Ursachen und Folgen der europäischen Kreuzzüge


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen und Motivation der Kreuzzüge

3. Die Kreuzzüge
3.1 Der erste Kreuzzug
3.2 Die Gründung der Kreuzfahrerstaaten
3.3 Der zweite Kreuzzug
3.4 Der dritte Kreuzzug
3.5 Die Kreuzzüge vier bis sieben

4. Die Folgen der Kreuzzüge
4.1 Ritterorden
4.2 Auswirkungen auf die christliche und die islamische Kultur

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man sich mit den Ursachen und Auswirkungen der Kreuzzüge auseinandersetzt, werden sich diverse Fragestellungen und Problemfelder auftun, die zu vielfältigen Kontroversen anregen.

Grundlegend wirft sich die Frage auf, warum die christliche und muslimische Welt beiderseitiges Interesse an der „heiligen“ Stadt Jerusalem bekundeten und warum deshalb ein Konflikt entstanden ist, der bis in die heutige Zeit hineinreicht. Außerdem sind die Motive zu klären, die für die Kreuzfahrten ursächlich waren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum die Phase der Kreuzzüge im Orient im Hochmittelalter, sieht man von Reconquista und späteren Kreuzzügen wie dem Kreuzzug von Nikopolis1 ab, annähernd 200 Jahre anhielt. Des Weiteren Stellt sich die Frage, wie viele Kreuzzüge an die östliche Mittelmeerküste unternommen wurden und von wem sie ausgerufen und bestritten wurden. Handelten die Kreuzfahrer grundsätzlich im Interesse der Kirche, oder verfolgten sie eigene Ziele? Man muss sich damit auseinandersetzen, ob die Kreuzfahrer, die aus unterschiedlichen Herkunftsländern kamen miteinander kooperierten, oder ob sie untereinander in Strittigkeiten verfielen. Was waren die Auswirkungen und Folgen der europäischen Kreuzzugsbewegung?

Neben Demurger zählen Herr und Cole, als englischsprachiger Historiker, zu führenden Forschern im Bereich der Geschichte der Kreuzzüge. Um Ganzheitlichkeit zu gewährleisten, ist es wichtig neben Quellen von europäischen Zeitgenossen die Erlebnisberichte von Chronisten aus dem Orient einzubeziehen.

Der erste Teil befasst sich mit den Ursachen der Kreuzfahrten. Der zweite und umfassendste Abschnitt wird den Verlauf der Kreuzzüge und die Entstehung der Kreuzfahrerstaaten darstellen. In der Fachlitertur werden die ersten drei Kreuzüge besonders intensiv erforscht. Im letzten Teil werden die Auswirkungen und Folgen erörtert.

Aufgrund der Zeitspanne von fast zwei Jahrhunderten, kann nicht jedes Detail aufgeführt werden. Ziel und Zweck ist es, wesentliche Ereignisse, die dem Betrachter das Durchdringen der Thematik erleichtern, zu nennen und gegebenenfalls zu erörtern. Dennoch wird in der Arbeit versucht, eine Darstellung vorzulegen, die es dem Leser ermöglicht, einen Einblick in die gesamte Phase zu bekommen und diese in ihren Zusammenhängen zu begreifen.

2. Ursachen und Motivation der Kreuzzüge

Seit der Spätantike reisten christliche Pilger ins heilige Land nach Jerusalem. Jerusalem hatte für die Christen einen sehr hohen religiösen Stellenwert. Einerseits war nach christlicher, mittelalterlicher Vorstellung Jerusalem die von König David2 gegründete,3 heilige Stadt und zum anderen war dort das heilige Grab Christi, weil „(…) Helena, die Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantin, dort im vierten Jahrhundert das wahre Kreuz Christi aufgefunden hatte“4 und weil Kaiser Konstantin eine Basilika neben der anastasis5 mit dem Grab Christi errichten ließ.6 Die Aussage muss nach dem heutigen Stand der Wissenschaft berichtigt werden, da aus frühgeschichtlichen Quellen hervorgeht, dass Jerusalem bereits in der Bronzezeit, also 3000 vor Christus besiedelt war und obiger Kontext sinnbildlich, religiös verstanden werden muss. Darüber hinaus war aus biblischer Sicht Jerusalem eine maßgebliche Wirkungsstätte im Leben des Jesus Christus gewesen. Auch andere Wallfahrtsorte, wie Bethlehem, Nazareth7 und der Jordan waren wesentliche Ziele, die der pilgernde Christ aufsuchte, um Buße zu tun.

Ein grundlegendes Spannungsfeld im Bezug auf Jerusalem resultierte daraus, dass sowohl die monotheistische Weltreligion des Islams, als auch die des Christentums Interesse an dieser Stadt bekundeten. Neben Mekka und Medina reihte sich Jerusalem, als Ort der nächtlichen Himmelreise des Propheten Mohammeds8, bei den Muslimen bezüglich des religiösen Stellenwertes ganz oben ein und war somit auch Wallfahrtsort der Muslime. Überdies blieb das Judentum von den Übergriffen der Kreuzfahrer nicht verschont.

Betrachtet man den Wirkungskreis der muslimischen Welt und den, der christlichen Welt in geographischer Hinsicht, stellt man fest, dass sich der islamische Machtbereich bis ins siebte Jahrhundert hinein stark ausgebreitet hatte. Er umfasste Persien, Arabien, Nordafrika und sogar große Teile des heutigen Spaniens. Erst im Jahre 1270 konnten christliche Könige im Zuge der Reconquista9 die spanischen Gebiete zurückerobern. Die anderen islamischen Machtbereiche blieben bis ins zwölfte Jahrhundert und teilweise bis heute stabil. Der Machtbereich der christlichen Welt umfasste zu dieser Zeit hingegen das germanische Nachfolgereich des weströmischen Reiches und das oströmische, beziehungsweise das byzantinische Reich. Das byzantinische Reich war zu diesem Zeitpunkt sehr mächtig, denn „bis zum Einbruch der Türken besitzt Byzanz den ganzen Vorderen Orient, Libyen und Ägypten, reicht bis an den Kaukasus und nach Persien, beherrscht bis zum Einbruch der Normannen den Balkan, Unteritalien und Sizilien“.10 Die Eroberung Jerusalems durch die Araber im Jahre 638 war zunächst kein grundlegender Einschnitt für die christlichen Pilgerfahrten, da das heilige Grab trotz der muslimischen Herrschaft unter Kontrolle des griechischen Klerus geblieben ist.11 Schutzherr für die christlichen Pilger war der byzantinische Kaiser. Die islamische Toleranz hielt lange vor, denn sie wurde erst im elften Jahrhundert durch den Kalifen12 von al-Hakim gebrochen. Er verfolgte christliche Pilger und Juden und schuf folglich ein großes Konfliktpotential zwischen Christen und Muslimen.13 Im Jahre 1055 eroberten türkische Seldschuken Bagdad und besetzten Jerusalem. Darüber hinaus störten sie christliche Pilgerzüge. In der Schlacht von Mantzikert 1071, „bricht das Rückrat der militärischen und politischen Macht des byzantinischen Reiches in Kleinasien“14 und die Seldschuken gründeten ihr Sultanat. Infolgedessen rief im Jahre 1095 Papst Urban der II. in Clermont zum ersten Kreuzzug auf, um das heilige Grab Christi zu befreien und Byzanz zu helfen. Hingegen sah der Historiker Carl Erdmann denn eigentlichen Grund, warum der Papst zu den Kreuzzügen aufrief nicht in der Befreiung Jerusalems, sondern in der von Papst Gregor VII. bereits geplanten Vereinigung der christlichen Kirche.15

Die muslimische Welt war allerdings uneinig, denn es gab verschiedene Strömungen. Auf der einen Seite herrschten die Sunniten auf der anderen die Schiiten, um zwei wesentliche Konfessionen zu nennen. Grundlegende Meinungsverschiedenheiten innerhalb dieser Glaubensgemeinschaften waren religiöser Art, Machtansprüche zwischen Mekka und Medina und die Konkurrenz arabischer Stämme untereinander.

Die Kreuzritter sollten es aber nicht verstehen, sich diesen Konflikt sinnvoll zu Nutze zu machen.16

Die Motivation der Kreuzfahrer, dass heilige Land zu befreien resultierte nicht zuletzt daraus, dass sie vom Papst den Kreuzzugsablass erhielten und weil sich das hungernde Volk in Frankreich Besserung im heiligen Land versprach.17 Ein weiterer Grund für die Motivation ins heilige Land zu reisen, war, dass nicht nur in Frankreich Hungersnöte vorherrschten, sondern überall in Europa und somit waren nach Bradford Kreuzfahrer aus ganz Europa dabei.18 Außerdem lieferten sich etliche Fürsten innerhalb ihrer Machtbereiche sehr viele Fehden. Durch den Kreuzzug gab es die Möglichkeit den Zankapfel ins Ausland zu verlagern. Allerdings vertritt Knefelkamp an dieser Stelle eine andere Meinung, denn nach ihm waren im ersten Kreuzzug auf Grund des Investiturstreites19 nur französische und normannische Ritter beteiligt und das heilige römische Reich hielt sich vorübergehend zurück.20

Darüber hinaus sah der Papst in der Bedrohung des byzantinischen Reiches durch die Türken eine mittelbare Gefahr für die römisch-katholische Kirche und die westeuropäischen Reiche. Ein Hilfeersuchen auf dem Konzil von Piacenza im Jahre 1095 durch Boten des byzantinischen Kaisers erwähnte der Chronist Bernold von Konstanz, „Ebenso kam eine Gesandtschaft (…), die den Papst (…) anflehte, ihm gegen die Heiden irgendeine Hilfe zur Verteidigung der heiligen Kirche zu bringen (…)“.21 Dies hatte wiederum zur Folge, dass das byzantinische Reich vorsorglich unterstützt werden musste. Des Weiteren wurden Kreuzfahrer dadurch angespornt, dass ihnen und ihren Familien des Schutzes der eigenen Unversehrtheit und des Eigentums versichert wurden und dass sie vorübergehend von Dienstleistungs- aufgaben, die aus dem Feudalsystem resultierten, und von Schulden, Zinsen und Steuern befreit wurden.22 Auf Grund des Denkens im Mittelalter, nämlich dem Festhalten an der Theorie der Vierreichelehre, erwarteten die Menschen in naher Zukunft das Jüngste Gericht. Infolgedessen sollte im himmlischen Jerusalem eine gerechte Welt entstehen. Durch den Untergang des weströmischen Reiches war nach der Theorie der vier Phasen der Geschichte aus Sicht der westeuropäischen Welt das Ende nahe. Folglich motivierte diese sozusagen letzte Chance des Aufbruchs die Menschen im Mittelalter dazu, dass sie versuchten, sich, solange noch Zeit dazu war, für das Jenseits zu bewehren.23 Die Liste der Motive wäre beliebig zu ergänzen, allerdings muss auf Grund des Umfangs auf einzelne Schicksale und außergewöhnlichere Betrachtungsweisen verzichtet werden.

[...]


1 Der Kreuzzug von Nikopolis gilt als der letzte Kreuzzug. Er wurde 1396 ausgeführt.

2 Israelitischer König. Er lebte von 1040 bis 965 v. Chr.

3 Vgl. Herr, F., Kreuzzüge. Luzern, Frankfurt a. M. 1969, S. 8.

4 Demurger, A., Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden, München 2003, S. 33.

5 Darstellung der Auferstehung der Christii.

6 Vgl. Demurger, A., a.a.O., S. 33.

7 Vgl. Ruville von, A., Die Kreuzzüge. (Bd. 5., Hausmann, S.,), Bonn, Leipzig 1920, S. 6.

8 Begründer des Islam. Er wurde um 570 in Mekka geboren und starb 632 n. Chr. in Medina.

9 Reconquista ist die Phase der „Wiedereroberung“ in Spanien durch Christen. Beendet wurde sie, durch die Eroberung Granadas im Jahre 1492. Besiegt wurden die Araber.

10 Herr, F., a.a.O., S. 61.

11 Vgl. Valentin, V., Illustrierte Weltgeschichte. München, Zürich 1959, S. 214.

12 Kalifen sind die Nachfolger Mohammeds und die legitimen Herrscher.

13 Vgl. Demurger, A., a.a.O., S. 34.

14 Herr, F., a.a.O., S. 62.

15 Vgl. Cole, P. J., The Preaching of the Crusades to the Holy Land, 1095-1270. Cambridge, Massachusetts 1991, S. 3.

16 Vgl. a.a.O.., S. 62f.

17 Vgl. Knefelkamp, U., Das Mittelalter. Geschichte im Überblick, Paderborn, München, Wien, Zürich 2002, S. 170.

18 Vgl. Bradford, E., Kreuz und Schwert. Der Johanniter / Malteser Ritterorden. Berlin 1972, S. 14f.

19 Der Investiturstreit war ein Konflikt zwischen dem Papsttum und den europäischen Königen. Er resultierte daraus, dass sowohl die Kirche als auch die Könige das Recht beanspruchten, Bischöfe einzusetzen. Endgültig beigelegt wurde er erst im Jahre 1122 in Wormser Konkordat

20 Vgl. Knefelkamp, U., a.a.O., S.172.

21 Milger, P., Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes, München 1988, S. 45.

22 Vgl. Klein, B., Die Kreuzzüge. (Bischöfliches Dom- und Diösezanmuseum), Mainz 2004, S. 28

23 Vgl. Knefelkamp, U., a.a.O., S. 13.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ursachen und Folgen der europäischen Kreuzzüge
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V151780
ISBN (eBook)
9783640634668
ISBN (Buch)
9783640634781
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit gibt einen Überblick über die Ursachen und Folgen der europäischen Kreuzzugsbewegung. Die einzelnen Kreuzzüge werden vorgestellt. Dabei werden die ersten drei Kreuzzfahrten aufgrund ihrer Bedeutung ausführlicher behandelt. Außerdem wird auf die Entstehung und Aufgabe der geistlicher Ritterorden, wie dem Deutschen Orden, dem Templerorden sowie dem Johanniterorden eingegangen. Als besonders erfreulich wurde im Gutachten erwähnt, dass es dem Autor gelang, die komplexe Thematik knapp und dennoch sehr übersichtlich darzustellen.
Schlagworte
Kreuzzug, Kreuzfahrer, Kreuzfahrerstaaten, Ritterorden, Papst Urban, Saladin, Akkon, Nicaea, Jerusalem, Tripolis, Edessa, Antiochia, Richard Löwenherz, Byzanz, Templerorden, Jonanniterorden, Deutsche Orden, Babarossa, Baldiun
Arbeit zitieren
Diplomsportwiss. Ökonomie und Management Jan Schönherr (Autor), 2004, Ursachen und Folgen der europäischen Kreuzzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151780

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