Die historische Rede im Geschichtsunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „Die historische Rede. Nur eine schriftliche Quelle?“

2. Reden – Von den antiken Anfängen bis zur Moderne. Eine Einteilung in Redegattungen

3. Die besondere Bedeutung des Vortragens einer Rede
3.1. Nonverbale Faktoren der Rede
3.2. Rhetorische Mittel

4. Die didaktische Bewandtnis der historischen Rede im Unterricht – Eine Argumentation über das Für und Wider eines Einsatzes im Geschichtsunterricht

5. Der praktische Umgang mit der historischen Rede im Unterricht
5.1. Möglichkeiten, die historische Rede in den Geschichtsunterricht einzugliedern
5.2. „Ihr Völker der Welt [] Schaut auf diese Stadt!“ – Eine Vorinterpretation der Rede Ernst Reuters zur Blockade Westberlins am
5.3. Die Verwendung der Rede im Unterricht – Methodische Vorschläge

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung: „Die historische Rede. Nur eine schriftliche Quelle?“

Die historische Rede stellt in vielerlei Hinsicht eine wissenschaftliche Besonderheit dar. In der allgemeinen Didaktik werden Reden zwar grundsätzlich als schriftliche Quellen tituliert und doch ist man sich einig, dass die stringente, fast monotone Abhandlung der Quellenkritik im Geschichtsunterricht nicht so einfach möglich ist, wie bei anderen, der Rede verwandten Quellenarten. Obgleich die Rede im klassischen Sinne ihren Ursprung in der griechischen Antike findet und damit wesentlich älter ist als andere Textarten, ist man sich in der modernen Fachliteratur sehr unsicher über deren korrekten Umgang. Dies gilt zugleich auch als Erklärung für den relativ spärlich angesiedelten Forschungsstand. Tischner hat, als einer der Wenigen, versucht die historische Rede spezifisch zu charakterisieren, um einen geeigneten didaktisch-methodischen Zugang für den Geschichtsunterricht aufzuzeigen.[1]

Es wird dennoch deutlich, dass Reden in ihrer historischen Bedeutung in jedem Fall multiperspektivisch betrachtet werden müssen. Zum Einen muss geklärt werden, dass neben der bloßen schriftlichen Form auch außertextuale Elemente für eine eingehende Untersuchung von ausschlaggebender Bedeutung sind, schließlich hängt der Wert des Geschriebenen zu einem großen Teil von der lingualen Realisierung ab.[2] Zu diesen Elementen gehören sowohl die direkte personenbezogene Einschätzung des Redners (Körpersprache, Art des Vortragens), als auch eine eingehende Untersuchung auf die adressierte Umgebung hin. Desweiteren muss an dieser Stelle dringend angemerkt werden, dass historische Reden in hinreichendem Maß eine Einschätzung von einem konkreten Zeitgefühl an einem Ort ermöglichen, aber keinesfalls stellvertretend für einen allgemeinen historischen Abriss dienlich sind. Der Redner vermittelt lediglich seine subjektiven Wahrnehmungen und Befindlichkeiten zu einer konkreten Thematik in einer mehr oder minder ausdrucksstarken Art und Weise.[3] Deshalb sind dieser Quellengattung auch in seinem didaktischen Bedeutungsfeld klare Grenzen zu setzen. Dies wird unter anderem in den folgenden Kapiteln durchgeführt.

Ziel im ersten Teil der Arbeit soll es sein, die Formen von „historischen Reden“ und Besonderheiten der Quellengattung herauszuarbeiten, sowie deren didaktische Bewandtnis zu thematisieren. Der zweite Teil besteht aus einem konkreten Anwendungsbeispiel für den Geschichtsunterricht. Dem voraus gehen eine eingehende Quellenkritik der verwendeten Beispielrede, sowie deren Einbettung in den Lehrplan für die Regelschule in Thüringen.

2. Reden – Von den antiken Anfängen bis zur Moderne. Eine Einteilung in Redegattungen

Um den Begriff der Rede näher verstehen und innerhalb seiner konkreten Bewandtnis deuten zu können, ist es unerlässlich ihn in verschiedene Gattungen einzuordnen. Die wichtigsten Aspekte hierbei sind die Einteilung nach Inhalt der Rede, sowie dem zugehörigen Anlass und Adressatenkreis.[4] Vorweg sei klar angemerkt, dass diese Einteilung keinen dogmatischen Grundsätzen Folge leistet. Einige Gattungen gehen vielmehr in einem fließenden Prozess ineinander über, anstatt sich eindeutig voneinander zu unterscheiden.

Bereits Aristoteles hat versucht die sogenannten „klassischen Redegattungen“ zu unterscheiden. Dazu gehören die Gerichtsrede, Beratungsrede (politische Rede), sowie die Gelegenheits- und Festrede.[5]

Die Gerichtsrede fand ihren Ursprung mit der Bildung der attischen Demokratie. Vor mehreren hundert Richtern konkurrierten die Ankläger und Verteidiger auf dialogische Art und Weise um deren Gunst. Dafür waren eine besondere juristische Rhetorik, sowie ein hervorragendes grammatisches Verständnis seitens der Juristen unerlässlich.[6] Die Gerichtsrede ist, natürlich in abgeänderter Form noch heute von enormer Bedeutung, wenn es um die Ausübung gemäß der judikativen Gewalt geht.

Die als „genus deliberativum“ bekannte Beratungsrede fand ihren Anfang ebenfalls in der attischen Zeit. In der Volksversammlung diente sie dazu, wichtige von weniger essentiellen Tagesordnungspunkten zu unterscheiden. Ihr klassisches Anwendungsmodell ging in der römischen Republik verloren. Vielmehr nahm es nun strukturelle Grundzüge der uns bekannten Parlamentsrede an. Mit der strukturellen Veränderung ging eine inhaltliche Abgrenzung zum griechischen Modell einher. Die Parlamentsrede hatte den Auftrag, die Adressaten von gewissen Anschauungen des Redners zu überzeugen oder Herrschaft seitens des Redners auszuüben. Desweiteren diente die Parlamentsrede auch dazu, auf legale Weise politische Macht zu erlangen, bzw. zu bewahren.[7]

Die dritte Art der Beredsamkeit, die bereits Aristoteles benannt hatte, war die epideiktische Rede. Im Gegensatz zu den oben genannten Redegattungen besitzt die Festrede monologischen Charakter und hat ihren Aufgabenbereich bis in die heutige Zeit nicht verloren. Sie kann in die Untergattungen der Gedenk-, Lob-, Tadelreden untergliedert werden.[8] Aus diesen entwickelte sich im Mittelalter der Berufsstand des Hofmannes, dessen Aufgabe es war, mithilfe seiner ästhetischen Rhetorik, wichtige Mitteilungen dem König zuträglich zu machen. Wie auch die allgemeine Festrede, folgt auch die Hofberedsamkeit einem strikten Zeremoniell.[9]

Im Zuge der Ausbreitung des Christentums in Europa, sowie der Entwicklung eines Hochschulsystems im Spätmittelalter entstanden die Gattungen der Kanzelrede, sowie die der Lehr-Rede.

Die Kanzelrede ist vom strukturellen Gesichtspunkt her eng mit der Festrede verwandt, emanzipierte sich jedoch ob ihres großen biblisch-theologischen Potentials.[10] Mit dieser Redegattung ist unweigerlich auch der Berufsstand des Predigers zu verbinden, dessen Aufgabe es ist, durch eine enorme geistliche Rhetorik die Adressaten zu belehren, unterweisen und zu bekehren.[11]

Zahlreiche Aspekte der didaktischen und akademischen Rhetorik weist die sogenannte Lehr-Rede auf, um einen konkreten Sachverhalt im Hinblick auf seine Bildungswirksamkeit zu optimieren.[12] Seit der Zeit der Reformation wird diese Redegattung innerhalb des Bildungsbürgertums durchgehend verwendet.

3. Die besondere Bedeutung des Vortragens einer Rede

3.1. Nonverbale Faktoren der Rede

Anders als bei den typischen schriftlichen Quellengattungen, die ihre Inhalte lediglich über das schriftlich Fixierte transferieren können, kommt es bei der historischen Rede auch entscheidend auf die Art und Weise der Übermittlung der Redeinhalte an. Diese Übermittlung hängt ganz wesentlich von unabdingbaren Faktoren ab.

[...]


[1] Tischner, Christian K., Historische Reden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2008, S. 9.

[2] Pandel, Hans-Jürgen, Reden als Quellengattung, in: Henke-Bockschatz, u.a. (Hg.), Geschichte Lernen. Heft 85, Seelze-Velber 2002, S. 6.

[3] Sauer, Michael, Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2005, S. 148.

[4] Tischner, Christian K., Historische Reden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2008, S. 22 f.

[5] Ebenda, S. 27.

[6] Pandel, Hans-Jürgen, Reden als Quellengattung, in: Henke-Bockschatz, u.a. (Hg.), Geschichte Lernen. Heft 85, Seelze-Velber 2002, S. 7.

[7] Pandel, Hans-Jürgen, Reden als Quellengattung, in: Henke-Bockschatz, u.a. (Hg.), Geschichte Lernen. Heft 85, Seelze-Velber 2002, S. 7.

[8] Tischner, Christian K., Historische Reden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2008, S. 27.

[9] Braungart, Georg, Studien zur Praxis höfisch-politischer Rede im Territorialabsolutismus, Tübingen 1988, S. 294

[10] Roth, Dorothea, Die mittelalterliche Predigttheorie und das Manuale curatorum des Johann Ulrich Surgant, Basel 1956, S. 46.

[11] Tischner, Christian K., Historische Reden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2008, S. 27.

[12] Ebenda, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die historische Rede im Geschichtsunterricht
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V152168
ISBN (eBook)
9783640641147
ISBN (Buch)
9783640641079
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rede, Reden, Geschichtsunterricht, Berlin
Arbeit zitieren
Erik Schulze (Autor), 2009, Die historische Rede im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152168

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