Einleitung
Immer mehr rückt die Familie in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, wobei jedoch oft maßgebliche Funktionsbedingungen, Strukturmerkmale und Leistungsfähigkeiten des Intimsystems Familie, welche die Erweiterung des Funktionssystems Ehe durch Kinder ist, als fragwürdig und veränderungsbedürftig angesehen werden. Im Zentrum dieser Diskussion steht dabei oftmals die Frage nach der Rollenverteilung innerhalb der Familie, denn die, in vielen Haushalten bestehende, Differenz in der Verteilung von Haus- und Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern führt zu einer Doppelbelastung der Frau.
So möchte auch die vorliegende Hausarbeit unter anderem diese Diskussion aufgreifen und sich in erster Linie auf die Doppelorientierung der erwerbstätigen Mutter und Hausfrau beziehen. Es soll gezeigt werden, dass diese doppelte Orientierung zwischen Haus- und Erwerbstätigkeit einen enormen Aufwand und eine extreme Belastung für die Frau darstellt. Die Familienarbeit hat sowohl in der Planung innerhalb der Familie als auch in der Beurteilung durch die Gesellschaft große Beachtung verdient, welche ihr jedoch heutzutage immer noch nicht bzw. kaum gewährt wird. Kindererziehung und Hausarbeit gelten auch heute immer noch nicht als ökonomische Tätigkeiten. So hat auch der deutsche Nationalökonom Friedrich List bereits über 150 Jahren eine wichtige Bemerkung gemacht, die nach Meinung der Professorin für Philosophie Angelika Krebs auch heute noch unverändert fortbestehe:
„Wer Schweine erzieht ist ein produktives, wer Menschen erzieht, ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft“.
Die vorliegende Hausarbeit möchte versuchen, die sozialethische Frage nach dem Guten und Gerechten in diesem Zusammenhang zu bearbeiten und zu werten: Ist es gerecht, dass Familienarbeit nicht entlohnt wird? Kann die gesellschaftliche Zuweisung der Familientätigkeiten an Frauen eine gute oder auch nur eine akzeptable Sache sein?
Es soll noch erwähnt werden, dass sich die vorliegende Hausarbeit auf die erwerbstätigen Mütter in der Bundesrepublik Deutschland bezieht. Ein Vergleich mit den EU-Staaten würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Familienarbeit
1.1 Funktion von Familie
1.2 Alles Frauensache?
1.3 Erwartungen an Kinder
2 Erwerbsarbeit
3 Die zeitliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf
4 Soziale Rollen
5 Die Rolle der Frau in der Familie
6 Gesellschaftliche Zuweisung (der Familientätigkeit)
7 Die stärkere Integration von Männern in die Familienarbeit
8 Werden Familien- und Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft gerecht bewertet?
8.1 Die ökonomische, symbolische und soziale Formen der Anerkennung
8.2 Der Mangel an Anerkennung für Familienarbeit
9 Herausforderungen an eine gerechtere Familienpolitik
10 Das ethische Dreick
11 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialethische Frage nach Gerechtigkeit in der Rollenverteilung innerhalb der Familie und beleuchtet die mit der Doppelorientierung erwerbstätiger Mütter verbundene extreme Belastung. Ziel ist es, die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung von Familienarbeit sowie die Notwendigkeit einer gerechteren Integration beider Geschlechter in Familien- und Erwerbsarbeit aufzuzeigen.
- Doppelbelastung erwerbstätiger Mütter
- Gesellschaftliche Anerkennung von Familienarbeit
- Gerechtigkeit in der Aufgabenverteilung
- Rollenbilder und geschlechtsspezifische Zuweisung
- Familienpolitik und bessere Vereinbarkeit
Auszug aus dem Buch
0 Einleitung
Immer mehr rückt die Familie in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, wobei jedoch oft maßgebliche Funktionsbedingungen, Strukturmerkmale und Leistungsfähigkeiten des Intimsystems Familie, welche die Erweiterung des Funktionssystems Ehe durch Kinder ist, als fragwürdig und veränderungsbedürftig angesehen werden. Im Zentrum dieser Diskussion steht dabei oftmals die Frage nach der Rollenverteilung innerhalb der Familie, denn die, in vielen Haushalten bestehende, Differenz in der Verteilung von Haus und Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern führt zu einer Doppelbelastung der Frau.
So möchte auch die vorliegende Hausarbeit unter anderem diese Diskussion aufgreifen und sich in erster Linie auf die Doppelorientierung der erwerbstätigen Mutter und Hausfrau beziehen. Es soll gezeigt werden, dass diese doppelte Orientierung zwischen Haus und Erwerbstätigkeit einen enormen Aufwand und eine extreme Belastung für die Frau darstellt. Die Familienarbeit hat sowohl in der Planung innerhalb der Familie als auch in der Beurteilung durch die Gesellschaft große Beachtung verdient, welche ihr jedoch heutzutage immer noch nicht bzw. kaum gewährt wird. Kindererziehung und Hausarbeit gelten auch heute immer noch nicht als ökonomische Tätigkeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Doppelbelastung durch Haus- und Erwerbsarbeit ein und formuliert die sozialethische Forschungsfrage nach der Gerechtigkeit unbezahlter Familienarbeit.
1 Familienarbeit: Dieses Kapitel definiert Familienarbeit als existenzielle, oft unterschätzte Leistung und analysiert die Rollenerwartungen innerhalb des Intimsystems Familie sowie gegenüber Kindern.
2 Erwerbsarbeit: Es wird die historische und aktuelle Entwicklung der mütterlichen Erwerbstätigkeit beleuchtet und der daraus resultierende Zeitkonflikt zur Familienarbeit verdeutlicht.
3 Die zeitliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Das Kapitel untersucht die praktischen Herausforderungen für Mütter, die versuchen, Beruf und Familie zu vereinbaren, und weist auf die psychische und physische Belastung hin.
4 Soziale Rollen: Hier wird dargelegt, dass Rollenbilder stärker durch kulturelle Normen als durch Biologie geprägt sind, was die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung legitimiert.
5 Die Rolle der Frau in der Familie: Die historische Unterordnung der Frau unter das „Hausregiment“ wird kritisch hinterfragt und mit aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen verglichen.
6 Gesellschaftliche Zuweisung (der Familientätigkeit): Es wird analysiert, wie gesellschaftliche Erwartungen und ökonomische Strukturen Frauen in die Rolle der Hauptverantwortlichen für Familienarbeit drängen.
7 Die stärkere Integration von Männern in die Familienarbeit: Das Kapitel plädiert für eine stärkere Einbindung von Männern, um Gerechtigkeit zu fördern und die Doppelbelastung von Frauen zu verringern.
8 Werden Familien- und Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft gerecht bewertet?: Es wird kritisiert, dass der Arbeitsbegriff zu eng auf Erwerbsarbeit fokussiert ist, was zu mangelnder Anerkennung von Familienarbeit führt.
9 Herausforderungen an eine gerechtere Familienpolitik: Der Autor skizziert notwendige familienpolitische Leitgedanken, wie die Aufwertung von Familienarbeit und die Förderung einer flexiblen, gerechten Aufgabenverteilung.
10 Das ethische Dreick: Grafische und strukturelle Darstellung der Zielsetzung einer gerechten Gesellschaftsgestaltung unter Einbeziehung von Werten, Normen und gesellschaftlicher Anerkennung.
11 Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass erst eine stärkere Integration der Männer und eine gesellschaftliche Aufwertung von Familienarbeit zu einer wirklichen Gleichberechtigung führen können.
Schlüsselwörter
Familienarbeit, Erwerbsarbeit, Doppelbelastung, Rollenverteilung, Vereinbarkeit, Soziale Rollen, Geschlechtergerechtigkeit, Anerkennung, Familienpolitik, Hausfrau, Mutter, Sozialethik, Erziehung, Gleichstellung, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Doppelbelastung berufstätiger Mütter und der sozialethischen Frage nach einer gerechten Verteilung von Familien- und Erwerbsarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die mangelnde Anerkennung von Familienarbeit, die geschlechtsspezifische Rollenverteilung und die Herausforderungen an die Familienpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die aktuelle gesellschaftliche Zuweisung von Familienarbeit an Frauen ungerecht ist und ein Umdenken sowie eine stärkere Integration von Männern erforderlich macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine sozialethische Analyse und stützt sich auf soziologische Studien sowie Literatur zur theologischen Ethik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen von Familie, die zeitliche Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, soziale Rollenbilder sowie die Notwendigkeit einer gerechteren politischen Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Doppelbelastung, Familienarbeit, Erwerbsarbeit, Gerechtigkeit, Rollenbilder und Gleichberechtigung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des "neuen Mannes"?
Sie sieht im neuen, familienorientierten Mann einen positiven Ansatz, stellt jedoch fest, dass eine Diskrepanz zwischen Wünschen und der gelebten Realität der Arbeitszeit besteht.
Welche Rolle spielt das "Ethische Dreieck" in der Argumentation?
Es dient als strukturgebendes Modell, um das Ziel der Gleichberechtigung über die Ebenen von Normen, Haltungen und gesellschaftlicher Anerkennung der Familienarbeit zu verknüpfen.
Warum wird Familienarbeit als unzureichend gewürdigt betrachtet?
Weil der gesellschaftliche Arbeitsbegriff primär auf Erwerbsarbeit fokussiert ist und Familienarbeit nicht entlohnt wird, was zu einer sozialen Abwertung führt.
- Arbeit zitieren
- Oksana Kerbs (Autor:in), 2008, Die Doppelbelastung der berufstätigen Mütter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152460