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Nutzen und Grenzen von Rortys Gerechtigkeitsbegriff in "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität"

Title: Nutzen und Grenzen von Rortys Gerechtigkeitsbegriff in "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität"

Term Paper , 2022 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: 1. Staatsexamen Sofia Zafiridou (Author)

Philosophy - Philosophy of the present
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Summary Excerpt Details

Das Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, den rortianischen Begriff der Gerechtigkeit in dem Essay "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität" (1997) in seiner Herleitung zu rekonstruieren, zu spezifizieren und zu diskutieren – unter Berücksichtigung von Rortys philosophischer Position hinsichtlich der Frage nach Nutzen und Grenzen des Begriffs. Dazu soll vor allem das fünf Jahre zuvor von ihm erschienene Buch Kontingenz Ironie und Solidarität (1992) vergleichend hinzugezogen werden. Hierzu werden zunächst die unterschiedlichen Aspekte der Ausweitung von Solidarität in KIS und GEL angeführt. Es soll gezeigt werden, wie Rorty in den beiden Schriften an unterschiedlichen Stellen ansetzt, um den moralischen Fortschritt in Richtung mehr Solidarität als Tätigkeit zu entwerfen. Anschließend werden seine Herleitungsschritte in GEL genauer untersucht. Da Rorty seine Lesart von unterschiedlichen Autor*innen vorstellt, um zu seiner Neubeschreibung von Gerechtigkeit zu gelangen, wird sich unter anderem der Konzepte der dichten und dünnen Moral von Walzer, der Unterscheidung in Gerechtigkeitsbegriff und Gerechtigkeitskonzeptionen von Rawls und der Moral als Gefühl des Vertrauens von Baier gewidmet, um seine Argumentation nachzuvollziehen. Daraufhin soll eine Analyse des von Rorty (in Anlehnung an Habermas) beschriebenen überlappenden Konsenses folgen und die unterschiedlichen Arten, mit welchen Rorty von Rationalität spricht, herausgestellt werden. Das dient als Basis für eine präzisere Untersuchung des von Rorty entwickelten Gerechtigkeitsbegriffs. Unter Berücksichtigung von Rortys philosophischer Haltung, wird anschließend der von ihm behauptete Nutzen seiner pragmatischen Neubeschreibung expliziert und seine eigene Rolle als möglicher Kulturheld hinterfragt. Für die Untersuchung von möglichen Grenzen wird einerseits auf den von ihm beschriebenen Verlust sozialer Hoffnung eingegangen. Andererseits soll die Rolle des von ihm vertretenen Ethnozentrismus für die Ausweitung des Wirs über den Westen hinaus analysiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ausweitung des „Wirs": Von der Kultivierung des Mitgefühls in Kontingenz Ironie und Solidarität zum überlappenden Konsens in Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität

3. Rekonstruktion von Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität

3.1 Das moralische Dilemma als Dilemma zwischen zwei Loyalitäten

3.2 Walzer und Rawls: von dichten Konzeptionen zum dünnen Begriff der Gerechtigkeit

3.2.1 Walzer: Von dicht zu dünn

3.2.2 Rawls: Konzeptionen und Begriff der Gerechtigkeit

3.2.3 Rationalität

4. Nutzen und Grenzen

4.1 Tätigkeit des Ausdünnungsprozesses: mit etwas Glück überlappt sich der Konsens

4.2 Gerechtigkeit als Tätigkeit – Die Wirkmacht von Rortys pragmatischer Philosophie

4.3 Globale Gerechtigkeit – Ethnozentrismus und Überredung

4.3.1 Der offen vertretene Ethnozentrismus

4.3.2 Der „Wir-Zentrismus" und die Ausweitung von klein zu groß

4.3.3 Die Überredung des Nicht-Westens – Die Grenze von Rortys utopischer Wirkmacht?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch, inwieweit Richard Rortys neubeschriebener Begriff der "Gerechtigkeit als erweiterter Loyalität" im globalen Kontext und in der Auseinandersetzung mit nicht-westlichen Gesellschaften tragfähig ist. Dabei wird analysiert, ob sein pragmatischer Ansatz tatsächlich einen Fortschritt zu einer gerechteren Welt ermöglicht oder an den Grenzen seines eigenen Ethnozentrismus scheitert.

  • Rekonstruktion des rortyschen Gerechtigkeitsbegriffs
  • Vergleich von Rortys, Walzers und Rawls' Konzeptionen
  • Die Rolle der "Tätigkeit" und des "überlappenden Konsenses"
  • Kritische Reflexion von Rortys Ethnozentrismus
  • Utopische Ambitionen vs. reale politische Wirkmacht

Auszug aus dem Buch

3.1 Das moralische Dilemma als Dilemma zwischen zwei Loyalitäten

Für seine Neubeschreibung des Gerechtigkeitsbegriffs geht Rorty in GEL von einigen Gedankenexperimenten aus, die unterschiedliche moralische Dilemmata wiedergeben. So schreibt er zum Beispiel, dass die meisten Eltern bereit wären, ihrem Kind ein Alibi zu verschaffen, wenn es ein Verbrechen begangen hätte, wobei sie einen Meineid in Kauf nehmen würden (vgl. Rorty 2001, S. 79). Käme es infolgedessen jedoch zu einer Verurteilung einer unschuldigen Person, könnte dies einen inneren Konflikt hervorrufen, bei dem sich – aus herkömmlicher Sicht – die empfundene Loyalität zum Familienmitglied und das Gerechtigkeitsempfinden innerlich widerstreitend gegenüberstünden. Durch Rorty weist darauf hin, dass ein solcher Konflikt nur in dem Ausmaß empfunden werden würde, in welchem sich die Eltern mit der verurteilten Person identifizieren könnten (vgl. ebd.). Die zentrale Frage ist in diesem Fall somit, ob die Eltern diese „eine von uns“ wahrnehmen, oder genauer: Wenn sie die verurteilte Person als „eine*r von uns“ betrachten, ordnen sie sie einem „uns“ zu, das sehr eng und nah definiert wird, oder einem, das eine sehr große Gruppe beschreibt? Daraus folgert Rorty, dass sich ein moralisches Dilemma auch als „Konflikt zwischen widerstreitenden Loyalitäten“ beschreiben lässt. In diesem Fall wäre es ein Konflikt „[...] zwischen der Loyalität zu unserer Familie einerseits und der zu einer Gruppe andererseits, die groß genug ist, um das Opfer [ihres] Meineids mit einzuschließen“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Nutzbarkeit von Rortys Gerechtigkeitsbegriff und methodisches Vorgehen.

2. Die Ausweitung des „Wirs": Von der Kultivierung des Mitgefühls in Kontingenz Ironie und Solidarität zum überlappenden Konsens in Gerechtigkeit als erweiterter Loyalität: Analyse der Entwicklung von Rortys Solidaritätsgedanken von 1992 bis 1997.

3. Rekonstruktion von Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität: Darstellung der theoretischen Fundierung durch Gedankenexperimente und Kontrastierung mit Walzer und Rawls.

4. Nutzen und Grenzen: Reflexion über die pragmatische Umsetzbarkeit und die ethnozentrischen Tendenzen in Rortys Philosophie.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Grenzen von Rortys Hoffnung und seiner utopischen Neubeschreibung.

Schlüsselwörter

Richard Rorty, Gerechtigkeit, erweiterte Loyalität, Solidarität, Pragmatismus, Ethnozentrismus, überlappender Konsens, Liberalismus, Kontingenz, Wir-Gruppe, politische Philosophie, Rationalität, universelle Geltung, moralisches Dilemma, soziale Hoffnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch Rortys pragmatische Neubeschreibung des Gerechtigkeitsbegriffs als "erweiterte Loyalität" und prüft deren Reichweite.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die Ausweitung des Gerechtigkeitssinns, die Abgrenzung von universalistischen Vernunftkonzepten und das Spannungsfeld zwischen Ethnozentrismus und globalem Konsens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob Rortys Modell des ethnozentrischen, aber pragmatischen Vorgehens tatsächlich Räume für eine globale Verständigung schafft oder ob es in politische Sackgassen führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Rekonstruktion und kritische Diskursanalyse ausgewählter Primärtexte (insbesondere "Kontingenz, Ironie und Solidarität" sowie "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität").

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Rekonstruktion der Konzepte von Walzer und Rawls im Lichte von Rortys Pragmatismus sowie mit der praktischen Anwendung seines Modells auf globale Konflikte mit dem Nicht-Westen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die wichtigsten Schlagworte sind Rorty, Gerechtigkeit, Loyalität, Pragmatismus, Ethnozentrismus und soziale Hoffnung.

Wie unterscheidet Rorty laut dieser Arbeit zwischen dichtem und dünnem Gerechtigkeitsbegriff?

Rorty übernimmt Walzers Begriffe: "dicht" steht für eine kulturell eingebettete Moral innerhalb einer Gruppe, während "dünn" abstrakt und für eine breitere Verständigung gedacht ist.

Welche Rolle spielt die "Tätigkeit" in Rortys Gerechtigkeitsmodell?

Gerechtigkeit ist bei Rorty kein starres Ziel oder ein universeller Maßstab, sondern ein kontinuierlicher, prozesshafter Handlungsstrang zur Erweiterung des Wir-Gefühls.

Was schließt die Arbeit über Rortys Ethnozentrismus?

Die Arbeit stellt fest, dass Rortys Eingeständnis eines liberalen Ethnozentrismus zwar ehrlich ist, aber die Gefahr birgt, den interkulturellen Dialog asymmetrisch zu gestalten und den westlichen Blick als maßgebend zu setzen.

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Details

Title
Nutzen und Grenzen von Rortys Gerechtigkeitsbegriff in "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität"
College
Martin Luther University  (Philosophie)
Course
Aufbaumodul Praktische Philosophie: Systematik
Grade
1,0
Author
1. Staatsexamen Sofia Zafiridou (Author)
Publication Year
2022
Pages
31
Catalog Number
V1508473
ISBN (PDF)
9783389074985
ISBN (Book)
9783389074992
Language
German
Tags
Rorty Gerechtigkeit Loyalität Kontingenz Ironie und Solidarität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
1. Staatsexamen Sofia Zafiridou (Author), 2022, Nutzen und Grenzen von Rortys Gerechtigkeitsbegriff in "Gerechtigkeit als erweiterte Loyalität", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1508473
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