1 Einleitung
Die folgende Ausarbeitung befasst sich mit der Darstellung der drei Hauptcharaktere aus David
Finchers Thriller Sieben. Die Gemeinsamkeiten, aber vor allem die Unterschiede zwischen den Detectives
William Somerset und David Mills, sowie dem religiösen Fanatiker und Serienmörder Jonathan
Doe werden analysiert und aufgezeigt. Es wird deutlich gemacht, wie die verschiedenen
Persönlichkeiten der Polizisten im Kampf gegen das Verbrechen abschließend, dank Does Inszenierung,
übereinkommen Doe taucht hierbei jedoch nicht als Hauptakteur auf, sondern als versteckter
Puppenspieler, der seine Umwelt als Marionetten in seinem Schauspiel schlussendlich nur benutzt.
„Ich bin unterwegs und habe es wieder getan.“
2 Detective William Somerset
Detective William Somerset arbeitet seit 23 Jahren bei der Mordkommission in einer namentlich
nicht erwähnten US-amerikanischen Metropole, die ihn verzweifeln lässt. Gewalt und Habgier gestalten
den Alltag Somersets und machen ihn regelrecht krank. Er leidet unter Schlafstörungen und
entschließt sich, seinen Beruf zu quittieren und in Pension zu gehen. Sein Traum besteht darin, sein
restliches Leben auf einer Farm auf dem Lande zu verbringen, seinen Alltag mit Renovierungen
seines Hauses oder aber mit der Bestellung eines Ackers zu verbringen. Die Arbeitskollegen Somersets
sind über dessen bevorstehende Pension zwiegespalten. Die einen sind froh, wenn er in den
Ruhestand geht und nicht immer alles hinterfragt und zur weiteren Recherche auffordert, die anderen
hingegen denken, dass er für diesen Beruf geschaffen wurde. Er sieht Dinge und Zusammenhänge,
die andere Menschen nicht wahrnehmen und stellt eine „Art Genie“ dar.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DETECTIVE WILLIAM SOMERSET
2.1 KONTRAST WILLIAM SOMERSET ZU DAVID MILLS
3 JONATHAN DOE
4 DIE LIEBE ZUR LITERATUR
4.1 DOE UND DANTE
4.2 LITERATUR UND INSZENIERUNG
5 DOES WERK
6 DER KAMPF GUT GEGEN BÖSE
7 DER GESELLSCHAFTLICHE EGOISMUS
8 DIE KORRUPTION
9 DER SHERLOCK-HOLMES-VERGLEICH
10 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Charakterdarstellung und Rollenverteilung der drei Hauptfiguren in David Finchers Thriller Sieben, wobei insbesondere die Dynamik zwischen den Detectives Somerset und Mills sowie die inszenatorische Rolle des Serienmörders Jonathan Doe analysiert wird. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Persönlichkeiten und moralische Ansätze innerhalb eines zerfallenden gesellschaftlichen Umfelds aufeinanderprallen.
- Psychologische Charakteranalyse der Detectives Somerset und Mills
- Die Rolle von Jonathan Doe als steuernder Puppenspieler
- Intertextuelle Bezüge zu literarischen Werken wie Dantes Göttlicher Komödie
- Darstellung gesellschaftlicher Dekadenz, Korruption und Egoismus
- Die Entwicklung des Konflikts „Gut gegen Böse“ und dessen moralische Konsequenzen
Auszug aus dem Buch
4 Die Liebe zur Literatur
Während sich Mills gegenüber jeglichen Literaten und deren Weltliteratur negativ oder aber mit Gleichgültigkeit äußert, weißt Somerset diesbezüglich ein gesteigertes Interesse und eine erhöhte Allgemeinbildung auf. Während Somerset Dantes Die göttliche Komödie auswendig zitieren und Auszüge blind den jeweiligen Kapiteln des Werkes zuordnen kann, betitelt Mills den Autor als „Scheiß-Dante“ und „Blöder Dichter-Schwuler“.
Mills sieht sich seiner Unbildung vorgeführt und versucht sich durch das Lesen der von Somerset in der Bibliothek notierten Texte auf das gleiche literarische Niveau Somersets und auch Does zu setzen, doch gibt dies sehr schnell wieder auf. Er versucht sich noch an den Kommentarbüchern zu den Klassikern, doch auch diese liest Mills nur teilweise. Doch diese Paperbackausgaben scheinen einen gewissen Eindruck bei ihm hinterlassen zu haben, sodass er die Atmosphäre und Räumlichkeiten des Bordells, in dem das Wollust-Opfer gefunden wird, mit dem Inferno aus Dantes Göttlicher Komödie assoziiert.
Die Liebe zur Literatur verbindet Somerset mit John Doe. Auch dieser orientiert sich in seinem „Lebenswerk“ an den Klassikern und bedient sich Zitaten und Vorgehensweisen daraus. Die Zeile aus Miltons Das verlorene Paradies „Lang ist der Weg und schwer, der aus der Hölle herausführt zum Licht“ hinterlässt Doe als Notiz hinter dem Kühlschrank des Maßlosigkeit-Opfers, um den langen Weg bis zu dessen Erlösung durch den eigenen Tod zu erläutern. Gleichzeitig sieht Somerset in dem Milton-Zitat die Beschreibung John Does selbst, der beispielsweise bei der Maßregelung des Trägheit-Opfers einen eisernen Willen beweisen musste. „ Er hält sich genau daran! Für ihn war es lang und hart. […] Der Weg aus der Hölle ist lang und schwer, und der Bursche ist zäh und ausdauernd genug dafür.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Charaktere und die thematische Ausrichtung der Untersuchung auf den Film Sieben.
2 DETECTIVE WILLIAM SOMERSET: Analyse der komplexen, resignierten Persönlichkeit von Somerset und seinem Wunsch nach Ruhe.
3 JONATHAN DOE: Untersuchung von Does Selbstinszenierung und seiner Rolle als kontrollierender Antagonist.
4 DIE LIEBE ZUR LITERATUR: Erörterung der literarischen Bezüge und deren Bedeutung für die Taten von Doe sowie die Recherchearbeit von Somerset.
5 DOES WERK: Analyse von Does Taten als radikale moralische Provokation der Gesellschaft.
6 DER KAMPF GUT GEGEN BÖSE: Betrachtung der dynamischen Rollenverteilung zwischen den Polizisten und dem Täter in einem moralisch entleerten Umfeld.
7 DER GESELLSCHAFTLICHE EGOISMUS: Darstellung der Apathie und des Egoismus, die in der gezeigten Welt als treibende Kräfte wirken.
8 DIE KORRUPTION: Untersuchung der Normalisierung von Korruption innerhalb der Ermittlungsbehörden und der Gesellschaft.
9 DER SHERLOCK-HOLMES-VERGLEICH: Gegenüberstellung von Somersets Detektivmethoden mit klassischen archetypischen Detektivfiguren.
10 ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Charakterentwicklungen und des finalen Aufeinandertreffens der Akteure.
Schlüsselwörter
Sieben, David Fincher, William Somerset, David Mills, Jonathan Doe, Literaturanalyse, Dantes Göttliche Komödie, Todsünden, Gesellschaftskritik, Moral, Gerechtigkeit, Egoismus, Korruption, Detektiv, Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der drei Hauptcharaktere – Detective William Somerset, Detective David Mills und Jonathan Doe – im Thriller Sieben und beleuchtet deren zwischenmenschliche Dynamik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die literarische Motivation der Verbrechen, der soziologische Aspekt des gesellschaftlichen Egoismus und der Kontrast zwischen den verschiedenen Arbeitsweisen der Detectives.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Doe die beiden Detectives als Marionetten in seinem persönlichen „Schauspiel“ benutzt und welche Rolle ihre Charakterunterschiede dabei spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche und textanalytische Ausarbeitung, die primäre Quellen (Film/Skript/literarische Vorlagen) und sekundäre Fachliteratur zur Mimesis verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den Einzelfiguren, deren literarischem Bezugsrahmen, der Rolle der Korruption sowie dem Vergleich zu klassischen Detektivfiguren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind die sieben Todsünden, Inszenierung, Moral, Gesellschaftskritik und die Charakterdarstellung von Somerset und Mills.
Wie beeinflusst Literatur die Morde von Jonathan Doe?
Doe nutzt klassische Weltliteratur, insbesondere Dantes Göttliche Komödie, als Blaupause für seine Sündenstrafen, um seine Taten zu legitimieren und als „Werk“ zu inszenieren.
Warum spielt die Korruption in der Stadt eine so zentrale Rolle?
Die Korruption dient als Spiegel für eine gleichgültige Gesellschaft, in der Moral unter dem Eigennutz leidet, was Somerset zur Resignation und Mills zur Anpassung zwingt.
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- Helene Erwin (Author), 2009, Die Inszenierung der Hauptcharaktere in dem Thriller Sieben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150334