Während René Descartes (1596-1650) den Menschen klar von den Tieren trennt und letztere sogar durch den Substanzendualismus als maschinenähnlich erscheinen lässt, postuliert nun David Hume (1711-1776), dass das Prinzip, durch welches alles Wissen über erfahrbare Gegenstände angeeignet wird, bei Menschen sowie Tieren das gleiche ist. Mit der Annäherung der Menschenwelt an die Tierwelt, ähnelt Hume bereits Charles Darwin (1809-1882). Doch durch welches theoretische Gerüst wird diese Hume'sche These gestützt? Das wird die zu behandelnde Frage der vorliegenden Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textdarstellung
2.1 Zusammenfassung der Abschnitte I bis VIII
2.2 Rekonstruktion des neunten Abschnitts
2.3 Einordung des Textes in einen wissenschaftlichen Ansatz
3. Diskussion
3.1 Das Vermögen des Verstandes
3.2 Diskussion des neunten Abschnitts
3.3 Zusammenführung der Argumentationsschritte
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht David Humes These aus der "Untersuchung über den menschlichen Verstand", dass das Erkenntnisprinzip bei Menschen und Tieren identisch ist. Ziel ist es, das theoretische Gerüst dieser These zu analysieren und kritisch einzuordnen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Rekonstruktion und Diskussion des neunten Abschnitts liegt.
- Vergleich der menschlichen und tierischen Erkenntnislehre
- Analyse der Rolle von Gewohnheit und Instinkt bei der Urteilsbildung
- Kritische Einordnung des Textes im Kontext von Empirismus und Common-Sense-Philosophie
- Diskussion des Induktionsproblems im Analogieverfahren
- Untersuchung der Grenzen des Verstandes
Auszug aus dem Buch
2.2 Rekonstruktion des neunten Abschnitts
Dieser Abschnitt beginnt mit einer These, die Hume im Folgenden noch in einem weiter gefassten Kontext untersuchen wird. Und zwar geht er davon aus, dass alle Urteile über Tatsachen durch ein Analogieverfahren gebildet werden. Dieses äußert sich darin, dass der Mensch selbst von ähnlichen Ursachen dieselben Wirkungen erwartet. Darauf führt Hume zwei Fälle an: (1) Entweder handelt es sich um genau gleiche Ursachen oder (2) es handelt sich um nicht gleiche Ursachen, von denen wir bestimmte Wirkungen erwarten.
Im ersten Fall wäre die Analogie vollkommen und würde für schlüssig angesehen werden, wohingegen im zweiten Fall eine unvollkommene Analogie vorliegen würde, welche für weniger schlüssig gehalten werden würde. Trotzdem habe auch letztere durch den Grad der Ähnlichkeit noch Aussagekraft. Als Beispiel nennt Hume, dass es naheliegt den Blutkreislauf bei allen Tieren anzunehmen, wenn er bei einigen Tierarten beobachtet wurde. Auf diese Grundlage baut Hume auf und formuliert sein Ziel: Da er die obige These (die des Analogieverfahrens) in Bezug auf den Menschen bereits als ausreichend belegt betrachtet, möchte er nun versuchen zu zeigen, dass diese für alle Lebewesen gilt. Wenn dieses Vorhaben glücken sollte, würde die These, laut Hume, durch ihre größere Allgemeingültigkeit erstens mehr Ansehen erlangen und zweitens würde es die vorherige Abhandlung bestätigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Humes These zur Identität des Erkenntnisprinzips bei Mensch und Tier und Abgrenzung zur anthropologischen Trennung durch Descartes.
2. Textdarstellung: Zusammenfassung der vorangegangenen Abschnitte I-VIII, Rekonstruktion des neunten Abschnitts sowie Einordnung von Humes Arbeit in existierende wissenschaftliche Ansätze.
3. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit dem Vermögen des Verstandes, dem neunten Abschnitt sowie Synthese der verschiedenen Argumentationsschritte.
4. Schluss: Zusammenfassende Einschätzung der Hume'schen These und Reflexion über die Tragweite der Erkenntnisse hinsichtlich des Verstandes und der Metaphysik.
Schlüsselwörter
David Hume, menschlicher Verstand, Untersuchung über den menschlichen Verstand, Tier, Erkenntnistheorie, Metaphysik, Analogieverfahren, Gewohnheit, Instinkt, Urteilsbildung, Empirismus, Induktionsproblem, Ursache-Wirkung, Vorstellung, Eindruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert David Humes Argumentation zur Erkenntnisfähigkeit von Lebewesen und dessen These einer gemeinsamen Grundlage für Urteile über Tatsachen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche vs. tierische Erkenntnis, die Rolle der Gewohnheit bei Induktionsschlüssen sowie die wissenschaftstheoretische Einordnung von Humes Philosophie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht das theoretische Gerüst, durch welches Hume stützt, dass bei Menschen wie Tieren das gleiche Prinzip zur Wissensaneignung über erfahrbare Gegenstände vorliegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philosophische Analyse und Rekonstruktion des Primärtextes unter Heranziehung erkenntnistheoretischer Ansätze und philosophischer Einordnungen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Darstellung der Humeschen Thesen, gefolgt von einer kritischen Diskussion der Begriffe Verstand, Analogie und Instinkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erkenntnistheorie, Induktionsproblem, Analogieverfahren, Gewohnheit und die Abgrenzung von Verstand und Metaphysik.
Wie unterscheidet Hume zwischen Mensch und Tier in Bezug auf Urteile?
Hume begründet das unterschiedliche Niveau der Urteile mit der verschiedenen Ausprägung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Beobachtungsgabe und Geschick in der Gedankenführung.
Warum spielt der "neunte Abschnitt" eine so große Rolle in der Analyse?
Dieser Abschnitt gilt für den Autor als Abschluss des entwickelten theoretischen Grundgerüsts und dient als Dreh- und Angelpunkt für die Übertragung der menschlichen Erkenntnisweise auf alle Lebewesen.
- Arbeit zitieren
- Deborah Weißer (Autor:in), 2011, Gleicht der menschliche Verstand dem eines Tieres? Analyse von David Humes "Untersuchung über den menschlichen Verstand", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1520127