Ethik und Recht im Gesundheitswesen


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsdefinition
1.2 Epidemiologie und Pravalenz in Deutschland
1.3 Ursachen der Adipositas
1.3.1 Genetische Faktoren
1.3.2 Soziale Faktoren
1.3.3 Umweltfaktoren
1.3.4 Psychische Faktoren

2. Therapie und Pravention
2.1 Therapie- und Behandlungsmoglichkeiten
2.2 Pravention

3. Folgen der Adipositas
3.1 Begleit- und Folgeerkrankungen
3.2 Okonomische Folgen

4. Adipositaspravention und Ethik

5. Fazit

Literaturverzecihnis

Einleitung

Die Adipositas nimmt weltweit in ihrer Haufigkeit dramatisch zu und stellt die Medizin und das Gesundheitssystem auch in Deutschland vor neue Herausforderungen. Da Adipositas als Risikofaktor fur eine Vielzahl von Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus-Typ 2 oder Bluthochdruck verantwortlich ist, wird sie als ein neues Public-Health-Problem eingestuft.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, eine Handlungsempfehlung unter besonderer Berucksichtigung der durch mogliche Folgeerkrankungen verursachten Kosten zu erstellen. Zunachst erfolgt im ersten Kapitel eine Begriffsdefinition der Adipositas, ein Uberblick uber die aktuelle epide- miologische Lage weltweit und uber die Pravalenz in Deutschland. Das Ende dieses Kapitels bilden die Ursachen der Fettleibigkeit. Das Kapitel 2 beschreibt Therapie- und Behandlungs- moglichkeiten und mogliche Ansatze der Pravention. Die medizinischen und okonomischen Folgen der Adipositas werden im dritten Kapitel aufgezeigt. Zum Abschluss dieser Arbeit wird die Adipositaspravention unter ethischen Gesichtspunkten reflektiert.

1 Begriffsdefinition

Unter den Bezeichnungen Fettsucht oder Fettleibigkeit versteht man im Allgemeinen die Adipositas. Hierbei kommt es zu einem Missverhaltnis zwischen aufgenommener und ver- brauchter Energie, welches zu einem erhohten Korpergewicht in Relation zur KOrpergrofie fuhrt (Health Technology Assessment 2009, S. 12). Bei Ubergewicht, also die Vermehrung des KOrperfettanteils uber den Normwert in Folge eines erhohten KOrpergewichts, handelt es sich zunachst noch nicht um eine Krankheit. Erst wenn ein bestimmtes Mafi uberschritten wird, redet man von Adipositas und es wird als Krankheit bezeichnet. (Robert-Koch-Institut 2005, S. 7). Laut der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) liegt eine Adipositas vor, wenn der KOrperfettanteil an der Gesamtkorpermasse pathologisch er- hoht ist (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter 2009, S. 15). Fur die Bestimmung von Adipositas wird nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Erwachsenen der Body Mass Index (BMI = Korpergewicht / KOrpergrofie2 kg/m2) verwendet. Demnach leidet eine Person mit einem BMI von 25,0-29,9 (kg/m2) an Uberge­wicht und ab einem Wert von 30,0 (kg/m2) ist sie adipos (Health Technology Assessment 2009, S. 12). Die nachfolgende Klassifizierungstabelle der WHO wird zur Bestimmung des Ausmafies des Ubergewichts bzw. der Adipositas herangezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Robert-Koch-Institut 2005, S. 8

Fur Kinder und Jugendliche kann nach den Empfehlungen sowohl der Childhood Group der International Obesity Task Force (IOTF) als auch von der European Childhood Obesity Group (ECOG), ebenfalls der Body Mass Index (BMI) zur Bestimmung von Ubergewicht und Adipositas angewandt werden. Allerdings wird der BMI im Kindes- und Jugendalter entspre- chend den physiologischen Anderungen der prozentualen Korperfettmasse von deutlichen alters- und geschlechtsspezifischen Besonderheiten beeinflusst. Von daher muss bei seiner Beurteilung das jeweilige Alter und Geschlecht einbezogen werden (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter 2009, S. 15). Anhand bevolkerungsspezifischer Refe- renzwerte in Form von alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen (prozentuale Anteile der Altersgruppe mit einem BMI unterhalb des entsprechenden Wertes) konnen die individu- ellen BMI-Werte fur das Kindes- und Jugendalter eingeschatzt werden (Robert-Koch-Institut 2005, S. 8). Derartige BMI-Perzentile wurden fur Kinder und Jugendliche erstellt und deren Benutzung zur Feststellung von Ubergewicht und Adipositas empfohlen. Das 90. Perzentil o. g. Referenzwerte gilt als Grenzwert zur Definition von Ubergewicht und ab dem 97. Perzentil liegt eine Adipositas vor (Health Technology Assessment 2009, S. 12).

1.2 Epidemiologie und Pravalenz in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht aufgrund der weltweit steigenden Zahlen von Ubergewicht und Adipositas in allen Altersklassen schon von einer Adipositasepidemie. In Zahlen ausgedruckt bedeutet das, im Jahr 2005 waren weltweit bereits 1,6 Milliarden Men- schen uber 15 Jahre ubergewichtig und mehr als 400 Millionen galten als adipos. Laut Schat- zungen der WHO zu Folge werden im Jahr 2015 etwa 700 Millionen Menschen an Adipositas leiden. Europa hat, wie der Weltgesundheitsbericht von 2002 verdeutlicht, mit knapp 26,5 kg/m2 einen der hochsten durchschnittlichen BMI-Werte unter den Regionen der WHO (Health Technology Assessment 2009, S. 14). Bei Datenerhebungen der WHO aus den Jahren 2001-2007 lag die Pravalenzrate von Ubergewicht bei Mannern zwischen 32 % und 79 % und bei Frauen zwischen 28 % und 78 %. Bei der Adipositas wurde eine Pravalenzrate von 5-23 % bei Mannern und 7-36 % bei Frauen festgestellt (Weltgesundheitsorganisation 2007, S. 2).

Auch in der deutschen erwachsenen Bevolkerung ist Ubergewicht weit verbreitet. Lediglich ein Drittel der mannlichen Bevolkerung gilt als normalgewichtig. Bei Frauen ist es etwas we- niger als die Halfte. Etwa 20 % der Bevolkerung sind als adipos zu bezeichnen und uber die Halite sind ubergewichtig. Ubergewicht ist bei Mannern in allen Altersklassen starker vertre- ten als bei Frauen (Robert-Koch-Institut 2005, S. 9). Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Pravalenz fur Ubergewicht und Adipositas einen Platz im Mittelfeld, mit steigender Tendenz. Dementsprechend stieg die Pravalenz der Adipositas zwischen 1985 und 2002 bei Mannern von 16,2 % auf 22,5 % und bei Frauen von 16,8 % auf 23,5 % an. Ahnlich sieht die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen aus. Unter den Zwei- bis Funfjahrigen stieg die Pravalenz von Ubergewicht von 5 % auf 13,9 % an und bei den Sechs- bis Elfjahri- gen sogar auf 18,8 % (Health Technology Assessment 2009, S. 15). Nach den Ergebnissen der ersten KIGGS-Studie[1] (2003-2006) sind insgesamt 15 % der Kinder und Jugendlichen von 3-17 Jahren ubergewichtig und 6,3 % leiden an Adipositas. Bei den Drei- Sechsjahrigen sind 9 % ubergewichtig und 2,9 % bereits adipos. 15 % der 7 bis 10-Jahrigen haben Ubergewicht und bei 6,4 % dieser Altersklasse besteht eine Adipositas. Noch kritischer sieht die Entwick­lung bei den Jugendlichen (14-17 Jahre) in Deutschland aus. Hier hat sich der Anteil uberge- wichtiger Jugendlicher mit 17 % fast verdoppelt. Der Anteil adiposer Jugendlicher hat sich verdreifacht (8,5 %). Vergleicht man die Referenzwerte aus den Jahren 1985 bis 1990 mit den Ergebnissen der KIGGS-Studie, so hat sich die Anzahl der ubergewichtigen Kinder und Ju­gendlichen (Adipose eingeschlossen) um 50 % erhoht (Robert-Koch-Institut 2007, S. 737).

1.3 Ursachen der Adipositas

1.3.1 Genetische Faktoren

In Familien zeigt sich vermehrt ein gehauftes Auftreten der Adipositas. Aus der Familien-, Adoptions- und Zwillingsforschung wissen wir heute, dass das Gewicht von Adoptivkindern wesentlich enger mit dem der biologischen Eltern und Geschwister korreliert, als mit dem der Adoptiveltern (Health Technology Assessment 2009, S. 16). Verschiedene Zwillingsstudien belegen, dass 60-80 % der BMI-Varianz genetisch bedingt sind (Robert-Koch-Institut 2005, S. 12). Eine Studie von Jacobson et al. kam zu dem Ergebnis, dass bei Kindern, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, eine Assoziation zwischen ihrem Body Mass Index und dem ihrer Eltern besteht. Des Weiteren steigt die Wahrscheinlichkeit einer Adipositas bei Kindern um 20,1 %, wenn beide Eltern ebenfalls adipos sind. Sind beide Elternteile normalgewichtig, liegt das Risiko einer kindlichen Adipositas nur bei 1,4 % (Health Technology Assessment 2009, S. 16).

1.3.2 Soziale Faktoren

Spatestens seit den 60er Jahren ist das Schlanksein und Schlankwerden fur Manner und Frau­en zu einer gesellschaftlichen Norm geworden. Wahrend die Werbeindustrie den Idealkorper immer schlanker darstellt, hat sich das Ansehen „der Dicken“ in der Vergangenheit stark ver- andert. Heutzutage assoziiert man mit dem Dicksein die Begriffe Faulheit, Dummheit und Willensschwache, wodurch das Selbstwertgefuhl der Betroffenen nachhaltig beeinflusst wird (Robert-Koch-Institut 2005, S. 14). Bei Mannern und Frauen aus den unteren sozialen Schich- ten ist der Anteil der Menschen mit Ubergewicht und Adipositas grofier] als bei den oberen Sozialschichten. Hierfur sind ein schlechterer Bildungsstatus, weniger finanzielle Mittel, kul- turelle Unterschiede in der Essenskultur und zumindest in den Industrielandern, ein unbe- grenztes Angebot an Nahrungsmitteln verantwortlich (Health Technology Assessment 2009, S. 16).

1.3.3 Umweltfaktoren

In Zeiten einer wachsenden Fast-Food-Industrie konnen Sattigungsgefuhle, die immer zeitlich verzogert auftreten, aufgrund des schnellen und hastigen Verzehrs meist kalorienreicher Nah- rungsmittel, nicht rechtzeitig erkannt werden. Durch die zunehmende Automatisierung von Arbeitsplatzen und eine fast bewegungslose Freizeitgestaltung wird die aufgenommene Ener- gie nicht ausreichend verbraucht. So konnte beispielsweise schon bei Kindern ein Zusam- menhang zwischen dem Ausmaß der Adipositas und der Dauer des Fernsehens nachgewiesen werden (Robert-Koch-Institut 2005, S. 14).

1.3.4 Psychische Faktoren

Durch bestimmte Verhaltensmuster kann das Gewicht ebenfalls beeinflusst werden. Men- schen, die an Ubergewicht leiden und abnehmen wollen, neigen dazu Mahlzeiten ausfallen zu lassen bzw. nicht zu essen bei Hunger, zu Fasten und zu Gewichtskontrollmafinahmen mit Laxantien oder Appetitzuglern. Wodurch die Sensibilitat fur Appetit- und Hungergefuhle gestort werden kann und der Korper z. B. bei einseitigen Diaten mit Heißhungerattacken rea- giert (Robert-Koch-Institut 2005, S. 14). Viele Adipose zeigen zudem ein unkontrolliertes Essverhalten. Dies fuhrt bei ca. 5 % der Betroffenen zur sogenannten Binge Eating Disorder (BED). Bei dieser Krankheit kommt es zu Essanfallen mit ubermafiiger Nahrungsaufnahme.[2]

[...]


[1] KIGGS-Studie: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland des Robert-Koch- Institutes (KIGGS 2009).

[2] Laxantien sind Arzneimittel, die die Stuhlentleerung beschleunigen. Sie werden gegen Obstipation (Verstop- fung), nicht aber bei vorliegendem Ileus (Darmverschluss) eingesetzt (Wikipedia 2009).

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ethik und Recht im Gesundheitswesen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V150855
ISBN (eBook)
9783640620791
ISBN (Buch)
9783640620968
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Recht, Gesundheitswesen
Arbeit zitieren
Torsten Sauer (Autor), 2009, Ethik und Recht im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150855

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ethik und Recht im Gesundheitswesen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden