In der vorliegenden Seminararbeit wird untersucht, ob sich die Lektüre „Die Früchte der Wut“ von Tahar Ben Jelloun für einen interkulturell-literaturdidaktischen Schulunterricht eignet und zur Förderung interkultureller Kompetenz der Schülerinnen und Schüler (SuS) beiträgt. Zur Beantwortung dieser Fragestellung wird im vierten Teil der Ausarbeitung erläutert, was genau unter interkultureller Kompetenz und interkulturellem Lernen zu verstehen ist. Zuvor erfolgt eine Einführung in die Merkmale interkultureller Literatur sowie in deren Vermittlung und Didaktik, um abschließend die Eignung von „Die Früchte der Wut“ für den interkulturellen Literaturunterricht zu beurteilen. Dabei werden die Schwächen und Stärken des Romans im Hinblick auf die Möglichkeiten der interkulturellen Bildung für SuS analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale interkultureller Literatur
3. Interkulturelle Literaturdidaktik
4. Interkulturelle Kompetenz und Interkulturelles Lernen
5. Eignung des Romans „Die Früchte der Wut“ für den interkulturellen Deutschunterricht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Romans „Die Früchte der Wut“ von Tahar Ben Jelloun für den Einsatz im interkulturellen Literaturunterricht. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit die Lektüre geeignet ist, die interkulturelle Kompetenz von Schülern und Schülerinnen zu fördern, indem sowohl Stärken als auch Schwächen des Werkes hinsichtlich der interkulturellen Bildung kritisch reflektiert werden.
- Merkmale und didaktische Vermittlung interkultureller Literatur
- Entwicklung interkultureller Kompetenz und interkulturelles Lernen
- Analyse der Protagonistin Nadia als hybride Identität
- Förderung von Perspektivwechsel und Empathie durch literarische Lektüre
- Kritischer Umgang mit Stereotypen in der Migrationsliteratur
Auszug aus dem Buch
5. Eignung des Romans „Die Früchte der Wut“ für den interkulturellen Deutschunterricht
In diesem Teil der Arbeit widme ich mich nun der Eignung der Lektüre „Die Früchte der Wut“ von Tahar Ben Jelloun für den interkulturellen Literaturunterricht.
Das Buch ist schon allein deshalb interkulturell interessant, da es von einem fremdländischen Autor verfasst wurde, welche die Kultur gut präsentieren kann, aufgrund seiner kulturellen Vorkenntnisse. Zudem ist die Thematik interkulturell und zeigt das Leben in einem von Migranten stark besiedelten Pariser Vorort. Hauptfigur ist die Ich-Erzählerin Nadia, die sich politisch gegen die ungleiche Behandlung ihrer algerischen Landsleute in Frankreich zu wehren versucht. Dabei stößt sie nicht nur auf Seiten der Franzosen auf Widerstände, sondern auch und vor allem in den eigenen Reihen. Mangelnde Bildung, wachsender Islamismus, Gleichgültigkeit und die Unterdrückung der Frauen sind die Dinge, die ihr Engagement und ihre Courage antreiben.
Der Umgang mit Fremden in der KJL ist keine neuartige Thematik, sondern war schon immer ein Themengebiet der KJL. Allerdings gibt es zu viele Romane die sich nicht ausreichend mit der Situation der Betroffenen auseinandersetzten und lediglich „auf eine Harmonisierung abzielen und von wohlmeinend und idealistisch-humanistischen Gedanken geprägt sind“ (Neumann-Schacht 1998, S.20). Dies trifft bei „Die Früchte der Wut“ nicht zu. Hier werden schonungslos und ungeschönt die teilweise haarsträubenden Zustände der Migranten und deren Familien eines Pariser Vorortes geschildert.
Ein generelles Merkmal der Texte mit einer interkulturellen Thematik ist, dass sie Möglichkeiten für einen Perspektivenwechsel anbieten. Dies ist auch bei dieser Lektüre „Die Früchte der Wut“ der Fall. Für die KJL typisch ist, dass wir nur Nadias Perspektive dargelegt bekommen. Negativ daran könnte allerdings sein, dass der Blick auf das Geschehen dadurch etwas einseitig sein könnte. Jedoch ist diese Fokussierung auf den Protagonisten und seine Sichtweise auch eine typische Vereinfachung, um die Literatur kind- und jugendgerecht zu halten. Dem entgegen zu halten ist aber, dass ein multiperspektivischer Text stärker die Übernahme fremder Perspektiven fördert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Seminararbeit führt in die Fragestellung ein, ob Tahar Ben Jellouns Roman als Medium zur Förderung interkultureller Kompetenz im Schulunterricht taugt.
2. Merkmale interkultureller Literatur: Es wird definiert, was interkulturelle Literatur kennzeichnet und welche Rolle sie in einer globalisierten sowie multiethnischen Gesellschaft einnimmt.
3. Interkulturelle Literaturdidaktik: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur im schulischen Kontext und wie diese zur Identitätsentwicklung und zum Fremdverstehen beitragen kann.
4. Interkulturelle Kompetenz und Interkulturelles Lernen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der interkulturellen Bildung dargelegt, insbesondere im Hinblick auf Empathie, Perspektivwechsel und Relativierungskompetenz.
5. Eignung des Romans „Die Früchte der Wut“ für den interkulturellen Deutschunterricht: Der Roman wird konkret auf sein Potenzial hin analysiert, wobei die Identitätssuche und das Leben der Protagonistin Nadia im Fokus stehen.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass der Roman trotz klischeehafter Darstellungen eine produktive Auseinandersetzung mit Identität und Fremdverstehen ermöglicht, sofern die Stereotype im Unterricht problematisiert werden.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Lernen, Literaturdidaktik, Perspektivwechsel, Fremdverstehen, Migrationsliteratur, Identität, Hybridität, Empathie, interkulturelle Kompetenz, Stereotype, Deutschunterricht, Kinder- und Jugendliteratur, Nadia, gesellschaftliche Integration, Toleranz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eignung des Romans „Die Früchte der Wut“ von Tahar Ben Jelloun als Lehrmaterial zur gezielten Förderung interkultureller Kompetenzen bei Schülern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die Funktionen von interkultureller Kinder- und Jugendliteratur, die Bedeutung von Empathie und Perspektivwechsel sowie der didaktische Umgang mit literarischen Stereotypen in der Migrationsliteratur.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Primäres Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Roman als Werkzeug für den interkulturellen Literaturunterricht taugt, um Schüler auf ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturdidaktische Analyse, bei der fachwissenschaftliche Theorien zur interkulturellen Literatur und Kompetenz auf den spezifischen Inhalt des Romans angewendet werden.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Protagonistin Nadia, ihrer hybriden Identität zwischen algerischen Wurzeln und französischem Lebensstil sowie der Auswertung ihres Potenzials für Empathieübungen im Unterricht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturelles Lernen, Perspektivwechsel, Fremdverstehen, Migrationsliteratur und Identitätsentwicklung charakterisiert.
Welche besondere Herausforderung bei der Arbeit mit dem Roman nennt die Autorin?
Die Autorin hebt hervor, dass die Fülle an beteiligten Personen im Roman leicht zu Unübersichtlichkeit führen kann und dass die klischeehafte Darstellung einzelner Figuren zwingend eine Reflexion im Plenum erfordert.
Wie bewertet die Arbeit die Identitätssuche der Protagonistin Nadia?
Nadia wird als hybride Persönlichkeit beschrieben, die sich zwischen zwei kulturellen Welten bewegt, dabei jedoch sehr unabhängig agiert und eine wichtige Vermittlerrolle für den Leser einnimmt.
- Arbeit zitieren
- Eva Langguth (Autor:in), 2014, Interkulturelle Literaturdidaktik. Ist der Roman "Die Früchte der Wut" von Tahar Ben Jelloun für den interkulturellen Literaturunterricht geeignet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1516195