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"Kindesmisshandlung" im Spiegel der bürgerlichen Gesellschaft

Entwicklungslinien der Eltern-Kind-Beziehung

Title: "Kindesmisshandlung" im Spiegel der bürgerlichen Gesellschaft

Intermediate Examination Paper , 2009 , 37 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jasmin Frank (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Einleitung

Das 18. Jahrhundert wird gemeinhin auch als das 'pädagogische Jahrhundert' bezeichnet. Studiert man geschichtliche Texte und Quellen, werden die Gründe für diese Bezeichnung deutlich, von denen hier einige grob zusammengefasst werden sollen. Der Rationalismus, der bereits im Barock hervortritt, erreicht im Zeitalter der Aufklärung seinen vorläufigen Höhepunkt: der Mensch wird als Individuum wahrgenommen, wenn auch noch nicht als
'Individualität'. Die Gleichheit und Freiheit des Menschen rückt in den Vordergrund, durch das Vertrauen in die Ratio soll der Mensch befreit werden von Absolutismus und kirchlicher Autorität. „Der zentralistische Machtstaat des Barockzeitalters,(...) wird in
der Aufklärungsepoche allmählich zum Wohlfahrts- und Rechtsstaat.“

In Folge von politischen und wirtschaftlichen Wandlungen werden auch die Standesschranken gelockert, so dass eine weltbürgerliche Einstellung entstehen kann, das heißt, Hof und Adel verlieren an Bedeutung, das Bürgertum rückt an ihre Stelle im politischen wie sozialen Bereich. Das 18. Jahrhundert ist geprägt von Vernunftgläubigkeit und Autoritätsfeindlichkeit.
Neue Freiheiten entstehen, auf dem Gebiet der Religion ebenso wie auf dem Gebiet des Denkens.

Durch eine solche Skizzierung entsteht leicht der Eindruck, das pädagogische Jahrhundert sei eine Epoche voll Freiheit und Glanz, als sei mit dem Licht der Aufklärung alles Übel der Unterdrückung von der Menschheit abgefallen. Doch dieses Bild wäre einseitig. Die Zeit der Aufklärung, die Zeit des Bürgertums als treibende Kraft, hat ebenso ihre Schattenseiten wie jedes andere Zeitalter auch. Die dunklen Flecken in der Erziehung der nachwachsenden Generation sind nicht plötzlich mit dem Beginn einer neuen Epoche ausradiert.
Um diese dunklen Flecken soll es in der vorliegenden Arbeit gehen, genauer um jenen einen, den wir in der heutigen Terminologie als "Kindesmisshandlung" bezeichnen. Hier soll es vor allem um die Misshandlung im Milieu der bürgerlichen Familie gehen.
Dafür ist es zunächst notwendig, einen historischen Abriss über die Entwicklung des bürgerlichen Familienlebens zu geben, ebenso wie seine Merkmale sowie die typischen Merkmale der (früh-)bürgerlichen Erziehung zu nennen. Nur so kann vermieden werden, alle im vergangenen 18./19. Jahrhundert gängigen Erziehungspraktiken aus heutiger Sicht und mit heutigen Maßstäben zu messen und somit quasi von vornherein als Misshandlung zu kategorisieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Voraussetzungen für die Entstehung der (früh-)bürgerlichen Familie

2) Der Begriff der Kindesmisshandlung

2.1) Eingrenzende Definitionen

3) Historische Entwicklungen

3.1) Vom „ganzen Haus“ zur bürgerlichen Kernfamilie

3.1.1) Familie: Produktions- und Lebensgemeinschaft

3.1.2) Die Rolle der Frau bei der Familienbildung

4) Erziehung im Bürgertum

4.1) Zentrale Merkmale (früh-)bürgerlicher Erziehung

4.2) Fallbeispiele (Kurzanalysen)

4.2.1) Fallbeispiel I: Kälte und Hunger - Elizabeth Grant, Memoirs of a Highland Lady

4.2.2) Fallbeispiel II: Seelenmord - Der Fall Schreber

4.2.3) Fallbeispiel III: Tödliche Korrektheit, unterdrückte Sexualität - Fritz Zorn, Mars

5) Von der bürgerlichen Kernfamilie zu alternativen Familienformen der Moderne

5.1) Erhöhte Trennungsbereitschaft

5.2) Der Vater als Alleinversorger stirbt aus

5.3) Die Vermischung von privatem und öffentlichem Lebensbereich

5.4) Die Stellung des Kindes innerhalb moderner Familienformen

5.4.1) Die Stellung des Kindes in der „stabilen“ bürgerlichen Kernfamilie

5.4.2) Die Stellung des Kindes innerhalb der Stieffamilie

5.4.3) Die Stellung des Kindes bei einem alleinerziehenden Elternteil (Ein-Eltern-Familie)

6) Zusammenhänge zwischen der Auflösung der bürgerlichen Familie und der Misshandlung von Kindern

6.1) Zur Häufigkeit von Misshandlung in der Bundesrepublik Deutschland

6.2) Allgemeine Gründe und Risikofaktoren für Misshandlung in modernen Familienformen

6.3) Kinderstimmen zu Gewalt in der Familie und ihre Erklärungen der Gründe und Folgen

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der geschichtlichen Entwicklung der bürgerlichen Familie und dem Phänomen der Kindesmisshandlung. Ziel ist es, historische Erziehungspraktiken zu analysieren, ihre damalige Einordnung zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit moderne Familienformen – wie Stieffamilien oder alleinerziehende Haushalte – neue Risikofaktoren für Gewalt gegen Kinder bergen.

  • Historische Transformation der bürgerlichen Familie vom „ganzen Haus“ zur Kernfamilie
  • Analyse prägender Fallbeispiele (u.a. Elizabeth Grant, Daniel Paul Schreber, Fritz Zorn)
  • Evaluation von Risikofaktoren für Kindesmisshandlung in verschiedenen Familienstrukturen
  • Gegenüberstellung von elterlicher Erziehungsabsicht und der Perspektive des misshandelten Kindes
  • Diskussion der Auswirkungen von gesellschaftlichem Wandel auf das Kindeswohl

Auszug aus dem Buch

4.2.3) Fallbeispiel III: Tödliche Korrektheit, unterdrückte Sexualität – Fritz Zorn, Mars

„Was mir in meiner Jugend erspart wurde, war nicht das Leid oder das Unglück, sondern es waren die Probleme und somit auch die Fähigkeit, sich mit Problemen auseinanderzusetzen. (...) Ich will es also einmal so zu formulieren versuchen: nicht in einer unglücklichen Welt bin ich aufgewachsen, sondern in einer verlogenen.“

Dies schreibt ein unbekannter Autor unter dem Pseudonym Fritz ZORN im Jahre 1977 kurz vor seinem Tode. Was ist diesem Mann in seiner Kindheit widerfahren? Eine problemlose Kindheit klingt beim ersten Lesen doch eher wie eine Idealvorstellung, etwas, das jedes Elternpaar sich wünscht: das Kind macht den Eltern keine Probleme und auch keine Sorgen, ebensowenig belasten die Eltern das Kind mit ihren Sorgen und Nöten. Abgesehen davon, dass es unabdingbar zum (Selbst-)Bildungsprozess gehört, sich an Problemen abzuarbeiten, ist dies nicht das, was hier eigentlich gemeint ist. Natürlich hatte Fritz Zorn Probleme zu bewältigen. Welcher Natur diese waren, soll hier in aller möglichen Kürze dargelegt und interpretiert werden.

Es kann allerdings vorausgeschickt werden, dass Fritz Zorn niemals körperlich von seinen Eltern misshandelt wurde. Allerdings haben sich die psychischen Leiden, die er im Laufe seines Lebens erfahren hat, seiner eigenen Ansicht nach körperlich, in Form von Krebsgeschwüren manifestiert, denen er dann auch letztendlich erlegen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in das „pädagogische Jahrhundert“ ein und beleuchtet die Schattenseiten bürgerlicher Erziehung, um den Begriff der Kindesmisshandlung historisch einzuordnen.

1) Voraussetzungen für die Entstehung der (früh-)bürgerlichen Familie: Dieses Kapitel erläutert, wie sich durch den aufkommenden Markt eine Trennung zwischen privater und öffentlicher Sphäre entwickelte und damit neue Räume für die familiäre Erziehung schuf.

2) Der Begriff der Kindesmisshandlung: Hier wird dargelegt, dass Kindesmisshandlung keine statische Definition besitzt, sondern stets von historischen, sozialen und ökonomischen Kontexten abhängig ist.

3) Historische Entwicklungen: Das Kapitel zeichnet den Wandel vom mittelalterlichen „ganzen Haus“ hin zur bürgerlichen Kernfamilie und die damit einhergehende neue Rolle der Frau nach.

4) Erziehung im Bürgertum: Dieser Hauptteil analysiert die mechanische Erziehungskontrolle und die Unterdrückung von Individualität anhand von drei markanten Fallbeispielen des 19. Jahrhunderts.

5) Von der bürgerlichen Kernfamilie zu alternativen Familienformen der Moderne: Hier werden aktuelle gesellschaftliche Trends wie die Auflösung der Kernfamilie und die strukturellen Besonderheiten von Stief- und Ein-Eltern-Familien diskutiert.

6) Zusammenhänge zwischen der Auflösung der bürgerlichen Familie und der Misshandlung von Kindern: Das Kapitel verknüpft statistische Daten mit Risikofaktoren und beleuchtet die kindliche Perspektive auf Gewalt, um das komplexe Geflecht von Ursachen und Folgen zu verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Kindesmisshandlung, bürgerliche Familie, Historizität, Erziehung, Seelenmord, Aufklärung, Kernfamilie, Stieffamilie, Alleinerziehende, Gewaltprävention, soziale Isolation, Kindheitsgeschichte, psychische Gesundheit, Erziehungsstile, Kindeswohl

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der bürgerlichen Familie und untersucht, welche Erziehungspraktiken unter dem Aspekt der Kindesmisshandlung aus heutiger Sicht als schädigend betrachtet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Wandlungsprozesse von Familienstrukturen, der historische Bedeutungswandel von Kindesmisshandlung sowie der Vergleich zwischen klassischen bürgerlichen Modellen und modernen, alternativen Familienformen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, wie Erziehungspraktiken historisch gewachsen sind, und zu reflektieren, ob moderne Familienstrukturen neue spezifische Risiken für die Misshandlung von Kindern bergen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Untersuchung basiert auf der Analyse historischer Quellen, Fachliteratur zur Familiensoziologie sowie einer fallanalytischen Betrachtung bekannter Biografien, ergänzt durch aktuelle statistische Daten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Erziehung im Bürgertum (inklusive Fallbeispiele wie Schreber und Zorn) und eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen familiären Situation sowie den Risikofaktoren für Misshandlung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kindesmisshandlung, Historizität, Erziehungsmethoden, Familiendynamik, psychische Gewalt und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.

Inwiefern beeinflusste das „ganze Haus“ die Kindererziehung?

Das „ganze Haus“ als Produktions- und Lebensgemeinschaft ließ wenig Raum für eine reflektierte, individuell auf das Kind ausgerichtete Empathie, da der Fokus auf wirtschaftlicher Funktionalität und Disziplin lag.

Was zeigt der Fall Fritz Zorn über psychische Misshandlung?

Der Fall Zorn demonstriert eindrucksvoll, dass körperliche Abwesenheit von Gewalt nicht vor tiefgreifender psychischer Zerstörung schützt, wenn durch den Zwang zur „totalen Harmonie“ die Entwicklung einer eigenen Individualität unterdrückt wird.

Sind Kinder aus sogenannten zerrütteten Familien stärker gefährdet?

Die Arbeit stellt fest, dass moderne Familienformen wie Stieffamilien oder Alleinerziehende zwar spezifische Belastungsfaktoren aufweisen, warnt jedoch vor monokausalen Erklärungsmodellen und betont, dass Misshandlung ein vielschichtiges Problem ist.

Welche Rolle spielen Kinderstimmen in dieser Arbeit?

Kinderstimmen werden herangezogen, um zu verdeutlichen, wie präzise bereits junge Menschen die Gewalt im Alltag wahrnehmen und welche intuitiven Erklärungsmodelle sie für das Verhalten ihrer Bezugspersonen entwickeln.

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Details

Title
"Kindesmisshandlung" im Spiegel der bürgerlichen Gesellschaft
Subtitle
Entwicklungslinien der Eltern-Kind-Beziehung
College
Technical University of Darmstadt  (Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik)
Grade
1,0
Author
Jasmin Frank (Author)
Publication Year
2009
Pages
37
Catalog Number
V152333
ISBN (eBook)
9783640641871
ISBN (Book)
9783640642366
Language
German
Tags
Bürgertum Kernfamilie Stieffamilie Misshandlung Erziehung Zorn Elizabeth Grant Schreber Gewalt BKA-Statistik Fallbeispiele Kindermädchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Frank (Author), 2009, "Kindesmisshandlung" im Spiegel der bürgerlichen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152333
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