Dieser Sammelband enthält vier Texte, zwei davon in englischer Sprache.
Die erste Arbeit analysiert Atwoods moderne Interpretation der Figuren in "Hag-Seed" und beleuchtet insbesondere die Frage, ob das zentrale Gedankenkonstrukt des Protagonisten Felix eher mit der Figur der Miranda oder mit dem Geist Ariel aus "The Tempest" vergleichbar ist. Die Analyse setzt Shakespeares Originalfiguren in Beziehung zu Atwoods Charakteren, insbesondere in ihren Konstellationen zu Prospero bzw. Felix, und untersucht, wie Atwood diese komplexen Identitäten und Beziehungen adaptiert und neu interpretiert.
Der zweite Text bietet einen kritisch-postkolonialen Zugang zu Shakespeares Werk. Nach einer postkolonialen Lesart des Stücks entwirft Shakespeare mit der Insel, auf der die Handlung stattfindet, quasi eine modellhafte Kolonie und mit den Figuren, die diese Insel bevölkern, die Prototypen des technologisch wie vermeintlich moralisch überlegenen Imperialisten, Prospero, und des dämonisierten, unverbesserlichen „Wilden“ Caliban, der aufgrund seiner „barbarischen“ Qualitäten naturgemäß nichts anderes sein kann als ein Sklave.
Shepherds sitting in nature, singing and making music together and overall enjoying the Golden Age. Those are typical attributes for the pastoral genre. When thinking of Shakespeare's "The Tempest" (1611) a betrayed sorcerer or maybe the enslaved native Caliban comes to mind, not relaxed shepherds. However, it is a pastoral play which the third term paper will prove.
We can see that music has a huge impact on both the figures in the play and the audience, as the drama "The Tempest" was actually written to be performed rather than to be read. Nonetheless it is not enough to say that music is only used to create a nice background sound for the play. One can even go so far and say that music plays the main role and the whole play only revolves around music. In order to prove this, the final essay will show the important functions of music and musical elements.
Inhaltsverzeichnis
Ariel und Miranda. Zu einer Figurenkonstellation in Shakespeares The Tempest und ihrer Umgestaltung in Margaret Atwoods Roman Hag-Seed (Hausarbeit, 2020)
1. Einleitung
2. Vergleichscharaktere der Miranda
2.1 Das Original: Die Miranda aus The Tempest
2.1.1 Erziehung und Bildung als zentrale Elemente der Vater-TochterBeziehung
2.1.2 Doppelte Funktion der Eheschließung von Miranda und Ferdinand
2.2 Atwoods fluide Figurenkonzeption der Miranda
2.2.1 Gegenüberstellung der Töchter von Prospero und Felix
2.2.2 Die Besetzung der Miranda durch Anne-Marie Greenland
3. Vergleichscharaktere des Ariel
3.1 Das Original: Der Luftgeist Ariel aus The Tempest
3.1.1 Konzeptionelle Bestimmung des Luftgeistes
3.1.2 Ariels Geschlechtereinordnung
3.2 Atwoods fluide Figurenkonzeption des Ariels
3.2.1 Gegenüberstellung von Felix‘ Tochter und dem shakespeareschen Ariel
3.2.2 Die Besetzung des Ariel durch 8Handz
4. Fazit
Der Sturm von William Shakespeare. Die Beherrschung von Mensch und Natur und die Idee des "natürlichen" Menschen zu Beginn des 17. Jahrhunderts (Hausarbeit, 2021)
1. Einleitung: Der elisabethanische Diskurs um die „Schöne neue Welt“
2. Methode: Die literaturwissenschaftliche Diskursanalyse
3. Macht: Prosperos Beherrschung von Mensch und Natur
4. Gonzalo und Prospero: Zwei Perspektiven auf den „natürlichen Menschen“
5. Fazit: Caliban als „Verlierer im Weltprozeß“
Arden and Arcadia. Presence of Pastoral Tradition in Shakespeare's The Tempest (Hausarbeit, 2016)
1. Introduction
2. Classic Pastoral
2.1. Theocritus' Idylls
2.2. Virgil's Eclogues
3. The Tempest and the Pastoral
3.1. The Question of Genre
3.1.1. The Genre of Pastoral
3.1.2. Tragicomedy
3.2. Pastoral Themes
3.3. The Tempest in a Classical Context
4. Conclusion
The Role of Music in Shakespeare's The Tempest (Essay, 2011)
1. Introduction
2. Analysis and Interpretation
2.1 Music as a Message
2.2 Music as Essential Part of the Play
2.3 Music as a Power-Tool
3. Conclusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten analysiert Shakespeares Drama "The Tempest" aus verschiedenen literaturwissenschaftlichen Perspektiven, wobei der Fokus auf der Figurenkonstellation, dem Diskurs über Macht und Natur, pastoralen Traditionen sowie der integrativen Rolle von Musik liegt.
- Adaption und Figurenkonzeption in Margaret Atwoods "Hag-Seed"
- Postkoloniale Perspektiven auf Machtverhältnisse, Kolonisation und das Konzept des "natürlichen Menschen"
- Die pastorale Tradition und ihre Präsenz in Shakespeares Werk
- Funktionen und Wirkungsweisen von Musik als Gestaltungselement und Machtinstrument
- Vergleichende Analyse klassischer antiker Vorlagen und ihrer Rezeption bei Shakespeare
Auszug aus dem Buch
3. Macht: Prosperos Beherrschung von Mensch und Natur
Der usurpierte und gemeinsam mit seiner Tochter Miranda exilierte Herzog Prospero hat sein Exil kolonisiert, die natürlichen wie die übernatürlichen Ressourcen der Insel ausgebeutet und den einzigen menschlichen Inselbewohner, Caliban, versklavt. Nach eigenem Ermessen landete Prospero dank providence, göttlicher Vorsehung, auf ebendieser Insel, „um hier der Herrscher zu sein.“13 Dieser selbstverständliche Herrschaftsanspruch Prosperos ist zum Nachteil Calibans, der vor dessen Ankunft auf der Insel „[s]ein eigener König“ war und das Eiland als Sohn der Hexe Sycorax selbst als seinen rechtmäßigen Besitz beansprucht.14 Aus historischer Perspektive fällt die Entstehung der Institution der Kolonie mit dem Merkantilismus und dem Aufschwung des Liberalismus als Wirtschaftslehre zusammen. In der merkantilistischen Vernunft wird das kolonisierte Subjekt „Objekt, Körper und Ware“;15 so auch Caliban. Dementsprechend hierarchisch sind die Machtverhältnisse auf der Insel vor dem Eintreffen der Hofgesellschaft strukturiert; sie fallen eindeutig zugunsten Prosperos aus, der als Bourgeois seiner Zeit an die Macht der Kultur, eine protestantische Arbeitsethik und eine hierarchische, „natürliche“ Ordnung glaubt.
Dem verbannten Adeligen kommt schon zu Beginn des Stücks die alleinige Macht auf der erzähltheoretischen Ebene zu. In der zweiten Szene des ersten Akts führt er seine Tochter Miranda und damit das Publikum monologisch in die Handlung ein und beansprucht damit die Deutungshoheit über die Vorfälle vor Einsetzen der Spielhandlung; in der Folge lässt er keine Gelegenheit aus sich als edel, weise und um sein rechtmäßiges Fürstentum betrogen zu inszenieren. Er ordnet seinen Luftgeist Ariel zwar an, einen Sturm aufziehen zu lassen, um das Schiff seiner Usurpatoren, durch göttliche Vorsehung an die Küste seines Exils verschlagen, zum Untergang zu bringen; jedoch wird keinem der Schiffbrüchigen auch nur „ein Haar gekrümmt“16 — ein niederes Motiv für Prosperos Handeln wie das der Rache kann also ausgeschlossen werden. Vielmehr muss die rechtmäßige dynastische Abfolge deswegen wiederhergestellt werden, weil es die „natürliche“ Ordnung eben so verlangt; dabei ist für den rechtmäßigen Herzog Mailands jedes Mittel legitim.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verortet Shakespeares Drama "Der Sturm" am historischen Beginn von Diskursen über Kolonisation und beschreibt die Insel als modellhafte Kolonie.
2. Methode: Die literaturwissenschaftliche Diskursanalyse: Hier wird die Eignung der Diskursanalyse nach Michel Foucault für einen kritisch-postkolonialen Zugang zum Werk dargelegt, um Machtmechanismen zu untersuchen.
3. Macht: Prosperos Beherrschung von Mensch und Natur: Das Kapitel behandelt Prospero als kolonialen Akteur, der seine Macht über Caliban und die Inselressourcen durch Magie und europäische Herrschaftsstrukturen sichert.
4. Gonzalo und Prospero: Zwei Perspektiven auf den „natürlichen Menschen“: Dieser Abschnitt kontrastiert Gonzalos utopischen Naturzustand mit Prosperos patriarchaler Deutungshoheit über menschliche Natur und Ordnung.
5. Fazit: Caliban als „Verlierer im Weltprozeß“: Das Fazit fasst die Bedeutung von Caliban als Symbol für Widerstand zusammen und reflektiert über die Interpretation des Dramas als Dokument kolonialer Gewalt.
Schlüsselwörter
William Shakespeare, The Tempest, Der Sturm, Margaret Atwood, Hag-Seed, Kolonialismus, Machtstrukturen, Pastoral, Natur, Aristoteles, Michel Foucault, Identität, Prospero, Caliban, Ariel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in den wissenschaftlichen Arbeiten grundsätzlich?
Die Arbeiten untersuchen Shakespeares "The Tempest" und dessen Rezeption bzw. Adaption, unter anderem durch Margaret Atwood, unter Berücksichtigung literarischer, politischer und philosophischer Kontexte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Machtverhältnisse des Kolonialismus, die pastorale Tradition, die Charakterkonzeption von Figuren wie Miranda und Ariel sowie die Rolle von Musik im Drama.
Was ist das Ziel der hier untersuchten Analysen?
Ziel ist es, die Vielschichtigkeit von Shakespeares Werk zu beleuchten, aktuelle Themen wie Identität, Schuld und Trauer zu verarbeiten oder die ästhetische Funktion von Elementen wie Musik und Pastoral zu ergründen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden vorwiegend verwendet?
Die Autoren nutzen Ansätze der literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse, vergleichende Analysen (Komparatistik) und postkoloniale Lesarten, um die Diskurse im Werk freizulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeiten behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung spezifischer Motive, wie der Erziehung von Figuren, der politischen Instrumentalisierung von Ehe oder der Funktion von Musik als Machtwerkzeug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeiten am besten?
Die Analysen werden primär durch Begriffe wie Kolonialismus, Macht, Pastoral, Identität, Natur, Musik und literarische Adaption geprägt.
Inwiefern beeinflusst die Entstehung von "Hag-Seed" die Interpretation von Shakespeares Miranda?
Atwood interpretiert Miranda als eine fluide Identität, die sowohl die klassische Rolle einer Tochter als auch Aspekte von Ariel in sich vereint und so das Konzept der idealen Tochter kritisch hinterfragt.
Welche Rolle spielt Musik explizit im Zusammenhang mit Prosperos Machtanspruch?
Musik fungiert im Drama als "Power-Tool", mit dem Prospero atmosphärischen Einfluss auf andere Figuren nimmt, diese manipuliert oder deren Wahrnehmung seiner Macht legitimiert.
- Quote paper
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Editor), Leon Maack (Author), Anne Sander (Author), Anna Miller (Author), 2024, Interpretationsansätze zu Shakespeares "The Tempest". Ein Vergleich mit Atwoods "Hag-Seed", die Idee des „natürlichen“ Menschen, pastorale Einflüsse und die Rolle der Musik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1517030