Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen für Jugendliche nach §§ 61, 61a SGB III

Eine empirische Analyse möglicher Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren im Agenturbezirk Nagold


Bachelorarbeit, 2010

162 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Problemhintergrund

2 Situationsanalyse von ausbildungswilligen Jugendlichen

3 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) nach §§ 61/ 61a SGB III und deren Umsetzung im Agenturbezirk Nagold
3.1 Der Weg zum neuen Fachkonzept (BvB)
3.2 Grundlegende Umsetzung des Fachkonzepts
3.2.1 Ziel
3.2.2 Zielgruppe
3.2.3 Eckpunkte für die Umsetzung
3.2.4 Struktur der Maßnahme
3.2.4.1 Eignungsanalyse -­ Ziele und Inhalte
3.2.4.2 Grundstufe -­ Ziele und Inhalte
3.2.4.3 Förderstufe -­ Ziele und Inhalte
3.2.4.4 Übergangsstufe -­ Ziele und Inhalte
3.2.5 Förder-­ und Qualifizierungssequenzen
3.2.6 Kooperation
3.3 Träger in Nagold und Umsetzung unter örtlichen Besonderheiten
3.3.1 CJD -­ Christliches Jugenddorf
3.3.2 Umsetzung in Nagold

4 Mögliche Einflussfaktoren einer erfolgreichen bzw. nichterfolgreichen Umsetzung der BvB
4.1 Erfolgskriterien aus verschiedenen Perspektiven
4.2 Vielfältigkeit der Erfolgs-­/Misserfolgsfaktoren

5 Methodisches Vorgehen: Fragebogenkonzeption und Durchführung der Erhebung
5.1 Daten des Bildungsträgers
5.2 Daten der Agentur für Arbeit
5.3 Daten der eigenen Erhebung
5.3.1 Festlegung des Forschungsansatzes
5.3.2 Bestimmung der Datenerhebungsmethode und Stichprobe
5.3.3 Methodensteckbrief
5.3.4 Konzipierung des Fragebogens

6 Datenanalyse der BvB-­Maßnahme bezogen auf die Teilnehmer
6.1 Zielgruppenanalyse
6.1.1 Soziodemografische Daten
6.1.2 Bildungsbiografische Daten
6.2 Analyse der Maßnahme
6.2.1 Motivation und Erwartungen
6.2.2 Durchführung
6.2.3 Lerninhalte und Berufsfelder
6.2.4 Betriebliche Qualifizierung
6.2.5 Gesamtbild
6.3 Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer im Zuge der Erhebung
6.4 Wirkungsanalyse
6.4.1 Verbleib in der Maßnahme
6.4.2 Verbleib nach Maßnahmenbesuch
6.4.3 Derzeitiger beruflicher Status
6.5 Einflussfaktoren auf den Maßnahmenerfolg

7 Verbesserungspotentiale
7.1 Verbesserungspotentiale aufgrund der Datenanalyse
7.2 Eingebrachte Verbesserungspotentiale des Bildungsträgers
7.3 Verbesserungspotentiale der Agentur für Arbeit Nagold

8 Résumée

Anlagenverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Struktur der BvB-Maßnahme

Abbildung 2: Maßnahmenverlauf in Nagold in den ersten sechs Wochen

Abbildung 3: Beziehungsgeflecht möglicher Erfolgs-/Misserfolgsfaktoren

Abbildung 4: Wie hat sich das Praktikum ausgewirkt?

Abbildung 5: Entwicklung der Schülerzahlen in BGJ, BVJ, BFS insgesamt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Berufsvorbereitende Maßnahmen der BA (alte Förderstruktur)

Tabelle 2: Struktur des Fragebogens

Tabelle 3: Sozidemografische Daten der Befragten

Tabelle 4: Geburtsland und Migrationshintergrund

Tabelle 5: Schulabschluss zu Beginn der Maßnahme

Tabelle 6: Bildungsgrad der Eltern

Tabelle 7: Fragen zur Durchführung

Tabelle 8: Umfang der Lerninhalte

Tabelle 9: Fragen zur Gesamtbeurteilung

Tabelle 10: Verbleib in der Maßnahme

Tabelle 11: Austrittsgründe der Teilnehmer

Tabelle 12: Verbleib in Ausbildung differenziert

Tabelle 13: Derzeitiger beruflicher Status (Dezember 2009)

Tabelle 14: Aktueller beruflicher Status in Jahrgänge unterteilt

Tabelle 15: Wer hat nach ein bzw. zwei Jahren das Erfolgskriterium erfüllt

Tabelle 16: Kreuztabelle, Chi-Quadrat-Test und Symmetrische Maße

1 Problemhintergrund

„Schon immer musste man die Füße heben, wenn man beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung nicht stolpern wollte.“ 1

Inzwischen hat sich diese erste Schwelle für viele Jugendliche zu einer hohen Hürde entwickelt. Nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schulen sind sie oft von einer großen Orientierungs- und Hilflosigkeit betroffen, insbesondere gilt dies bezüglich der Berufswahlentscheidung. Dabei wird von den jungen Erwach- senen ein hohes Maß an Flexibilität und ständiger Qualifizierungsbereitschaft er- wartet. Viele Jugendliche sind allerdings überfordert, schaffen den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht ohne Weiteres und machen daher gezwunge- nermaßen erste Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit. Bereits kurze Phasen von Ar- beitslosigkeit hinterlassen bei jungen Erwachsenen eindeutige Spuren von Verun- sicherung, Selbstzweifel, Resignation, aber auch Wut. „Hauptsache weg von der Straße“2 scheint daher bei Eltern und Jugendlichen der wichtigste Grundsatz zu sein, den sie bei der Berufssuche verfolgen. Prägend für die weitere Zukunft ist vor allem, wenn Betroffene das Arbeitsleben mit einer längeren Phase von Er- werbslosigkeit beginnen, da es für sie immer schwieriger wird, den geforderten Ansprüchen des Arbeitsmarktes zu genügen. Außerdem sind sie von einem dauer- haften sozialen Abstieg bedroht und haben meist keinen oder nur geringen An- spruch auf Arbeitslosenunterstützung.3 Die Form der Erwerbslosigkeit in jungen Jahren stellt den Staat und die Gesellschaft vor neue Herausforderungen, da sie nicht vergleichbar ist mit Arbeitslosigkeit von Menschen mit langjähriger Erfah- rung und Qualifizierung auf dem Arbeitsmarkt.4

Im deutschen Bildungssystem nimmt die Ausbildung im dualen System nach wie vor einen großen Stellenwert ein. Deutlich wird dies daran, dass der Großteil eines Jahrgangs in diesem System seinen Abschluss erwirbt. Jedoch hat die duale Aus- bildung bezüglich der Eingliederung aufgrund von gewandelten Arbeitsmarktan- forderungen erheblich an Leistungskraft verloren. Außerdem stellt sie nicht für alle jungen Erwachsenen die geeignete Ausbildungsform dar.5 Hinsichtlich dieser Problematik hat sich in Deutschland ein nahezu unüberschaubares Geflecht von Fördermaßnahmen herausgebildet, so dass die duale Ausbildung heute lediglich ein Teilsystem der beruflichen Ausbildung darstellt. Daneben haben das Schulbe- rufssystem6 einerseits, und vor allem das sog. Übergangssystem andererseits an Bedeutung, hinzugewonnen.7 In diesem Übergangssystem sollen mit verschiede- nen Bildungsangeboten die individuellen Kompetenzen der Jugendlichen verbes- sert werden, damit sie eine Beschäftigung bzw. Ausbildung aufnehmen können. Für viele Jugendliche, die meist keine Chance auf einen Arbeits- oder Ausbil- dungsplatz hätten, also größtenteils Jugendliche mit schlechtem Hauptschulab- schluss oder keinem Abschluss, sind diese Maßnahmen die letzte Möglichkeit, die erste Schwelle ins Berufs- oder Arbeitsleben zu überwinden.8

Der ehemalige Arbeitsminister Müntefering befürwortete im Jahr 2006 die be- rufsvorbereitenden Alternativen. Laut ihm bieten sie konkrete Lebenschancen für junge Erwachsene, die am Beginn ihres Berufslebens stehen. Diese Maßnahmen, sind nach seiner Auffassung besser als auf der Straße zu stehen und haben letzt- lich das Ziel, den Übergang in eine gängige Ausbildung zu schaffen. Außerdem betonte er erneut, dass eine betriebliche Ausbildung innerhalb des dualen Systems in Deutschland die beste Ausbildungsform darstellt.9

Um immense Folgekosten zu vermeiden, nimmt der Staat einen hohen finanziel- len und pädagogischen Aufwand auf sich, mit dem Ziel eine Verbesserung der Integration von Jugendlichen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu erreichen. Seit dem Ende der 70er Jahre wächst die Zahl der jungen Erwachsenen, denen ein Einstieg ins Erwerbsleben nur mit Hilfe zusätzlicher Förderung gelingt, konti- nuierlich an.10 Ob es sich bei den Maßnahmen und Programmen des Übergangs- systems um ein „Chancenverbesserungssystem“, um „Warteschleifen“ oder den Einstieg in Maßnahmenkarrieren handelt, ist weitgehend noch nicht untersucht.11 Jugendliche stehen vor der Problematik, durch verschiedenste (Bildungs-) Maß nahmen, Arbeitsbeschaffungsprogramme, Gelegenheitsarbeiten und Bezug von Leistungen des Sozialsystems immer mehr zu einer „Randpopulation in unserer Gesellschaft“ zu werden.12

Mit den Erfahrungen, die in Modellversuchen seit 2001 gemacht wurden, führte die Bundesagentur für Arbeit (BA)13 Anfang des Jahres 2004 das „Neue Fach- konzept“ der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) flächendeckend ein. Dieses Konzept arbeitet die Problematik benachteiligter Jugendlicher neu auf, wobei die Qualifizierung noch stärker an den Kompetenzen und Bedürfnissen junger Erwachsener angesetzt und damit maßgeschneiderte Quali- fizierungsverläufe ermöglichen soll.14 Im Vergleich zu ihren Vorgängermaßnah- men zeichnet sich die BvB durch stärkere Ausrichtung auf den individuellen För- derbedarf, eine verkürzte Förderungsdauer sowie eine stärkere Betonung des Übergangserfolgs aus.15 Diese BvB-Maßnahme steht im Mittelpunkt der Analysen in der vorliegenden Arbeit.

Zunächst muss in der vorliegenden Arbeit eine Abgrenzung der potenziellen Maßnahmenteilnehmer16 stattfinden. Grundsätzlich gehören alle Schulentlassenen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, diesem Personenkreis an, jedoch muss diese Gruppe noch einmal differenziert werden. Auf der einen Seite stehen Jugendliche, die ausbildungswillig sind, aber aufgrund fehlender Qualifikationen oder Bildungsniveaus keinen Ausbildungsplatz finden. Auf der anderen Seite be- finden sich überwiegend nicht ausbildungswillige junge Erwachsene und Ausbil- dungsabbrecher, die wegen fehlender Motivation, aber unabhängig vom Qualifi- kationsniveau keinen Ausbildungsplatz haben. Eine klare Trennung kann nicht vorgenommen werden, somit kommen Überschneidungen beider Gruppen vor.

Im Bezirk der Arbeitsagentur (AA) Nagold wird die BvB-Maßnahme in Zusam- menarbeit mit einem örtlichen Bildungsträger Christliches Jugenddorf Altensteig (CJD) umgesetzt. Dieses konkrete Beispiel analysiert die vorliegende Arbeit. Da- bei soll untersucht werden, ob und inwiefern die Maßnahme sich bisher als erfolg- reich erweist und in welcher Hinsicht Verbesserungspotenziale bestehen. Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, werden Befragungen von ehemaligen und aktuellen Teilnehmern der BvB-Maßnahme in Nagold durchgeführt. Es wird geprüft, inwiefern sich die Maßnahme aus Sicht der Teilnehmer positiv auf ihre berufliche Zukunft auswirkt. Darüber hinaus wird analysiert, welche Erwartun- gen, Wünsche und Motivation junge Erwachsene dazu veranlassen, die BvB- Maßnahme in Nagold zu besuchen. Eine Vielzahl von Aspekten können hierbei beleuchtet werden. Es erscheint naheliegend, dass junge Erwachsene diese Maß- nahme besuchen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Haben Jugendliche die Er- wartung, mit dem Besuch der Maßnahme bessere Chancen zu haben, einen Aus- bildungs- oder Arbeitsplatz zu finden? Spielen finanzielle Aspekte bei der Ent- scheidung eine Rolle? Möchten Jugendliche lediglich Berufserfahrung durch Praktika sammeln oder stellt die Maßnahme eine Möglichkeit dar, um den Haupt- schulabschluss nachzuholen?

Die vorliegende Arbeit zeigt auf, ob Teilnehmer mit dem derzeitigen Ablauf zu- recht kommen oder ob noch weiteres Verbesserungspotential bei der Maßnah- mengestaltung angebracht ist. Dabei wird weitergehend untersucht, welche Inhalte sich für Jugendliche und deren berufliche Zukunft als sinnvoll erwiesen haben und welche ausgebaut oder verringert werden sollten. Mit Hilfe der Befragung soll die Vermittlung von theoretischen sowie praktischen Inhalten noch weiter zugunsten der Jugendlichen optimiert werden. Sind die in Nagold angebotenen Berufsfelder der heutigen Arbeitsmarktsituation angepasst? Ferner gilt es abzu- wägen, ob die aktuelle Ausrichtung bezüglich der Vermittlung von schulischen und beruflichen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen in einem angebrach- ten Verhältnis zueinander stehen.

Ein wichtiger Bestandteil der BvB-Maßnahme nimmt der Besuch von Praktika ein, auch diese werden kritisch betrachtet und deren Sinnhaftigkeit überprüft. Ha- ben die Teilnehmer durch die Teilnahme an der BvB optimalerweise einen Aus- bildungsplatz gefunden, eine Berufswahlentscheidung getroffen oder erachten sie den Besuch der Maßnahme als zwecklos?

Aus dem Gesamtbild der Befragungen werden Erfolgsfaktoren herauskristallisiert, um ableiten zu können welche Faktoren auf den Erfolg der Maßnahme für jeden Einzelnen eine positive Wirkung haben. Hierbei ist zu vermuten, dass Migrations- hintergrund, Bildungsniveau der Eltern oder die eigene Schulbildung maßgeblich sind. Die Befragungsergebnisse werden durch Expertengespräche mit Vertretern der örtlichen Agentur und dem beauftragten Bildungsträger ergänzt, um darüber hinaus Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Um die offenen Fragen klären zu können, wurde die vorliegende Arbeit folgen- dermaßen gegliedert: Zunächst wird in Abschnitt 2 als Hintergrund die Situation ausbildungswilliger Jugendlicher im Agenturbezirk Nagold in komprimierter Form analysiert. Darauf aufbauend zeigt Abschnitt 3 die Umsetzung der BvB- Maßnahme in Nagold auf, stellt den beauftragten Bildungsträger in Nagold vor und geht dabei auch auf die Besonderheiten der konkreten Umsetzung in Nagold ein. Das darauffolgende Kapitel 4 beschreibt mögliche Einflussfaktoren, welche für das erfolgreiche Abschneiden der Maßnahme von Bedeutung sein können. Die methodische Vorgehensweise der empirischen Studie wird nachfolgend in Kapitel 5 erläutert. Den Kern der Ausarbeitung stellt die Vorstellung und kritische Unter- suchung der empirischen Auswertung in den Kapiteln 6 und 7 dar. Im weiteren Verlauf werden die Ergebnisse der Datenanalyse sowie eingebrachte Verbesse- rungspotentiale von Bildungsträger und AA aufgezeigt. Das Résumée in Kapitel 8 fasst die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen und leitet Handlungsempfehlungen für den Standort Nagold ab.

2 Situationsanalyse von ausbildungswilligen Jugendlichen

Region: Um ein Bild von der Situation der Jugendlichen im Agenturbezirk Na- gold zu erhalten, bedarf es einer komprimierten Situationsanalyse. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg ordnet die AA Nagold mit Blick auf den örtlichen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt dem Vergleichstyp IVa, gering ver- dichtete Bezirke mit günstiger Arbeitsmarktlage, zu.17 Der Bezirk gehört demsel- ben Typ an wie die Landkreise Freudenstadt und Calw. Diese beiden Regionen gehören dem Nordschwarzwald an, wozu außerdem der Enzkreis zählt. An der Bevölkerungsdichte von 141 Einwohnern pro km² 18 im Vergleich zu 230 Ein- wohnern19 im Bund, wird deutlich, dass der Bezirk des AA Nagolds sehr ländlich ist.20 Klein- und Kleinstbetriebe prägen die Betriebsstruktur.21

Wirtschaft: Als Leit- und Wachstumsbranchen gelten vor allem Maschinen- und Anlagenbau, Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Automobilzulieferindustrie und die Kunststofftechnik. Der Einfluss des Großraums Stuttgart ist in der betrachte- ten Region noch deutlich festzustellen. Der sog. „Daimler Bus“ hat jahrzehntelang das Bild der Region geprägt, vor allem die Daimler AG und deren umfassende Zulieferindustrie haben einen starken Einfluss auf den örtlichen Arbeitsmarkt. Diese Branchen waren in der Vergangenheit stets aufnahmefähig für gering- und unqualifizierte Arbeitnehmer, doch diese Hilfsarbeitertätigkeiten finden in den heutigen Arbeitsabläufen nahezu keine Berücksichtigung mehr. Darüber hinaus ist die Tourismusbranche ein bedeutsames und wichtiges Standbein der Region, spe- ziell der Raum Baiersbronn.

Strukturwandel: Der Wandel vom sekundären zum tertiären Sektor zeigt sich deutlich. So waren im Jahr 2007 fast 50% der sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten im Landkreis Freudenstadt im tertiären Sektor tätig, sogar knapp über 60% im Landkreis Calw.22 Folglich liegt es nahe, dass im Bereich Handel die mei- sten Ausbildungsplätze angeboten werden, gefolgt von dem Hotel- und Gaststät- tengewerbe, der Elektrobranche sowie Holz- und Metallverarbeitung.23

Arbeits- und Ausbildungssituation: Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Nagold, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, lag im Dezember 2009 bei 4,7% (6.905 Personen), ein Jahr zuvor betrug sie noch 3,8%.24 Hiervon hatten 11,3% (778 Personen) ein Alter zwischen 15 und 25 Jahren.25 Einerseits wies die AA Nagold zum 30.09.2009 noch 154 unbesetzte Berufsausbildungsstellen aus, von ursprünglich 1.792 offenen Stellen, andererseits waren noch elf der 1.911 Bewerber unversorgt26, wobei Nagold stets bessere Zahlen im Vergleich zu Ge- samtdeutschland aufzeigen kann.27

Im Ausbildungsjahr 2009 konnten 1.843 neue Ausbildungsverträge geschlossen werden, wovon 1.073 im Bereich Industrie und Handel angesiedelt sind, gefolgt vom Handwerk mit 571 Ausbildungsverträgen.28 Der Ausbildungsmarkt im Agen- turbezirk Nagold ist durch ein deutliches Überangebot an Ausbildungsstellen im Hotel- und Gaststättengewerbe gekennzeichnet. Diesem Angebot steht allerdings nur eine relativ geringe Nachfrage auf der Bewerberseite gegenüber. So waren von den 154 freien Ausbildungsplätzen erwartungsgemäß viele bei den Restau- rantfachleuten (45), den Köchen (23) und den Hotelfachleuten (13) zu finden.29 Hier zeigt sich wieder das geringe Interesse von Jugendlichen an Bereichen wie Dienstleistungen, welche wie oben beschrieben zu den Zukunftsbranchen der Re- gion gehören. Doch auch, dass sich die Suche nach Alternativen für Jugendliche als problematisch herausstellt.

Bewerbersituation: Im Agenturbezirk verfügen von den gemeldeten Ausbil- dungsplatzbewerbern 24,6% über einen Hauptschulabschluss und 39,9% über die Mittlere Reife. Knapp ein Sechstel der Bewerber ist nicht im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft.30 Auch wenn der Anteil der Schulentlassenen ohne Haupt- schulabschluss 2,1 Prozentpunkte unter dem des Bundes liegt, beträgt er immer noch 3,2%.31 Somit ist davon auszugehen, dass Unternehmen im Bezirk des AA Nagold bessere Chancen auf eine adäquate Stellenbesetzung haben. Dieser Indika- tor kann auch noch dahin interpretiert werden, dass es sich um einen attraktiven Wirtschaftsstandort mit einem günstigen Branchenmix handelt und sich damit für Schulentlassene ohne Hauptschulabschluss mehr Perspektiven auf dem Arbeits- markt ergeben als bundesweit üblich.

Besetzungsprobleme entstehen verstärkt, da ausbildende Unternehmen größere Erwartungen an die Bewerber in Bezug auf Kompetenzen, Notenschnitte sowie höhere theoretische und praktische Ansprüche stellen. Diese Entwicklung wird sich durch den demographischen Wandel und den dadurch bedingten Rückgang der nicht studienberechtigten Schulabgänger noch weiter verstärken. Die Zahlen sind bei betrieblichen Berufsausbildungsstellen wie auch bei den Bewerbern rück- läufig. Die AA Nagold nennt verschiedene Gründe für die Nichtbesetzung von Ausbildungsstellen in ihrem Bezirk. Zu diesen gehören, dass Unternehmen in ab- gelegenen Ortschaften angesiedelt sind und damit für Jugendliche ohne Führer- schein schwer zu erreichen sind. Des Weiteren werden viele Stellenangebote mit hohen Qualifikationsanforderungen erst spät der Agentur gemeldet. Da die Be- werberzahl weiter geringer wird, gestaltet sich die Suche nach geeigneten Kandi- daten zunehmend schwieriger. Jugendliche legen sich keine Alternativen zurecht und beschränken sich oft auf einzelne Wunschberufe. Die Flexibilität der jungen Bewerber deckt sich meist nicht mit der Offenheit für die angebotene Stellen. Vie- le der Bewerber sehen den Besuch einer weiterführende Schule als Alternative.32

Auch Hauptschulabsolventen und Abgänger der Berufsfachschule (BFS) haben oftmals Probleme, den erstrebten Ausbildungsplatz zu finden. Bei den unversorg- ten Bewerbern liegt der Anteil der Hauptschüler bei ca. einem Drittel, und daher höher, als bei allen Bewerbern.33 Diese suchen meist erst sehr spät oder überhaupt nicht nach einer Lehrstelle und die Hoffnung, eine weiterführende Schule zu be- suchen zerbricht oftmals.

Angebote neben der BvB der AA Nagold: Zum Ausbildungsbeginn Herbst 2009 werden neben der BvB-Maßnahme mit ca. 190 Plätzen34 auch noch ca. 90 Plätze in den Einstiegsqualifizierungen (EQ) sowie 40 Plätze für Jugendliche in Be- rufsausbildungen in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) bereitgestellt. 136 lernschwächere Auszubildende können bei schulischen Ausbildungsdefiziten mit ausbildungsbegleitende Hilfen35 unterstützt werden.36

3 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) nach §§ 61/ 61a SGB III und deren Umsetzung im Agenturbezirk Nagold

Deutschland bietet eine immense Vielfalt von Alternativen für Jugendliche unter 25 Jahren, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.37 Nun stellt sich die Fra- ge: Welche Beweggründe stecken für die BA hinter der Entwicklung neuer Maß- nahmen, wenn doch bereits eine Vielzahl von Alternativen für junge Erwachsene offen stehen? Diese Frage soll im Folgenden diskutiert werden.

3.1 Der Weg zum neuen Fachkonzept (BvB)

Berufsvorbereitung hat in Deutschland eine lange Tradition. Aufgrund der stetig ansteigenden Zahl von jungen Erwachsenen ohne Schulabschluss oder Ausbil- dungsvertrag, aber auch weil die Schulen der Aufgabe Berufsvorbereitung nicht mehr ausreichend nachkommen oder nachkommen können, sah sich die BA ge- zwungen, Jugendliche auf den Übertritt in eine Berufsausbildung vorzubereiten und sie zur erforderlichen Ausbildungsreife zu begleiten.38 Weil sich das alte vom neuen Konzept zur Berufsvorbereitung grundlegend unterscheidet, wird zunächst das aktuelle Konzept ausführlich erörtert, aber dennoch das vorherige kurz erläu- tert. In der Vergangenheit wurden die verschiedenen Lehrgangstypen auf be- stimmte Zielgruppen junger Erwachsener abgestimmt. Eine Übersicht der ver- schiedenen Maßnahmen bietet die nachstehende Tabelle 1.

Tabelle 1: Berufsvorbereitende Maßnahmen der BA (alte Förderstruktur bis 2004)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten39 40 41 42

Quelle: Eigene Darstellung nach Dressel, Plicht (2006).

Diese Vielfalt von Maßnahmen waren weitestgehend nicht transparent, wurden isoliert parallel zueinander abgewickelt und waren nur bedingt auf die individuel- len Förderbedürfnisse von Jugendlichen abgestimmt. Gerade diese Defizite hatten zur Folge, dass die Abbrecherquote dieser Maßnahmen hoch war und nur ein ge- ringer Teil der jungen Erwachsenen nach den Maßnahmen einen Ausbildungs- platz gefunden hat.43

Anfang 2004 wurde beschlossen, die Struktur der Berufsvorbereitung grundle- gend zu verändern.44 Dabei wurden die oben genannten Maßnahmen einzig durch die BvB ersetzt und somit die Angebotsvielfalt erheblich reduziert. Damit sollte unter anderem die berufliche Bildung transparenter werden. Im neuen Konzept gibt es keine Einteilung in Maßnahmenkategorien mehr, stattdessen wurden ziel- gruppenorientierte Ebenen und Sequenzen geschaffen.45 Diese bauen aufeinander auf, jedoch können alle Teilnehmer entsprechend ihres jeweiligen individuellen Förderbedarfs flexibel ein- und umsteigen. Diese Anpassung sowie die insgesamt verkürzte Maßnahmendauer und die stärkere Betonung des Übergangserfolgs kennzeichnen das neue Fachkonzept der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnah- men.46

Die BA formuliert in ihrem Fachkonzept zwei Zielvorgaben, die sich grundsätz- lich unterscheiden. Auf der einen Seite steht die Qualifizierung und die Vermitt- lungstätigkeit, auf der anderen Seite steht eine Steigerung der Effizienz. Letzteres ist ein gänzlich neuer Gedanke, den die BA in die Maßnahmenstruktur mit auf nimmt und damit eine grundsätzliche Änderung vollzieht. Dieser reformierte An- satz besagt, dass die Vermittlung von Bildung berechenbar und ökonomisch ren- tabel werden muss. Es gilt daher der Gedanke, dass „eine möglichst hohe Zeiteffi- zienz und Bedarfsorientierung [...] als Zielhorizont moderner Aus- und Weiterbil- dung [gelten].“47

3.2 Grundlegende Umsetzung des Fachkonzepts

Zu Anfang soll auf die grundlegende Umsetzung eingegangen werden,48 wobei sich Punkt 3.3 anschließend mit der konkreten Umsetzung in Nagold beschäftigt. Die gesetzliche Grundlage auf den Anspruch der Teilnahme bilden §§61 und 61a49 Sozialgesetzbuch (SGB) III.

§ 61 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme50

(1) Eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme ist förderungsfähig, wenn sie auf die Aufnahme einer Ausbildung vorbereitet oder der beruflichen Eingliederung dient und nicht den Schulgesetzen der Länder unterliegt sowie nach Ausbildung und Berufserfahrung des Leiters und des Ausbildungs- und Betreuungsper- sonals, Gestaltung des Lehrplans, Unterrichtsmethode und Güte der zum Einsatz vorgesehenen Lehr- und Lernmittel eine erfolgreiche berufliche Bildung erwarten lässt.

(weggefallen)

Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen können zur Erleichterung der beruflichen Einglie- derung auch allgemein bildende Fächer enthalten und auf den nachträglichen Erwerb des Haupt- schulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses vorbereiten.

Der Anteil betrieblicher Praktikaphasen darf die Hälfte der vorgesehenen Maßnahmedauer nicht überschreiten.

Das Vergaberecht findet Anwendung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Finanziert wird die Maßnahme aus Beiträgen der Arbeitslosenversicherung. Die Vergabe geschieht über öffentliche Ausschreibungen und wird von privatwirt- schaftlichen und gemeinnützigen Bildungsträgern bzw. Trägern der Jugendsozial arbeit durchgeführt. Die AA entscheidet selbstverständlich auch über die zu ver- gebende Teilnehmerzahl.51

3.2.1 Ziel

Die BvB-Maßnahme soll junge Menschen für die Aufnahme einer Ausbildung vorbereiten oder ihnen bei der beruflichen Eingliederung helfen. Jugendliche sol- len demnach bei ihrer Berufswahlentscheidung unterstützt werden und darüber hinaus ihre individuellen Voraussetzungen, Kompetenzen sowie ihre schulischen Kenntnisse verbessern. Folglich soll die Eingliederung in den Ausbildungs-/ Arbeitsmarkt erleichtert und bestenfalls ein Hauptschulabschluss nachgeholt wer- den. Die Vermittlung in eine Ausbildung ist hierbei vorrangig. Sofern sich im Maßnahmenverlauf herausstellt, dass dieses Ziel nicht erreichbar ist, wird ver- sucht, den betroffenen Teilnehmer für die Aufnahme einer Beschäftigung vorzu- bereiten.

3.2.2 Zielgruppe

Junge Menschen, vornehmlich vor Vollendung des 25. Lebensjahrs, stellen die Zielgruppe dar. Die Teilnahme an der BvB-Maßnahme ist unabhängig von dem früher abgelegten Schulabschluss, jedoch muss die allgemeine Schulpflicht bereits abgeleistet sein.52 Eine berufliche Erstausbildung haben die Teilnehmer noch nicht genossen. Die Maßnahme soll einerseits jungen Erwachsenen helfen, die über keine Ausbildungs- oder Berufseignung verfügen und andererseits Bewerberprofi- le dahingehend verbessern, dass sie den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu- künftig entsprechen. Rückstände sollen durch eine individuelle Förderung aufge- holt werden, wobei immer die individuelle Situation des potentiellen Teilnehmers geprüft werden muss.53 Auf besondere Regelungen oder Vorgehensweisen für junge Menschen mit Behinderung (Reha) wird hier nicht weiter eingegangen, da ihre Umsetzung in Nagold als Ausnahme gilt. 54

3.2.3 Eckpunkte für die Umsetzung

Die wichtigsten Aufgaben der BvB-Maßnahme werden im Fachkonzept der BA55 wie folgt beschrieben: Teilnehmern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten hinsichtlich einer möglichen Berufswahl zu überprü- fen und zu bewerten. Es wird ihnen die Gelegenheit geboten, sich in Bereichen möglicher Berufe zu orientieren um damit die Berufswahl zu erleichtern. Für die Aufnahme einer Berufsausbildung oder sofern dies nicht möglich ist für die Auf- nahme einer Beschäftigung, soll den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben wer- den, die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben. Aufbauend auf diesen Aufgaben steht als oberstes Ziel, die Teilnehmer möglichst nachhaltig in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wie oben bereits beschrieben führte die BA am 12. Januar 2004 das „Neue Fach- konzept“ ein und vollzog somit auch einen Gedankenwechsel im Bereich der Be- ruflichen Bildung. Der Fokus wird nun auf eine praxisnahe Ausbildung gerichtet sowie die Vermittlung von Inhalten individuell auf die Bedürfnisse der Jugendli- chen angepasst. Oftmals wird deshalb von einem Paradigmenwechsel gesprochen:

„Weg von einer Maßnahmenorientierung, hin zu einer Personenorientierung.“56 Abgesehen von der Abschaffung der Maßnahmekategorien wurden von der BA folgende wesentlichen Eckpunkte festgehalten:

-­ inhaltliche Gliederung der BvB in Qualifizierungsebenen sowie Förder und Qualifizierungssequenzen,
-­ Eignungsanalyse als Grundlage für eine erfolgreiche Qualifizierungs-/ Förderplanung
-­ Bildungsbegleitung,
-­ Stellenakquise und Vermittlung in Ausbildung und Arbeit,
-­ Qualifizierungsvereinbarung als Bestandteil der Eingliederungsvereinba- rung,
-­ Förderung von kooperativen Qualifizierungsangeboten,
-­ flächendeckende Implementierung betriebs- und wohnortnaher Qualifizie- rungskonzepte.

Darauf aufbauend wurden im Fachkonzept der BA diverse Grundsätze für die Durchführung festgelegt. Auf die Wichtigsten soll hier kurz eingegangen werden.

An erster Stelle steht auch hier die Anpassung des großen Angebots an die in- dividuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Teilnehmer, vor allem in Bezug auf den Arbeitsmarkt vor Ort. Hierfür muss vorab schon eine Ist-Analyse durch- geführt werden, die sogenannte Eignungsanalyse57. Eine flexible Gestaltung der Ein- und Ausstiege wird vom Bildungsträger gefordert, denn nur so können Ju- gendliche jederzeit aussteigen, um bspw. eine Ausbildung zu beginnen. Ihr nicht weiter benötigter Maßnahmenplatz kann an einem anderen Förderungsbedürftigen weitergeben werden. Selbstverständlich hat der Träger während der gesamten Maßnahme die Verantwortung für die Umsetzung der Qualifizierung zu tragen. Er ist vor allem aber auch erster Ansprechpartner vor Ort, interveniert in Krisensitua- tionen und gibt Hilfestellung im Alltag der jungen Erwachsenen.

Die Maßnahme hat berufsübergreifende Grundqualifikationen bzw. Bestandteile einer Berufsausbildung als Inhalt zu vermitteln, um die Teilnehmer ganz gezielt auf eine spätere Ausbildung im Beitrieb vorzubereiten. Ein großes Augenmerk wird bei der BvB-Maßnahme auf die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen gelegt, wie z.B. persönliche, soziale und methodische Kompetenzen sowie le- benspraktische Fertigkeiten, interkulturelle Fähigkeiten und IT- und Medienkom- petenzen. Alle, die an der BvB-Maßnahme mitwirken, haben die Aufgabe, die Teilnehmer in den oben genannten Schlüsselkompetenzen weiterzuentwickeln, um sie angemessen für die Arbeitswelt vorzubereiten. Besonders muss der Bil- dungsträger bei der Planung, Ausgestaltung, Durchführung und der Vermittlung in Ausbildung bzw. Arbeit auf die individuellen Ansprüche von Teilnehmern mit Migrationshintergrund oder Teilnehmer die alleinerziehend sind, eingehen. Die Durchführung der BvB-Maßnahmen soll möglichst wohnortsnah durchgeführt werden, damit eine hohe Integration in Arbeit vor Ort erwartet werden kann.

Während der gesamten Maßnahme soll eine kontinuierliche Bildungsbegleitung mit dem Ziel der Eingliederung in den Ausbildungs-/Arbeitsmarkt erfolgen. Maß- gebliche Aufgaben sind hier: 1) Erstellen und Fortschreiben des Qualifizierungs-/ Förderplans in Absprache mit den Teilnehmenden, der Beratungsfachkraft und ggf. weiteren Fachkräften der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, 2) Ziel- vereinbarungen mit den Teilnehmenden treffen, 3) die Verläufe der Qualifizierun- gen kontrollieren und dokumentieren sowie in adäquater Form auf Abweichungen reagieren (Fördern und Fordern), 4) das Zusammenwirken der verschiedenen Ak- teure im Qualifizierungs-/Förderverlauf sicherstellen, 5) durch Akquisition von Ausbildungs- und Arbeitsstellen aktiv eine schnelle Integration in Arbeit oder Ausbildung sicherstellen und 6) Sicherung sowie Dokumentation des Eingliede- rungserfolgs.

Die höchstmögliche Förderungsdauer dieser Vollzeitmaßnahme58 für junge Menschen beträgt 10 Monate.59 Eine vorzeitige Beendigung zur Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit ist jederzeit möglich.

3.2.4 Struktur der Maßnahme

Die verschiedenen Qualifizierungsebenen werden auf jeden einzelnen Teilnehmer spezifisch abgestimmt, hierfür wurden folgende vier Ebenen gestaltet:

-­ Eignungsanalyse
-­ Grundstufe (Kernelement „Berufsorientierung-/Berufswahl“)
-­ Förderstufe (Kernelement „Berufliche Grundfertigkeiten“)
-­ Übergangsstufe (Kernelement „Berufs- und betriebsorientierte Qualifizie- rung“)

Abbildung 1 zeigt diese Ebenen dazu schematisch auf, im Folgenden sollen alle vier Ebenen und deren Inhalte näher betrachtet werden.

Abbildung 1: Struktur der BvB-Maßnahme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesagentur für Arbeit.

3.2.4.1 Eignungsanalyse - Ziele und Inhalte

Jeder neue Teilnehmer, unabhängig zu welchem Zeitpunkt er in die Maßnahme eintritt, muss sich einer sogenannten Eignungsanalyse (EA) des Bildungsträgers unterziehen. Hier soll ein realistisches Stärken-/Schwächenprofil des Einzelnen, immer mit Blick auf berufliche Anforderungen, erstellt werden. Vor allem sollen aber auch ganz konkrete Gründe herausgearbeitet werden, die dem jeweiligen Teilnehmer die Eingliederung in eine Ausbildung/Arbeit bisher erschweren. Zur EA kann der Träger auf Daten aus der Beratung seitens der BA zurückgreifen, aber auch auf Erkenntnisse des ärztlichen/psychologischen Dienstes der BA. Ei- nerseits soll der Träger den Jugendlichen Entwicklungspotentiale aufzeigen, auf der anderen Seite sollen die Jugendlichen sich persönliche Ziele setzen. Die Teil- nehmer können sich auf Grund ihrer Fähigkeiten/Neigungen verschiedenen Be- rufsfeldern zuordnen, die vom Bildungsträger vor Ort angeboten werden. Die Er- gebnisse der EA stellen die Grundlage für einen späteren Qualifizierungs-/ Förderungsplan dar und sind für die weitere Abstimmung und Genehmigung vom Bildungsträger bei der zuständigen Vermittlungsabteilung der BA vorzulegen. Der Kompetenzzuwachs jedes Einzelnen soll stets kontrolliert und dokumentiert werden, um Qualifizierungs-/Förderpläne dementsprechend anzupassen. Die EA kann je nach Teilnehmer bis zu vier Wochen beanspruchen, in dieser Phase kann sich jeder Teilnehmer in maximal drei Berufsfeldern erproben. Eine Qualifizie- rung/Förderung erfolgt direkt nach der EA.

3.2.4.2 Grundstufe - Ziele und Inhalte

Der Hauptbestandteil der Grundstufe ist die Berufsorientierung und darauf auf- bauend letztlich die Berufswahl. Dazu können folgende Qualifizierungssequenzen angeboten werden: Allgemeiner Grundlagenbereich, Beruflicher Grundlagenbe- reich, Sprachförderung, Grundlagen in der IT- und Medienkompetenz sowie ver- schiedene Bewerbertrainings. Einschließlich EA sollte diese Stufe nicht mehr als sechs Monate beanspruchen.

3.2.4.3 Förderstufe - Ziele und Inhalte

Die Förderstufe sollen nur Teilnehmer besuchen, die das Ziel der oben genannten Grundstufe nach höchstmöglicher Förderungsdauer nicht erreichen konnten. In der Förderstufe wird weiterhin versucht, berufliche Grundfertigkeiten zu vermit- teln. Hierzu gehören auch der Allgemeine Grundlagenbereich, die Sprachförde- rung, aber auch wieder ein Bewerbertraining mit den jungen Erwachsenen. Die Dauer richtet sich ganz nach dem individuellen Bedarf des Einzelnen60 und endet im Idealfall mit dem Einstieg in das Berufsleben, in eine Ausbildung oder in die Stufe der Übergangsqualifizierung.

3.2.4.4 Übergangsstufe - Ziele und Inhalte

In die Übergangsstufe sollen diejenigen gelangen, die bereits eine Berufswahlent- scheidung getroffen haben, deren persönliches Bewerberprofil jedoch nicht mit den Anforderungen des Ausbildungsmarktes übereinstimmt. Eine Eignung für den angestrebten Berufswunsch liegt bei den Teilnehmern bereits vor. Der Kern der Stufe stellt die Vermittlung von berufs- und betriebsorientierten Qualifikationen dar, immer im Hinblick auf den persönlich angestrebten Berufswunsch. Dazu ge hören Lernsequenzen, wie die Vermittlung von beruflichen Grundfertigkeiten, betriebliche Qualifizierung, arbeitsplatzbezogene Einarbeitung. Ergänzt durch den allg. Grundlagenbereich (ausschließlich falls parallel ein Hauptschulabschluss angestrebt wird) und verschiedene Bewerbertrainings. Teilnehmer, die nicht nur eine Berufswahlentscheidung getroffen haben, sondern sowohl die Ausbildungs- reife61 als auch die Berufseignung62 vorweisen, können sofort in der Übergangsstu- fe beginnen. Auch Jugendliche, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, können direkt in die Übergangsstufe einsteigen, sofern es zur Fortsetzung ihrer Ausbil- dung der Förderung ihrer beruflichen Handlungskompetenzen bedarf. Gleicher- maßen, wie in den anderen Stufen (außer der EA) richtet sich die Dauer nach dem Qualifizierungs-/Förderbedarf des Einzelnen und endet mit der Vermittlung. Die Gesamtförderdauer der Maßnahme darf auch hier nicht überschritten werden.

3.2.5 Förder- und Qualifizierungssequenzen

Grundsätzlich werden die Inhalte aller Qualifizierungsebenen in zeitlich und in- haltlich abgeschlossene Förder- und Qualifikationssequenzen eingeteilt. Diese sind nach dem individuellen Bedarf der Teilnehmer zusammenzustellen. Im Nachstehenden sollen die im Fachkonzept genannten, im Verlauf der Arbeit aber noch nicht beschriebenen Sequenzen, kurz erklärt werden.

Betriebliche Qualifizierung: Die betriebliche Qualifizierung soll in Form von Praktika das bisher Gelernte der Teilnehmer im tatsächliche Berufsalltag erproben und noch weiter ausbauen. Die Teilnehmer sollen Praxisfelder von Ausbildungs- berufen, betriebliche Lern-/Arbeitsbedingungen, Kontakt zu Mitarbeitern/Kunden und Technologien erlernen. Optimalerweise werden im Praktikum berufliche Grundfertigkeiten auf Grundlage von Qualifikations- bzw. Ausbildungsbaustei- nen63 weiter ausgebaut und die Teilnehmer können sich in weiteren Berufsfeldern im Betrieb versuchen, welche der Träger nicht anbietet. Die Betriebe lernen daher die Jugendlichen intensiv kennen, damit der Übergang in Ausbildung/Arbeit für beide Seiten erleichtert wird. Ein Praktikum beinhaltet die Vorbereitung, Qualifi- zierungsbegleitung, Nachbereitung und schließlich eine individuelle Auswertung von Seiten der Träger gegenüber den Teilnehmern. Die Anzahl und die Dauer der Praktika werden von den Bildungsträgern ganz individuell entschieden. Der Be- trieb, der Träger und der Teilnehmer schließen vor Beginn des Praktikums einen Vertrag, der dem Arbeitsvertrag ähnlich ist.

Arbeitsplatzbezogene Einarbeitung: Wenn im Laufe der Maßnahme festgestellt wird, dass das Ziel Ausbildungsreife nicht erreicht werden kann, wird versucht den Teilnehmer auch ohne Ausbildung im Betrieb einzuarbeiten. Dies setzt jedoch eine Absichtserklärung mit dem jeweiligen Betrieb voraus, um eine dauerhafte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu gewährleisten.

Bewerbungstraining: Im Verlauf der Maßnahme sollen die Teilnehmer in Be- werbungstrainings lernen, sich mit erfolgreichen Bewerbungsaktivitäten dem Ar- beitsmarkt zu stellen. Hierzu gehört auch die Entwicklung von Bewerbungsstrate- gien, die Nutzung von Stellen- und Bildungsangeboten, die selbständige Gestal- tung der Bewerbungsunterlagen und das Training für bevorstehende Vorstel- lungsgespräche oder Testverfahren.

Sprachförderung: Die sprachlichen Kompetenzen sollen bei den Teilnehmern kontinuierlich weiter verbessert werden. Vor allem bei Teilnehmern mit Migrati- onshintergrund nimmt die Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse einen wichtigen Platz ein, da durch diese persönliche, soziale und schließlich auch die berufliche Entwicklung voran getrieben werden können.

Nachträglicher Erwerb des Hauptschulabschlusses bzw. eines gleichwertigen Schulabschlusses: Grundsätzlich wird versucht möglichst vielen Jugendlichen, welche die notwendige Eignung vorweisen, die Möglichkeit zu geben einen Hauptschulabschluss nachzuholen gemäß SGB III §61a. Hierbei wird mit Hilfe von Zusatzunterricht der Teilnehmer auf eine Schulfremdenprüfung64 vorbereitet. Mit diesem höherwertigen Schulabschluss soll ebenfalls die Aufnahme einer Aus- bildung erleichtert werden.

SGB III § 61a Anspruch auf Vorbereitung auf einen Hauptschulabschluss im Rahmen einer be- rufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme.65

Ein Auszubildender ohne Schulabschluss hat einen Anspruch, im Rahmen einer berufsvorberei- tenden Bildungsmaßnahme auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses vorbereitet zu werden. Die Leistung wird nur erbracht, soweit sie nicht für den gleichen Zweck durch Dritte erbracht wird. Die Agentur für Arbeit hat darauf hinzuwirken, dass sich die für die allgemeine Schulbildung zuständigen Länder an den Kosten der Maßnahme beteiligen. Leistungen Dritter zur Aufstockung der Leistung bleiben anrech- nungsfrei.

3.2.6 Kooperation

Die Bildungsträger gewährleisten, dass sie sich in die lokale Netzwerkstrukturen integrieren. Beispielhaft sind Kooperationen mit folgenden Institutionen anzufüh- ren: Betrieben, Berufsschulen, Kammern und Innungen, Jugend-, Sozialämtern, migrationsspezifischen Netzwerken, Trägern der Grundsicherung sowie anderen Anbietern von Qualifizierungsangeboten zur Abstimmung des Bildungskonzeptes. Die Förderangebote von Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen sollen darüber hinaus helfen die Qualifizierung zu unterstützen.

3.3 Träger in Nagold und Umsetzung unter örtlichen Besonderheiten

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold hat das Christliche Jugenddorf Alten- steig (CJD) bei der Öffentlichen Ausschreibung66 den Zuschlag für die Durchfüh- rung der BvB Maßnahme erhalten.67 Im Folgenden soll der Träger CJD Altensteig kurz vorgestellt und deren gegenwärtige Umsetzung in Nagold68 aufgezeigt wer- den.

3.3.1 CJD - Christliches Jugenddorf

Über sich selbst schreibt das CJD, „dass es jährlich 150.000 jungen und erwach- senen Menschen Orientierung und Zukunftschancen bietet. Sie werden von 8.000 Mitarbeitenden (Altensteig: 86) an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision: Keiner darf verloren gehen!“.69 Das CJD versteht sich als ökumenische, christliche Orga- nisation und seine Mitarbeitenden gehören einer christlichen Kirche an, die Mit- glied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ist. Im täglichen Handeln und Miteinander orientiert sich das CJD an christlichen Werten, fördert jedoch Kinder, Jugendliche und Erwachsene unabhängig von ihrer Herkunft oder Konfession. Die Einrichtung möchte Chancengeber und kompetenter Anbieter von Lösungen sein und dabei die ganzheitliche Förderung des Menschen in den Mittelpunkt stellen.70

3.3.2 Umsetzung in Nagold

Auf Grund von langjährigen Erfahrungen, die das CJD Altensteig mit der Durch- führung von Maßnahmen machen konnte, aber auch wegen der Beschaffenheit des örtlichen Arbeitsmarktes im Bezirk der AA Nagold, nahm das CJD geringfü- gige Anpassungen der BvB-Maßnahme vor. Mit Hilfe von Gesprächen vor Ort wird die konkrete Umsetzung der Maßnahme durch die Bildungsbetreuer vorge- stellt. Jedes Schuljahr werden zwischen 50 und 60 junge Erwachsene in Nagold betreut. In der Literatur wird teilweise von einer Vermittlungsprämie gesprochen, welche den Vermittlungsanreiz für Bildungsträger verstärken soll. Eine Eingliede- rung in Ausbildung soll mit einer höheren Prämie vergütet werden, als in ein Ar- beitsverhältnis.71 In Nagold wurde schon im September 2006 im Vertrag festge- legt, dass keine Vermittlungsgebühr mehr ausbezahlt wird. Stattdessen wird ein monatlicher Festpreis72, der alle zur ordnungsgemäßen Erfüllung der Maßnahme erforderlichen Leistungen beinhaltet, ausgezahlt. Um die tägliche Arbeit zu be- wältigen, ist die Maßnahme in Nagold mit zwei Bildungsbegleitern und je einem Sozialpädagogen, Lehrer und Ausbilder ausgestattet. Hier zeigt das CJD ein gro- ßes Interesse, dass sich die Mitarbeiter stets untereinander über den Fortschritt der Teilnehmer austauschen und situationsbedingt das weitere, individuelle Vorgehen durchführen.

In der Nagolder BvB-Maßnahme werden jedes Jahr ca. 10 Plätze für Reha- Teilnehmer reserviert. Sollte diese Platzzahl nicht erreicht werden, kann die An- zahl der regulären Teilnehmer angepasst werden. Außer einer Lernbehinderung haben diese Reha-Teilnehmer meist keine weiteren Beeinträchtigungen und kön- nen somit wie gewöhnliche Teilnehmer behandelt werden. Damit wird vor allem versucht, eine Stigmatisierung73 zu verhindern. Ihnen steht jedoch eine Maßnah- mendauer von elf Monaten zu. Für besonders betreuungsintensive Jugendliche wird in Altensteig eine separate Maßnahme (Reha-Spezial) angeboten.

Grundsätzlich ist der Aufbau der BvB-Maßnahme in Nagold mit den verschiede- nen Stufen identisch mit dem Fachkonzept. In der Praxis stellt sich jedoch die Problematik, dass nicht sofort zu Beginn der Maßnahme eine Eignungsanalyse für ca. 45 Teilnehmer74 durchgeführt werden kann. Die Durchführung der EA be- ansprucht einen gewissen Zeitraum, insbesondere für die Auswertung.75 Nur bei einer gewissenhaften EA können schließlich auch zweckmäßige Ergebnisse her- ausgearbeitet werden. Wie Abbildung 2 darstellt, wurde in Nagold diese Proble- matik dadurch gelöst, dass im Normalfall alle Jugendlichen in den ersten sechs Wochen ein dreigeteiltes Programm durchlaufen, wobei die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt werden. Die erste Gruppe startet in der Werkstatt. Hier können sie die Bereiche, die in Nagold angeboten werden, kennenlernen (Holz, Metall, Farbe, Lager/Logistik) und sich auch bereits essenzielle Grundkenntnisse aneig- nen. Eine zweite Gruppe beginnt im sogenannten Seminar 1. Hier steht der schuli- sche Bereich im Vordergrund, Fächer wie Mathematik, Deutsch oder Gemein- schaftskunde werden thematisiert.76 Die Durchführung geschieht fast ausschließ lich in Gruppen- und Projektarbeiten, und es wird versucht, den Frontalunterricht weitestgehend zu begrenzen. Der dritte Programmteil, das Seminar 2, ist wieder- um zweigeteilt. Zunächst wird die EA in einem Zeitraum von sieben Tagen durchgeführt. Für jeden Teilnehmer wird mit Hilfe eines Kompetenzprofils ein individuelles Stärken-/Schwächenprofil sowie ein Kompetenzbericht erstellt. In der zweiten Woche wird eine erste Bewerbungsanalyse mit den Bildungsbeglei- tern erarbeitet.

Abbildung 2: Maßnahmenverlauf in Nagold in den ersten sechs Wochen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Während der ersten sechs Wochen der Maßnahme, die vom Fachkonzept als Grundstufe bezeichnet wird, rotieren die Teilnehmer in drei Gruppen, folglich alle zwei Wochen. In dieser Phase wird mit den Teilnehmern auch das Ergebnis der EA analysiert und die ersten individuellen Förderungs- und Qualifizierungs- pläne gemeinsam mit den Bildungsbegleitern erstellt. In den Gesprächen mit dem Bildungsträger vor Ort wurde immer wieder deutlich gemacht, dass stets ein ganz persönlicher Plan für jeden Teilnehmer erarbeitet werden muss. Dabei müssen auch Dinge thematisiert werden, die nur indirekt Bestandteil der Maßnahme sind, bspw. gesundheitliche Probleme, die familiäre Situation oder Vorstrafen der Ju- gendlichen. Das Umfeld des Teilnehmers muss folglich möglichst vollständig erfasst werden, um ihm in seiner jetzigen Situation weiterhelfen zu können. Die zweiwöchige Rotation wird in der Grundstufe weiter beibehalten und endet je nach Qualifizierungsstand spätestens nach sechs Monaten mit dem Übergang in die Förderstufe oder Übergangsstufe.

Kann das Ziel der Grundstufe nicht erreicht werden, wird dem Teilnehmer in der Förderstufe mit speziellen Trainings noch einmal drei Monate lang die Chance gegeben, das Ziel der Grundstufe zu erreichen. Sollte dies nicht erreicht werden, endet die Maßnahme nach der Förderstufe. Teilnehmer, welche die Grundstufe bzw. die Förderstufe erfolgreich beenden, münden in die Übergangsstufe ein. Auch in der Übergangsstufe hat sich der 2-wöchige Rhythmus bewährt, wobei hier viel Wert darauf gelegt wird, dass die Teilnehmer höherwertigere und an- spruchsvollere Aufgaben zur Bearbeitung bekommen als in den vorangegangenen Qualifizierungsstufen.

Ein weiterer Aspekt der Übergangsstufe ist die schnelle Vermittlung in betriebli- che Qualifizierungen (Praktikum). Generell können die Teilnehmer der BvB- Maßnahme zu jeder Zeit und in jeder Qualifizierungsebene in Arbeit oder Ausbil- dung entlassen werden. Bei Praktika, welche oft in der Folge eine Ausbildungs- stelle bzw. Arbeitsstelle mit sich bringen, gilt selbstverständlich dieselbe Rege- lung. In Nagold wurde jedoch die Erfahrung gemacht, dass es für Betriebe wie auch für die Teilnehmer von Vorteil ist, erst nach einer eingehenden Prüfung, Teilnehmer für ein Praktikum vorzuschlagen. Alle drei Wochen wird ein Quali- tätsgespräch durchgeführt, an welchem alle am Standort Nagold mitwirkenden Mitarbeiter teilnehmen. In diesem wird entschieden, welche Teilnehmer für eine Vermittlung in ein Praktikum geeignet sind. Dadurch sollen schlechte Erfahrun- gen mit Unternehmen reduziert werden und deren Vertrauen gegenüber dem Bil- dungsträger weiter gestärkt werden. Die Unternehmen können sich somit auf di- verse Fähigkeiten der Bewerber verlassen, da ein gewisser Bildungsstandard vom Träger gesichert wird. Während der betrieblichen Qualifizierung gibt es für alle Teilnehmer einen sozialpädagogischen Tag. An diesem kann über Themen ge- sprochen werden, die für die Jugendlichen von Bedeutung sind, aber es können auch konkrete Defizite aufgearbeitet werden.

Auf Grund guter Erfahrungen und weil Jugendliche in den meisten Fällen eine Ausbildung anstreben, ist das CJD stets vorrangig darum bemüht, die Teilnehmer in eine Ausbildung zu vermitteln. Eine sozialversicherungspflichtige Beschäfti- gung ohne Ausbildung wurde bisher in Nagold nur selten von Teilnehmern ange- strebt. Von den Bildungsbetreuern wurde mehrfach betont, dass der Wunsch in eine Ausbildung vermittelt zu werden, zum Großteil von den Teilnehmern persön- lich ausgeht. Daher sollen sie zunächst selbständig nach Praktikumsstellen suchen und ihre Bewerbungsunterlagen vorbereiten. Gerade hier können Teilnehmer ihr Defizit an Selbstsicherheit ausgleichen.

Die Hilfe von Bildungsbegleitern gestaltet sich in dieser Phase sehr unterschied- lich. Zum einen gehören dazu die klassische Bewerbungsmappenberatung und Rollenspiele als Vorbereitung für Telefon-/Vorstellungs-/Kritikgespräch, zum anderen aber auch die Begleitung zum ersten Vorstellungsgespräch zur individu- ellen Betreuung. Unterstützend dazu wurden in den vergangen Jahren in regelmä- ßigen Abständen Personalchefs oder ausgelernte Arbeitnehmer eingeladen. Sie klären die Teilnehmer darüber auf, was bei Bewerbungen zu beachten ist und auf welche Weise sich der Arbeitsalltag bzw. Ausbildungsalltag gestaltet.

Als wirkungsvolles Instrument hat sich aus Sicht des CJD die Zusammenarbeit mit den Eltern der Jugendlichen erwiesen. Bei Teilnehmern unter 18 Jahren kön- nen die Eltern problemlos angesprochen werden, bei über 18-jährigen kann nur mit Erlaubnis seitens der Teilnehmer Kontakt zu den Eltern aufgenommen wer- den. Sofern die Eltern die Maßnahme unterstützen, können sie in den Entwick- lungsprozess ihres Kindes in Form von Elternabenden und Einzelgesprächen mit- einbezogen werden. Nach Angaben des Bildungsträgers kann hierdurch die Er- folgswahrscheinlichkeit der Maßnahme erheblich gesteigert werden.

4 Mögliche Einflussfaktoren einer erfolgreichen bzw. nichter- folgreichen Umsetzung der BvB

4.1 Erfolgskriterien aus verschiedenen Perspektiven

„Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.“77 Zuerst muss definiert werden, was Erfolg für die BvB-Maßnahme in Nagold kon- kret bedeutet. Diesbezüglich werden Expertengespräche mit dem Bildungsträger, Berufsberatung sowie der Geschäftsleitung der AA Nagold durchgeführt, um Er- folg in Bezug auf die BvB Maßnahme zu erörtern.

Der Bildungsträger sieht als oberstes Erfolgskriterium die bestmögliche Vermitt- lung in erster Linie in Ausbildung, aber auch die Eingliederung in Arbeit. Diesen Bestrebungen sind noch weitere Ziele unterzuordnen. Hier steht vor allem das Ziel im Vordergrund, Zukunftsperspektiven aufzuweisen und Jugendlichen den Sinn der Maßnahme für ihren weiteren beruflichen Lebensweg nahezulegen. Dazu be- darf es in vielen Fällen einer Einstellungsänderung der Jugendlichen gegenüber der Maßnahme.

Die Berufsberatung, wie auch die Geschäftsführung der AA Nagold sieht die Maßnahme dann als erfolgreich an, wenn ein nachträglicher Hauptschulabschluss, eine Eingliederung in Ausbildung oder Arbeit bewirkt wurde. Des Weiteren wird nicht nur die Befähigung nach der Maßnahme eine weiterführende Schule besu- chen zu können, sondern auch der Abschluss der Maßnahme als Erfolg angerech- net. Das Durchhaltevermögen kann somit daran gemessen werden, ob Teilnehmer in der Lage sind die Maßnahme dauerhaft und konstant zu besuchen. Die Berufs- beratung vermutet, dass viele junge Erwachsene sich nur auf Grund der Vergü- tung78 für die BvB-Maßnahme entscheiden.

Das übergeordnete Ziel stellt, wie auch im Fachkonzept beschrieben, die geeigne- te Eingliederung in Ausbildung oder Arbeit dar. Untergeordnet dazu stehen z.B.

Treffen einer Berufswahlentscheidung, grundsätzliche Einstellungsänderung zur Maßnahme, Erlangung eines Hauptschulabschlusses oder das Abprüfen von Durchhaltevermögen. Das Optimum würde sich laut Institut für berufliche Bil- dung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS) darstellen, wenn durch die BvB Ausbildungsreife, Berufseignung, Vermittlungsfähigkeit hergestellt wird und die dauerhafte Integration der Teilnehmenden gelingt.79

4.2 Vielfältigkeit der Erfolgs-/Misserfolgsfaktoren

Wie oben aufgeführt, definieren verschiedene Akteure Erfolg nicht immer trenn- scharf. Wird nun das Oberziel, Vermittlung in Ausbildung bzw. Arbeit als Erfolg herangezogen, so hat auf die Erreichung dieses Ziels eine Vielzahl von Akteuren einen erheblichen Einfluss. Um den Erfolg der Maßnahme spinnt sich ein ganzes Netz von Akteuren, welche diesen Erfolg wesentlich positiv wie auch negativ beeinflussen können. Abbildung 3 zeigt die wohl wichtigsten Beteiligten auf und verdeutlicht deren Beziehungen zueinander. Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren können also auf ganz vielen unterschiedlichen Ebenen liegen.

Abbildung 3: Beziehungsgeflecht möglicher Erfolgs-/Misserfolgsfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

An erster Stelle steht selbstverständlich der einzelne Teilnehmer selbst, denn er hat unverkennbar den größten Anteil am erfolgreichen Abschneiden der Maß- nahme. Zu wichtigen individuellen Teilnehmercharakteristika zählen die schuli- sche Vorbildung, die persönliche Einstellung, die eigene Motivation usw. Von großer Bedeutung ist des Weiteren das nähere Umfeld der Teilnehmer, also unter welchen Umständen die jungen Erwachsenen aufgewachsen sind, welchen Freun- deskreis sie pflegen, der Bildungsgrad der Eltern und noch viele weitere wichtige Faktoren. Diese haben auf die stetige Entwicklung der Jugendlichen einen bedeu- tenden Einfluss und somit schließlich auch auf die erfolgreiche Maßnahmenteil- nahme. Eine Vielzahl von Faktoren kann im Rahmen dieser Arbeit nicht erfasst werden, bspw. kann der Freundeskreis eines Jugendlichen weder erfasst, noch bewertet werden.

Sicherlich hat auch der Bildungsträger, welcher sich tagtäglich um den Teilneh- mer kümmert, einen immensen Einfluss auf den Erfolg der Maßnahme. Daneben spielt die Arbeitsagentur in diesem Geflecht eine weitere wichtige Rolle, schließ- lich ist sie es, welche die Maßnahme geschaffen hat und kontinuierlich finanziert. Weitere Einflussgrößen wie der örtliche Arbeitsmarkt, Unternehmen, Jugendge- richtshilfe und viele andere können zu Schlüsselakteuren vor und während der Maßnahme werden. Wie oben bereits beschrieben, lassen sich somit auf der Ebe- ne sämtlicher vier Akteure mögliche Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren festma- chen.

Noch komplexer wird das Bild bei der Betrachtung der verschiedenen Beziehun- gen, die die Beteiligten zueinander haben. Es bestehen stets wechselseitige Bezie- hungen zwischen verschiedenen Subjekten. Die Teilnehmer werden hauptsächlich vom Bildungsträger, der AA und den weiteren Akteuren beeinflusst. Aus den wechselseitigen Beziehungen des Teilnehmers entstehen beispielhaft Fragen wie: Betreut der Träger den Teilnehmer individuell genug? Hat die AA den Teilnehmer in der für ihn richtigen Maßnahme angemeldet? Sollte sich die Jugendgerichtshil- fe auf Grund seiner Straftaten in einem höheren Maß um den Teilnehmer küm- mern? Der Draht zwischen Bildungsträger und AA ist von essentieller Bedeutung, beispielsweise kann ein guter Informationsfluss zwischen der Vermittlungsabtei- lung und den Bildungsbetreuern für den Maßnahmenverlauf der Teilnehmer von entscheidender Bedeutung sein. Darauf aufbauend ist der Einfluss der weiteren Akteure nicht zu vernachlässigen, sie stehen in ständigem Kontakt mit AA und Bildungsträger. Der Träger muss für eine erfolgreiche Arbeit, wie im Fachkonzept schon gefordert, ein weitreichendes Beziehungsnetz aufbauen, um damit die zu betreuenden Jugendlichen individuell versorgen zu können. Beispielsweise gehört hierzu ein reger Kontakt zu örtlichen Betrieben. Selbstverständlich steht auch die AA in Kontakt mit weiteren Akteuren um den Erfolg der Maßnahme zu gewähr- leisten. So beauftragt sie spezielle Berater oder bemüht sich darum, dass bei Un- ternehmen Ausbildungsplätze entstehen können.

In der weiteren Untersuchung wird der Fokus hauptsächlich auf die Beziehung zwischen Teilnehmer und Bildungsträger gerichtet, was im Rahmen einer Befra- gung der Teilnehmer näher erörtert wird. Zudem soll die Beziehung zwischen Träger und AA teilweise thematisiert werden, hier werden vor allem Expertenge- spräche mit dem Bildungsträger vor Ort sowie mit Angestellten der AA Nagold eingesetzt.

5 Methodisches Vorgehen: Fragebogenkonzeption und Durch- führung der Erhebung

5.1 Daten des Bildungsträgers

Da die AA keine gesammelten Datenbestände von vergangenen BvB-Maßnahmen führt, muss auf die Datenbestände des Trägers zurückgegriffen werden. Das CJD stellt Grunddaten wie Vor- und Nachname und Kundennummer zur Verfügung. Darüber hinaus hat der Bildungsträger die folgenden wichtigen Merkmale erfasst: Ein- und Ausstieg in die Maßnahme, Verbleib in verschiedenen Qualifizierungs- stufen, Abmeldegrund, Versuch des nachträglichen Erwerbs eines Hauptschulab- schlusses und ob der betroffene Teilnehmer von der Reha-Abteilung der AA Na- gold für die Maßnahme angemeldet wurde.

5.2 Daten der Agentur für Arbeit

Um die im Rahmen dieser Studie geplante eigene Erhebung durchführen zu kön- nen, mussten die Daten des Bildungsträgers zunächst weiter vervollständigt wer- den. Dies geschah durch einen manuellen Abgleich mit der Datenbank der BA80, aus welcher die aktuellsten Daten ergänzt wurden. Besonders wichtig waren hier die Anschrift und die Telefonnummer, ohne die eine spätere telefonische Befra- gung nicht möglich gewesen wäre. Im Zuge dieser Arbeit wurden weitere wichti- ge Teilnehmerdaten erhoben, z.B. auch der Status, den ein ehemaliger Teilnehmer aktuell laut BA hat oder der Schulabschluss vor Beginn der Maßnahme.

5.3 Daten der eigenen Erhebung

Da die Sekundärdaten der BA und des Bildungsträgers nicht ausreichen, um die Bedeutung von Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren angemessen analysieren zu kön- nen, wurde im Rahmen dieser Studie eine Primärerhebung konzipiert und durch- geführt. Für die Konzeption der Befragung wurden Expertengespräche mit dem Bildungsträger CJD und Gespräche mit Mitarbeitern der AA, die sich mit der Problematik bereits in diverser Hinsicht eingehend beschäftigt haben, durchge- führt. Das Vorgehen gewährleistet, dass Besonderheiten der BvB-Maßnahme in Nagold ganz konkret in die Erhebung und schließlich auch in die Auswertung einfließen konnten. Im Folgenden wird die methodische Vorgehensweise be- schrieben.81

5.3.1 Festlegung des Forschungsansatzes

Grundsätzlich stehen drei unterschiedliche Forschungsansätze zur Verfügung, um eine Erhebung durchzuführen: Das explorative (Zusammenhänge entdecken), das deskriptive (Zusammenhänge quantifizieren) sowie das kausale (Zusammenhänge erklären) Untersuchungsdesign.82 Das explorative und das kausale Untersu- chungsdesign sind zu vernachlässigen, da in dieser Studie mit einem deskriptiven Ansatz gearbeitet wird. Bundesweit wurde schon eine Vielzahl von Forschungen, welche ansatzweise in die gleiche Richtung gehen, veranlasst. Die AA Nagold konnte viele eigene Erfahrungen mit der BvB-Maßnahme vor Ort machen und der Bildungsträger verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Ausführung der Maßnahme. Auf Grund dessen fiel die Entscheidung im Rahmen dieser Arbeit auf einen deskriptiven Forschungsansatz. Mit deskriptiven Studien wird versucht, Gegebenheiten, die für die Problemstellung relevant sind, genauer zu beschreiben und zu quantifizieren. Diese Studien basieren auf Annahmen, die häufig zuvor im Rahmen explorativer Untersuchungen herausgearbeitet wurden.83 Im vorliegenden Fall wurden vor Beginn der Untersuchung ausführliche Gespräche z.B. mit dem Bildungsträger, Berufsberatern, Mitarbeitern des Arbeitgeberträger-Teams der AA usw. geführt.

Ziel der Studie ist demzufolge die Beschreibung des Sachverhalts und die Ermitt- lung von Häufigkeiten sowie Kreuztabellen, um hieraus mögliche Zusammenhän- ge zwischen den Variablen herauszuarbeiten.84 Mit diesen Erkenntnissen können spätere Handlungsentscheidungen der AA Nagold beeinflusst und verbessert wer- den.

5.3.2 Bestimmung der Datenerhebungsmethode und Stichprobe

Aus einer Vielzahl von verschiedenen Datenerhebungsmethoden wurde die stan- dardisierte telefonische Befragung als zweckmäßigste Methode ausgewählt. Hier werden ehemalige Teilnehmer der BvB-Maßnahme per Telefon kontaktiert und anhand eines Fragebogens befragt. Um die Befragung an das zu erwartende Bil- dungsniveau der Zielpersonen anzupassen und einer verhältnismäßigen Abbre- cherquote entgegenzuwirken, soll die Befragung nicht länger als 15 Minuten an- dauern.85 Die standardisierte telefonische Befragung bietet eine Reihe von Vortei- len, unter anderem eine zeitliche Flexibilität, die Möglichkeit für Rückfragen, ein eher geringer Interviewer-Bias86 und Zeitersparnis, da die Ergebnisse schnell ver-fügbar sind.

[...]


1 Allmendinger; Ebner (2005), S.14.

2 Vgl. Preiß (2003), S.62f.

3 Vgl. Lex (2003), S.42.

4 Vgl. Preiß (2003), S.65.

5 Vgl. Christe (2008), S. 358.

6 Berufe in vollzeitschulischer Form.

7 Vgl. Neß (2007), S. 80f, Siehe auch Anlage 1.

8 Vgl. Cechura (2004), S. 49; Preiß (2003), S. 60.

9 Vgl. Müntefering (2006).

10 Vgl. Niemeyer (URL).

11 Vgl. Baethge, Solga, Wieck (2007), S. 51.

12 Vgl. Heinz (1994), S.28.

13 In der Arbeit wird zwischen BA und AA folgendermaßen unterschieden: Mit BA ist immer die gesamte Institution der Bundesagentur für Arbeit gemeint, AA steht ausschließlich für die Agentur für Arbeit Nagold.

14 Vgl. Vogt (2005), S.19.

15 Vgl. Antoni; Dietrich; Jungkunst; Matthes; Plicht (2007), S.3.

16 Geschlechtsneutrale Formulierung: Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf die ge- schlechtsneutrale Formulierung, z.B. Teilnehmer/innen, Bewerber/innen, verzichtet. Sämtliche Rollen-Bezeichnungen gelten grundsätzlich für beide Geschlechter.

17 Vgl. Dauth (2008), S.10ff.

18 Landkreis Freudenstadt.

19 Statistische Ämter des Bundes und der Länder (URL).

20 Vgl. Landkreis Freudenstadt (URL).

21 Siehe Anlage 2.

22 Vgl. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (URL).

23 Vgl. Industrie und Handelskammer Nordschwarzwald (URL).

24 Vgl. Agentur für Arbeit Nagold (2009a), S.1 und Agentur für Arbeit Nagold (2009b), S1.

25 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009a), S.5.

26 Viele Jugendliche und Betriebe kommen ohne Beteiligung der Agentur direkt miteinander in Kontakt. Weder Ausbildungsstellen noch Bewerber sind daher in dieser Statistik verzeichnet.

27 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009b), S1. Siehe auch Anlage 3.

28 Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (2009a), S.3.

29 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009f), S.20.

30 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009f), S.9.

31 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009c), S1ff.

32 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (URL1).

33 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009f), S.11.

34 Zahlen für kompletten Agenturbezirk, bspw. inkl. BvB-Maßnahmen in Freudenstadt und Calw.

35 Auf ausbildungsbegleitende Hilfen wird nicht weiter eingegangen, da diese eine Reha-Leistung darstellen. Alle weiteren angesprochenen Maßnahmen werden in Anhang 1 weiter erläutert.

36 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (URL1).

37 In Anlage 4 werden mögliche Alternativen, d.h. sowohl Maßnahmen, als auch schulische Ange- bote (BGJ, BVJ, BEJ, BFS, EQ, BaE) kurz aufgezeigt, die sich aktuell zur BvB-Maßnahme für Jugendliche bieten.

38 Dressel; Plicht (2006), S.50.

39 Lehrgang zur Verbesserung beruflicher Bildungs- und Eingliederungschancen.

40 Grundausbildungslehrgange.

41 Förderlehrgang.

42 Lehrgänge zum Testen, Informieren, Probieren.

43 Dressel; Plicht (2006), S.50f.

44 Dies geschah im Rahmen der „Entwicklungsinitiative: Neue Förderstrukturen für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf“ (gefördert durch Bundesministerium für Bildung und Forschung, Europäischer Sozialfond und der Bundesagentur für Arbeit).

45 Näher erklärt unter 3.2.

46 Vgl. Antoni; Dietrich; Jungkunst; Matthes; Plicht (2007), S.3.

47 Clement; Martens (2000), S. 97.

48 Dem gesamten Kapitel 3.2. dient das Fachkonzept für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen nach §§61,61a SGBIII als Grundlage. (Bundesagentur für Arbeit (20.03.2009)).

49 §63a SGBIII wird in Kap. 3.2.5 behandelt, da er sich mit dem nachträglichen Erwerb des Haupt- schulabschlusses beschäftigt.

50 Sozialgesetzbuch (SGB) Drittes Buch (III).

51 Vgl. Braun; Richter; Marquardt (2007).

52 Die Berufsschulpflicht wird durch die Teilnehme an der BvB-Maßnahme nicht beeinflusst, der Berufsschulunterricht ist durch die Berufsschule weiter durchzuführen.

53 Maßnahmen nach §46 SGBIII, Regelungen der Förderung der berufl. Weiterbildung des §77 (2) SGBIII und Aktivierungshilfen nach 46 (1) S.1 Nr.1 SGBIII (für Menschen mit Behinderung und im Rechtskreis SGBII der §16 (1) SGBII) wird in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen.

54 Siehe 3.3.2.

55 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (20.03.2009), S. 1ff.

56 Bornsdorf; Schünemann (2003), S. 32.

57 Näheres erklärt in 3.2.4.1.

58 Die Wochenstundenzahl beträgt 39 Zeitstunden ohne Pausen, inkl. des Berufsschulunterrichts. Dazu besteht ein Anspruch von 2,5 unterweisungsfreien Arbeitstagen je vollen Kalendermonat.

59 Für Teilnehmer, die ausschließlich die Übergangsqualifizierung besuchen beträgt die Dauer 9 Monate. Auf weitere Besonderheiten und Verlängerungstatbestände wird nicht weiter einge- gangen.

60 Die Maßnahmenhöchstdauer darf jedoch nicht überschritten werden.

61 Als ausbildungsreif kann bezeichnet werden, wer die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestvoraussetzungen für den Einstieg in die berufliche Aus- bildung hat. Von spezifischen Anforderungen einzelner Berufe wird hierbei abgesehen. Diese und nachstehende Definition sind aus: Bundesagentur für Arbeit (20.03.2009), S.3.

62 Eine Person kann dann für einen Ausbildungsberuf, eine berufliche Tätigkeit oder Position als geeignet bezeichnet werden, wenn sie über die Merkmale verfügt, die Voraussetzung für die jeweils geforderte berufliche Leistungshöhe sind und der (Ausbildungs-) Beruf, die berufliche Tätigkeit oder die berufliche Position die Merkmale aufweist, die Voraussetzung für die beruf- liche Zufriedenheit der Person sind.

63 Qualifizierungsbausteine werden aus Ausbildungsordnungen und Ausbildungsrahmenplänen abgeleitet.

64 Nachträglich und außerhalb eines schulischen Bildungsganges erworbener Schulabschluss. Nä- her unter: Bundesagentur für Arbeit (URL3).

65 Sozialgesetzbuch (SGB) Drittes Buch (III).

66 Vergabe Nr. 401-09-61001, Los Nr. 28.

67 Vgl. CJD Jugenddorf Altensteig, DEKRA Akademie GmbH (2009).

68 Die Maßnahme wird im Zwingerweg 3, 72202 Nagold durchgeführt.

69 Christliches Jugenddorf Deutschland e.V. (URL).

70 Vgl. CJD Jugenddorf Altensteig (Hrsg.) (2009), S. 1.

71 Vgl. Vogt (2005), S.19f.

72 Die monatliche Vergütung für den Bildungsträger betrug 2008: Ca. 370€ und 2009: Ca. 470€.

73 Stigmatisierung bezeichnet die Zuschreibung eines Merkmals auf eine Person, das von der Ge- sellschaft negativ bewertet wird und sich für den einzelnen Menschen negativ auswirkt. Näher erläutert unter: Sorger (2004).

74 Ca. 15 Teilnehmer wird lediglich eine verkürzte Maßnahmendauer von 9 Monaten gewährt, sie sollen sofort in der Übergangsstufe einsteigen (ohne EA).

75 Eine Arbeitshilfe zur Kompetenzfeststellung, an welchem sich der Bildungsträger orientiert findet sich in Anlage 6.

76 Beispielhafte Modulpläne von Nagold werden in den Anlagen 10 und 11 aufgeführt.

77 Von Henry Ford *1863 †1947, Zitate.net (URL).

78 Gewöhnlich 212 Euro monatlich (Stand 08/2008), zusätzlich erhalten Teilnehmer im Praktikum ihre Fahrtkosten erstattet.

79 Vgl. INBAS (2006), S. 13.

80 Vermittlungs-, Beratungs- und Informationssystem (VerBis).

81 Ein Vergleich von Arbeitssuchenden ohne Maßnahmenteilnahme mit Teilnehmergruppen aus der zu untersuchenden Maßnahme kann im Rahmen dieser Arbeit nicht vorgenommen werden (Statistischer Zwilling).

82 Vgl. Homburg; Krohmer (2006), S. 259 und Zerr (2006), S.14.

83 Vgl. Homburg; Krohmer (2006), S. 259 und Altobelli (2007), S. 24.

84 Vgl. Duller (2006), S.62f + 121f.

85 Vgl. Homburg; Krohmer (2006), S. 269.

86 Einflüsse äußerer Merkmale der Interviewer auf das Antwortverhalten der befragten Personen. Damit geschieht eine systematische Verzerrung der Erhebungsresultate aufgrund des Einflusses der Interviewer.

Ende der Leseprobe aus 162 Seiten

Details

Titel
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen für Jugendliche nach §§ 61, 61a SGB III
Untertitel
Eine empirische Analyse möglicher Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren im Agenturbezirk Nagold
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
162
Katalognummer
V151492
ISBN (eBook)
9783640693702
ISBN (Buch)
9783640695225
Dateigröße
7139 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BvB, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Jugendarbeitslosigkeit, Berufsvorbereitung, Nutzen, Fachkonzept, Ausbildungsstellenmarkt, Bundesagentur für Arbeit, Erfolgs- und Misserfolgskriterien, §61, §61a, empirische Analyse
Arbeit zitieren
Lars Schäfer (Autor), 2010, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen für Jugendliche nach §§ 61, 61a SGB III, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151492

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