Wie hat sich die Jugendkriminalität im letzten Jahrzehnt entwickelt, welche Ursachen hat sie und wie versuchen Justiz und
Arbeitsbereiche wie die Jugendhilfe mit entsprechenden Maßnahmen straffällige Jugendliche davon abzuhalten, erneut eine gesetzeswidrige Handlung zu begehen?
Die Jugendkriminalität ist kein Problem, das sich mit dem Wandel der Zeit verstärkt hat, es wird lediglich durch die ständige Präsenz in den Medien vermehrt öffentlicher diskutiert. Es sind immer mehr Berichte über gewalttätige Jugendliche zu sehen, hören oder lesen. Dies lässt vermuten, dass das Ausmaß der Kriminalität in Deutschland stetig steigt. Schon im Vorfeld des 24-wöchigen Praktikums habe ich mit Jugendlichen zusammen gearbeitet, welche zum Teil Probleme mit Polizei und Justiz hatten. Gerade deswegen entschied ich mich für ein Praktikum bei einem freien Träger der Jugendhilfe. Der Verein für Jugendhilfe e.V. arbeitet mit Jugendlichen sowohl in der Einzelfallhilfe als auch mit Gruppenangeboten. Hier erhielt ich Einblicke in alle Bereiche, die mit dem Jugendgerichtsgesetz in Verbindung stehen. Nach einer Verhandlung werden den Jugendlichen und Heranwachsenden von der Justiz Maßnahmen und/oder Weisungen auferlegt mit dem Ziel, eine erneute Straffälligkeit zu verhindern. Der Verein unterstützt die Erfüllung der Auflagen.
Somit konnte ich alle Etappen kennenlernen, mit welchen Jugendlichen geholfen werden kann, nachdem sie eine gesetzeswidrige Tat begangen haben und strafrechtlich erfasst wurden. Je mehr Kontakt und Austausch ich mit Klienten sowohl in Einzelgesprächen als auch in den Gruppengesprächen hatte, desto mehr interessierte mich, welche Beweggründe hinter ihrer Straffälligkeit steckten. Obwohl sich die Jugendlichen in einem Alter von 14 bis 21 befanden, Schüler, Angestellte waren oder keiner Tätigkeit nachgingen, aus verschiedenen Lebensphasen entstammten, in verschiedenen Kulturen aufgewachsen sind, verband sie eins: Sie begingen eine Handlung, welche von der Gesellschaft als kriminell angesehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendkriminalität
2.1. Delinquenz, Devianz und Kriminalität
2.2. Entwicklungstrends der Jugendgewalt
2.2.1. Entwicklungen im Hellfeld
2.2.2. Entwicklungen im Dunkelfeld
3. Ursachen
4. Maßnahmen nach dem JGG
4.1. Sanktionsformen
4.2. Neue Ambulante Maßnahmen
4.2.1. Arbeitsauflagen und -weisungen
4.2.2. Betreuungsweisungen
4.2.3. Sozialer Trainingskurs
4.2.4. Pilotprojekt „STORA“
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Jugendkriminalität im letzten Jahrzehnt, analysiert deren Ursachen aus kriminologischer Sicht und bewertet die Wirksamkeit pädagogisch orientierter Maßnahmen innerhalb der Jugendhilfe als Alternative zu rein repressiven Sanktionen.
- Analyse der Kriminalitätsentwicklung in Hell- und Dunkelfeldstudien
- Theoretische Betrachtung von Ursachen deliquenten Verhaltens
- Darstellung erzieherischer Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG)
- Evaluation ambulanter Angebote und besonderer Pilotprojekte
- Integration sozialpädagogischer Ansätze in der Justiz
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Arbeitsauflagen und -weisungen
Wie schon oben angedeutet, können Arbeitsleistungen sowohl als Erziehungsmaßregel, also als Arbeitsweisung, oder als Zuchtmittel (Arbeitsauflage) angeordnet werden. Durch eine Auferlegung von gemeinnütziger Arbeit soll dem Täter das Unrecht ihrer Tat verdeutlicht werden. Obwohl der Gesetzgeber hier eine Differenzierung vorgenommen hat, gilt sowohl für die sozialpädagogische Praxis als auch für die justizielle, dass die Trennung zwischen Auflagen und Weisungen in der Regel nicht klar geregelt ist. Somit führen die undifferenzierten Begriffe der Arbeitsweisungen, Arbeitsleistungen und Arbeitsauflagen unter Jugendlichen oft zu Unklarheiten. (vgl. Kawamura-Reindl, Schneider 2015: S.143) Die Ziele einer solchen Auflage oder Weisung beinhaltet folgende Motive:
• „Wenn die Einstellung zum Leben geändert werden müsse,
• Wenn keine feste Arbeit oder Ausbildungsstelle vorhanden ist,
• Wenn die Freizeit nicht sinnvoll gestaltet ist,
• Wenn die Straftat verarbeitet werden soll (...)
• Um zu einer Unrechtseinsicht zu verhelfen,
• Zur Erziehung und positiven Beeinflussung“ (Kremerskothen 2001: S.173)
Durch die Auflage/Weisung soll den Jugendlichen verdeutlicht werden, dass ein delinquentes Verhalten strafbar ist und Konsequenzen mit sich bringt. Es soll dadurch das Verantwortungsbewusstsein geweckt werden und die Arbeit in einer Gemeinschaft als etwas Positives erleben und mit einem Erfolgserlebnis verknüpfen können. Dazu bietet die Ableistung gemeinnütziger Arbeit die Chance, da Jugendliche und Heranwachsende einen strukturierten Tagesablauf nachgehen und Erfahrungen im Arbeitsalltag mit einer sinnvollen Beschäftigung sammeln können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die persönliche Motivation des Autors sowie die Relevanz der Auseinandersetzung mit Jugendkriminalität im Kontext sozialpädagogischer Unterstützung.
2. Jugendkriminalität: Untersucht die Definitionen von Delinquenz und analysiert aktuelle statistische Trends anhand von Hell- und Dunkelfelddaten.
3. Ursachen: Erläutert theoretische Modelle, die Delinquenz als dynamischen Prozess verstehen und soziale Faktoren wie Bindungen, Armut und das familiäre Umfeld betrachten.
4. Maßnahmen nach dem JGG: Erörtert das System des Jugendstrafrechts mit Fokus auf den Erziehungsgedanken und die konkrete Ausgestaltung ambulanter Maßnahmen.
5. Zusammenfassung und Fazit: Reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Bedeutung sozialpädagogischer Ansätze für die langfristige Resozialisierung.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Jugendgerichtsgesetz, Delinquenz, Sozialpädagogik, Sanktionsformen, Arbeitsauflagen, Betreuungsweisungen, Sozialer Trainingskurs, Prävention, Resozialisierung, Jugendgewalt, Dunkelfeldstudien, Erziehungsgedanke, Straffälligkeit, Jugendhilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Jugendkriminalität, deren empirischer Entwicklung und den Möglichkeiten der Jugendhilfe, Jugendlichen straffreie Perspektiven durch erzieherische Maßnahmen zu eröffnen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Zentrale Themen sind die kriminologische Statistik, Ursachen theorienorientierter Delinquenzentwicklung, die rechtlichen Rahmenbedingungen des JGG sowie der Nutzen ambulanter pädagogischer Angebote.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Jugendliche nach delinquenten Handlungen durch gezielte pädagogische Maßnahmen unterstützt werden können, um erneute Straffälligkeit zu vermeiden und ihre Lebenssituation zu stabilisieren.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse bestehender kriminologischer Studien, polizeilicher Statistiken und fachwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse aktueller Kriminalitätstrends, eine Diskussion der Entstehungsursachen und eine detaillierte Vorstellung spezifischer ambulanter Maßnahmen wie Trainingskurse und Arbeitsauflagen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Kernthemen umfassen Begriffe wie Jugendkriminalität, JGG, Resozialisierung, Delinquenz, Prävention und Sozialpädagogik.
Welche Bedeutung haben "Hellfeld" und "Dunkelfeld" in der Arbeit?
Diese Begriffe dienen der Unterscheidung statistisch erfasster Straftaten durch Polizei (Hellfeld) und tatsächlicher Kriminalität, die durch Befragungen von Jugendlichen ermittelt wird (Dunkelfeld), um ein realistisches Bild der Delinquenz zu zeichnen.
Wie effektiv sind laut Autor "Arbeitsauflagen und -weisungen"?
Der Autor weist darauf hin, dass diese Maßnahmen pädagogisch sinnvoll sein können, wenn sie in einen strukturierten Rahmen eingebettet sind, kritisiert jedoch die oft rein formale Anwendung in der Praxis, die den erzieherischen Kern verfehlen kann.
Was zeichnet das Pilotprojekt "STORA" besonders aus?
STORA ist ein spezifisches Angebot zur Auseinandersetzung mit dem Konsum von legalen und illegalen Substanzen, das Elemente aus der sozialen Gruppenarbeit und der Einzelfallhilfe zur Verhaltensänderung kombiniert.
- Arbeit zitieren
- Lukas Bauer (Autor:in), 2020, Jugendkriminalität. Entwicklung, Ursachen und Maßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1499683