Stahlrohrmöbel am Bauhaus

Die gescheiterte Möbelrevolution und eine Untersuchung ihrer Nachhaltigkeitsinhalte


Hausarbeit, 2009

8 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

vorwort

das bauhaus
chronik
entwicklungsphasen
typisierung

die stahlrohrmöbel
marcel breuer
revolution
klubsessel
freischwinger
nachhaltigkeit
akzeptanz
fehleranalyse
schlussfolgerung
literatur und bildnachweis

vorwort

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Bauhaus gilt heute als Inbe- griff, Initiator und Wegbereiter der Moderne.

Eher unbekannt ist die Tatsache, dass das Bauhaus nicht immer als ein solch wichtiger Punkt in der Designge- schichte gesehen wurde. Gerade in seinen Wirkzeiten sah sich das Bau- haus oftmals der Kritik ausgesetzt, dass es zu modern und zu fern von aktuellen Bedürfnissen gestalte.

Dass sich am Bauhaus aber nicht nur das moderne Design kristal- lisierte, sondern auch viel tiefere, sozial-utopische Vorstellungen vom neuen Wohnen, der Neugestaltung und der Schaffung von Lebensraum der Ursprung vieler gestalterischer Ergebnisse waren, wird sogar in aktu- ellen Betrachtungen immer wieder missachtet.

Gerade die Stahlrohrmöbel, welche entstanden und produziert in den 20er Jahren, sich ihrerzeit nicht eta- blieren konnten, in den 80er Jahren aber zum Inbegriff einer modernen Raumausstattung avancierten, waren das Ergebnis eines menschenfreund- lichen, nachhaltigen Gedankenguts.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich zunachst einen kleinen Überblick über das grofie Thema »Bauhaus« schaffen, darüber hinaus speziell auf die Thematik der Stahlrohrmö- bel eingehen und diese schliefilich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit untersuchen.

das bauhaus

chronik

Es folgt eine grobe Übersicht über die bedeutsamsten und für diese Arbeit wichtigsten Stationen in der Geschichte des Bauhaus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1917 - Die »Grofiherzogliche Hoch- schule« für bildende Kunst und die »Grofiherzogliche Kunstgewerbe- schule« werden zusammengelegt und in »staatliches Bauhaus in Weimar« umbenannt.

Walter Gropius wird als Leiter dieser Einrichtung bestatigt und veröffent- licht im April sein Bauhaus-Manifest.

1925 - Im Frühjahr erkennt Marcel Breuer den Fahrradlenker als Material und Grundlage für sein erstes Stahl- rohrmöbelstück überhaupt.

Diesem Stahlrohrsessel folgen viele weitere Möbelarten.1

1928 - Aufgrund internen Drucks tritt Gropius als Leiter zurück und verlasst das Bauhaus. Ihm folgen Bayer, Breuer und Moholy-Nagy.

1932 - Das Bauhaus in Dessau wird vom Stadtrat aufgrund der Stimmen- beteiligung der NSDAP geschlossen und zieht nach Berlin um.

1933 - Da der aktuelle Direktor Mies van der Rohe nicht auf Bedingungen der Gestapo eingehen will, löst er mit Zustimmung seiner Kollegen das Bau­haus auf.[2]

entwicklungsphasen

Die gesamte Geschichte des Bauhaus lasst sich in fünf grofie Phasen unter- teilen, die folgend als Übersicht auf- geführt sind und die chronologische und thematische Einordnung der fol- genden Inhalte ermöglichen.

Besondere Bedeutung geniefit daher die dritte Phase, da in dieser - mafi- geblich unter Wirkung Marcel Breuers - die Stahlrohrmöbel entstehen.

Expressive, individualistische Phase 1919-1922

In dieser Phase wurde das Bauhaus weniger als kollektives Gesamtkon- zept, denn als lose Ansammlung von individuell unterschiedlichen Unter- richtsmethoden und -inhalten (je nach Meister und Werkstatt) wahr- genommen.

Gropius nutzte allerdings die Verbin- dung von unterschiedlichen Diszip- linen und Methoden um als Ganzes betrachtet ein gemeinsames Gesamt- kunstwerk als zu erschaffen.

Formale, konstruktivistische Phase 1922-1923

Die Grundlagen künstlerischer Gestal- tung wurden Lehrinhalte am Bauhaus und wirkten sich dadurch auch auf die Werkstatten aus. Hier wurde sich nun auf Grundformen und -farben besonnen und für einen gemeinsa- men Gestaltungskanon gekampft. Die Befreiung vom emotionalen und individuellen Design hin zum immanenten Wesen der Dinge wurde für viele Bauhausler ein wichtiger Abschnitt ihres Studiums.

Auch wurde in dieser Phase die Typi- sierung durch Walter Gropius einge- führt.

Funktionale, industrielle Phase 1923-1927

Diese Phase wurde mafigeblich von Marcel Breuer und seinen Stahlrohr- möbeln beeinflusst. Eine Neubesin- nung auf eine Gestaltung die aus dem Wesen einer Sache heraus entspringt und mit aktuellen Möglichkeiten umgesetzt werden soll.

Die Reduktion auf das Wesentliche und Nötige wurde neben Breuer auch von Mies van der Rohe und Oskar Schlemmer angetrieben.

Es entstanden Strömungen hin zu einer industriell ausgerichteten Designform als auch zu utopischen Vorstellungen von Stadtebau und Umweltgestaltung. Rückblickend muss gesagt werden, dass sich die Realisierung dieser Utopien dem Nutzen der industriellen Fertigung unterordnen musste.

Analytische, materialistische Phase 1927-1930

In dieser vierten Phase ist ein grofier Umschwung im Bauhaus erkennbar. Die Technisierung und Funktionali- sierung verdrangten zunehmend die bildenden Künste.

Der Bedarf der Allgemeinheit wurde wichtiger, als der Bedarf an Luxusgü- tern. Hannes Meyer als neuer Direktor des Bauhaus rückte die wissenschaft- liche Funktionsanalyse, welche die Anforderung der Benutzung und die Bedürfnisse der Benutzer untersuchen sollte, in den Vordergrund.

Handwerklich-materialbezogene Architektur 1930-1933

In dieser letzten Phase wurde das Bauhaus in seiner Prasenz nüchterner und ruhiger. Der Gesamtetat wurde ein weiteres mal gekürzt und mit ihm die Gesamtstudiumsdauer.

Eine starkere Fokussierung auf die Bauklassen und Bauprojekte fand statt.3

typisierung

Im Jahre 1922 stellte Gropius mehrere Forderungen an seine Werkstatten im Bauhaus auf. Dies galt als »Typi- sierung« der Erzeugnisse. So war es fortan erforderlich, dass jedes Produkt nur aus wenigen Bauteilen hergestellt werden und die Entwicklung von Vari­anten dieses Produktes prinzipiell möglich sein sollte.

Die Bezeichnung als »Typ« war inso- fern wichtig, als dass ein »Typ-Objekt« so beschaffen sein sollte, dass es für alle, an es gestellten Ansprüche aus- reichend sein musste. Eine Folge der Typisierung war, dass ein Typ-Objekt durch seine Konzeption für alle ver- fügbar und für alle nötigen Zwecke nutzbar war.

Dies entsprach Gropius Anspruch auf synthetisierendes Design - also ein Design, das Gegensatze zu ver­binden versuchte. In dem Falle der Typ-Objekte waren dies hier wirt- schaftliche und asthetische Aspekte. Unter anderem durch diese Vorgaben wurde das Wort »Funktionalismus« ab 1924 unlösbar mit dem Bauhaus in Verbindung gebracht. Dieses Wort war die Versinnbildlichung einer Kombi- nation aus Form, Material und Zweck.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nicht vielen Entwürfen gelang dieser Spagat. Diejenigen Gegenstande, die dies jedoch erfüllten, wurden zu teuren Kultobjekten, welche auch heute noch den Status von Design- Ikonen geniefien. Als Beispiel sei hier die von Wilhelm Wagenfeld und Karl Jacob Jucker entworfene Tischlampe und der Lattenstuhl von Marcel Breuer genannt.

In diesem Kontext bildete sich unter Gropius eine sogenannte Bauhausas- thetik, bei welcher der Formwille fast immer starker war, als die gerechte Verarbeitung des Materials, es kam zu einer Überhöhung der geometri- sierten Asthetik.

Diese stand in damals aktuellen Zeit­geist in diametralem Kontrast zu den organisch wirkenden Designs des Jugendstils.[4]

die stahlrohrmöbel

marcel breuer

In der folgenden Biografie werden ausschliefilich themenrelevante und personenrelevant wichtige Stationen aufgeführt.[5]

Marcel (Lajos) Breuer

*1904 in Pécs (Ungarn)

1920-1925 Student am Bauhaus

1925-1926 Meister und Werkstattleiter der Tischlerei am Bauhaus (Dessau); Entwicklung seiner Stahlrohrmöbel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

revolution

Bevor es die Bauhausmöbel und Bau- haushauser gab, war das Wohnen subjektiv hauslich und gemütlich. Die Designlandschaft war gezeichnet vom verspielt-dekorativen und orga- nischen Jugendstil.

Im Frühjahr 1925 sollte Marcel Breuer dieses Wohnbild revolutionieren. Über seinen, von der »de-Stijl«-Bewe- gung beeinflussten Lattenstuhl aus 1921, gelang er bei der Betrachtung eines Fahrradlenkers als Arbeitsma- terial zur Idee zu seinen Stahlrohrmö- beln. Breuer schreibt dazu:

Ein Stuhl soll z.B. nicht hori- zontal-vertikal sein, auch nicht expressionistisch, auch nicht kon- struktivistisch, auch nicht rein auf ZweckmaÊigkeit hin gearbei- tet sein, auch nicht zu dem Tisch >passen<, sondern er soll ein guter Stuhl sein, und dann pa&t er auch zum guten Tisch.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Breuer beschrieb also den Umstand, dass ein Objekt eine bestimmte, ihm allein durch seinen Zweck und Nutzen anhaftende nötige Gestalt und Asthetik besitzen würde, die es zu finden galt.

Ein unter diesen Umstanden kon- struierter Gegenstand, ware aus sich heraus ein »guter« Gegenstand und würde als solches automatisch und ohne weitere Notwendigkeit von zusatzlicher Formgebung und Schmuckelementen zu anderen »guten« Gegenstanden passen.

Man könnte es als eine Reduzierung auf den kleinsten gemeinsamen, nötigsten Nutzen-Nenner eines Erzeugnisses definieren. Jedes weitere Gestalten, das über den eigentlichen Zweck und Nutzen hinaus ginge, ware überflüssig.

Aufgrund dieser Überlegung stellte Marcel Breuer gewisse Anforderun- gen an seine neuen Möbel. Diese sollten ...

- genormte Formelemente besitzen, sodass gleiche Materialien und Teile bei verschiedenen Möbel- sorten verwendbar waren.
- in zweidimensionale Teile zerleg- bar sein.
- die betriebstechnischen und fabrikatorischen Forderungen berücksichtigen.
- und zu einem, von der breiten Masse bezahlbaren Preis verfüg- bar sein.7

Diese Ansprüche spiegelten Breu- ers Engagement wieder, dem neuen Wohnen eine soziale Grundlage zu schaffen. Diese erzeugt, ganz im Sinne seiner Ideologie, eine durch ihre Nutzen definierte Asthetik aus Material und Form, welche damals als (teilweise zu sehr) innovativ und modern empfunden wurde.

klubsessel

1925 fertigte Marcel Breuer den ersten und heute noch legendaren »Klubses- sel B3«, zwei Jahre spater die zusam- menklappbare und in seiner Intention

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Herzogenrath, Bauhaus Utopien, S. 24

[2] Herzogenrath, Bauhaus Utopien, S. 13-15

[3] Herzogenrath, Bauhaus Utopien, S. 19–27

[4] M. Droste, Bauhaus, S. 36-39

[5] Herzogenrath, Bauhaus Utopien, S. 328

[6] Herzogenrath, Bauhaus Utopien, S. 24

[7] Kraus, Bauhaus Utopien, S. 141

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Stahlrohrmöbel am Bauhaus
Untertitel
Die gescheiterte Möbelrevolution und eine Untersuchung ihrer Nachhaltigkeitsinhalte
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
1,4
Autor
Jahr
2009
Seiten
8
Katalognummer
V150844
ISBN (eBook)
9783640622337
ISBN (Buch)
9783640622726
Dateigröße
3682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bauhaus, nachhaltigkeit, stahlrohrmöbel, stahlrohr, möbel, freischwinger, marcel breuer, ecosign, moderne, klubsessel, clubsessel
Arbeit zitieren
Manuel Kniepe (Autor), 2009, Stahlrohrmöbel am Bauhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150844

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