Modelle an Bauhausstätten


Examensarbeit, 2009

94 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geschichte des Architekturmodells
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Herausbildung der Reliefkunst
2.3 Entwicklung des Modellbaus
2.4 Der Modellbau heute

3 Materialien im Modellbau
3.1 Papier, Karton, Pappe
3.2 Holz
3.3 Hartschaum
3.4 Modelliermassen
3.5 Glas
3.6 Polystyrol
3.7 Metall
3.8 Fundstücke natürlicher Art und technischer Herkunft
3.9 Kleinmaterialien
3.10 Klebstoffe, Klebebänder, Klebefolien

4 Architektur am Bauhaus
4.1 Herausbildung und Entwicklung der Architekturabteilung
4.1.1 Entwicklungen unter der Leitung von Walter Gropius
4.1.2 Entwicklungen unter der Leitung von Hannes Meyer
4.1.3 Entwicklungen unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe
4.2 Ideen und Zielsetzungen der Direktoren

5 Architekturmodelle am Bauhaus
5.1 Modelle aus der Ära Gropius
5.2 Modelle aus der Ära Meyer
5.3 Modelle aus der Ära Mies van der Rohe
5.4 Analyse einer Auswahl von Modellen
5.4.1 Das Modell für eine Bauhaussiedlung in Buchfart bei Weimar von Walter Determann
5.4.2 Modell zum Gebäude der „Chicago Tribune“ von Walter Gropius und Adolf Meyer
5.4.3 Modelle zu Serienhäusern „Baukasten im Großen“ von Walter Gropius und Adolf Meyer
5.4.4 Modelle zum Bauhausgebäude in Dessau
5.4.5 Modell zur Gewerkschaftsschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) in Bernau
5.5 Die nachgebauten Modelle von Bauhausgebäuden

6 BedeutungvonModellen zur Vermittlung von UNESCO - Weltkulturerbe
6.1 Zum Wert des Objekts im Museum
6.2 Grundsätze der Museumspädagogik
6.3 Welterbepädagogik an Modellen
6.3.1 Der Einsatz von Modellen im Museum
6.3.2 Die Verwendung von Modellen im Unterricht
6.4 Chancen und Probleme von Modellpädagogik

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Aus aktuellem Anlass beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit den Architek- turmodellen am Bauhaus, welches entscheidend auf die Kunst des 20. Jahr- hunderts eingewirkt hat und daher auch heute noch viele Menschen in sei- nen Bann zieht.

Anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses und 20 Jahre nach dem Fall der Mauer gestalten das Bauhaus-Archiv, die Stif- tung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar als die samm- lungsführenden und forschenden Bauhaus-Institute in Deutschland erst- mals eine gemeinsame Ausstellung unter dem Titel Modell Bauhaus im Martin-Gropius-Bau, Berlin. Es ist die größte und umfangreichste Ausstel- lung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde.[1]

Im Kontext dieser Wanderausstellung, die dann ab November im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sein wird, wird gezeigt, wie das Bauhaus noch heute auf seine Umwelt einwirkt. Auf die Gebäude, die in der Zeit ent- standen sind, wird ebenfalls eingegangen, jedoch gibt es nur fragmentari- sche Hinweise dazu. Es geht vielmehr um das gesamte Wirken des Bauhau- ses. In der Ausstellung sind neben Originalarbeiten aus verschiedenen Be- reichen wie der Malerei und des Designs auch Architekturmodelle zu sehen, welche die architektonischen Entwicklungen am Bauhaus verdeutlichen sol- len.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese von elementarer Wichtigkeit für die heutige Architektur sind. Die Bauhausbauten in Weimar und Dessau wurden am 5.12.1996 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und werden nun interessierten Besuchern zugänglich gemacht.

Daher ist es wichtig zu untersuchen, ob und wie dreidimensionale Modelle, für die Vermittlung der Ideen des Bauhauses, nutzbar gemacht werden kön- nen und müssen. Es stellt sich die Frage, ob Modelle von Gebäuden über- haupt ein zeitgemäßes Medium darstellen oder ob diese zu vernachlässigen sind.

Die Arbeit ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, die verschiedene Aspekte der Mo- delle an Bauhausstätten zum Gegenstand haben.

Zunächst wird die Geschichte des Architekturmodells betrachtet. Dabei ist es interessant nachzuvollziehen, wie sich das Architekturmodell aus der Relief- kunst entwickelt hat. Danach wird die weitere Entwicklung des Architektumo- dellbaus beleuchtet, bevor anschließend der momentane Stand des Modell- baus aufgezeigt wird.

Im Anschluss daran werden die Materialien vorgestellt, die im Modellbau von Relevanz sind. Diese sollen zunächst einzeln betrachtet und allgemein defi- niert werden, um im Folgenden auf den Modellbau angewendet zu werden.

Nach diesen grundlegenden Ausführungen über das Architekturmodell, kon- zentriert sich die Arbeit im dritten Teil auf die Architektur am Bauhaus. In die- sem Kontext liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Architekturschule am Bauhaus unter der Leitung verschiedener Direktoren, die mit ihren Auf- fassungen und Ideen zur Herausbildung einer neuen Art von Architektur bei- getragen haben. Nur unter ihrer Leitung und aufgrund ihrer Einflussnahme konnten die modernistischen Entwürfe und Modelle entstehen.

Im vierten Teil der Arbeit werden die Architekturmodelle der Architekten am Bauhaus genauer betrachtet. Zunächst wird eine Auflistung der vorhandenen Modelle gemacht, um den momentanen Bestand der Originale und der Nach- bauten zu vergegenwärtigen. Anschließend wird eine Auswahl von Modellen einer detaillierten Analyse unterzogen um deutlich zu machen, welchen Stel- lenwert diese Modelle in der Architektur der Moderne besitzen und um Ver- änderungen in der Bauweise von Modellen zu verdeutlichen.

Bei der Recherche zu dem Thema ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Publikationen zu verschiedensten Phasen der Architekturmodellgeschichte gibt. In dieser Ausarbeitung soll sich die Betrachtung nun auf die Modelle der Bauhausarchitekten von 1919 bis 1933 konzentrieren. Hier soll besonders der Wert der Modelle bezüglich der Veranschaulichung der Architektur der Moderne untersucht werden.

In einem abschließenden Teil wird folglich auf die Bedeutung der Architek- turmodelle an Bauhausstätten bei der Vermittlung von UNESCO-Welterbe eingegangen. In diesem Teil ist es zunächst wichtig zu klären, wie anhand der Modelle museumspädagogisch gearbeitet werden kann. Dabei soll im Zentrum stehen, warum Architekturmodelle eine pädagogische Relevanz haben. Weiterhin werden auch die Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht betrachtet und vorgestellt. Abschließend werden aber auch die Probleme dieser Art von Pädagogik aufgezeigt und die Modellpädagogik kritisch hinter- fragt.

In einem Schlussgedanken werden schließlich die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengeführt. Es soll insgesamt deutlich werden, welche nachhaltige Wirkung die Architekturmodelle des Bauhauses in der heutigen Zeit haben. Des Weiteren sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Architektur- modelle des Bauhauses für die Modellpädagogik nutzbar gemacht werden können und welchen Stellenwert diese in einer Zeit haben, in der die Men- schen fast keine materiellen Erfahrungen mehr machen, jedoch wieder an solche Erlebnisse herangeführt werden müssen. Gerade für mich als ange- hende Kunstpädagogin erscheint eine Auseinandersetzung mit diesen Mög- lichkeiten der pädagogischen Umsetzung besonders wichtig, da im Kunstun- terricht häufig praktisch gearbeitet wird und dort gegen die Reduzierung des Materials angegangen werden muss.

Vorab möchte ich dieser Ausarbeitung zum Thema Architekturmodelle an Bauhausstätten noch eine Begriffsdefinition voranstellen, die aus dem natur- wissenschaftlichen Bereich kommt:

Modell (lat.), anschauliches, raum-zeitliches Bild physikalischer Gegens- tände oder Vorgänge, die selbst nicht anschaubar sind (z.B. Atom, Vor- gänge in Gasen, die Elektrizität). Wir erhalten Kenntnis von diesen unse- ren Sinnen verborgenen Vorgängen durch die uns sichtbaren Gesamt- phänomene oder durch Meßergebnisse, die die Gesamtphänomene cha- rakterisieren, während die diesen zugrunde liegenden Einzelgegenstände oder Prozesse der direkten Beobachtung oder Messung unzugänglich bleiben. Das M. ist eine Schöpfung des menschlichen Geistes und hat den Sinn, die Phänomene und Meßergebnisse physikalisch zu deuten. Es ist nicht gesagt, dass die Natur wirklich so beschaffen ist, wie sie durch das M. dargestellt wird.2

Es wird in diesem Auszug deutlich, dass ein Modell etwas veranschaulichen soll, das nicht anschaubar ist. Auch bei der künstlerischen Definition des Ar- chitekturmodells lassen sich Parallelen dazu finden. Das Modell entsteht zu- nächst aus dem menschlichen Geist eines Architekten bzw. Modellbauers, um eine innere Vorstellung zu transportieren, die nur durch das Modell zu veranschaulichen ist.

Es soll in dieser Arbeit also zum Einen um die architektonische Bedeutung des Modells als eine verkleinerte, maßstabsgerechte Darstellung eines Ge- bäudes gehen. In Kapitel 2.1. wird dazu eine genaue Definition gegeben. Zum Anderen jedoch soll auch der Aspekt der Schöpfung des menschlichen Geistes berücksichtigt werden, der durch die Modelle zum Ausdruck kommt.

2 Die Geschichte des Architekturmodells

Die Geschichte des Architekturmodells hat seine Anfänge in der Reliefkunst, die zunächst betrachtet werden soll. Vorab soll eine Begriffsdefinition zum Architekturmodell gegeben werden, die über die naturwissenschaftlichen Ausführungen in der Einleitung hinausgeht, bevor dann die Entwicklung und Herausbildung des Architekturmodells in seinen verschiedenen Entwick- lungsphasen betrachtet wird.

Diese historische Einordnung soll einer allgemeinen Einführung in das The- ma dienen, bevor sich die Betrachtung folglich auf konkrete Beispiele aus dem 20. Jh. konzentrieren wird.

2.1 Begriffsdefinition

Etymologisch betrachtet hat sich der Begriff des Modells ca. 1000 n. Chr. herausgebildet. Die Bezeichnung modul tauchte damals zum ersten Mal auf und bedeutete soviel wie Regel, Form, Muster oder Vorbild. Im 13. Jh. entwi- ckelte sich dann die Begrifflichkeit módulo, die nach Vitruv das Säulenmaß angab. Im 16. Jh. schließlich tauchte im Englischen und Französischen der Begriff module auf und benannte seitdem den Entwurf, das Architekturmo- dell, das Abbild und das Vorbild.3

Es soll folglich aber nicht weiter um eine sprachwissenschaftliche Untersu- chung der Begrifflichkeit gehen, sondern um das plastische Objekt selbst.

„Ein Architekturmodell ist die plastisch-dreidimensionale Darstellung eines Bauwerks bzw. eines Werk- oder Konstruktionsteils in Metall, Stein, Holz, Gips, Wachs, Stoff, Papier, Kork oder Sondermaterialien (Brot, Rüben)“.4

Es wird für verschiedene Zwecke verwendet, die im Folgenden unterschie- den werden sollen.

Entwurfsmodelle werden genutzt, um einen geplanten Bau zu veranschauli- chen. Des Weiteren gibt es nachgebaute Modelle nach vorhandenen Bau- werken, die entweder der Veranschaulichung der Konstruktionsmerkmale dienen sollen, als Lehrmodelle genutzt werden oder als Erinnerung an Bau- werke, die zum Abriss bestimmt waren. Einen dritten Komplex stellen die Idealmodelle oder auch Phantasiemodelle dar, die meist unrealisiert bleiben.5 Das Architekturmodell vermittelt demnach Informationen zur Planung und zum Entwurfsprozess. Weiterhin gibt es Informationen über den ursprüngli- chen Bauzustand eines Gebäudes sowie über spätere Veränderungen des betreffenden Bauwerks.6

Es kann nicht durch einen einzigen Blick erschlossen werden, wie ein Bild oder ein Einzeleindruck einer perspektivischen Ansicht. Der Betrachter muss gedanklich alle Teilansichten zusammensetzen, um ein Modell räumlich zu verstehen.7

2.2 Herausbildung der Reliefkunst

Beschäftigt sich diese Arbeit doch vornehmlich mit dem Architekturmodell, so ist es in diesem Kontext auch wichtig das Relief zu betrachten, da es in einer gewissen Verwandtschaft zum Architekturmodell steht und ebenfalls als Mo- dell angesehen werden kann. Es soll jedoch nur im Hinblick auf die Erklärung der Entwicklung des Architekturmodells betrachtet werden.

Laut Bürgi stellt das Relief generell ein Landschafts-, Berg- oder manchmal auch ein Stadtmodell dar. Es sind dreidimensionale Abbildungen von Teilen der Erdoberfläche, die meist maßstabsgetreu angelegt sind.8

Hier lässt sich eine Parallele zum Architekturmodell aufzeigen, da es sich dabei ebenfalls um ein dreidimensionales Modell handelt.

Weiterhin stellt Bürgi fest, dass ein Relief ein kartenverwandtes Produkt dar- stellt.9 Hier wird auf den Orientierungscharakter des Reliefs angespielt. Mit Hilfe eines Reliefs kann eine Landschaft erfahrbar und vorstellbar gemacht werden. Ebenso verhält es sich beim Architekturmodell, dass ebenfalls der Veranschaulichung dient. In diesem Fall der Veranschaulichung eines Ge- bäudes und nicht nur der Visualisierung einer Landschaft.

Zeitlich gesehen trat das Relief in Europa in der Architektur des Mittelalters auf. Es sollte ein Hilfsmittel bei der Umsetzung komplexer Bauvorhaben sein.10 Aus ihm entwickelten sich folglich im Mittelalter die Architekturmodel- le, auf die jedoch erst im folgenden Kapitel eingegangen wird.

Die Reliefs wurden in ihren Anfängen häufig zu militärisch-strategischen Zwecken eingesetzt. Sie dienten der Überprüfung von Verteidigungsmaß- nahmen und stellten im Gegensatz zur zweidimensionalen Kartografie einen essentiellen Vorteil dar, weil es für die Verteidigung notwendig war, die Hö- henunterschiede einer Landschaft zu kennen.11

„Anschaulichkeit ist die vielleicht wichtigste Konstante beim Bau von Re- liefs“12, konstatiert Bürgi schließlich und damit unterstützt er den Vergleich von Relief und Architekturmodell. Das Architekturmodell stellt somit einen Teil eines Reliefs dar, das sich jedoch in eine eigene Richtung entwickelt hat und zu einem Instrument für Architekten wurde, welches bei der Planung und Ausführung eines Bauwerks half.

2.3 Entwicklung des Modellbaus

Wie wichtig das Architekturmodell für die bauliche Umsetzung ist, zeigt be- reits die frühe Verwendung von Architekturmodellen in der Antike. Zunächst handelte es sich dabei bevorzugt um Wachsmodelle. Auch Holzmodelle aus der Zeit sind literarisch überliefert. Ein Marmormodell eines Bühnenhauses (Abb. 1) ist bis heute erhalten und im Museo Nazzionale in Rom zu sehen.13 Über 4000 Jahre alte Modelle gibt es außerdem im Museum of Modern Art in New York, im Louvre und im Metropolitan Mu- seum zu sehen. Diese sind jedoch hinsichtlich ihrer damaligen Nutzung zur Architekturplanung nicht ausreichend analysiert worden. Es gibt laut Lepik neuere Untersuchungen in diesem Bereich, die jedoch noch keine Ergebnis- se liefern können. Was jedoch bewiesen ist, dass es in der Antike sogenann- te Paradeigmata gab, die als Modelle in original großem Maßstab Vorlagen zur Anfertigung von Kapitellen, Gesimsen und anderem bauplastischen Ma- terial darstellen sollten. Diese wurden jedoch erst nach Baubeginn hergestellt und dienten somit nicht der Baukonzeption sondern der Konstruktion. In den zehn Büchern Vitruvs über die Architektur ist von Modellen nicht berichtet worden. Über gezeichnete Pläne hingegen ist dort durchaus etwas zu erfah- ren, denn er stellt die Geometrie und die Zeichnung als die grundlegenden Kenntnisse des Architekten heraus.14 Es gibt somit aus der Antike schon In- formationen über Architekturmodelle, aber auch über zeichnerische Planung.

Abb.1: Marmormodell eines Bühnenhauses

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dem Mittelalter sind Modelle ausschließlich literarisch überliefert. Die frühmittelalterlichen Modelle stehen noch in Verbindung zur antiken Tradition des Modellbaus. Aus dem hohen Mittelalter hingegen fehlen Informationen über den Modellbau. Es wird vermutet, dass der Gebrauch von Teilmodellen weiter bestanden hat, jedoch ist nicht eindeutig nachweisbar, dass es in die- ser Zeit Gesamtmodelle gegeben hat. Dies lässt sich dadurch begründen, dass ein Gesamtmodell eine Totalvorstellung des geplanten Bauwerks vor- aussetzt. Eine solche Totalvorstellung, die den Bau in jedem Einzeldetail festlegt, entspricht jedoch nicht den damaligen Vorstellungen der Baupra- xis.15

Lepik spricht sogar davon, dass eine Existenz von Architekturmodellen vor 1350 ausgeschlossen werden kann.16

Dem muss allerdings noch hinzugefügt werden, dass er sich dabei auf die Modelle bezieht, die bei der Planung und Realisierung eines Bauwerks ge- nutzt werden. Idealmodelle und Erinnerungsmodelle sind hier nicht gemeint. Also ist diese Aussage nicht als allgemeingültig und auf alle Modelle an- wendbar zu verstehen.

Carol Cable hat in einer Untersuchung zum Architekturmodell des 15. und 16. Jh. nachweisen können, dass sich die Planung von Bauwerken in dieser Zeit auf die Phase vor Baubeginn verschoben und somit die Planungsphase durch Modelle und Zeichnungen an Wichtigkeit gewonnen hatte.17 Es wird hier also deutlich, dass es auch vorher schon Modelle gab, die jedoch nun häufiger eingesetzt wurden.

In der Renaissance ist das Architekturmodell wieder aufgetaucht. Im 15. Jh. entwickelt sich ein neues Architekturverständnis, das auf einer genauen Ge- samtplanung beruht. In dieser Zeit entstehen die ersten perspektivischen architektonischen Zeichnungen sowie Gesamtmodelle, die die architektoni- sche Gesamtwirkung vorstell-

bar machen konnten. Diese Modelle entstanden in Italien.18 Das früheste erhaltene Objekt aus Italien ist das Modell für den Palazzo Strozzi (Abb. 2) in Florenz von ca. 1485. Seitdem wird das Architekturmodell zur Erkenntnisquelle stilkritischer sowie historischer Betrachtung.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Modell für den Palazzo Strozzi

Dies ist besonders interessant, da es verdeutlicht, dass das Architekturmo- dell schon seit dem 15 Jh. einer Betrachtung unterzogen wird, die sich nicht allein auf die Bauplanung bezieht, sondern auch Erkenntniserlangung über historische Prozesse beinhaltet. Dies wird auch die Motivation bei der späte- ren Betrachtung der Bauhausmodelle sein.

Historisch belegt sind weiterhin Modelle zum Florentiner Dom von 1355, also mehr als 100 Jahren zuvor. Ein Holzmodell wurde für das entstehende Ge- bäude zu dieser Zeit angefordert. Dies konnte laut Oswald definitiv überliefert werden.

Die Arbeiten am Dom waren aufgrund verschiedener Umstände wiederholt ins Stocken geraten und sogar zwischenzeitlich eingestellt worden. Ab 1353 ist der Bau dann intensiv weitergeführt worden und es wurde ein Modell be- nötigt um einen Überblick über das Bauvorhaben zu bekommen. Dies war der Anfang von Bauplanung und Baumanagement.20

In Frankreich tauchten die ersten Modelle ebenfalls im 15 Jh. auf, z.B. ein Modell zu St. Maclou in Rouen (Abb. 3) aus Papiermaché.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Modell zu St. Maclou

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Abb.4: Modell zum Luginsland- turm

In Deutschland, das im Kontext dieser Arbeit vor- rangig betrachtet werden muss, da es sich bei den Bauhausmodellen hauptsächlich um Modelle von deutschen Architekten handelt, entstehen die ers- ten Modelle Anfang des 16. Jh. Das früheste be- kannte Modell ist das Modell zu dem Luginsland- turm (Abb. 4) in Augsburg aus dem Jahr 1515.

Das erste Gesamtmodell mit Außen- und Innen- ausbau entstand 1519-20. Es war ein Holzmodell von Hans Hieber.22 Dieses Modell wurde anlässlich des Baus der Kirche zur Schönen Maria (Abb. 5) in Regensburg erstellt, die anstelle einer 1519 abgetra- genen Synagoge errichtet werden sollte. Bis 1540 wurde jedoch nur Teile vom Langchor und ein paar Türme umgesetzt. Dieses Modell ist als ein Zeugnis der deutschen Spätgotik des 16. Jahr- hunderts anzusehen.23 Das Material Holz kommt auch im aktuellen Mo- dellbau häufig zum Einsatz.

Eine Erweiterung der Modellbau- kunst im nichtkirchlichen Bereich stellen die Modelle von Elias Holl dar. Er erstellte verschiedene Entwürfe des Augsburger Rathauses (Abb. 6), die als Mus- terbeispiele zur Auswahl dienen sollten.24 Anders als die ersten drei Entwürfe für das Rat- haus verfügt der vierte über eine detaillierte Fassadendurchbildung und Raumgliederung. So entspricht das vierte Modell weitgehend dem ausgeführten Rathaus.25 Hier wird schon eine Nutzung des Modells für die Entwicklung eines Entwurfs deutlich, da Holl mehrere Modelle zum Rathaus anfertigte und sein viertes Modell im Gegensatz zu seinen Vor- gängern über eine detaillierte Ausarbeitung verfügt.

Abb.5: Modell zur Kirche zur Schönen Maria

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Das Architekturmodell stellte nun eine wertvolle Ergänzung zum zeichnerischen Entwurf dar, da es die zeichnerische Dar- stellung durch die Dreidimensionalität bes- ser vorstellbar machte. Diese Umsetzung des Architekturmodells wurde im 17. und 18. Jh. üblicher als zuvor. 26 Im Barockzeitalter trat das Architekturmo- dell, im Gegensatz zur perspektivischen Zeichnung, in den Vordergrund. Es konnte durch die plastische Umsetzung die dynamische Funktion der Bau- glieder besser veranschaulichen als die Zeichnung. Im 18 Jh. lassen sich demnach zahlreiche erhaltene Modelle, wie z. B. das Modell zur Kirche Vier- zehnheiligen (Abb. 7) von Balthasar Neu- mann, finden.27 Bei der Erstellung dieser Modelle wurde dar- auf geachtet, dass diese durchweg aus Weichholz gearbeitet wurden und dass sie zerlegbar waren, um Veränderungen zu er- möglichen.

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Abb.6: Modell zum Augsburger Rat- haus

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Abb.7: Modell zur Kirche Vier- zehnheiligen

Entwurfsmodelle wurden nicht mehr nur für Wohn- und kirchliche Architektur hergestellt sondern nun auch für technische Zweckbau- ten, wie z.B. Brücken.28

Im 18. und 19. Jh. entstanden mit Aufkommen des Klassizismus ganze Ge- samtmodellsammlungen, die zu einem großen Teil aus Lehrmodellen be- standen und vorrangig aus antiquarischen Interessen angelegt wurden. Es entstand ein Fabrikationsbetrieb und Vertrieb von Modellen aus verschie- densten Materialien.29

Des Weiteren wurden Erinnerungsmodelle hergestellt, um an Bauten zu er- innern, die abgerissen werden sollten.30 Ein bedeutendes Erinnerungsmodell stellte das Modell der Marienkirche auf dem Harlunger Berg in Brandenburg (Abb. 8) dar. Friedrich Wilhelm I. von Preußen ließ die Ruine der um 1222 erbauten Kirche 1722 abreißen, um die Steine der Ruine für ein Waisenhaus zu benutzen. Zuvor wurde jedoch ein

Modell der Kirche aus Holz und Pap- pe angefertigt.31

Eine weitere Art von Modellen waren die Rekonstruktionsmodelle, die Ide- alkonstruktionen von Bauwerken dar- stellten und bei der Rekonstruktion derer unterstützend wirken sollten.32 Stadtmodelle bekleideten ebenfalls einen Teil des historischen Modell- baus. Diese stehen auch mit dem Re- lief in Beziehung. Beide wurden zur Veranschaulichung der Stadtanlage als plastischer Stadtplan hergestellt oder zu militärischen Zwecken genutzt.33

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Modell zur Marienkirche auf dem Harlunger Berg

Die Votiv- oder Stiftermodelle sind ein anderer Typus des Modells. Die Vo- tivmodelle wurden meist dazu genutzt eine symbolische Darstellung zu transportieren. In der Antike schon überliefert, sind diese Objekte meist Mo- delle zu eroberten Städten und Festungen in Triumphzügen. Weiterhin sind die Tempelmodelle zu nennen, die als Wohnstätten für Gottheiten in der Pro- zession vorgeführt wurden. Abbilder von Heiligtümern werden ebenfalls dazu gezählt und noch bis heute finden diese ihren Platz in Wohnungen als ge- weihte Erinnerungsstücke. Die Stiftermodelle hingegen wurden im Verlaufe der Verbreitung des Christentums als Verbildlichung des Stifters mit der Kir- che und dem christlichen Glauben genutzt. Der Glauben wurde verbreitet und durch die Kirche als Attribut des Stifters versinnbildlicht. Indem der Stifter das Modell einer Kirche überreicht, übergibt er gleichzeitig auch den Glau- ben, der damit verbunden ist. Das Stiftermodell nähert sich zwar im Laufe seiner historischen Entwicklung immer mehr dem konkreten Entwurf an, will und soll jedoch kein Entwurfsmodell sein. Deshalb ist ausdrücklich davor zu warnen, das Stiftermodell als Anhaltspunkt für Rückschlüsse auf die Urge- stalt eines Bauwerks zu nutzen.34

Einen letzen Typus stellten die Idealmodelle dar, die auch als Phantasiemo- delle betrachtet werden können. Diese wurden als Schmuckformen in der Architektur, z.B. bei Baldachinen oder Tabernakeln, genutzt. Weiterhin wur- den sie im Kunstgewerbe oder bei sakralen Geräten, wie antiken Hausurnen eingesetzt. In neuerer Zeit, ab dem 16.Jh. entstanden Idealmodelle eher als Zierstücke.

Während des Klassizismus verloren die Architekturmodelle schließlich jedoch an Bedeutung. So sind von Carl Friedrich Schinkel beispielsweise keine Mo- delle nachweisbar.

Im 20 Jh. traten neben den Werkstoffen zur handwerklichen Modellanferti- gung wie Holz, Pappe, Stoff und Gips auch zahlreiche Kunststoffe als Mate- rialien hinzu. Zu nennen sind hier Polystyrolschaum, Acrylglas, etc.. Weiter- hin wurde nun aus Kostengründen eine Mechanisierung von einzelnen Ar- beitschritten im Modellbau vorangetrieben.35

In einem weiteren Schritt wird nun der Modellbau im 20. und 21. Jh. genauer betrachtet und auf die verschiedenen Typen von Modellen von heute einge- gangen.

2.4 Der Modellbau heute

Die Entwicklung der heutigen Entwurfspraxis lässt sich auf die Anfänge der Moderne zurückführen. An diesem Zeitpunkt veränderte sich alles Dagewe- sene grundlegend. 36 Es handelte sich nämlich um eine Strömung, die neben der Besinnung auf wesentliche Gestaltungselemente geometri- scher und farblicher Art auch die zeitgenössischen Gesetze des Bauens veränderte, indem sie die physikalischen Gesetze von Raum und Zeit, die Unendlichkeit des Raums und die Bewegung zu den stilprägenden Mo- menten und zum Ornament einer neuen, sachlichen Architektur erhob.37

Besonders zu nennen ist in diesem Kontext die Künstlergruppe De Stijl, die mit ihren klaren und geometrischen Formen und Farben im Raum der Archi- tektur-Avantgarde entscheidenden Einfluss nehmen konnte. Sie ist insbe- sondere in Verbindung mit der Bauhaus-Bewegung zu berücksichtigen.38

Im Zuge der Neuen Sachlichkeit wurde das Modell detailärmer und durch die Reduziertheit der Formen wurden Züge des Kubismus deutlich. Modelle wur- den nun gebaut, wie sie skizziert wurden und stellten einen Übergang von der Entwurfsskizze zum Modell dar.39

Säulen oder Stützen waren nicht mehr wichtig für das Modell, sondern viel- mehr eine Umsetzung des Schwebenden und des Tragenden in die Materie. Eine Vereinfachung der Modelle machte dies möglich und stellte nun das Zentrum des Architekturmodells dar.40

Der Modellbau ist aus der heutigen hoch technologisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Architekturmodelle stellen einen zentralen Bestandteil beim Planungsvorgehen des Architekten dar. In Universitäten und Fachhochschu- len wird angehenden Architekten die Herstellung von Architekturmodellen gelehrt, die als Zusatz zur architektonischen Zeichnung dienen sollen.

Von Gerkan führt dazu an, dass der Architekt heute das Architekturmodell ergänzend nutzt, um durch Modellstudien ein optimales Ergebnis zu erarbei- ten. Die Bedeutung des Modells liegt, neben der Möglichkeit der plastischen Darstellung eines Entwurfs, auch in der Sichtbarmachung und Kontrolle räumlicher Erscheinungen schon während des Entwurfs. Das Modell selbst ist auf das Wesentliche, d.h. auf seine Formen, reduziert.41

Ausgangspunkt für das Architekturmodell ist heute eine dem Architekten ge- stellte Aufgabe. Dazu fertigt er zunächst eine Zeichnung an. Anschließend erstellt er auf ihrer Grundlage ein Modell, um seine Ideen, Vorhaben und Entwürfe in einem Prozess zu verarbeiten und plastisch darstellen zu kön- nen.

Die Ideen- und Arbeitsmodelle stellen nach Knoll dabei einen ersten Schritt dar, denn sie sind die unmittelbare Umsetzung einer räumlichen Vorstellung mit Hilfe von Körper, Scheibe und Stab. Sie sollen jedoch Raum für Verän- derbarkeit und Variierbarkeit bieten.42 An ihnen soll der Architekt arbeiten und durch Modifikationen bei diesem Prozess wird das Modell hinterfragt und untersucht, um letztlich ein optimales Ergebnis für den Entwurf zu erzielen.

Sie dienen demnach zum Komponieren der Baumassen, ihrer Entwicklung und der Überprüfung des Modells. Die Arbeit mit dem Architekturmodell er- folgt beispielsweise mit Pappe und Werkzeug und ist in diesem Fall als Skiz- ze zu verstehen. Es wird aus einfachen, schnell zu bearbeitenden Materialien hergestellt, damit es beim Entwurf unterstützend wirken kann.43

Das Ausführungsmodell zeigt schließlich den Endzustand des Entwurfs. Um dieses zu bauen, wird eine genaue Vorstellung des Entwurfs vorausge- setzt.44 Es ist eine erste realistische Umsetzung des Entwurfs in verkleiner- tem Maßstab. Anhand des Ausführungsmodells soll ein erster Eindruck der Umsetzung vermittelt werden, der Funktion und Wirkung des geplanten Ge- bäudes transportieren und so seinen Charakter zeigen kann.45

In ihren Ausführungen zum computergestützten Architekturmodellbau von 1996 gehen Streich/Weisberger ebenfalls auf die Unterscheidung zwischen diesen drei Modellentwurfsstadien ein.46

Bei den Materialien wird im Fall des Ausführungsmodells darauf geachtet, dass diese sich für eine saubere Ausführung des Modells eignen. Dabei wer- den Materialien wie z.B. Kunststoff, Karton und Furnierhölzer bevorzugt.47

Oswald ergänzt noch, dass Modelle heute in der Regel nicht mehr von den Architekten selbst gebaut werden. Sie werden von ihm entworfen und ge- zeichnet, die Umsetzung jedoch übernimmt ein Handwerksbetrieb, der an- hand der Zeichnung eine maßstabsgerechte Abformung herstellt. Es ist also

der Modellbauer, der dem Entwurfsgedanken des Architekten heute seine Gestalt verleiht und nicht mehr der Architekt selbst.48

In der aktuellen Entwicklung kommt es seit dem Einzug des Computers in die Lebens- und Arbeitswelt zu einer neuen Art von Entwurfpraxis mit Hilfe des digitalen Entwurfs. Auf diese soll jedoch nicht speziell eingegangen werden, da die digitalen Modelle während der Bauhauszeit noch nicht existiert haben und somit nicht von elementarer Relevanz für diese Arbeit sind.

Grundsätzlich lassen sich Modelle in drei Bereiche für ihren Einsatz untertei- len. Diese sind die topografischen Modelle, die Baukörpermodelle und die Sondermodelle. Bei Knoll/Hechinger werden folgende sinnvolle Einteilungen zu den Oberbereichen gemacht:

Dabei umfassen die topografischen Modelle, die Gelände-, Landschafts- und Gartenmodelle. Die Gruppe der Baukörpermodelle lässt sich untertei- len in die städtebaulichen, Gebäude-, Struktur-, Innenraum- und Detail- modelle. Unter Sondermodellen versteht man Design- und Möbelmodelle sowie spezielle Modelle z.B. für akustische Untersuchungen, zur Licht- gestaltung, für die Darstellung spezieller Konstruktionen oder für Unter- richtszwecke49.

In dieser Arbeit konzentriert sich die Betrachtung nun auf die Baukörpermo- delle, um die es im weiteren Verlauf der Ausführungen zu den Bauhausmo- dellen speziell gehen wird. Die topografischen Modelle sowie die Sondermo- delle werden bewusst vernachlässigt, da sie am Bauhaus nicht verwendet wurden.

Allen Baukörpermodellen ist gemein, dass sie räumliche Vorstellungen sowie konstruktive Qualitäten von Baukörpern vermitteln. Darüber hinaus sollen sie den Baukörper, in die ihn umgebende Umgebung einbinden, d.h. in das be- stehende Geländemodell integrieren. Weiterhin sollen Baukörpermodelle e- benfalls die bestehende Bebauung sowie die bestehenden Gebäudekomple- xe und die Verkehrssituationen zur Erschließung des Objektes berücksichti- gen. Ferner wird je nach Absicht des Modells der Schwerpunkt auf die drei- dimensionale Ausformung, die funktionale Zuordnung oder die konstruktive Ausbildung des Modells gelegt.50

Das städtebauliche Modell wird generell als Übersichts- oder Lageplan ver- wendet, dabei wird ein Maßstab von 1:1000 bis 1:500 benutzt, oder es zeigt detailliert einen Ausschnitt. In diesem Fall beträgt der Maßstab 1:500 und 1:200. Aufgabe eines Ideenmodells ist eine anfängliche Akzentuierung durch Baumasse und eine erste Veranschaulichung von der Verteilung und Bildung von Stadträumen mit Hilfe von leicht verformbaren Materialien. Das Arbeits- modell zeigt schon genauere Ausführungen von Baukörpern, ist jedoch noch veränderbar und lässt Alternativen zu. Im Ausführungsmodell schließlich wird die endgültige, unveränderbare Integration des Bauprojekts in die Umgebung dargestellt.51

Das Gebäudemodell wird je nach Zweck in verschiedenen Maßstäben gefer- tigt. Im Maßstab 1:500 oder 1:200 wird es wie bereits erwähnt für städtebau- liche Modelle hergestellt. Im Maßstab zwischen 1:200 und 1:50 wird es zur Darstellung mit Beschränkung auf das Gebäude ohne sein Umfeld angefer- tigt. Es zeigt die zentralen Gliederungselemente der Fassaden und des Da- ches, die Ausformungen der Baukörper sowie seine Fügung ins bestehende Gelände. Teile des Modells können transparent oder abnehmbar sein, um einen Einblick in den Innenraum des Modells zu gewähren. Eine weiter Mög- lichkeit ist es, das Modell in einzelne Geschossebenen zu unterteilen, um die Erschließung und räumliche Ordnung des Innenraums zu verdeutlichen. Das Ideenmodell unterliegt in diesem Fall im Wesentlichen der Spontaneität des Architekten. Das Arbeitsmodell dient der Untersuchung von räumlichen Be- ziehungen um endgültige Aussagen über das entstehende Gebäude machen zu können. Es dient somit der Optimierung des Entwurfs. Das Ausführungs- modell wird schließlich auf dessen Grundlage zu Präsentationszwecken hergestellt. In diesem Kontext werden auch maßstabsbildende Elemente wie

Autos, Bäume oder Menschen hinzugefügt.52

Strukturmodelle stellen eine andere Form des Modells dar. Sie zeigen die Struktur des Gebäudes ohne die plastische Gesamtform darzustellen. Sie verdeutlichen vor allem die Konstruktion und werden im Maßstab zwischen 1:200 und 1:20 hergestellt.53

Das Innenraummodell zeigt einen einzelnen oder auch eine Abfolge von Räumen. Sie haben die gleichen Maßstabsangaben wie auch die Struktur- modelle. Man nutzt sie um Farben, Materialien und Mobiliar für die Bauwerke zu entwerfen und auszuwählen. Solche Ausführungsmodelle von Innenräu- men entstehen vorrangig für die Einrichtung von Krankenhäusern, Verwal- tungsbauten, Hotels, gastronomischen Bauwerken sowie bei Theater-, Kon- zert-, und Kongresssälen.54

Als letztes sollen nun die Detailmodelle betrachtet werden. Sie werden dazu genutzt komplizierte Einzelpunkte anschaulich darzustellen. Dabei lassen sich Fragen zu verschiedensten Bereichen, wie Form, Material, Farbe, etc. analysieren und klären. Dem Ausführungsmodell dieser Gruppe von Model- len gehen keine Ideenmodelle oder Arbeitsmodelle voraus, da vom Detail- modell meist genaue technische Zeichnungen zugrunde gelegt werden kön- nen.55

Eine ähnliche Darstellung, sowie die identische Aufteilung der verschiedenen Modelltypen wird ebenfalls bei Streich/Weisberger vorgestellt.56

3 Materialien im Modellbau

Es soll nun genauer auf die Materialien eingegangen werden, die beim Mo- dellbau derzeit genutzt werden, denn „die Wahl des Materials kann den Geist des Entwurfs vermitteln“. 57 Es wurde bereits deutlich, dass im Verlauf der Geschichte des Modellbaus verschiedene Materialien genutzt wurden. Die ersten erhaltenen Modelle wurden aus Holz gefertigt. Weiterhin gab es Mo- delle aus Gips, Stein, Papier oder Sondermaterialien wie Brot oder Rüben. Im letzten Jahrhundert wurde der Kunststoff zu einem beliebten Material im Modellbau.

3.1 Papier, Karton, Pappe

Papier, Karton und Pappe sind Materialien, die sich für alle Modelltypen eig- nen, vom Ideenmodell bis zum Ausführungsmodell. Sie sind besonders ge- eignet, da sie schnell und in breitem Spektrum verfügbar und preiswert sind. Sie bieten hervorragende Möglichkeiten zur schnellen Bearbeitung und Ver- änderung. Für den Modellbau werden vorrangig Schreibmaschinenpapier, Layout- und Markenpapier, Zeichenpapier bzw. –karton, Pappe, Wellpappe, Pappwabenplatten, Sandwichplatten, die einen steifen Kern aus Schaumstoff besitzen und Korkplatten genutzt.58

All diese Materialien sind mit Schneidewerkzeugen einfach zu bearbeiten und lassen sich leicht verkleben.

Unter den Modellen des Bauhauses sind keine Modelle aus diesen Materia- lien erhalten, da es sich um ein leicht vergängliches Material handelt, das schnell zusammenfallen kann. In der Schule kann es dagegen, aufgrund sei- ner leichten Bearbeitung, besonders gut verwendet werden.

3.2 Holz

Holz stellt neben Papier und Pappe das meist verwendete Material im Mo- dellbau dar. Es lässt sich in allen Modellteilen verwenden, denn es ist stabil, maßhaltig und gut zu bearbeiten. Besonders eignen sich für den Modellbau Holzarten wie Erle, Birne, Ahorn oder Pappel, da sie keine intensive Mase- rung aufweisen.59

Bei der Bearbeitung spielt der Härtegrad des Holzes eine zentrale Rolle, da er darüber entscheidet, ob das Holz mit einem Messer geschnitten werden kann oder ob es gesägt werden muss. Die Farbe des Holzes reicht von weiß- lich-gelb bis hin zu rotbraunen Hölzern.60

Unter den Holzwerkstoffen sind zu nennen: Tischlerplatten, Furnierplatten, Multiplexplatten, Holzfaserplatten, Spanplatten und Mitteldichte Faserplatten (MDF). Sie werden zentral für die Trägerplatten genutzt. Gewicht und Stabili- tät spielen dabei eine Rolle, denn es muss sich für eine optimale Nutzung um leichte und stabile Materialien handeln.61

Holz wird häufig aus dem Grund benutzt, weil damit auf natürliche Materia- lien verwiesen werden soll. Außerdem transportiert das Material ein Gefühl von Handwerklichkeit und Bodenständigkeit.62

Am Bauhaus wurde häufig Holz verwendet, jedoch wurde die Natürlichkeit des Materials zerstört indem es weiß koloriert wurde. Dies wird besonders bei den Modellen des Direktors Gropius deutlich (s. Kap. 5.1.).

3.3 Hartschaum

Hartschaummaterialien wie z.B. Styrodur oder Styropor werden genutzt, um daraus Körper und Flächen für die Unterkonstruktion zu schneiden. Vorrangig werden sie für städtebauliche Modelle und Arbeitsmodelle genutzt. Sie lassen sich leicht mit dem Messer oder dem Heizdraht schneiden. Die Fein- arbeit erfolgt dann mit einer Raspel, einer Feile und Schleifpapier. Zum Kle- ben sind allerdings spezifische Klebstoffe zu benutzen, da die Lösungsmittel von herkömmlichen Klebemitteln Löcher in das Material fressen können. Hartschaumplatten sind meist günstig zu erwerben, da sie im Baustoffhandel für Isolationszwecke angeboten werden.63

[...]


1 http://www.modell-bauhaus.de/index.php?de_concept (Stand: 02.08.2009)

2 Hunger, Edgar, Grundbegriffe des physikalischen Denkens, Frankfurt am Main: Cornelsen 1964.

3 Vgl. Oswald, Ansgar , Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 15.

4 Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 921.

5 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 921f.

6 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle: Projekthilfe zwischen 1500 und 1900, S. 11.

7 Vgl. Lepik, Andreas, Das Architekturmodell in Italien 1335-1500, S. 10.

8 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature – Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr- hundert, S. 13.

9 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature – Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr- hundert, S. 13.

10 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature – Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr- hundert, S. 15.

11 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature – Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr- hundert, S. 16.

12 Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature – Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahrhun-

dert, S. 16.

13 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb., S. 922f.

14 Vgl. Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 3f.

15 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 923f.

16 Vgl. Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 20.

17 Vgl. Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 8.

18 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 924f.

19 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 925.

20 Vgl. Oswald, Ansgar , Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 13f.

21 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 925 .

22 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 926.

23 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 7.

24 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A-Baubetrieb, S. 926.

25 Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 8.

26 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 926.

27 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 927.

28 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 927.

29 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 931ff.

30 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 931.

31 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 7.

32 Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 931.

33 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 933.

34 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A – Baubetrieb, S. 933ff.

35 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 12.

36 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.

37 Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.

38 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.

39 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 21.

40 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 41.

41 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 23.

42 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 10.

43 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 23.

44 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 10.

45 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 24.

46 Vgl. Streich, Bernd, Wolfgang Weisgerber, Computergestützter Architekturmodellbau, S. 28.

47 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 24.

48 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 9f.

49 Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 12.

50 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 17f.

51 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 18f.

52 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 19.

53 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 20.

54 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 21f.

55 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 23.

56 Vgl. Streich, Bernd, Wolfgang Weisgerber, Computergestützter Architekturmodellbau, S. 29ff.

57 von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 11.

58 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 27f.

59 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 31.

60 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 31.

61 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 33.

62 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell – 30 Jahre Architekturmodelle, S. 10.

63 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle – Anregungen zu ihrem Bau, S. 28f.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Modelle an Bauhausstätten
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für Kunst)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
94
Katalognummer
V152229
ISBN (eBook)
9783640640492
ISBN (Buch)
9783640640638
Dateigröße
28578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Bauhaus, Modell, Gropius, Dessau, Weimar, Modellbau, Hannes Meyer, Ludwig Mie van der Rohe, UNESCO, Weltkulturerbe
Arbeit zitieren
Dimitra Pappa (Autor:in), 2009, Modelle an Bauhausstätten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152229

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