Marquis de Sades´ literarisches Werk wird im Folgenden nicht auf „Analverkehr“ reduziert. Vielmehr soll das Interesse des Lesers an der Welt des Marquis und seinen Schriften geweckt werden – eine Welt der Omnipotenzphantasie und Libertinage, die durch präzise historische Kenntnisse vergangener und gegenwärtiger Zeiten, pilosophiegeschichtliche Abhandlungen und gesellschaftliche Denkansätze überrascht, eben weil man dieses breit gefächerte Wissen im Sadeschen Werk nicht vermutet. Er bietet doch weitaus mehr, als dass man ihn auf niedrige Beweggründe kürzen könne: Neben zahlreich sich wiederholenden Orgien lassen sich hingebungsvolle Oden auf die Philosophie, Freiheit, Libertinage oder gar das Glück finden.
Inhaltsverzeichnis
I. Der göttliche Dämon Marquis de Sade
1. Was der Leser erwarten darf
2. De Sade – ein Kind seiner Zeit
3. „Ja, durch die Polizei werden sie am meisten verbreitet.“
II. Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk
1. „Justine, du Dummerchen; du bist zwar schöner als ich, wirst aber niemals ebenso glücklich werden.“
2. von glück und unglück - Resümee
III. „Ich schreibe nur für diejenigen, die fähig sind, mich zu verstehen; sie werden mich ohne Gefahr lesen.“
1. „Geschrieben stinkt Scheiße nicht.“
2. „Der Sadismus ist nur der grobe (vulgäre) Inhalt des Sadeschen Textes.“
3. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den philosophischen Glücksbegriff im literarischen Werk des Marquis de Sade. Ziel ist es, die häufige Reduktion seines Werkes auf bloße Pornografie zu hinterfragen und stattdessen die komplexe philosophische Auseinandersetzung mit Aufklärung, Freiheit und Moral aufzuzeigen, wobei die Kernaussage analysiert wird, dass in der Welt des Autors Tugend glücklos ist, während das Laster als Weg zum Glück dargestellt wird.
- Analyse des Glücksverständnisses im Kontext des 18. Jahrhunderts
- Gegenüberstellung von Tugend und Laster anhand der Romanfiguren Justine und Juliette
- Untersuchung der libertinen Gesellschaftsstruktur
- Kritische Reflexion des Sadismus-Begriffes im literarischen Werk
Auszug aus dem Buch
1. „Justine, du Dummerchen; du bist zwar schöner als ich, wirst aber niemals ebenso glücklich werden.“
Durch ein Unglück werden die Schwestern Justine und Juliette unerwartet Vollwaisen. Um ihr Vermögen betrogen, können sie in dem Kloster, indem sie bisher erzogen wurden, nicht mehr bleiben. Vor die Tür gesetzt, müssen sie sich neu orientieren und ihre Wege trennen sich – der Einen Glück soll der Anderen Leid sein. Justine, die jüngere der Schwestern, ist die einfältigere. Zwar anziehender als ihre Schwester ist sie jedoch von Natur aus schwermütig. So erfasst sie die ganze Grausamkeit ihres Loses tiefer. Juliette hingegen ist lebhaft, gar leichtsinnig. Nicht minder hübsch doch boshaft und mutwillig. Die plötzlich verlassene Justine verstrickt sich bei dem Versuch, ein tugendhaftes Leben zu führen, zunehmend in eine Welt voll Laster und Verbrechen. Ihre Unschuld und Aufrichtigkeit ziehen das Böse geradezu magisch an und lösen Episoden von wüsten Ausschweifungen und Gewalt aus. Nach einem Leben unter Räubern, Mördern und gewissenlosen Klerikern muss die beharrlich an der Unverdorbenheit festhaltende Justine erkennen, dass die Sittsamkeit stets bestraft, das Laster hingegen belohnt wird. Justines „Leidensweg“ wird in den ersten vier Bänden erzählt. In zahlreichen Episoden sprechen die verschiedenen Protagonisten über Glück und darüber was sie darunter verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der göttliche Dämon Marquis de Sade: Einführung in die Biografie und historische Einordnung des Autors sowie Auseinandersetzung mit der Zensurgeschichte seiner Schriften.
II. Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk: Zentrale Analyse der Glücksthese anhand der Schwestern Justine und Juliette, in der das Laster als Weg zum Glück und die Tugend als Mangel an Entwicklung dargestellt werden.
III. „Ich schreibe nur für diejenigen, die fähig sind, mich zu verstehen; sie werden mich ohne Gefahr lesen.“: Reflexion über die literarische Bedeutung des Autors jenseits von Pornografie und kritische Neubewertung des Sadismus-Begriffes als existentielle Befriedigung.
Schlüsselwörter
Marquis de Sade, Glücksbegriff, Libertinage, Tugend, Laster, Justine, Juliette, Sadismus, Aufklärung, Philosophie, Sittengeschichte, Romananalyse, Menschenbild, Freiheit, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Glücksbegriff im Werk des Marquis de Sade und stellt die These auf, dass sein Schreiben eine tiefgreifende philosophische Auseinandersetzung mit den moralischen Werten seiner Zeit darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Glück und Unglück, die moralische Dichotomie zwischen Tugend und Laster sowie die gesellschaftlichen Bedingungen libertiner Existenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Marquis de Sade als einen durch seine Zeit geprägten Denker zu positionieren, anstatt ihn lediglich auf den nach ihm benannten Sadismus zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und vergleicht primäre Textauszüge aus den Romanen mit biographischen und philosophischen Hintergründen des 18. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Romane Justine und Juliette sowie der theoretischen Herleitung, warum das Laster in der Welt de Sades zwingend als Weg zum Glück und zur Selbstverwirklichung begriffen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Libertinage, Glücksbegriff, Laster, Tugend, Aufklärung und die kritische Distanz zum herkömmlichen Sadismus-Verständnis.
Wie unterscheidet sich Justine von Juliette in der Argumentation des Autors?
Justine repräsentiert die tugendhafte, aber glücklose Figur, die an starren moralischen Vorstellungen scheitert, während Juliette durch ihre konsequente Wahl des Lasters und ihre Aktivität das Ziel des glücklichen Libertins verkörpert.
Welche Rolle spielt die „Tätigkeit“ für das Glück bei de Sade?
Tätigkeit wird bei de Sade mit dem Fortschritt und dem Ausleben von Leidenschaften gleichgesetzt, während die Tugend als statischer, „untätiger“ Zustand begriffen wird, der nicht zur Erfüllung führt.
- Arbeit zitieren
- Andrea Franz (Autor:in), 2006, Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149654