Mit dem Roman "Como agua para chocolate" der mexikanischen Autorin Laura Esquivel handelt es sich um ein Werk, in dem Geschlechterrrollen und -beziehungen auf eine neuartige Weise konstruiert werden. Da „Frauenliteratur“ häufig „Trivialität“ zugeschrieben wird, soll an erster Stelle analysiert werden, wie der Roman dieses Klischee aufgreift und sich zu diesem verhält. Dazu werden typische „triviale“ Elemente innerhalb des Romans identifiziert und sodann interpretiert. Anschließend wird der Frage nachgegangen, wie sich die Figuren des Romans zu traditionellen Geschlechterstereotypen verhalten und, ob in dem Werk gewissermaßen eine Umkehrung einer phallogozentrischen Perspektive stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Darstellung von trivialen Elementen
Vorbemerkung
2.1 „Triviale“ Elemente
2.2 Abstraktion der „trivialen“ Merkmale
2.2.1 Das Kochen nach Rezepten
2.2.2 Der Fortsetzungsroman
2.2.3 Der magische Realismus
2.2.4 Die Mexikanische Revolution
2.2.5 Die Romanze
2.2.6. Zusammenfassung
3. Die Konstruktion von Geschlecht
Vorbemerkung
3.1 Traditionelle Deutung der Geschlechter
3.2 Die Darstellung der Mutter in Como agua para chocolate
3.3 Eine Umkehrung des Phallogozentrismus?
4. Schluss
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Roman „Como agua para chocolate“ von Laura Esquivel durch die Verwendung vermeintlich „trivialer“ Elemente gesellschaftliche Geschlechterrollen und -beziehungen auf neuartige Weise konstruiert und hinterfragt.
- Analyse trivialer Stilelemente (Rezeptstruktur, Fortsetzungsroman, magischer Realismus)
- Dekonstruktion traditioneller Geschlechterrollen im literarischen Kontext
- Untersuchung von Machtverhältnissen zwischen Natur, Kultur und den Romanfiguren
- Kritische Reflexion über die Kategorisierung von Literatur und Männlichkeit/Weiblichkeit
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das Kochen nach Rezepten
Die Protagonistin Tita "arribó a este mundo prematuramente, sobre la mesa de la cocina" (Esquivel, 1989, S. 6). Sie wird in der Küche geboren und da Mamá Elena Tita nicht stillen kann, wächst sie bei der Köchin Nacha auf. Tita ist daher zu einem Leben in der Küche determiniert, was durch die Tradition, dass die jüngste Tochter nicht heiraten darf und sich ihr Leben lang um die Mutter kümmern muss, verstärkt wird. Zusätzlich zeigt sich, dass die Rezepte die Handlung eines Kapitels jeweils deutlich mitbestimmen: So führen z. B. die Wachteln in Rosenblättern im dritten Kapitel dazu, dass Tita und Pedro auf neue Art miteinander kommunizieren und dass Gertrudis das Haus verlässt. Außerdem beginnen die Rezeptbeschreibungen jeweils am Anfang eines Kapitels und ziehen sich dann schrittweise durch die weitere Handlung.
In gewisser Weise steht der beschriebene Prozess der Zubereitung im Widerspruch damit, dass das fertige Rezept am Anfang des Kapitels erscheint und bereits am Ende des vorhergehenden Kapitels angekündigt wurde. Es scheint, als würden sich zwei Konzepte gegenüberstehen: Präskription und Deskription, Sein und Werden. Durch die Beschreibung der Zubereitungsschritte innerhalb eines Kapitels entsteht der Eindruck, dass Kochen ein Prozess ist. Für diesen ist erstens praktische Erfahrung nötig – gerade, wenn die gewünschten Zutaten erst noch hergestellt werden müssen – und zweitens "mucho amor" (ebd., S. 110). Versteckt sich dahinter vielleicht eine Kritik an Präskriptionen und die daraus folgende Determinierung?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Umgang des Romans mit gesellschaftlichen Strukturen und der Konstruktion von Gender im Kontext von „Frauenliteratur“ vor.
2. Die Darstellung von trivialen Elementen: Dieses Kapitel analysiert die im Roman verwendeten Klischees und Gattungsmerkmale wie Rezepte und den Fortsetzungsroman hinsichtlich ihrer reflexiven Bedeutung.
3. Die Konstruktion von Geschlecht: Hier werden traditionelle Geschlechterdebatten und Gender-Theorien auf die Figurenkonstellation und die Mutter-Tochter-Verhältnisse im Roman angewendet.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und verneint eine reine Umkehrung des Phallogozentrismus, da der Roman stattdessen feste Grenzziehungen zwischen Geschlechtern auflöst.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Forschungsquellen und Primärtexte.
Schlüsselwörter
Como agua para chocolate, Laura Esquivel, Geschlechterrollen, Trivialliteratur, Gender Studies, Magischer Realismus, Phallogozentrismus, Märchen, Mexikanische Revolution, Tradition, Weiblichkeit, Männlichkeit, Literaturanalyse, Kochrezepte, Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Roman „Como agua para chocolate“ der mexikanischen Autorin Laura Esquivel im Hinblick auf seine literarische Struktur und die darin vermittelten Rollenbilder.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung des Werkes als Trivialliteratur sowie die sozio-kulturelle Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob der Roman die ihm zugeschriebenen „trivialen“ Klischees lediglich reproduziert oder diese reflexiv nutzt, um Geschlechterrollen zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Ansätze aus den Gender Studies und der feministischen Theorie genutzt, um Gattungsmerkmale sowie die Figurenkonstellationen im Roman kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer „trivialer“ Elemente wie Kochen und Fortsetzungsromane einerseits und die theoretische Untersuchung von Geschlechtsidentitäten im Kontext des Romans andererseits.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gender, Phallogozentrismus, Diskurs, Tradition, Natur, Kultur sowie der Magische Realismus.
Inwieweit nutzt Laura Esquivel das Kochen als stilistisches Mittel?
Das Kochen strukturiert die Kapitel und dient als Bindeglied zwischen den festen gesellschaftlichen Normen (Tradition) und der persönlichen Handlungsebene der Protagonistin Tita.
Kann man von einer reinen Umkehrung des Phallogozentrismus im Roman sprechen?
Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Roman keine reine Umkehrung bietet, da diese ebenfalls feste Definitionsgrenzen voraussetzen würde, die der Text gerade nicht liefert.
Wie werden die Mutterfiguren im Roman dargestellt?
Sowohl leibliche als auch stellvertretende Mütter sprengen das stereotype Frauenbild, da sie entweder wenig Emotionalität zeigen oder sich nicht in die traditionelle Passivität drängen lassen.
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- Deborah Weißer (Author), 2010, Die Konstruktion von Geschlecht in "Como agua para chocolate" von Laura Esquivel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1516330