Wie sollte ein Unternehmen geführt werden und was kann zu Missmanagement führen? Welche Auswirkungen sind durch Fehlverhalten möglich und wie können diese folgenschweren Konsequenzen vermieden werden?
Diese und weitere Fragen stellen sich im wirtschaftlichen Umfeld regelmäßig. Vor allem durch das öffentliche Bekanntwerden von illegalen Unternehmenspraktiken werden Stimmen lauter, die eine umfassende Transparenz einerseits und andererseits eine massive Beschränkung unternehmerischer Handlungsspielräume fordern. Die Auswirkungen von einzelnen Entscheidungen von Führungsorganen wie Aufsichtsräten oder Managern betreffen in einer globalisierten Welt zunehmend mehr Anspruchsgruppen. Insbesondere der Klima- und Umweltschutz leidet zu oft unter den gewinnmaximierenden Bestrebungen einzelner Wirtschaftsakteure. Durch das dynamische Wettbewerbsumfeld in liberalen Märkten können sich Wechselbeziehungen zwischen Einzelnen vergrößern, verstärken und verschnellern. In von Schnelligkeit und Unübersichtlichkeit geprägten turbulenten Zeiten wird die Relevanz der Unternehmensethik zunehmend bedeutender.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgewählte Theoriegrundlagen zur Corporate Governance
2.1 Der Stewardship-Ansatz
2.2 Die Prinzipal-Agenten-Theorie
2.3 Gegenüberstellung der ausgewählten Theoriegrundlagen
2.4 Auswirkungen der Theorien auf die Gestaltung der Corporate Governance
3 Der VW Dieselgate Skandal als Praxisbeispiel für die ausgewählten Theoriegrundlagen
3.1 Hintergrund des Skandals
3.2 Erklärung des unternehmerischen Handelns anhand der ausgewählten Theoriegrundlagen
3.3 Handlungsempfehlungen zur Skandalvermeidung oder -verminderung
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance, speziell den Stewardship-Ansatz und die Prinzipal-Agenten-Theorie, und wendet diese Erkenntnisse auf den VW-Dieselgate-Skandal an, um Erklärungsmodelle für das unternehmerische Fehlverhalten zu liefern und Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten.
- Vergleichende Analyse des Stewardship-Ansatzes und der Prinzipal-Agenten-Theorie
- Einfluss der Theorien auf die Gestaltung von Corporate-Governance-Strukturen
- Analyse des VW-Dieselgate-Skandals als praktisches Beispiel für Agency-Probleme
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Missmanagement
Auszug aus dem Buch
3.2 Erklärung des unternehmerischen Handelns anhand der ausgewählten Theoriegrundlagen
Da die Manipulation der Abgasemissionen systematisch durchgeführt wurde, liegen bewusste unternehmerische Handlungen zugrunde. Wir werden nun die wichtigsten Einflussfaktoren auf das unternehmerische Handeln umreißen und vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen zur Corporate Governance beleuchten.
Ausgangslage für den Skandal war der Wettbewerbsdruck, dem sich der VW-Konzern gegenübergestellt sah (WirtschaftsWoche, 2015a). Insbesondere in den USA befand sich Volkswagen in einem Spannungsfeld. Unbefriedigende Verkaufszahlen, die Skepsis der Amerikaner gegenüber Dieselautos und die dort strengeren Vorschriften bzgl. der Abgaswerte erschwerten ein attraktives Geschäft für den VW-Konzern. Die Unternehmensführung hatte folglich Schwierigkeiten die Erwartungen der Eigentümer zu erfüllen.
Durch die Täuschung bei den Abgasuntersuchungen konnte der VW-Konzern eben jene Kosten einsparen, die angefallen wären, um für die Kunden attraktive Fahrzeuge anzubieten, deren Abgaswerte innerhalb der Vorgaben geblieben wären. Gleichzeitig warb Volkswagen explizit mit dem Clean Diesel-Versprechen und versuchte auf diese Art seine Absätze zu steigern. Eine Unternehmenskultur, in der derartige Verfehlungen lange Zeit möglich und gedeckt waren, wirft Fragen an die zugrundeliegenden Unternehmenswerte auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Unternehmensethik und Corporate Governance im Kontext illegaler Praktiken und definiert das Ziel der Arbeit, Theorien zur Unternehmensführung anhand eines Praxisbeispiels zu analysieren.
2 Ausgewählte Theoriegrundlagen zur Corporate Governance: Dieses Kapitel erläutert den Stewardship-Ansatz sowie die Prinzipal-Agenten-Theorie und stellt deren unterschiedliche Menschenbilder und Fokusbereiche einander gegenüber.
2.1 Der Stewardship-Ansatz: Beschreibt ein treuhänderisches Modell, bei dem Manager intrinsisch motiviert im Sinne der Eigentümer handeln und von Vertrauen geprägt sind.
2.2 Die Prinzipal-Agenten-Theorie: Analysiert die Problematik ungleich verteilter Informationen und opportunistischen Verhaltens in der Beziehung zwischen Prinzipal und Agent.
2.3 Gegenüberstellung der ausgewählten Theoriegrundlagen: Fasst die Unterschiede in Menschenbild, Fokus und Lösungsstrategien der beiden Konzepte zusammen.
2.4 Auswirkungen der Theorien auf die Gestaltung der Corporate Governance: Zeigt auf, wie die theoretischen Erkenntnisse in Kontrollmechanismen, Anreizsysteme und Signaling-Prozesse übersetzt werden können.
3 Der VW Dieselgate Skandal als Praxisbeispiel für die ausgewählten Theoriegrundlagen: Untersucht den Dieselskandal von 2015 als konkreten Anwendungsfall für die behandelten Theorien.
3.1 Hintergrund des Skandals: Umreißt die zeitliche Entwicklung und das Ausmaß der systematischen Abgasmanipulationen bei Volkswagen.
3.2 Erklärung des unternehmerischen Handelns anhand der ausgewählten Theoriegrundlagen: Analysiert das Fehlverhalten bei Volkswagen durch das Prisma von Informationsasymmetrien und Agency-Problemen.
3.3 Handlungsempfehlungen zur Skandalvermeidung oder -verminderung: Leitet präventive Maßnahmen und kulturelle Anpassungen ab, um zukünftige Skandale basierend auf den Modellen zu verhindern.
4 Resümee: Führt die Argumentationslinien zusammen und betont die Notwendigkeit einer werteorientierten und zugleich kontrollbewussten Corporate Governance.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Stewardship-Ansatz, Prinzipal-Agenten-Theorie, VW-Skandal, Dieselgate, Unternehmensethik, Informationsasymmetrie, Agency-Probleme, Risikomanagement, Unternehmenskultur, Compliance, Unternehmensführung, Stakeholder, Shareholder, Kontrollmechanismen
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance und nutzt zwei gegensätzliche Modelle (Stewardship-Ansatz und Prinzipal-Agenten-Theorie), um unternehmerisches Handeln und insbesondere Fehlverhalten zu erklären.
Welche zwei Theorien bilden das Rückgrat der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Stewardship-Ansatz (positives Menschenbild, vertrauensbasiert) und die Prinzipal-Agenten-Theorie (negatives Menschenbild, kontrollbasiert).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie unterschiedliche theoretische Betrachtungsweisen der Unternehmensführung dazu beitragen können, unternehmerisches Handeln – am Beispiel des VW-Dieselgate-Skandals – zu verstehen und wie daraus bessere Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung in Verbindung mit einer Fallstudienanalyse, bei der das praktische Beispiel des VW-Skandals anhand theoretischer Konzepte interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die Gegenüberstellung der Theorien, die Herleitung von Konsequenzen für die Corporate-Governance-Gestaltung sowie die Anwendung auf den VW-Skandal inklusive konkreter Handlungsempfehlungen.
Welche theoretischen Begriffe charakterisieren die vorliegende Publikation?
Zentrale Begriffe sind Informationsasymmetrie, Opportunismus, Agency-Kosten, vertrauensbasierte Führung, Compliance und die Interaktion zwischen Prinzipal (Eigentümer) und Agent (Manager).
Warum wird gerade der VW-Skandal als Praxisbeispiel gewählt?
Der VW-Skandal dient als eindrückliches Beispiel für systematisches Fehlverhalten ("Moral Hazard"), bei dem die Interessen von Management und Eigentümern bzw. Gesellschaft massiv divergierten, was die theoretischen Erklärungsmodelle besonders gut illustriert.
Inwiefern hätte der Stewardship-Ansatz den Skandal verhindern können?
Hätte eine Unternehmenskultur auf Basis des Stewardship-Ansatzes existiert, wäre eine offene Kommunikation und Integrität vorhanden gewesen, statt Verfehlungen durch ein opportunistisches Streben nach kurzfristigen Gewinnen zu decken.
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- Daniel Brocke (Autor), 2023, Theorien der Corporate Governance, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1506999