Die Gründe warum immer mehr deutsche Unternehmen eine internationale
Rechnungslegung anwenden sind vielfältig. Insbesondere Aktiengesellschaften
die zur Finanzierung ihrer betrieblichen Aktivitäten auf die Eigenfinanzierung
zurückgreifen, kommen dabei nicht an den internationalen Finanzplätzen vorbei.
Wobei die bedeutendste internationale Börse nun einmal die New York Stock
Exchange ist. Eine Aktiennotierung an der New Yorker Börse bedingt jedoch, dass
die Jahresabschlüsse nach US-amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften
aufgestellt werden müssen. Denn Jahresabschlüsse nach dem deutschen
Handelsgesetzbuch werden in den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert. Eine
Notierung an den internationalen Börsen ist jedoch für die großen international
tätigen Gesellschaften mit einem großen Finanzierungsvolumen unausweichlich,
als Beispiele können hier die Telekom AG oder die Daimler Chrysler AG genannt
werden. Doch auch für kleine und mittelgroße Aktiengesellschaften, die sich ihr
Eigenkapital an den nationalen Börsen besorgen, gewinnen die internationalen
Rechnungslegungsvorschriften immer mehr an Bedeutung.1 In dem am
10.03.1997 eröffneten Börsensegment für innovative Unternehmen, dem neuen
Markt, sind die dort notierten Unternehmen, gemäß Abschnitt 7.3.2 (1) des
Regelwerks, zur Erstellung von Abschlüssen nach IAS oder US-GAAP verpflichtet.
Und auch in dem am 26.04.1998 eröffneten Börsensegment für mittelständische
Unternehmen, dem SMAX-Segment, müssen für die nach dem 31.12.2001
beginnenden Geschäftsjahre Abschlüsse nach IAS oder US-GAAP erstellt
werden. Aufgrund dieser Regelung ist wohl die Mehrzahl der in Deutschland nach
IAS oder US-GAAP bilanzierenden Unternehmen, den kleinen oder mittleren
Wachstumsunternehmen zuzuordnen. Da viele dieser Unternehmen nach ihrem
Börsengang einen großen Posten an liquiden Mitteln haben, die zu einem großen
Teil auch in Wertpapieren angelegt werden, besitzt die nachfolgend behandelte
Thematik der Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren eine hohe praktische
Relevanz.2
1 Vgl. Buchholz, R., Internationale Rechnungslegung, 2002, S. 1
2 Vgl. Leibfried, P./Sommer, U., Praxis der Bilanzierung, 2001, S. 254
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach US-GAAP
2.1 Ansatz von Wertpapieren nach US-GAAP
2.1.1 Held-to-maturity securities
2.1.2 Die Trading Securities
2.1.3 Die Available-for-Sale Securities
2.2 Bewertung von Wertpapieren nach US-GAAP
2.2.1 Bewertung von held-to-maturity securities
2.2.2 Bewertung von trading securities
2.2.3 Bewertung von available-for-sale securities
2.3 Wertpapiere die einen signifikanten Einfluss begründen
2.4 Umgliederung von Wertpapieren nach US-GAAP
3 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach IAS
3.1 Ansatz von Wertpapieren nach IAS
3.1.1 Held-to-maturity securities
3.1.2 Trading securities
3.1.3 Available-for-sale securities
3.2 Bewertung von Wertpapieren nach IAS
3.2.1 Die Bewertung von held-to-maturity securities nach IAS
3.2.2 Die Bewertung von trading securities nach IAS
3.2.3 Die Bewertung von available-for-sale securities nach IAS
3.3 Wertpapiere die einen signifikanten Einfluss begründen
3.4 Umgliederung von Wertpapieren nach IAS
4 Unterschiede zwischen US-GAAP und IAS
5 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach HGB
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren in der internationalen Rechnungslegung nach US-GAAP und IAS im Vergleich zum deutschen Handelsgesetzbuch (HGB).
- Kategorisierung von Wertpapieren nach US-GAAP (Held-to-maturity, Trading, Available-for-sale)
- Methoden der Bewertung von Finanzinstrumenten nach IAS
- Handhabung von Umgliederungen zwischen Wertpapierkategorien
- Vergleich der bilanziellen Behandlung bei signifikantem Einfluss (Equity-Methode)
- Gegenüberstellung der internationalen Standards mit den HGB-Vorschriften
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Held-to-maturity securities
Unter der Kategorie held-to-maturity sind alle Gläubigerpapiere, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden auszuweisen. Um ein Wertpapier in diese Gruppe einzuordnen, muss sowohl die Absicht als auch die Fähigkeit bestehen die Gläubigerpapiere bis zur Endfälligkeit zu halten. Sollte Ungewissheit herrschen ob das Wertpapier bis zur Endfälligkeit gehalten werden kann, so darf das Wertpapier nicht unter diesem Posten ausgewiesen werden. Erfolgt eine Umgliederung oder ein Verkauf eines held-to-maturity-Wertpapiers, soweit nicht ein einmaliges, außergewöhnliches und unvorhersehbares Ereignis vorliegt, so sind auch die restlichen held-to-maturity-Wertpapiere in die abailable-for-sale-Kategorie umzugliedern. Diese Umgliederung muss nach SFAS No. 115.8 erfolgen, da dann generell die Absicht des Unternehmens, Wertpapiere bis zur Endfälligkeit zu halten, bezweifelt werden muss. Die held-to-maturity-Wertpapiere sind in der Bilanz unter dem Anlagevermögen, den noncurrent Assets, auszuweisen. Im Geschäftsjahr vor ihrer Fälligkeit werden sie dann in das Umlaufvermögen, den current assets, umgebucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die steigende Bedeutung internationaler Rechnungslegungsstandards wie US-GAAP und IAS für deutsche Unternehmen, insbesondere im Zuge von Börsengängen.
2 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach US-GAAP: Dieses Kapitel detailliert die Einteilung von Wertpapieren gemäß SFAS No. 115 in die drei Kategorien held-to-maturity, trading und available-for-sale inklusive deren Bewertungsregeln.
3 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach IAS: Hier werden die Wertpapierkategorien und Bewertungsvorschriften nach IAS 39 dargestellt, die sich stark an der US-amerikanischen Systematik orientieren.
4 Unterschiede zwischen US-GAAP und IAS: Dieser Abschnitt arbeitet die Divergenzen zwischen den beiden internationalen Standards heraus, insbesondere hinsichtlich der Behandlung von Wertminderungen und zeitlichen Sanktionen bei Umklassifizierungen.
5 Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach HGB: Abschließend wird die Bewertung nach deutschem Handelsrecht unter Berücksichtigung des Niederstwertprinzips und der nationalen Besonderheiten erläutert.
Schlüsselwörter
US-GAAP, IAS, HGB, Wertpapiere, Bilanzierung, Bewertung, Held-to-maturity, Trading Securities, Available-for-sale, Fair Value, Anschaffungskosten, Equity-Methode, Umgliederung, Finanzinstrumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen Wertpapiere in ihrer Bilanz erfassen und bewerten müssen, wenn sie internationale Standards (US-GAAP, IAS) oder das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) anwenden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Kategorisierung von Wertpapieren, die erfolgswirksame oder erfolgsneutrale Bewertung, die Behandlung von Wertminderungen und das Vorgehen bei Umklassifizierungen.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der verschiedenen Rechnungslegungsstandards, um Unternehmen und Bilanzierungsexperten bei der praktischen Anwendung und Einordnung dieser komplexen Vorschriften zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparative Analyse, bei der die theoretischen Regelwerke (Standards) einander gegenübergestellt und anhand von Beispielen sowie Verweisen auf die Fachliteratur erläutert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der US-GAAP- und IAS-Regeln, eine Untersuchung der Equity-Bewertung bei signifikantem Einfluss sowie die Abgrenzung zum HGB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Finanzinstrumente, Fair Value, Rechnungslegung, Anschaffungskosten sowie die spezifischen Kategorien wie Trading oder Held-to-maturity.
Wie wird ein "signifikanter Einfluss" bei Wertpapieren nach US-GAAP behandelt?
Bei einem signifikanten Einfluss (in der Regel 20-50% Beteiligung) muss die Equity-Methode angewendet werden, wobei anteilige Gewinne und Verluste in die GuV einfließen und der Firmenwert abgeschrieben werden muss.
Was unterscheidet die Wertminderungsbehandlung zwischen US-GAAP und IAS wesentlich?
Ein Hauptunterschied besteht darin, dass eine als dauerhaft eingestufte Wertminderung nach US-GAAP irreversibel ist, während nach IAS bei einer späteren Erholung ein Zuschreibungsgebot existieren kann.
- Quote paper
- Manfred Rabl (Author), 2002, Die Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach US-GAAP und IAS im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15201