Zur Kritik am Sozialismus - Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek im Vergleich


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Position von Ludwig von Mises

3. Die Position von Friedrich August von Hayek

4. Vergleich der beiden Positionen

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der Austauschprozess am Markt anhand des Preis-Mengen-Diagramms

Abb. 2: Die sozialistische Frontstellung und ihre liberale Überwindung

Abb. 3: Von Hayeks Argumentationsstruktur im 1939er Aufsatz

1. Einleitung

Im 19. und verstärkt zu Beginn des 20.Jahrhunderts trat eine Ideologie immer mehr in den Vordergrund, dessen Ideen von einem großen Teil der Bevölkerung angenommen wurden. Die Rede ist vom Sozialismus, der vorgibt im Interesse der Gesellschaft zu handeln und dies geschickt demagogisch verkauft.[1] Dafür soll der Kapitalismus überwunden werden und die Produktionsmittel in Gemeineigentum übergehen. Für die sozialistischen Schriftsteller wäre dies ohnehin eine aus der Geschichte der Klassenkämpfe heraus logische Weiterentwicklung der Gesellschaft.[2]

Dass dies massive Folgen für die Wirtschaft hätte, wurde zu jener Zeit von nur sehr wenigen Personen erkannt. Zu ihnen gehören die beiden liberalen Ökonomen Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek. Sie sehen im Programm des Sozialismus die Gefahr, in eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte zu laufen. Deshalb wollen sie vor den Konse­quenzen sozialistischer Politik warnen. Gleichzeitig lassen sich beide aber nicht auf eine Wer­tedebatte zwischen individueller Freiheit auf der einen Seite und sozialer Gerechtigkeit auf der anderen Seite ein, sondern versuchen den Liberalismus argumentativ in Stellung gegen den Sozialismus zu bringen.[3]

Im ersten Schritt der vorliegenden Arbeit wird die Position Ludwig von Mises und sein öko­nomisches Argument gegen den Sozialismus betrachtet. Im zweiten Schritt folgt der Argu­mentationsweg von Friedrich August von Hayek. Dabei wird aber ausschließlich auf den älte­ren Sozialismus eingegangen.[4] Im dritten Schritt werden die Gemeinsamkeiten und die Unter­schiede der beiden Positionen verdeutlicht. In einem abschließenden Schritt wird ein Fazit gezogen und Implikationen für die heutige Gesellschaft formuliert.

2. Die Position von Ludwig von Mises

„Die Grundlage unserer und aller menschlicher Gesittung ist das Sondereigentum an den Pro­duktionsmitteln.“[5] Es ist zudem das entscheidende Charakteristikum des Liberalismus. Der Sozialismus hingegen sieht genau darin das größte Übel der Gesellschaft. Deshalb will er das Sondereigentum abschaffen und an dessen Stelle das Gemeineigentum an den Produktions­mitteln setzen.[6] Dies hätte zur Folge, dass sämtliche Produktionsentscheidungen in den Hän­den der Staatsgewalt liegen würden.[7]

Ludwig von Mises ist daher der Auffassung, dass Sozialismus überhaupt nicht durchführbar ist. Dies begründet er mit (s)einem ökonomischen Kernargument. Die Marktpreise spiegeln die subjektiven Werteinschätzungen der Konsumenten für Güter und Dienstleistungen wieder. Durch den Austauschprozess über den Markt werden sie objektiviert. „Die sozialistische Ge­sellschaftsordnung, bei der alle Produktionsmittel in dem Eigentum der Gesamtheit stehen, die demgemäß keinen Marktverkehr und keinen Austausch von Produktivgütern und -diensten kennt, kann auch keinen Geldpreis für Güter höherer Ordnung und für die Arbeitsleistung kennen.“ Denn die Marktpreise können nur im Tausch entstehen. Dafür sind zwei Eigentü­mer notwendig. Ein Anbieter, der durch seine Grenzkostenkurve seine marginale Zahlungs­forderung ausdrückt. Und ein Nachfrager, der seine individuell subjektive Bewertung ver­schiedener Outputs durch seine marginale Zahlungsbereitschaft signalisiert.[8] Der Austausch­prozess am Markt sorgt dafür, dass durch Zusammenführung der Angebots- und Nachfrage­funktionen Preise entstehen können, bei denen marginale Zahlungsforderung und marginale Zahlungsbereitschaft übereinstimmen (vgl. Abb. 1).[9] Sind jedoch alle Produktionsfaktoren verstaatlicht, dann gibt auch nur einen Eigentümer. Deshalb können im Sozialismus Tausch und Marktpreise nicht mehr zustande kommen. Damit stehen aber alle(!) Produktionsmög­lichkeiten zusammenhangslos nebeneinander, ohne dass ein Kriterium vorhanden wäre, wel­ches eine rationale Auswahl unter Ihnen ermöglichen könnte.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Austauschprozess am Markt anhand des Preis-Mengen-Diagramms

Folglich ist eine Rechenbarkeit wie sie die kapitalistische Gesellschaftsordnung besitzt, nicht mehr möglich. Damit sind weder eine Kontrollrechnung noch eine Kalkulationsrechnung wei­ter durchführbar.[11] Im ersten Fall kann man keine rationale Aussage darüber treffen, ob eine Unternehmung rentabel ist und weiter betrieben werden soll. Im zweiten Fall kann man keine rationale Entscheidung über die Verwendung knapper Produktionsmittel treffen. Mises erläu­tert dies an dem Bespiel der verschiedenen Optionen für die Linienführungen im Eisenbahn­bau. Es lässt sich aber auf sämtliche Produktionsentscheidungen fortführen und deshalb wür­de die sozialistische Gesellschaftsordnung vor den gewöhnlichen und alltäglichen Problemen der Wirtschaftsführung ratlos dastehen.[12] Mit der Beseitigung des Sondereigentums an den Produktionsmitteln fehlt für Mises die entscheidende Grundlage für „eine sinnvolle Ordnung der menschlichen Wirtschaft und des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen“.[13] Durch die fehlende rationale Abwägung, darüber wie das Kapital vernünftig eingesetzt wer­den kann, muss der Sozialismus zwangsweise zu einer Politik der Kapitalaufzehrung führen.[14]

Im Sozialismus ist der Wettbewerb faktisch beseitigt. In ihm aber sieht Mises die notwendige Institution um technischen Fortschritt und damit materiellen Wohlstand zu ermöglichen.[15] Denn der Wettbewerb zwingt die Unternehmer zu einer ständigen Verbesserung der Produkti­onsmethoden, die breiten Schichten der Gesellschaft zu Gute kommen.[16] Das Sondereigentum dient dabei „als ein Mandat, das die Gesellschaft den Eigentümern mit dem spezifischen Auf- trag zuweist, im Sinne der (Masse der) Konsumenten echte Wertschöpfung zu betreiben.“[17] Diejenigen Produzenten, die dauerhaft am Markt Verlust erzielen, verlieren ihr Eigentum. Dies ist notwendig, da es anderen Unternehmern besser gelingt, die dringendsten Bedürfnis­se der Bevölkerung zu befriedigen.[18] Bei Mises heißt es konkret: „Gewinn und Verlust leiten die Verfügung über die Produktionsmittel in die Hände derjenigen, die sie am zweckmäßigs­ten im Dienste der Verbraucher zu nützen wissen.“ Der Sozialismus kann diesen ständigen Fortschritt nicht ermöglichen. Im Gegenteil, so Mises, führe die Abschaffung des Sonderei­gentums zu einer Herabsetzung der Produktivität und damit letzten Endes auch zu einer schlechteren Versorgung der gesamten Bevölkerung und zu einem sinkenden Wohlstand.[19] Als politisches Argument greift daher sein Begriff der „Verbraucherdemokratie“[20]. Indem die souveränen Verbraucher durch ihre täglichen Kaufentscheidungen über Gewinn und Verlust der Unternehmer abstimmen, entscheiden sie auch, wer das Mandat für die Produktionsent­scheidung erhält. Das aber ist das vollkommene Gegenteil, von dem, was der Sozialismus als teln existiert vielmehr eine Produzentendiktatur.[21]

Der Sozialismus versucht obendrein mit seiner Klassenkampfrhetorik einen Tradeoff zwi­schen den Interessen der Kapitalisten und den Interessen der Arbeiter zu konstruieren.[22] In ihm bezieht er Stellung zu Gunsten der Arbeiterklasse.[23] Mises löst diesen Tradeoff aber ar­gumentativ auf, indem er zeigt, dass die Interessen beider Gruppen gleichgerichtet sind (vgl. Abb. 2). „Er positioniert sich orthogonal zur Frontstellung des (vermeintlichen) Klassen­kampfs und beruft sich dabei auf das ökonomische ABC: Arbeit braucht Capital.“[24] Die In­anspruchnahme des Sondereigentums dient nicht einer kleinen Gruppe, sondern sie hilft die materielle Wohlfahrt der gesamten Gesellschaft zu verbessern.[25] Und dies liegt sowohl im Interesse der Reichen als auch im Interesse der Armen. Hinzu kommt, dass der Sozialismus noch nicht einmal jenen Punkt erreichen würde, den er im Tradeoff einnimt.Sondern durch die bereits oben beschriebenen Gründe schadet der Sozialismus allen, auch oder sogar in be­sonderem Maße den Armen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die sozialistische Frontstellung und ihre liberale Überwindung[26]

[...]


[1] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 138): „Die Schlagworte des Interventionismus und des Sozialismus, ganz besonders die Vorschläge auf Enteignung von Teilen des Privateigentums, finden bei den Massen, die dadurch unmittelbar zunächst zu profitieren erwarten, immer begeisterte Zustimmung.“

[2] Vgl. Marx und Engels (1848, 1959).

[3] Vgl. Hayek (1939; S. 5): „we are witnessing one of the greatest tragedies in the history of the human race“.

[4] Eine umfassende Interpretation zur Unterscheidung zwischen altem und neuem Sozialismus und der damit veränderten Problemsituation findet sich u.a. in Pies (2003; S. 12-15).

[5] Mises (1927, 2006; S. 56).

[6] Vgl. hierzu Mises (1919, 1983; S. 205): „socialism means the transfer of the means of production out of the private ownership of individuals into the ownership of society. That alone and nothing else is socialism.”

[7] Dazu folgendes Zitat: „Daß in einer sozialistischen Gesellschaft in der Wirtschaft überhaupt nicht gerechnet werden kann, das macht jeden Sozialismus undurchführbar.“ Mises (1927, 2006; S. 62). In seinem umfassende­ren Werk „Die Gemeinwirtschaft“ schreibt Mises in seinen Schlussausführungen: „Denn sozialistische Gesell­schaftsordnung ist undurchführbar. Alle Bestrebungen, den Sozialismus zu verwirklichen, führen nur zur Zerstö­rung der Gesellschaft.“ Mises (1922, 1932; S. 475).

[8] Mises (1927, 2006; S. 63).

[9] Vgl. unter anderem Lüpertz (2003; S. 131). Ausführlichere Ausführungen zum Austauschprozess am Markt finden sich zum Beispiel in Varian (2006). Ebenso kann hier jedes andere Standardwerk der Mikroökonomik Auskunft geben.

[10] Vgl. Hülsmann (2007).

[11] Vgl. Pies (2009; S. 7).

[12] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 63 f.).

[13] Mises (1927, 2006; S. 61).

[14] Vgl. Mises (1922, 1932; S. 424).

[15] Vgl. hierzu Mises (1959; S. 133): „Das Bestreben durch solche Produktdifferenzierung die Konkurrenten auszustechen ist eines der wichtigsten Mittel des Wettbewerbs. Es ist gerade dieses Bestreben, das die dem kapi­talistischen Markt innewohnende Kraft, auf beständige Verbesserung der Bedürfnisversorgung hinzuarbeiten, auslöst und wach erhält.“

[16] Vgl. Müller-Armack (1956, 1966; S. 245).

[17] Hielscher (2009; S. 2).

[18] Mises (1959; S. 131).

[19] Vgl. Mises (1919, 1983; S. 220).

[20] Mises (1922, 1932; S. 435).

[21] Vgl. Mises (1922, 1932; S. X).

[22] Vgl. Mises (1919, 1983; S. 216): „Marxian socialism preaches the struggle of the proletariat against the bour­geoisie.”

[23] Vgl. Marx und Engels (1848, 1959; S. 462 f.): „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschich­ten von Klassenkämpfen.“ Desweiteren schreiben die Autoren: „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.“

[24] Pies (2009; S. 3).

[25] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 163): „[...] der Liberalismus dient allen, doch keinem Sonderinteresse.“

[26] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zur Kritik am Sozialismus - Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek im Vergleich
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Lehrstuhl für Wirtschaftsethik)
Veranstaltung
Ludwig von Mises‘ Ökonomischer Liberalismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V152463
ISBN (eBook)
9783640644599
ISBN (Buch)
9783640644773
Dateigröße
1409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialismus, Liberalismus, Sondereigentum an Produktionsmitteln, Gesellschaftsordnung, Marktpreise, Wissensverarbeitung, Tradeoff
Arbeit zitieren
Steven Schott (Autor), 2010, Zur Kritik am Sozialismus - Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152463

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