. Das Wasser gelangt jedoch ohne Hindernis ins Innere der Pflanze. Durch einen niedrigeren Salzgehalt im Xylemwasser im Gegensatz zur Umgebung der Wurzeln und eine relativ konstante Salzkonzentration pro Blattfläche, sind diese Gewächse „in der Lage, [...] Schwankungen des Salzgehalts in ihrer Umgebung zu ertragen“ (Lerch 1980: 178). So kommen diese Mangroven an offenen Meeresküsten, im Brackwasser und weit in Flussmündungen hinauf vor. „Bei den übrigen Mangrovearten können die Pflanzen sich nicht so vollkommen gegen das Eindringen von Salz abschirmen und sie müssen einer drohenden Übersalzung entgegenwirken“ (Lerch 1991: 237). Eine Methode, um diesem Problem entgegenzuwirken, ist die Sukkulenzsteigerung, die z.B. bei Laguncularia racemosa („der Weißen Mangrove“) ausgebildet ist. Es kommt nicht auf die absolute Salzmenge in einer Pflanze an, sondern auf die Konzentration. So kann eine verstärkte Salzanreicherung durch eine größere Wasseraufnahme kompensiert werden (Larcher 1984: 258). Dabei kommt es zu einer „Plasmaquellung mit zunehmender Wassereinlagerung in den Vakuolen“ (Lerch 1991: 237). Die dadurch gedehnten Zellwände werden mit der Zeit immer dickfleischiger. Der Sukkulenzgrad wächst also mit dem Alter der Blätter. Der Vorgang der Wassereinlagerung ist nicht unbegrenzt möglich. Daher „sterben die Blätter [bei einer zu großen Salzaufnahme] ab und werden mit dem darin enthaltenen Salz abgestoßen“ (Lerch 1980: 178). Durch die Verzögerung der kritischen Salzgrenze und die längere Lebensdauer der Blätter, „ergibt sich [...] ein Gewinn für die Stoff- und Energiebilanz der Pflanze“ (Kinzel 1982: 128). Eine weitere Möglichkeit in einer salzreichen Umgebung zu überleben, ist die Salzab-scheidung, die z.B. bei der Schwarzen Mangrove anzutreffen ist. Dabei befördern hoch entwickelte Absalzdrüsen das Salz wieder aus der Pflanze heraus. Diese Absonder-ungsvorgänge benötigen einen „beträchtlichen Aufwand an Stoffwechselenergie“ (Lerch 1980: 178). Die Salzabscheidung kann zu Salzkrusten auf den Blättern führen, die durch Regen, Tau oder Nebel wieder abgewaschen oder aufgelöst werden. Die vorgestellten Methoden der Pflanzen, sich mit Salzvorkommen zu arrangieren, „erscheinen in der Natur niemals ganz rein ausgeprägt“ (Lerch 1980: 178).

2.3 Zonierung

Die verschiedenen Mangrovearten gehen unterschiedlich mit dem Salzangebot um. Durch diese Gegebenheit kommt es zu einer Zonierung. Diese äußert sich in „verschiedene[n] küstenparallele[n] Bänder[n] unterschiedlicher Vegetation“ (Saint Paul u. Schnack 2006: 179). Man unterscheidet fünf Waldtypen: Flusssaumwälder, Muldenwälder, Saumwälder, Überspülungswälder und Zwergwälder. Flusssaumwälder gehören zu den produktivsten Beständen und kommen an den Ufern von Ästuaren vor. „Diese Gebiete werden gezeitenperiodisch vollständig und regelmäßig überspült“ (Saint Paul u. Schnack 2006: 179). Die Mangroven stehen unter dem Einfluss des süßen Flusswassers und des salzigen Meerwassers (Kehl 2008). Muldenwälder werden nur sporadisch den Gezeiten ausgesetzt. Sie liegen weiter im Hinterland und in ihren Vertiefungen sammeln sich organische Substanzen. Saumwälder stehen an den Ufern von geschützten Küsten, Buchten und Lagunen. Überspülungswälder „komm[...][en] auf flachen Inseln und kleinen Halbinseln vor, die regelmäßig bei Hochwasser überspült werden“ (Saint Paul u. Schnack 2006: 179). Zwergwälder liegen über der Linie des mittleren Hochwassers. Durch den geringen Wasseraustausch kommt es lediglich zu einem Zwergenwuchs der Bäume (Saint Paul u. Schnack 2006: 179). Die Zonierung unterscheidet sich zusätzlich zwischen humiden und ariden Gebieten (Walter u. Breckle 32004: 220). „Wenn es bei Niedrigwasser regnet, so wird das Salz aus den Mangrovenböden ausgewaschen“ (Walter u. Breckle 32004: 221).

Daher sinkt die Salzkonzentration bei humidem Klima vom äußeren Rand in Richtung Landesinnere (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Lebensraum und Klimatypen von Mangrovenbeständen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In aridem Klima verliert der Boden Wasser durch Transpiration und Evaporation. Daher steigt die Salzkonzentration landeinwärts an (Walter u. Breckle 32004: 221).

Quelle: Lerch 1991: 234.

Weitere Faktoren für eine zonale Anordnung der Mangrovenarten ist die mechanische Belastung, die Atmung der Wurzeln, die Textur des Bodens und der Wettbewerb zwischen den einzelnen Arten. Weil sich die Gegebenheiten gebietsweise stark unterscheiden, ist die Vielfalt der Zonierungsabfolge groß (Walter u. Breckle 32004: 224). Als ein Beispiel dient im Folgenden die Zone bei Itanhaén, südlich von Sao Paulo (vgl. Abb. 2).

[...]

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Details

Titel
Mangroven in Südamerika
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar zur Physischen Geographie von Südamerika
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V149475
ISBN (eBook)
9783640599837
ISBN (Buch)
9783640600243
Dateigröße
1030 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Salzverträglichkeit, Zonierung, Wurzeln, Fortpflanzung, Verbreitung, Bedeutung der Mangrovenwälder, Brasilien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Nutzung, Bedrohung, Schutz, Standortbedingungen, Anthropogene Eingriffe und Bedrohung
Arbeit zitieren
Stefanie Benner (Autor), 2009, Mangroven in Südamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149475

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