Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Unterrichtskommunikation, insbesondere der Rolle der Lehrersprache und ihrer Bedeutung für das Unterrichtsgeschehen. Seit den 1960er-Jahren ist dieses Thema von großem Interesse für verschiedene Disziplinen wie Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Linguistik. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich die Rollenverteilung zwischen Lehrkräften und Schüler:innen in der Unterrichtskommunikation widerspiegelt und wie die Sprache der Lehrkräfte Lernprozesse beeinflusst.
Im zweiten Kapitel werden die institutionellen Rahmenbedingungen der Unterrichtskommunikation untersucht, um ein besseres Verständnis der Rollen von Lehrkräften und Schüler:innen zu erlangen. Das dritte Kapitel fokussiert sich auf verschiedene Aspekte der Lehrersprache. Zuerst wird die Verteilung von Rederechten zwischen Lehrkräften und Schüler:innen analysiert. Danach wird das Thema Lehrerfragen beleuchtet, wobei die Qualität und Anzahl der Fragen sowie die Beziehung zwischen Frage und Antwort betrachtet werden. Schließlich widmet sich das Kapitel der dreischrittigen interaktionalen Sequenz, die ein typisches Muster in der Unterrichtskommunikation darstellt. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und offene Fragestellungen aufgezeigt.
Zusammengefasst untersucht die Arbeit, wie die Sprache der Lehrkräfte strukturiert ist, welche Funktion sie im Lernprozess hat und wie sie das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schüler:innen im Unterricht prägt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Institutionelle Rahmenbedingungen der Unterrichtskommunikation
3 Die Sprache von Lehrpersonen
3.1 Redeanteile von Lehrpersonen
3.2 Lehrerfragen
3.2.1 Klassifikation von Lehrerfragen
3.2.2 Quantität und Qualität von Lehrerfragen
3.3 Die dreischrittige interaktionale Sequenz der Unterrichtskommunikation
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur der Unterrichtskommunikation mit einem spezifischen Fokus auf das Sprachverhalten von Lehrpersonen. Ziel ist es, das Rollenverständnis in der Interaktion zwischen Lehrkräften und Lernenden zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern die Steuerung durch die Lehrperson Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler beeinflusst.
- Institutionelle Rahmenbedingungen schulischer Kommunikation
- Analyse der Redeanteile im Klassenzimmer
- Klassifikation und Qualität von Lehrerfragen
- Untersuchung der dreischrittigen interaktionalen Sequenz (I-R-E)
- Asymmetrien in der Lehrer-Schüler-Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.1 Redeanteile von Lehrpersonen
In zahlreichen Untersuchungen wurde der Redeanteil von Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern im Unterricht untersucht und gegenübergestellt. Tausch hat 1962 in zehn Unterrichtsstunden zehn verschiedene Lehrerinnen und Lehrer beobachtet, die in dritten und vierten Schulklassen unterrichtet haben. Im durchschnittlichen Verhältnis hat die Lehrkraft 59,5% aller Worte gesprochen, sodass sich die restlichen 40,5% der Worte auf die 30 Schülerinnen und Schüler verteilte. Es wurde beobachtet, dass je weniger die Lehrperson redete, desto größer wurde der Redeanteil der Kinder. Genauso wurde festgestellt, dass die Schülerinnen und Schüler bei steigendem Redeanteil der Lehrkraft weniger vollständige Sätze formulieren, sondern proportional vermehrt Einwortsätze äußern. In einer Nebenstudie mit 36 befragten Lehrpersonen hat Tausch zudem festgestellt, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihren Redeanteil in Worten in einer Unterrichtsstunde erheblich unterschätzen. Die Lehrkräfte gaben an, dass sie selber geschätzt 258 Worte in einer Unterrichtsstunde sprechen und die Schülerinnen und Schüler durchschnittlich 386 Worte sagen. Die empirischen Werte mit durchschnittlich 3123 gesprochenen Wörtern auf Seiten der Lehrerpersonen und im Schnitt 2179 von Schülerinnen und Schülern gesprochenen Wörtern weicht von dieser Schätzung stark ab (Kleinschmidt-Schinke, 2018, S. 156f.).
Weber untersuchte vergleichend das verbale Verhalten im Schulunterricht zweier Lehrergruppen mit unterschiedlich langer Berufspraxis. Lehrerinnen und Lehrer des Unterrichtsfaches Deutsch in der siebten, achten und neunten Jahrgangsstufe wurden beobachtet (Weber, 1972, S. 55). Es wurde festgestellt, dass Lehrpersonen mit mehr als 20 Jahren Berufspraxis mit 55% aller gesprochenen Worte einen höheren Redeanteil haben als jüngere Lehrkräfte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung mit nur 45% (ders., S. 88). Weber merkte jedoch an, dass möglicherweise nicht die Variable der Berufserfahrung für den Redeanteil entscheidend ist, sondern dass es sich vielmehr um zwei unterschiedliche Generationen von Lehrkräften mit unterschiedlichen Unterrichtsstilen handelt (ders., S. 59). Auch Bellack et al. stellten 1966 eine Dominanz der Lehreräußerungen im Unterricht fest. Als Vergleichsgröße wurde neben der Zahl der gesprochenen Zeilen im Transkript auch die Anzahl der Spielzüge erhoben. Die Untersuchung ergab, dass auf alle drei von der Lehrkraft gesprochenen Zeilen im Transkript nur eine Zeile der Schülerinnen und Schüler folgt. Zudem folgen auf drei lehrerseitige Spielzüge nur zwei auf Seiten der Kinder (Kleinschmidt-Schinke, 2018, S. 157f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unterrichtskommunikation als Forschungsgegenstand ein und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Institutionelle Rahmenbedingungen der Unterrichtskommunikation: Dieses Kapitel beschreibt die Schule als Institution, die durch ihre Rahmenbedingungen und die ungleiche Wissensverteilung eine spezifische, asymmetrische Gesprächsstruktur erzwingt.
3 Die Sprache von Lehrpersonen: Der Hauptteil analysiert die Ungleichverteilung der Redeanteile, die Funktion und Klassifikation von Lehrerfragen sowie das dominierende I-R-E-Interaktionsmuster.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die bestehenden Machtasymmetrien und diskutiert die Möglichkeiten zur Förderung einer aktiveren Schülerpartizipation.
Schlüsselwörter
Unterrichtskommunikation, Lehrersprache, Lehrerfragen, Redeanteile, Initiation-Reply-Evaluation, Interaktionsmuster, Rollenverteilung, Wissensvermittlung, Schulpflicht, kognitives Niveau, Unterrichtsdiskurs, Asymmetrie, Lernprozesse, Klassenzimmerkommunikation, Gesprächsdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Form der Kommunikation in schulischen Lehr-Lern-Situationen und den Einfluss der Lehrpersonen auf das Unterrichtsgeschehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die institutionellen Rahmenbedingungen der Schule sowie empirische Befunde zu Redeanteilen, Fragetechniken von Lehrkräften und gängigen Interaktionsmustern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Rollenverteilung im Unterricht zu untersuchen und aufzudecken, wie die durch die Lehrperson gesteuerte Kommunikation die Lernmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene empirische Studien und klassische Interaktionsmodelle aus der Erziehungswissenschaft und Linguistik zusammenträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden quantitativen Analysen zu Redeanteilen, die Klassifikation und Qualität von Lehrerfragen sowie das dreischrittige Interaktionsschema (Initiation-Reply-Evaluation) detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Lehrersprache, Lehrerfragen, I-R-E-Sequenz, institutionelle Kommunikation und Rollenasymmetrie.
Was bedeutet das I-R-E-Modell kurzgefasst?
Es handelt sich um ein dreischrittiges Muster bestehend aus Initiation durch die Lehrkraft, der Antwort (Reply) der Lernenden und der anschließenden Bewertung (Evaluation) durch die Lehrperson.
Wird im Unterricht eher offen oder geschlossen kommuniziert?
Die Literatur zeigt eine klare Tendenz zu geschlossenen Fragen und einer starken Lenkung des Unterrichtsgespräches durch die Lehrperson, was tiefergehende Denkprozesse bei Lernenden oft erschwert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Die Rolle der Lehrersprache in der Unterrichtskommunikation und ihr Einfluss auf Lernprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1504354