Franz Grillparzers Dramen

Figurenkonstellationen im Konfliktablauf (Spiel und Gegenspiel)


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zur Vorgangsweise

2 Begriffe und Definitionen

3 Dramenanalyse: Konfiguration und Peripetie in ausgewählten Werken
3.1. Sappho
3.2. Medea
3.3. Melusina
3.5. König Ottokars Glück und Ende
3.6. Des Meeres und der Liebe Wellen
3.7. Libussa
3.8. Ein Bruderzwist in Habsburg

4 Theoretische Ausführungen
4.1. Mit- und Gegenspieler
4.2. Dramatische Spannung im Konfliktablauf

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis
6.1. Primärliteratur
6.2. Sekundärliteratur

1 Zur Vorgangsweise

Franz Grillparzer war der bedeutendste österreichische Dramatiker des 19. Jh.

Für die biographischen Informationen, die Ass.-Prof. Dr. Robert Pichl gleich zu Beginn des PS einleitend referierte, bin ich also sehr dankbar. Diese Daten stets im Hinterkopf behaltend, möchte ich sie in der PS - Arbeit nicht noch einmal einbringen, sondern mich ausschließlich auf mein Thema mit dem Titel „Figurenkonstellationen im Konfliktablauf (Spiel und Gegenspiel)“ konzentrieren. Ausgehend von den Werken, die dafür zu lesen waren, soll in meiner Arbeit einem ersten praktischen Teil der Analyse ein theoretischer schlussfolgern. Aus den sieben Dramen Sappho, Medea, König Ottokars Glück und Ende, Melusina, Des Meeres und der Liebe Wellen, Libussa und Ein Bruderzwist in Habsburg stelle ich jeweils kurz zusammengefasst die Bereiche Figuren, Handlungsverlauf mit Konflikt, Spielsituation und deren Kombination vor. Die allfälligen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede führen zu einer These über das Konfigurationsschema bei Grillparzer.

2 Begriffe und Definitionen

Protagonist

In der griech. Tragödie: Haupt- bzw. Erst-Handelnder.

Im Roman, der Erzählung: Hauptperson, -darsteller, Held – der hauptsächlich

Ausführende, Akteur, Fixpunkt in der Figurenkonstellation.

Der Protagonist muss nicht zwingend die Titelfigur eines Werks sein - ist aber häufig der Fall.

Antagonist

- griech.: Gegenhandelnder, Gegner

Der Gegenspieler des Protagonisten stört sein Handeln, fügt absichtlich Schaden zu und frustriert.

In der Regel ist der Antagonist ein Bösewicht, der sich auf ethischer Ebene unmoralisch verhält. Er kann sich verstellen, sodass er ehrbar scheint, insgeheim aber Schaden anrichten will. Das Verhältnis von Protagonist und Antagonist zeichnet sich meist durch Unterschiede aus, kann aber auch in Gemeinsamkeiten bestehen, wie z.Bsp. Bruderschaft. Kategorien dafür sind das Geschlecht, Alter, Stand und soziale Stellung.

Auch mehrere Personen, eine ganze Organisation oder abstraktes wie die Natur an sich können eine antagonistische Funktion übernehmen.

Typische Verhaltensweisen des Antagonisten sind:

- Prüfung des Protagonisten (=Lehrer)
- Täuschung
- Verfolgung
- Beeinflussung, Schädigung des familiären Umfelds bzw. Freundeskreises
- Direkter Zweikampf (Duell)
- Am Ende als Verlierer neben dem Protagonisten dastehen
- Sieg über den Protagonisten
- Strafe annehmen u.s.w.

Die Peripetie

- griech.: Entscheidender Wendepunkt, plötzlicher Umschwung, besonders im Drama

Der Terminus stammt aus der theoretischen Schrift Poetik von Aristoteles, wo er als Bauelement der Tragödie angeführt ist. Der Held gibt seinem Handeln gezwungenermaßen eine neue Richtung, ohne sich selbst über die Gründe im Klaren zu sein. Die Erkenntnis erfolgt in der späteren so genannten Anagnorisis.

3 Dramenanalyse: Konfiguration und Peripetie in ausgewählten Werken

Die Reihenfolge der Beispiele richtet sich chronologisch nach Erscheinungszeitpunkt und beginnt mit den Frühwerken:

3.1. Sappho

In dem Trauerspiel Sappho ist die Titelfigur zugleich Protagonistin. Als Siegerin eines Dichterwettbewerbs kehrt sie in die Heimat zurück, wo sie von ihrem Umfeld unterschiedlich aufgenommen wird. Eine erste Peripetie im zweiten Akt erschüttert die Stabilität der Figuren. Nebenher entstehen immer wieder Teilkonflikte, die den dynamischen Prozess bewirken. Im dritten Akt findet ein zweiter Umschwung statt, dem ein langer Schluss folgt.

Der Hauptkonflikt wird, wie bei Libussa und Melusina, durch die Liebe einer überirdischen Gestalt zu einem Normalsterblichen verursacht. Die Realität lässt diese Verbindung nicht zu, was zu inneren Veränderungen und äußeren Katastrophen führt. In diesem Spiel steht die Dreiecksbeziehung zwischen Sappho, Phaon und Melitta im Mittelpunkt.

Zu Beginn wird Sappho idyllisch von ihren Untergebenen, vor allem von Rhamnes und Melitta, empfangen und symbolisch erhöht. Erst durch die leidenschaftliche Liebe zu Phaon wandelt Sappho ihr inneres Wesen und beginnt einen Entwicklungsprozess durchzumachen. Ihre Identitätsfindung wird zwanghaft und misslingt schließlich, weil ihr Ansporn, nämlich die erwiderte Liebe Phaons, abhanden kommt: „Wer zweifelt länger noch? Klar ist es, klar! Sie lebt in seinem schwurvergeßnen Herzen, Sie schwebt vor seiner schamentblößten Stirn, In ihre Hülle kleiden sich die Träume, Die schmeichelnd sich des Falschen Lager nahn.“[1]

Melitta ist Sapphos Gegenspielerin und mit ihrer naiven Art weibliches Pendant.

Ihre passive Rolle löst zahlreiche aktive Konflikte aus.

Als abstrakten Konflikt stellt Grillparzer Kunst und Leben gegenüber.

3.2. Medea

Das Trauerspiel Medea, das Teil der Trilogie um die Argonautensage ist, trägt die Protagonistin als Titelfigur.

Medea tritt von Anfang an als störende Figur auf, weil sie die Fremde ist und Zauberkräfte besitzt, die den anderen Figuren unheimlich vorkommen. Obwohl sie ihrer Heimat Kolchis und den Angehörigen abgeschworen hat, kann sie nicht als Griechin überzeugen. Das führt zu einem Konflikt zwischen ihr und Jason als sie nach Korinth flüchten. Die unterschiedliche Herkunft, sowohl örtlich als auch familiär ist Voraussetzung für das Spiel und Gegenspiel. Blickt man auf die Vorgeschichte, scheint der nahende Konflikt schon vorprogrammiert und unabwendbar.

[...]


[1] Franz Grillparzer: Sappho. Trauerspiel in fünf Aufzügen. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1985. (Universal-Bibliothek 4378), S.37.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Franz Grillparzers Dramen
Untertitel
Figurenkonstellationen im Konfliktablauf (Spiel und Gegenspiel)
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Note
3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V149642
ISBN (eBook)
9783640606238
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz, Grillparzers, Dramen, Figurenkonstellationen, Konfliktablauf, Gegenspiel)
Arbeit zitieren
Monika Slunsky (Autor), 2007, Franz Grillparzers Dramen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149642

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