Sammelband aus vier Einzeltexten.
Die erste Arbeit thematisiert anhand von Sitzungsprotokollen Darstellungen und Wertungen von Liebe in Mittelalter, Neuzeit und Gegenwart. In einer Sitzung wurden Textausschnitte aus Thomas von Aquins "Summa Theologiae" behandelt.
In der zweiten Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle Homosexualität im Mittelalter spielte, welche Ansichten vorherrschten und wie damit umgegangen wurde. Dies schließt sowohl die Beleuchtung der Standpunkte von Persönlichkeiten wie Thomas von Aquin oder Albertus Magnus, die neben der christlichen Einstellung ebenfalls bedeutenden Einfluss auf die Gesellschaft bewirkten, ein und ebenfalls die Rolle der Homosexualität in der Ketzerverfolgung, wobei in diesem Kontext ein beispielhafter Blick auf den Orden der Templer geworfen werden soll.
Konnten die Menschen ihre sexuellen Triebe einfach so abschalten, wobei Sexualität heutzutage doch etwas so Natürliches ist? Steht die Auffassung, dass Sex etwas Unnatürliches ist, nicht im Widerspruch mit der Forderung „Seid fruchtbar und mehret euch!“ aus dem ersten Buch Mose? Was forderte die Kirche und was die Gesellschaft? Wie konnte dies im Alltag umgesetzt werden? Diese und weitere Fragen behandelt die dritte Arbeit.
Die letzte Arbeit setzt sich mit der Diskriminierung von Homosexuellen im Mittelalter auseinander. Sie geht der Frage nach, welcher Umgang mit Homosexualität im Mittelalter gepflegt wurde und in welchen gesellschaftlichen Schichten sie auftauchte. Der Fokus richtet sich dabei auf homosexuelle Vorfälle bei Männern in Köln in den Jahren 1448 und 1500.
Inhaltsverzeichnis der Beiträge
Talia Baskaya: Darstellungen und Wertungen von Liebe in Mittelalter, Neuzeit und Gegenwart (2016)
1. Einleitung und Kurzbiografie
2. Sitzungsprotokoll 16.11.2016
3. Sitzungsprotokoll 23.11.2016
4. Exkurs zu der Thematik „Liebe im Islam“
4.1 Liebe im Islam – eine Übersicht
4.2 Zufriedenheit mit seinem eigenen Körper und dem seines Ehepartners
4.3 Fazit
Saskia Kölsch: Homosexualität im Mittelalter (2014)
1. Einleitung und Fragestellung
1.1 Definition von Homosexualität
1.2 Exkurs: Der Untergang Sodoms – Grundlage der „Sodomie“?
2. Homosexualität/Sodomie – verschiedene Sichtweisen
2.1 Peter Damianus
2.2 Albertus Magnus
2.3 Thomas von Aquin
3. Die Rolle der Homosexualität in der Ketzerverfolgung
3.1 Inquisition
3.2 Dämonisierung der Homosexualität
3.3 Exkurs: Die Templer und Homosexualität
4. Zusammenfassung/Fazit
Alexandra Krüger: Sexualität im Mittelalter - Zwischen Sexualität, Kirche und Gesellschaft (2012)
1. Einleitung
2. Die Quellen
2.1. Lyrik
2.2. Epik
2.3. Theologische Texte
2.4. Medizinische Texte
3. Sexualität im Mittelalter
3.1. Sexualität, Kirche, Gesellschaft
3.2.1. Sexualität innerhalb der Ehe
3.2.2. Sexualität außerhalb der Ehe
3.2.3. Homosexualität
4. Resümee
Greta Gamba: Homosexualität und Diskriminierung im Mittelalter. Die "stumme Sünde" (2021)
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Verfolgung der Homosexuellen in Köln
2.2. Drei aufgezeichnete sodomitische Vorkommnisse
2.2.1. Der Fall des Johann Greeffroide
2.2.2. Der Fall des Seger Sydverwers
2.2.3. Der Fall des Jacobs dem Grecken
2.3. Allgemeine Schlussfolgerung der betrachteten Quellen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Liebe und Sexualität im Mittelalter, wobei der Fokus auf der kirchlichen Doktrin, gesellschaftlichen Normen und der Kriminalisierung von Sexualpraktiken liegt. Die Forschungsfrage widmet sich der Spannung zwischen dem religiösen Ideal der Keuschheit und der realen Lebenswelt der mittelalterlichen Gesellschaft sowie den Auswirkungen kirchlicher und rechtlicher Sanktionen auf das Individuum.
- Historische Perspektiven auf Liebe und Sexualität (insb. bei Thomas von Aquin und Albertus Magnus)
- Die Rolle der Kirche und der Inquisition bei der Verfolgung sogenannter „widernatürlicher Sünden“
- Das Spannungsfeld zwischen Ehe, Konkubinat und der Stigmatisierung von Homosexualität
- Die Instrumentalisierung von Sexualvorwürfen in der politischen Verfolgung (Beispiel: Templerorden)
- Methodische Herausforderungen bei der Auswertung mittelalterlicher Quellen (literarische vs. juristische Texte)
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung und Fragestellung
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle Homosexualität im Mittelalter spielte, welche Ansichten vorherrschten und wie damit umgegangen wurde. Dies schließt sowohl die Beleuchtung der Standpunkte von Persönlichkeiten wie Thomas von Aquin oder Albertus Magnus, die neben der christlichen Einstellung ebenfalls bedeutenden Einfluss auf die Gesellschaft bewirkten, ein und ebenfalls die Rolle der Homosexualität in der Ketzerverfolgung, wobei in diesem Kontext ein beispielhafter Blick auf den Orden der Templer geworfen werden soll.
Zunächst wird der Begriff der Homosexualität definiert, da er in der zu untersuchenden Epoche teilweise verschieden verwendet wurde und für das, was in diese Arbeit untersucht werden soll, nämlich die gleichgeschlechtliche Sexualität, auch unter anderen Begriffen bekannt war. Auch für die Gegenwart ist das Thema Homosexualität von großer Bedeutung. Besonders in den letzten beiden Jahrzehnten sind die Proteste gegen das Verbot von homosexuellen Ehen immer verbreiteter und lauter geworden. Doch da die katholische Kirche (und andere Religionen) nach wie vor sehr einflussreich sind und Homosexualität noch immer nicht dulden, ist der Gegenwartsbezug und die Aktualität dieses Themas noch beinahe so groß wie im Hochmittelalter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Kurzbiografie: Einführung in die Person Thomas von Aquin sowie in die methodischen Grundlagen einer scholastischen Disputation innerhalb des Seminars.
2. Sitzungsprotokoll 16.11.2016: Diskussion über die Liebe Gottes, die Bedeutung der persönlichen Liebe zur Vervollkommnung und ein Exkurs zum damaligen modernen Frauenbild.
3. Sitzungsprotokoll 23.11.2016: Detaillierte Auseinandersetzung mit Thomas von Aquins „Summa Theologiae“ hinsichtlich der Fragen, ob es in Gott Liebe gibt und ob Gott alles liebt.
4. Exkurs zu der Thematik „Liebe im Islam“: Untersuchung der Begriffe Islam und Muslim in Bezug auf Allahs Barmherzigkeit und eine kritische Auseinandersetzung mit Schönheitsoperationen sowie Geschlechtsumwandlungen im islamisch geprägten Rechtsverständnis.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Sexualität, Homosexualität, Sodomie, Kirche, Inquisition, Thomas von Aquin, Fortpflanzung, Ehe, Ketzerverfolgung, Moraltheologie, Stumme Sünde, Geschlechterverhältnis, Religion, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der Moralvorstellung, der kirchlichen Sexualdoktrin und der soziokulturellen Wahrnehmung von Sexualität im Mittelalter, insbesondere der Kriminalisierung abweichenden Verhaltens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Beiträge behandeln die theoretischen Grundlagen der scholastischen Sexualmoral, die Rolle der Inquisition bei der Verfolgung sogenannter „widernatürlicher Sünden“ und die gesellschaftliche Stigmatisierung von Homosexualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kirchliche und weltliche Machtinstrumente dazu genutzt wurden, abweichendes Sexualverhalten zu kontrollieren und zu bestrafen, und welche Auswirkungen dies auf betroffene Gruppen im Mittelalter hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine qualitative Analyse historischer Quellen, darunter theologische Schriften (z.B. von Thomas von Aquin), Bußbücher, Protokolle der Inquisition sowie literarische Texte wie Mären und den Minnesang.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden unter anderem die Ansichten einflussreicher Theologen, die juristische Verfolgung von Sodomie, die Dämonisierung von Randgruppen im Kontext der Ketzerverfolgung und konkrete Fallbeispiele wie der Untergang des Templerordens detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Sexualität, Sodomie, Inquisition, Moraltheologie, Kirche, Diskriminierung, Ketzerverfolgung und gesellschaftliche Normen.
Inwiefern spielt der Templerorden in dieser Analyse eine Rolle?
Der Templerorden dient als prominentes Fallbeispiel dafür, wie der Vorwurf der Homosexualität und Ketzerei vom französischen König Philipp IV. als politisches Instrument eingesetzt wurde, um einen mächtigen Orden zu zerschlagen und dessen Vermögen zu enteignen.
Wie unterscheidet sich die mittelalterliche Sicht auf Homosexualität von der heutigen?
Während es im Mittelalter keine feststehende sexuelle Identität gab und Homosexualität unter dem Begriff der „Sodomie“ als sündhaftes und widernatürliches Verhalten (das oft mit Ketzerei gleichgesetzt wurde) subsumiert wurde, wird heute stärker zwischen Identität, Neigung und individuellem Verhalten unterschieden.
Warum wird im Sammelband auch der Islam thematisiert?
Der Beitrag beleuchtet das Verständnis von Liebe und Körperlichkeit im Islam, um religiöse Interpretationsspielräume im Vergleich zum christlichen Kontext aufzuzeigen und insbesondere die aktuelle Debatte um Schönheitsideale und chirurgische Eingriffe in muslimisch geprägten Ländern zu erörtern.
- Arbeit zitieren
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Autor:in), Talia Baskaya (Autor:in), Saskia Kölsch (Autor:in), Alexandra Krüger (Autor:in), Greta Gamba (Autor:in), 2024, Liebe und Sexualität im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1510142