Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in Frankreich und Deutschland

Ein Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Frankreich – ein europäischer Sonderfall

2 Die historische Bevölkerungsentwicklung Frankreichs im Vergleich zu Deutschland

3 Frankreich und Deutschland nach
3.1 Bevölkerungsanstieg bis zu den 60er und 70er Jahren
3.2 Rückläufige Geburtenraten im Anschluss

4 Frankreich und Deutschland: Die demographische Situation der letzten Jahre
4.1 Die Bevölkerungsstruktur der beiden Länder
4.1.1 Altersstruktur
4.1.2 Bevölkerungsdichte und –verteilung
4.1.3 Einkommen und Wohlstand
4.1.4 Sprachen, Ethnien und Religionen
4.2 Prognosen und Vorausberechnungen

5 Fazit: Viele Unterschiede, einige Gemeinsamkeiten

6 Literatur

1 Frankreich – ein europäischer Sonderfall

In vielerlei Hinsicht stellt Frankreich in seiner Entwicklung einen Sonderfall im europäischen Vergleich dar. Sowohl die wirtschaftliche, wie auch die Entwicklung der Bevölkerung verlaufen keineswegs so, wie man es von solch einem Land erwarten würde. Gerade aus heutiger Sicht könnte man davon ausgehen, dass sich die Republik ähnlich wie ihr Nachbarstaat Deutschland entwickelt hat – doch die Unterschiede zur Bundesrepublik und zum europäischen Durchschnitt sind in vielen Bereichen beträchtlich. In den folgenden Kapiteln sollen die größten Unterschiede und auch etwaige Gemeinsamkeiten in der Entwicklung der Bevölkerung und der Bevölkerungs- und Gesellschaftsstruktur zwischen Frankreich und Deutschland aufgezeigt werden. Hierbei maßgeblich sind freilich die bekannten Bereiche der Bevölkerungsgeographie: Entwicklung – gelenkt durch Fertilität, Mortalität sowie Migration – und Struktur, bezogen auf Alter, Bevölkerungsdichte und –verteilung sowie die ethnische Zusammensetzung und Wohlstandsentwicklung der Populationen. Hervorzuheben sind dabei sicherlich die regionalen Unterschiede Frankreichs, denen ein hochkomplexes Beziehungsgeflecht aus Wirtschaft und Gesellschaft zugrunde liegt. Aus aktuellem Anlass soll auch auf die sogenannten Bevölkerungsvorausberechnungen eingegangen werden, die im November 2009 veröffentlicht wurden. Hier werden die Unterschiede zwischen Frankreich und vielen Staaten Europas sehr deutlich, was freilich auch immer mehr zum Politikum wird; So wird immer öfter von der Herausforderung demographischer Wandel oder gar vom „demographischen Niedergang“ gesprochen (Birg 2005, 53).

2 Die historische Bevölkerungsentwicklung Frankreichs im Vergleich zu Deutschland

Da sich in der Historie Frankreichs die Ländergrenzen immer wieder verändert haben, ist es beinahe unmöglich, einen einheitlichen Raum zur Untersuchung der Bevölkerung zu finden, was die Zeit der Antike bis hin zum Mittelalter betrifft. Hier unterscheiden sich die Angaben deutlich. Im Mittelalter kann man allerdings von einer Einwohnerzahl von etwa 15 Millionen Menschen ausgehen (Pletsch 2003, 100). Im 14. Jahrhundert ging die Bevölkerungszahl deutlich zurück, wie sie das in ganz Europa tat – mehrere Pestwellen rafften Millionen Menschen dahin. Doch in Frankreich waren die Auswirkungen erheblich größer als in Deutschland, wo etwa 10% der Bevölkerung dem „schwarzen Tod“ erlag (Vasold 2003, 304). In Frankreich schwappten vier große Pestwellen über das Land und hatten großen Anteil daran, dass die Bevölkerung um etwa 40% zurückging. Weitere Gründe für den Rückgang waren Hungersnöte und Kriege, allen voran der Hundertjährige Krieg gegen England. Man spricht von dieser Zeit als „Wüstungsphase“ mit einem Wüstungsquotienten von 25 %. Viele ausgestorbene Regionen blieben dauerhaft unbesiedelt und erste Anzeichen der regionalen Ungleichheiten Frankreichs wurden deutlich (Pletsch 2003, 100). Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, bis die Einwohnerzahl Frankreichs wieder den Stand vor der Wüstungsphase erreicht hatte. Bis ins 18. Jahrhundert stieg die französische Bevölkerung kaum an, sondern stagnierte bei einem Wert um die 20 Millionen (INSEE). Erst Mitte des 18. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung merklich an und erreichte europäisches Topniveau. 1750 hatte Frankreich in etwa 25 Millionen Einwohner und war damit das bevölkerungsreichste Land Europas. Deutschland beispielsweise hatte nur eine etwa zwei Drittel so große Bevölkerung (Haensch 1998, 254). Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl Frankreichs weiter an, was wohl hauptsächlich auf die medizinischen Fortschritte zurückzuführen ist, die eine steigende Lebenserwartung, sowie eine sinkende Sterblichkeitsrate zur Folge hatten. Eine sehr atypische Entwicklung im europäischen Vergleich nahm die französische Bevölkerung auch im 19. Jahrhundert.

Zwar stieg die Einwohnerzahl deutlich, jedoch bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie in den meisten übrigen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien oder Deutschland. Bis zum Ausbruch des deutsch-französischen Krieges erreichte Frankreich eine Einwohnerzahl von gut 38 Millionen (INSEE). In Deutschland lebten zu dieser Zeit etwa 41 Millionen Menschen (DESTATIS), was aufgrund der niedrigeren Ausgangswerte eine deutlich größere Steigerung bedeutet. Dies ist auch sehr gut in Abbildung 1 erkennbar: Während der Graph Deutschlands einen deutlichen, schnellen Anstieg beschreibt, stagniert die französische Bevölkerung fast, sogar bis zum zweiten Weltkrieg (vgl. Abb.1, S. 5).

Für diese Sonderentwicklung Frankreichs gibt es eine Reihe von Ursachen. Zum einen war das Land immer wieder in Kriege verwickelt und von Seuchen und Krankheiten heimgesucht worden. Zum anderen werden die sogenannten „Mathus´schen Lehren“ als Grund für geringe Geburtenraten verantwortlich gezeichnet (Pletsch 2003, 102). Zu Zeiten der Aufklärung war es wohl die allgemeine Meinung, ein stärkeres Bevölkerungswachstum würde eine Hemmung des Wirtschaftswachstums bedeuten, da Fortschritte in der Lebensmittelproduktion nicht mit den steigenden Einwohnerzahlen mithalten könnten (Brockhaus 2001, 127). Einhergehend mit der stagnierenden Bevölkerung entwickelte sich auch die französische Wirtschaft mit mangelnder Dynamik. Während in Deutschland die Industrialisierung um 1900 in vollem Gange war und damit der steigende Bedarf an Arbeitskräften, kam diese in Frankreich nur schleppend in Gang und es blieb ein überwiegend agrarisch geprägtes Land. Zum Vergleich: um 1900 arbeiteten in Deutschland schon mehr Menschen im industriellen als im primären Sektor. Dies wurde in Frankreich überhaupt erst nach dem zweiten Weltkrieg erreicht (Große 1996, 148).

Abb. 1: Die Bevölkerungsentwicklung europäischer Nationen im Vergleich 1750- 2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pletsch 2003, S. 103

3 Frankreich und Deutschland nach 1945

Die Weltkriege bedeuteten für beide Länder einen tiefen Einschnitt in der Entwicklung der Bevölkerung. Zwar blieben die Verluste auf Seiten der Franzosen mit geschätzten 600.000 Toten und Vermissten vergleichsweise gering – auf deutscher Seite waren es weit über 5 Millionen - doch bedeutete der Krieg natürlich einen bedeutenden Geburtenausfall. Trotzdem, oder gerade deshalb, kam es nach dem zweiten Weltkrieg zu einem sehr starken Bevölkerungswachstum in beiden Ländern.

3.1 Bevölkerungsanstieg bis zu den 60er und 70er Jahren

In Frankreich stieg die Einwohnerzahl von 41,5 Millionen 1944 auf mittlerweile weit über 60 Millionen. Dies liegt hauptsächlich an der explosionsartig steigenden Geburtenziffer, dem sogenanntenBaby Boom: „die Geburtenzahl stieg von 620.000 im Jahr 1945 auf 850.000 im Jahr darauf. Bis 1973 blieb die Zahl der Geburten bei über 800.000 pro Jahr“ (BPB 2004). Der sprunghafte Anstieg der Bevölkerung ist in Abbildung 2 (Seite 7) sehr gut zu erkennen. Interessant ist hierbei, dass die Bevölkerung Frankreichs nach dem zweiten Weltkrieg bis 1975 um 12 Millionen zunahm, genauso viel wie im Zeitraum von 1801 bis 1946 (Pletsch 2003, 113). Die in der Grafik als „Demographic recovery“ bezeichnete Phase hat mehrere Gründe. Zum einen wurde die Bevölkerungspolitik Frankreichs grundlegend reformiert, mit dem 1939 erlassenen „Code de la famille“ wurden die äußeren Bedingungen für Familien umfangreich verbessert. Es wurden damit mehr Beihilfen gewährt, eine bessere Kinderbetreuung versichert und die Familie rechtlich bessergestellt (Große 1996, 170). Zudem wurde die Wirtschaft in Zeiten des Wiederaufbaus stark belebt, was sich ebenfalls fördernd auf die Geburtenrate auswirkte. Außerdem sank die Sterberate bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung, was zum positiven Wachstum beitrug. Diese beiden Phänomene sind hauptsächlich auf die besseren hygienischen Zustände, sowie eine bessere medizinsche Versorgung zurückzuführen. Vor allem die Säuglingssterblichkeit ging stark zurück.

Die Lebenserwartung bei Geburt lag 1944 bei 65 Jahren, sie hat sich bis heute bei Männern auf 78 Jahre, bei Frauen sogar auf über 84 Jahre gesteigert (CIA World Factbook). Diese beiden großen Faktoren, nämlich Anstieg der Geburtenrate und Rückgang der Sterberate werden ergänzt durch große Zuwanderungsströme, vor allem aus den ehemaligen Kolonien. Hier ist es Frankreich gelungen, einen attraktiven Standort für Einwanderer zu schaffen, so ist es beispielsweise möglich, die französische Staatsbürgerschaft vergleichsweise schnell zu bekommen und damit voll integriert zu sein. Außerdem „verfügt Frankreich mit seinen Kolonien über ein bevorzugtes Zuwanderungsreservoir, und das erklärt auch, warum dort heute die meisten Muslime von Europa leben“ (vgl. Kap. 4.1.4, S. 17) (BPB1).

Abb. 2: Die Bevölkerung Frankreichs 1801-2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/43/Population2Centuries.jpg

Eine Auflistung der wichtigsten Indikatoren und Kennziffern (Abb. 3, S.8) zeigt die Entwicklung der Geburten- sowie Sterberaten und der absoluten Bevölkerung im Zeitraum 1950 bis 1970.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in Frankreich und Deutschland
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Anthropogeographie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V151989
ISBN (eBook)
9783640639588
ISBN (Buch)
9783640639663
Dateigröße
1259 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographie, Europa, Frankreich, Deutschland, Demographischer Wandel, Bevölkerungsentwicklung, Bevölkerungsstruktur
Arbeit zitieren
Simon Hämmerle (Autor), 2009, Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in Frankreich und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151989

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