Vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse untersucht der vorliegende Beitrag, wie in journalistischen Dokumentarfilmen die Realität um das Thema "Clankriminalität" konstruiert wird. Dazu werden zwei Dokumentarfilme der Leitmedien Spiegel TV und ZDF mit einer theoriegeleiteten, qualitativen, wissenssoziologischen Diskursanalyse und filmischen Werkzeugen untersucht und miteinander verglichen. Die forschungsleitenden Fragen sind dabei: Wie werden die arabischen Familien in den Medien dargestellt? Welche Diskurse setzen zu sich dazu durch? Welche Machtverhältnisse lassen sich daraus ableiten?
Zunächst werde ich dazu den bisherigen Forschungsstand zu Diskursen im Thema Clankriminalität aufarbeiten. Danach beschäftige ich mich mit der wissenssoziologischen Diskursanalyse und der Stereotypenforschung als theoretischen Rahmen, um ein Kategoriensystem herauszubilden. Dann soll das Untersuchungsdesign vorgestellt werden. Hier wird einerseits die Materialauswahl der Dokumentationsfilme Spiegel TV und ZDFzeit begründet und die gewählte Methodik der Filmanalyse nach Wiedemann erklärt. Daraufhin führe ich die konkrete Analyse durch und stelle meine Ergebnisse vor. Zum Schluss gehe ich auf die Limitationen dieser Arbeit ein und versuche einen Ausblick auf zukünftige Forschung in Bereich der Diskursanalyse bei Dokumentarfilmen zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Relevanz
2. Überblick zum Diskurs um Clankriminalität
2.1. Begriffe
2.2. Forschungsstand
3. Theoretischer Rahmen
3.1. Diskursanalyse
3.2. Stereotypenforschung
3.3. Kategoriensystem
4. Untersuchungsdesign
4.1. Materialauswahl
4.2. Filmanalyse
5. Ergebnisse
5.1. Spiegel TV
5.2. ZDFzeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive, wie in journalistischen Dokumentationen arabische Familien im Kontext des Themas Clankriminalität dargestellt werden und welche zugrunde liegenden Konstruktionen sozialer Realität dabei eine Rolle spielen.
- Qualitative Analyse und Vergleich von Dokumentarfilmen von Spiegel TV und ZDFzeit.
- Anwendung der wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Rainer Keller.
- Erforschung von Stereotypisierungen und Feindbildkonstruktionen in der Berichterstattung.
- Untersuchung von Machtverhältnissen und Akteurskonstellationen ("vor" und "hinter" der Kamera).
- Kritische Reflexion diskursiver Strategien bei der Konstruktion eines Sicherheitsproblems.
Auszug aus dem Buch
3.2. Stereotypenforschung
Wie bereits im Forschungsstand aufgezeigt, wird in den bisherigen Forschungsbeiträgen zu dem Thema der Clankriminalität, von indirekt eine Verwendung von Stereotypen beziehungsweise Fokussierung auf bestimmte Aspekte vermutet, die ein bestimmtes Bild dieser Familien vermitteln. Das bedeutet, dass in den Diskursen bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen einer Gruppe häufig auf alle Mitglieder dieser Gruppe übertragen wird, was zu einer Vereinfachung der Realität führt, denn nach Lippmann ist ein Stereotyp “rigid, over-simplified and selective, but necessary for simplification” (Lippmann, 1922). Man kann Stereotypen dabei in drei Gruppen aufteilen: Auto-und Heterostereotype, womit Selbst- und Fremdbild gemeint sind oder das Metastereotyp, wobei es sich um ein vermutetes Hetero- oder Autostereotyp der Fremdgruppe handelt (Thiele, 2015, S.30). Auto- und Heterostereotyp, stehen insofern im Zusammenhang, da das Heterostereotyp immer Auskunft über das Autostereotyp gibt, denn „wenn die anderen so und also anders sind, ergibt sich daraus wie wir sind“ (Thiele, 2015, S. 30). Dabei lässt sich die Stereotypenforschung in Feindbilder weiterführen, die sich durch „Abgrenzung durch Personalisierung, Emotionalisierung, Polarisierung, Generalisierung und Wiederholung“ charakterisieren lassen, es wird ähnlich den Auto- und Heterostereotypen eine Trennung in „‚Wir‘ und ‚Sie‘, der Eigen- und Fremdgruppe“ vorgenommen (Thiele, 2015, S.32). Allerdings handelt es sich hier um „äußerst rigide Agglomerationen von Negativvorstellungen“ (Pörksen,2005, 36). Somit ergänze die Kategorie der Story Line, um diese theoretischen Unterkategorien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Relevanz: Einleitung in das Thema Clankriminalität als öffentlicher Diskurs und Definition der zentralen Fragestellung hinsichtlich der medialen Realitätskonstruktion.
2. Überblick zum Diskurs um Clankriminalität: Theoretische Einordnung zentraler Begriffe wie "Clankriminalität" und "Parallelgesellschaft" sowie Aufarbeitung des bisherigen Forschungsstandes.
3. Theoretischer Rahmen: Herleitung der wissenssoziologischen Diskursanalyse und der Stereotypenforschung als methodisches Fundament zur Erstellung eines Kategoriensystems.
4. Untersuchungsdesign: Begründung der Auswahl der Dokumentationen von Spiegel TV und ZDFzeit sowie Erläuterung der angewandten Filmanalyse-Methodik.
5. Ergebnisse: Detaillierte Auswertung der untersuchten Dokumentationen hinsichtlich ihrer sprachlichen und bildlichen Darstellungsmuster arabischer Familien.
6. Fazit: Kritische Reflexion der Vorgehensweise, Diskussion von Limitationen der Arbeit und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Clankriminalität, Diskursanalyse, Stereotypenforschung, Medienberichterstattung, Dokumentarfilm, Realitätskonstruktion, Spiegel TV, ZDFzeit, Arabische Familien, Wissenssoziologie, Feindbild, Parallelgesellschaft, Storyline, Qualitative Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie arabische Familien in journalistischen Dokumentationen über Clankriminalität dargestellt werden und welche Rolle dabei die mediale Konstruktion sozialer Realität spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Medienberichterstattung über Clankriminalität, die Analyse von Stereotypenbildung, die Rolle von Diskurskoalitionen und die diskursive Konstruktion von Sicherheitsproblemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch einen Vergleich zweier Dokumentationen aufzudecken, mit welchen narrativen und filmischen Mitteln das Bild arabischer Familien konstruiert wird und welche Machtverhältnisse daraus resultieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoriegeleitete, qualitative, wissenssoziologische Diskursanalyse in Verbindung mit Verfahren der Filmanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der theoretische Rahmen und das Kategoriensystem entwickelt, gefolgt von der konkreten Analyse der Dokumentationen "Die Macht der Clans" (Spiegel TV) und "Kriminelle Clans" (ZDFzeit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Clankriminalität sind Begriffe wie Diskursanalyse, Medienberichterstattung, Stereotypenforschung und die spezifische mediale Realitätskonstruktion maßgebend.
Wie unterscheidet sich die Darstellung zwischen Spiegel TV und ZDFzeit?
Während Spiegel TV stärker auf ein Feindbildkonzept setzt und Begriffe wie "Parallelgesellschaft" verwendet, zeigt ZDFzeit eine tendenziell distanziertere Darstellung, die sich stärker um eine formale Differenzierung der Begriffe bemüht.
Welche Rolle spielen Experten in den analysierten Dokumentationen?
Experten werden meist in planbaren Interviewsituationen (häufig im Büro) inszeniert, wodurch ihnen eine seriöse und institutionelle Autorität verliehen wird, die ihre Aussagen über Clankriminalität stützt.
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- Anonym (Autor:in), 2023, Die Darstellung arabischer Familien in der Berichterstattung über Clankriminalität. Ein Vergleich von Dokumentationen von Spiegel TV und ZDFzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1509918