Im Rahmen dieser Hausarbeit soll am Beispiel der linken Tageszeitung der „Jungen Welt“ die Perspektive bezüglich des Ukraine-Kriegs hausgearbeitet werden. Dabei soll der Fokus insbesondere auf der Lexik liegen. Inhaltlich soll der Schwerpunkt auf den Artikeln liegen, die sich mit der kontroversen Debatte der Waffenlieferungen in die Ukraine auseinandersetzen. Grundlage sind also 15 Artikel, in deren Titel der Begriff „(Waffen-) Lieferung“ auftaucht oder ein Subbegriff. Durch den Forschungsstand soll ein Einblick vermittelt werden, wie problematisch schon das Nutzen von Begriffen wie „Krieg“ an sich ist und welche Schwierigkeiten sich einer objektiven Berichterstattung entgegenstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einordnung der Tageszeitung der „Jungen Welt“
3 Forschungsstand
4 Wortarten
4.1 Adjektive
4.2 Verben
5 Komposita
6 Wortfeld „Waffen“ und Emotionslenkung
7 Semantische Kämpfe
8 Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht anhand von 15 Artikeln der linken Tageszeitung „Junge Welt“, wie durch spezifische Wortwahl im Kontext des Ukraine-Kriegs eine bestimmte Perspektive konstruiert sowie Täter- und Opferrollen zugewiesen werden, wobei ein besonderer Fokus auf der Berichterstattung über Waffenlieferungen liegt.
- Analyse der lexikalischen Wirkungsweise und semantischen Rahmung
- Untersuchung der Sprachverwendung in Bezug auf Adjektive und Verben
- Rolle von Komposita bei der Einflussnahme auf die öffentliche Wahrnehmung
- Kontrastierung der Wortwahl der „Jungen Welt“ mit der Berichterstattung von N-TV
- Konstruktion von Täter- und Opferrollen durch sprachliche Phänomene
Auszug aus dem Buch
6 Wortfeld „Waffen“ und Emotionslenkung
Auch durch das Nennen diverser Subbegriffe, die auch unter einem spezifischen Oberbegriff zusammengefasst werden könnten, können verschiedene Aspekte, neben der Präsentation des quantitativen Ausmaßes, verdeutlicht werden (Köller, 2004, S. 335). Anhand der zugrundeliegenden Artikel lässt sich v.a. das Wort „Kriegsgerät“, insbesondere die Kategorie „Waffen“, feldmäßig aufgliedern, wodurch explizit die Auswahl der verschiedenen Waffentypen, bzw. ihre Funktionsweise hervortritt. Der Fundus in den Artikeln für Subbegriffen ist immens. Eine große Anzahl von ihnen ist bei der Güterauflistung zu finden, die das Ministerium, der „Jungen Welt“ zufolge, kurzfristig an die Ukraine liefern will. Hierzu gehören neben der Schutzausrüstung auch „Panzerfäuste“, „Mörser“ und „Maschinenkanonen“ etc. (Bebenroth, 01.04.2022, S. 4). Zudem ist in weiteren Beiträgen die Rede von z.B. „Artilleriesystemen“, (Die Tageszeitung junge Welt, 12.05.2022, S. 4) „Raketenwerfern“, (Lauterbach, 22.07.2022, S. 6) sowie weiteren „Luftwaffen“ (Lauterbach, 22.07.2022, S. 6). Ganz konkret ist darüber hinaus allerdings auch die Rede von der „Panzerhaubitze 2000“ (Schölzel, 20.06.2023, S. 8). „Die Junge Welt“ nutzt für ihre Beschreibung den Begriff „High-Tech-Mordmaschine“ und erwähnt noch im selben Satz, dass selbst dieses Mordinstrument den Ukrainern nicht „tödlich“ genug sei (Schölzel, 20.06.2023, S. 8). Damit wird nicht nur die Funktion der Waffe näher beschreiben, sondern geht mit dem Begriff „Mord“ auch eine starke moralische Wertung einher.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Bedeutung von Medien als Konstrukteure der gesellschaftlichen Wahrnehmung und führt in die Fragestellung zur sprachlichen Inszenierung des Ukraine-Kriegs in der „Jungen Welt“ ein.
2 Einordnung der Tageszeitung der „Jungen Welt“: Skizziert das Selbstverständnis und die politische Ausrichtung der marxistisch orientierten Zeitung sowie ihre kritische Position gegenüber westlicher Außenpolitik.
3 Forschungsstand: Erörtert die Unmöglichkeit neutraler Berichterstattung anhand sprachwissenschaftlicher Theorien und belegt die Schwierigkeiten einer objektiven Kriegsberichterstattung.
4 Wortarten: Analysiert, wie durch Adjektive und Verben spezifische Emotionen und Wertungen beim Leser erzeugt und die Perspektive des Sprechers transportiert werden.
5 Komposita: Untersucht die Funktion von Wortneubildungen zur diskursiven Positionierung und zur „Korrektur“ von politischen Akteuren im Berichtskontext.
6 Wortfeld „Waffen“ und Emotionslenkung: Analysiert, wie durch die Auswahl von Subbegriffen und starken moralischen Wertungen rund um das Thema Waffenlieferungen eine emotionale Abneigung gesteuert wird.
7 Semantische Kämpfe: Beleuchtet den Wettbewerb um Deutungshoheit und die Verwendung von Begriffen als Werkzeuge zur Durchsetzung interessengeleiteter Denkmuster.
8 Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die strategische Wortwahl der „Jungen Welt“ dazu dient, Täter-Opfer-Narrative im Sinne ihrer politischen Grundhaltung zu etablieren.
Schlüsselwörter
Kriegsberichterstattung, Junge Welt, Framing, Lexik, Politische Kommunikation, Waffenlieferungen, Semantische Kämpfe, Sprachanalyse, Medienethik, Täter-Opfer-Rollen,Ukraine-Krieg, Diskursanalyse, Wortwahl, Emotionslenkung, Stellvertreterkrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, mit welchen sprachlichen Mitteln die linke Tageszeitung „Junge Welt“ den Ukraine-Krieg thematisiert und wie dabei durch die Wortwahl eine spezifische politische Perspektive konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Berichterstattung über Waffenlieferungen, die semantische Aufladung von Begriffen im Kriegskontext sowie die mediale Inszenierung und Bewertung von Akteuren wie dem Bundeskanzler oder ukrainischen Militärvertretern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwiefern durch die bewusste Begriffswahl ein abweichendes Bild der Kriegsparteien erzeugt wird und welche Rolle dabei Konstruktionen von Täter- und Opferrollen spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer inhaltsanalytischen Auswertung von 15 Artikeln der „Jungen Welt“, bei der Wortarten (Adjektive und Verben) sowie Wortfelder und Komposita einer linguistischen Analyse unterzogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der sprachlichen Gestaltung, angefangen bei der Funktion einzelner Wortarten über die kreative Bildung von Komposita bis hin zur Untersuchung von Wörtern, die das Ziel haben, Emotionen zu lenken und politische Standpunkte durchzusetzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kriegsberichterstattung, Framing, semantische Kämpfe, politische Kommunikation und Medienethik charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Wortwahl der „Jungen Welt“ im Vergleich zu anderen Medien?
Im Vergleich zu N-TV zeigt sich, dass die „Junge Welt“ weniger das Gesamtgeschehen neutral zusammenfasst, sondern sich selektiv auf Aspekte konzentriert, die eine westliche Mitverantwortung oder Aggression betonen.
Welche Rolle spielen Vergleiche mit dem Zweiten Weltkrieg?
Diese Vergleiche dienen dazu, bereits vorhandene tief im kollektiven Gedächtnis verankerte Bewertungen zu aktivieren und mit dem aktuellen Konflikt zu verknüpfen, um moralische Empörung und politische Ablehnung gezielt hervorzurufen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2024, Kriegsberichterstattung. Die Einflussnahme des Journalismus auf die Konstruktion der öffentlichen Perspektive anhand des Kriegs in der Ukraine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1501674