Die Ausarbeitung befasst sich mit der Fragestellung, warum ein Dozent sich mit Wissenschaft auseinandersetzen sollte. Der Zusammenhang zwischen Wissenschaft und der Arbeit des Dozenten wird anhand des Paradigmenwechsels in der Erwachsenenbildung erläutert und anhand des Praxisbeispiels der Feuerwehr-Ausbildung dargestellt.
Betrachtet werden zu Beginn der Wissenschaftsbegriff und dessen Begriffsgeschichte. Hierzu erfolgt eine Unterscheidung des ursprünglichen philosophischen Wissenschaftsbegriffes vom neuzeitlichen Begriff der Wissenschaftstheorie. Im Anschluss gilt es zu klären, was per Definition ein Dozent ist. Hier folgt auf eine Begriffsklärung inklusive Erläuterung ein kurzer Abriss des Aufgabenfeldes und was den Dozenten vom klassischen Lehrer einer Schule unterscheidet. Im weiteren Verlauf wird die Schnittstelle der beiden Begriffsfelder, nämlich die Didaktik, genauer untersucht.
Wesentliche Merkmale des lange Zeit vorherrschenden Paradigmas der Wissensvermittlung werden herausgestellt und einer kritischen Prüfung unterzogen. Darauf folgt eine Bestandsaufnahme neuester Erkenntnisse zu Methodik und Didaktik, welche das veraltete System schrittweise ablösen. Auch wird hier deutlich herausgestellt, wieso reine Wissensvermittlung ineffektiv ist und die Handlungsorientierung bei neuzeitlichen Lernkonzepten immer weiter in den Vordergrund rückt. Dabei wird auch auf das sich wandelnde Aufgabenfeld des Dozenten weg vom Vermittler hin zum Begleiter des teilnehmerorientierten und weitestgehend intrinsisch motivierten Selbstlernens eingegangen.
Die hier gewonnenen Erkenntnisse werden anhand eines ausgewählten Beispiels auf ihre Praxistauglichkeit untersucht. Dafür wurden die freiwillige Feuerwehr und deren Ausbildungskonzepte ausgewählt. Zuvor soll ein kurzer Abriss in die sich wandelnde Erscheinungsform der freiwilligen Feuerwehr eine Einordnung in den Gesamtkontext ermöglichen. Dies geht über in eine kritische Betrachtung der bisherigen Ausbildungskonzepte und dessen Schwächen in Analogie der Betrachtung der Didaktik. Im nächsten Schritt werden Verbesserungspotenziale anhand der zuvor festgestellten Schwächen sowie mögliche feuerwehrspezifische Anwendungskonzepte vorgestellt. Den Abschluss bildet die Betrachtung einer Reihe von erfolgreich umgesetzten Praxisbeispielen.
Inhaltsverzeichnis
1 Exposee
2 Was ist Wissenschaft?
2.1 Der philosophische Wissenschaftsbegriff
2.2 Der neuzeitliche Begriff der Wissenschaftstheorie
2.3. Wissenschaft: Eine zusammenfassende Darstellung
3 Was ist Aufgabe des Dozenten?
3.1 Begriffsklärung Dozent
3.2 Dozent: Eine zusammenfassende Darstellung
4 Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Didaktik
4.1 Das bisherige Lernsystem: eine Erläuterung
4.2 Das bisherige Lernsystem: Grenzen und Kritik
4.3 Wandel der Didaktik: Eine zusammenfassende Darstellung
5 Praxisbeispiel: Feuerwehr Ausbildung
5.1 Freiwillige Feuerwehr im Wandel
5.2 Defizite in der Feuerwehrausbildung
5.2 Umdenken bei der Feuerwehrausbildung
5.2 Erfolgreich umgesetzte Konzepte
6 Resümee
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Ziel dieser Arbeit ist es, die Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Herangehensweise für Dozenten zu begründen. Dabei wird untersucht, wie zeitgemäße didaktische Erkenntnisse von einer reinen Wissensvermittlung hin zur kompetenzorientierten Lernprozessbegleitung führen und welche Rolle dieser Wandel in der Praxis, beispielhaft dargestellt an der Feuerwehrausbildung, spielt.
- Grundlagen der Wissenschaftstheorie und deren Bedeutung für die Lehre
- Kritische Analyse traditioneller Wissensvermittlungsmodelle
- Entwicklung moderner didaktischer Ansätze und Handlungsorientierung
- Rollenwandel des Dozenten vom Instrukteur zum Lernbegleiter
- Praxisbeispiele zur Umsetzung moderner Lernkonzepte bei der Feuerwehr
Auszug aus dem Buch
4.2 Das bisherige Lernsystem: Grenzen und Kritik
Die Praxis zeigt jedoch, dass dieses Konzept vielfach nicht aufgeht. In zahlreichen Alltagssituationen wird Wissen nämlich schlicht nicht umgesetzt. (vgl. ebd., S.30f.). Der fehlende Praxisbezug verhindert demnach eine echte Nachhaltigkeit. Vielfach ist trotz dieser Erkenntnis dennoch weiterhin die stupide Wissensweitergabe Zentralaspekt des Schulungskonzeptes. Die Entwicklung einer echten Problemlösungskompetenz kann jedoch nachweislich durch klassische frontale Wissensvermittlung nicht erreicht werden (vgl. Erpenbeck, Sauter 2016, S.60f.). Diese Defizite sind auch in beruflicher Bildung spürbar. Hier konnte sogar nachgewiesen werden, dass die Effektivität der Kompetenzvermittlung nach klassischer praxisferne Wissensvermittlung gerade einmal bei 10% liegt. Wirkliche fachliche Qualifikation wird dabei weitestgehend abseits der eigentlichen Qualifizierungsmaßnahme durch learning-by-doing erworben (vgl. ebd., S.89ff.). Erwiesen hat sich zudem, dass ein Lernender viel mehr Dinge durch selbständiges Ausprobieren aufnimmt. Dies betrifft nicht nur das eigentliche Lernziel, sondern insbesondere auch Zusatzfertigkeiten, die sich durch klassisches Unterrichten gar nicht vermitteln ließen.
Dies wird als sogenanntes Implizites lernen (Informelles/Nonformales Lernen) bezeichnet und macht ungefähr 70% unseres Gesamtlernens aus. (vgl. Bauer et.al. 2010, S.28). Zu diesen informell angeeigneten Zusatzfertigkeiten zählen im Übrigen auch die Sozialkompetenzen (vgl. Erpenbeck, Sauter 2016, S.60f.). Die Tabelle in Abb. 1 stellt den Zusammenhang zwischen klassischem oder auch formellen Lernen sowie dem informellen Lernen noch einmal dar. Weiterhin ist hier deutlich erkennbar, dass unser Bildungswesen exakt dort angesiedelt ist, wo der wenigste Lernerfolg zu erwarten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Exposee: Einführung in die Fragestellung zur Bedeutung der Wissenschaft für Dozenten und Überblick über den geplanten Argumentationsgang.
2 Was ist Wissenschaft?: Erläuterung philosophischer und neuzeitlicher Wissenschaftsbegriffe als Basis für ein professionelles Verständnis.
3 Was ist Aufgabe des Dozenten?: Definition des Dozentenbegriffs und Abgrenzung zum Lehrer, verbunden mit der Rolle der Teilnehmerorientierung.
4 Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Didaktik: Kritik an traditioneller Wissensvermittlung und Darstellung des Wandels hin zu kompetenzorientierten Lernkonzepten.
5 Praxisbeispiel: Feuerwehr Ausbildung: Exemplarische Untersuchung, wie moderne didaktische Konzepte in der Feuerwehrausbildung zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden.
6 Resümee: Fazit zur notwendigen wissenschaftlichen Reflexion von Dozenten zur Förderung echter Handlungskompetenz bei Lernenden.
Schlüsselwörter
Wissenschaft, Wissenschaftstheorie, Didaktik, Dozent, Erwachsenenbildung, Handlungskompetenz, Wissensvermittlung, Lernprozessbegleiter, Feuerwehr, Kompetenzentwicklung, Selbstlernkompetenz, Handlungsorientierung, Praxisbezug, Lebenslanges Lernen, Konstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Begründung, warum Dozenten sich mit Wissenschaft und Didaktik auseinandersetzen sollten, um moderne Lehrmethoden erfolgreich anzuwenden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wissenschaftstheorie, der didaktischen Methodenlehre in der Erwachsenenbildung sowie der praktischen Anwendung reformierter Ausbildungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welcher Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Reflexion und der Arbeit als Dozent besteht, um die Qualität der Lehre zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Quellen sowie eine fallbasierte Analyse der Ausbildungspraxis bei der Feuerwehr.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel von der behavioristischen Wissensvermittlung hin zu konstruktivistischen Lernmodellen und deren praktische Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kritische Begriffe sind Handlungskompetenz, Kompetenzentwicklung, Lernprozessbegleiter, Didaktik und informelles Lernen.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Dozenten vom klassischen Lehrer?
Der Dozent agiert in der Erwachsenenbildung auf Augenhöhe, verzichtet auf starre Autoritätsgefälle und fördert die intrinsische Motivation und Selbstorganisation der Teilnehmer.
Warum wird die Feuerwehrausbildung als Praxisbeispiel herangezogen?
Die Feuerwehr dient als Beispiel, da sie den Übergang von einer traditionellen, isolierten Theorievermittlung hin zu praxisorientierten, szenariobasierten Lernformen eindrücklich illustriert.
- Quote paper
- Thorsten Weber (Author), 2022, Der Zusammenhang zwischen Wissenschaft und der Arbeit als DozentIn / PraxisanleiterIn am Praxisbeispiel der Feuerwehr-Ausbildung. Paradigmenwechsel in der Erwachsenenbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1523001