Lokal produziert - global gehandelt

Landwirtschaft im Kontext des Welthandels


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Bezug

3. Globaler Agrarhandel
3.1 Exportwirtschaft und Welthandel
3.2 Zwei Instrumente des globalen Handels
3.2.1 Welthandelsorganisation
3.2.2 Exportsubventionen
3.3 Agrarkonzerne und transnationale Unternehmen

4. Landwirtschaftliche Produktion heute

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Landwirtschaft ist die erste aller Künste; ohne sie gäbe es keine Kaufleute, keine Dichter und Philosophen. Nur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt“ (Friedrich II. von Preußen, zitiert nach Abel, 1978, S. 289).

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich einen kurzen Überblick über die heutige Situation der globalen Landwirtschaft geben und zeigen, wie diese mit dem Welthandel verbunden bzw. von diesem abhängig ist. Dabei ist es wichtig, die globalen Handelsbeziehungen nachzuvollziehen, um zu verstehen, wie heutzutage tatsächlich landwirtschaftliche Produkte erzeugt werden.

Nach einem kurzen historischem Bezug wird genauer auf die Situation des globalen Agrarhandels und dessen Hintergrunde eingegangen und abschließend kurz aufgezeigt, wie sich die tatsächliche Landbewirtschaftung im 21. Jahrhundert darstellt. Im Sinne eines kurzen Überblickes über das Thema erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

2. Historischer Bezug

Um die heutige Situation nachzuvollziehen, ist es sinnvoll sich die Entwicklung sowohl der Landbewirtschaftung als auch, und dies ist von größerer Tragweite, die Entwicklung der globalen Vernetzung, oder anders, der Globalisierung zu betrachten.

Die Entdeckung Amerikas 1492 war ein bedeutendes Ereignis der Menschheitsgeschichte, unter anderem mit weitreichenden, globalen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die Einführung neuer Nutzpflanzen nach Europa, wie Kartoffel oder Mais, veränderten die Landwirtschaft grundlegend, mit äußerst positiver Auswirkung auf die Lebensgrundlage vieler Gesellschaften (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 38). Erste engere globale Vernetzungen stellen sowohl von Sklaven bewirtschaftete Plantagen auf dem amerikanischen Kontinent (in etwa ab 1580), welche landwirtschaftliche Konsumgüter (wie Tabak oder Zucker) für langsam größer werdende Märkte in Europa produzierten (Curtin, 1990, zitiert nach Osterhammel & Petersson, 2007, S. 40), als auch der Import von Stoffen, Gewürzen und Tee aus Asien nach Europa dar (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 41).

Im 18. Jahrhundert trug eine Intensivierung des Anbaus und die Kultivierung bislang landwirtschaftlich nicht genutzter Böden zu einer Leistungssteigerung der landwirtschaftlichen Produktion bei. Vor allem aber die Modernisierung der Arbeitsgeräte, die Erfindung neuartiger Maschinen und die Entwicklung neuer rationeller Methoden war, sowohl im Anbau als auch in der Viehhaltung, eine bedeutende Entwicklung in Hinblick auf die Steigerung der Erträge, wenn auch nicht unmittelbar (um 1880 wurde die Mechanisierung der Landwirtschaft für abgeschlossen gehalten). (Hürten & Zeeden, 2003, S. 224-225)

Ein wesentlicher Fortschritt der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert war die Einführung der Agrikulturchemie, diese ermöglichte durch die Verwendung industriell gewonnener Mineralien als Dünger nicht nur Ertragssteigerungen, sondern auch die Kultivierung vieler bislang ungenutzter Böden (Hürten, 2003, S. 360).

Die Globalisierung nahm langsam immer größere Dimensionen und Formen an. Während im 18. Jahrhundert Zucker das wichtigste Gut im überseeischen Handel war, wurden bereits in den 1870ern große Mengen an Weizen, Reis, Baumwolle und Kohle über die Meere verschifft. Um diesen globalen Handel zu realisieren, galt es zunächst den Freihandel zu stärken und somit Handelsbarrieren abzubauen. In diesem Sinne schaffte Großbritannien bereites 1846 unilateral seine wichtigsten Zölle ab. Andere Staaten zogen nach, bis 1870 war ganz Europa westlich des Zarenreiches eine Freihandelszone geworden. Außerhalb Europas bedurfte es jedoch in der Regel politisch-militärischer Interventionen, um der Vision des weltweiten Freihandels näher zu kommen. (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 50-56)

Erste strukturverändernde Wirkungen globalen Freihandels zeigten sich in Großbritannien, als mit Abschaffung der Corn Laws 1846 der britische Getreideanbau praktisch abgeschafft wurde und die Wirtschaft nunmehr von Getreideimporten und Fertigwarenexporten bestimmt wurde (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 62-63).

Die industrielle Revolution, welche sich in weiterer Folge noch als sehr wichtig für die Entwicklung der Landwirtschaft zeigt, war zu Beginn eine lokale Entwicklung, die sich aber allmählich, wenn auch sporadisch über die Welt verbreitete. Mitte der 1920er Jahre kam es in der Landwirtschaft durch die Mechanisierung, weitere Ausweitungen der Anbauflächen und den Einsatz von Kunstdüngern zu einer zunehmenden Überproduktion und in nächster Folge zu einem zusehenden Verfall der Weltmarktpreise (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 81).

Zu dieser Zeit existierten bereits die ersten multinationalen Konzerne mit einer „vertikalen“ Produktion, d.h., dass der gesamte Prozess von der Rohstofferzeugung bis zur Vermarktung der Endprodukte in nur einem Unternehmen vereint ist. „Die multinationalen Konzerne der Gegenwart, die globale Produktionsnetze organisieren, in denen einzelne Produktionsschritte auf die jeweils kostengünstigsten Standorte verteilt werden, sind aber ein Produkt der Liberalisierung der Waren- und Kapitalmärkte seit den 1970er Jahren“ (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 97-98).

Die Politik der Liberalisierung der Märkte, Privatisierung von Staatseigentum und Steuersenkung, also einer immer weiteren Zurücknahme des Staates, die zuerst nach 1979 in Großbritannien verwirklicht wurde, bildet die Grundlage der heutigen Situation mit staatlich nur wenig reguliertern globalen Interaktionsräumen und einem dichten Netz internationaler Handels- und Finanzbeziehungen (Osterhammel & Petersson, 2007, S. 106).

Wenngleich die Dichte dieser Netze und der damit verbundene Handel im Agrarsektor langsamer wächst als der gesamte Welthandel, so hat sich der Wert aller grenzüberschreitend gehandelten Agrargüter in den Jahren von 1980 bis 2000 beinahe verdoppelt (von 243 Mrd. US-Dollar auf 467 Mrd. US-Dollar) (World Bank, 2005, zitiert nach Binswanger, 2009, S. 29).

3. Globaler Agrarhandel

Die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft ist heute in vielen Industrieländern nur noch eine geringe. Global gesehen jedoch ist die Landwirtschaft nicht nur als Nahrungslieferant für den Menschen unersetzlich, in weiten Teilen der Welt ist sie nach wie vor der dominierende Wirtschaftssektor. Durchschnittlich 56 Prozent der Bevölkerung in armen Ländern leben von der Landwirtschaft, in einigen Ländern wie Ruanda oder Burkina Faso sind es sogar mehr als 90 Prozent (Felber, 2006, S. 186).

Im Folgenden soll die Situation der globalen landwirtschaftlichen Produktion, welche sich in dem Spannungsfeld von einerseits ungebremsten Bevölkerungswachstum, Hunger und andererseits Überfluss befindet, aufgezeigt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lokal produziert - global gehandelt
Untertitel
Landwirtschaft im Kontext des Welthandels
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Veranstaltung
Einführungsveranstaltung in Global Studies
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V149522
ISBN (eBook)
9783640688432
ISBN (Buch)
9783640688333
Dateigröße
890 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welthandel, Landwirtschaft, Globalisierung, Hunger, Entwicklungsländer, Kapitalismus, Agro, Agroindustrie, Agrarhandel, WTO, Exportsubventionen, Welthandelsorganisation, Transnationale Konzerne, Multinationale Konzerne, Nord Süd Konflikt, Ernährung, Produktion, Lebensmittel
Arbeit zitieren
Jan C. Pannenbäcker (Autor), 2010, Lokal produziert - global gehandelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149522

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