Verstehen wir uns? – Eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, Klassenstufe 11

Sprachliche Varietäten – Frauensprache und Männersprache


Unterrichtsentwurf, 2010

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bedingungsanalyse

2 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz

3 Lernziele

4 Sachanalyse

5 Didaktische Überlegungen

6 Methodische Überlegungen

7 Verlaufsplan

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang
9.1 Tafelbild
9.2 Arbeitsmaterialien
9.3 Kommentierter Sitzplan

1 Bedingungsanalyse

Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen Kurs des 11. Schuljahrgangs in der Sekundarstufe II eines Gymnasiums. Die Schüler sind im Rahmen des Kursstufenunterrichts im Fach Deutsch in zwei Kurse eingeteilt, entstammen also unterschiedlichen Klassen. Der Kurs 112 besteht aus 21 Schülern und setzt sich aus 11 Mädchen und 10 Jungen zusammen, es kann also von einem ausgeglichenen Geschlechterproporz gesprochen werden.

Die unterrichtspraktische Tätigkeit erfolgt im Rahmen des betreuten Unterrichts seit Beginn des Schuljahres 2009/2010. Im zurzeit laufenden zweiten Kurshalbjahr besteht nach wie vor ein harmonisches Lehrer-Schüler-Verhältnis, das von einer positiven Lernatmosphäre und einem außerordentlich guten Disziplinverhalten begleitet wird. Das Schüler-Schüler-Verhältnis ist ebenfalls positiv und es bestehen alterstypisch ausgeprägte Freundschaftsbeziehungen, die sich zumeist förderlich auf den Unterrichtsverlauf auswirken.

Die Mehrzahl der Schüler erbringt gute und befriedigende Leistungen. Das konkrete Leistungsprofil der einzelnen Schüler im mündlichen und schriftlichen Bereich kann dem kommentierten Sitzplan im Anhang (Seite 18) entnommen werden. Hervorzuheben sind die Schüler K1, S1, C1 und S2, die die Leistungsspitze mit durchgängig sehr guten und guten Leistungen abbilden. Sie gestalten den Deutschunterricht durch ihre Mitarbeit aktiv. Das zeigt sich z. B. in Diskussionen und der Präsentation von Arbeitsergebnissen. Die Schüler M1, G1, M2 und S3 weisen erhebliche Schwächen im mündlichen und schriftlichen Bereich auf. Durch eine leistungsdifferenzierende Einbindung in das Unterrichtsgeschehen und die Zusammenarbeit mit leistungsstärkeren Mitschülern wird eine kontinuierliche Verbesserung der Leistungen angestrebt. So auch in der vorliegenden Unterrichtsplanung.

Für zwei Schüler ist Deutsch nicht die Muttersprache. Dies ist jedoch bis auf ein schwach ausgeprägtes Kompetenzdefizit in der Orthographie für die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht und auch für die vorliegende Verlaufsplanung unproblematisch.

Die Erfahrungen in der Unterrichtspraxis im Kursunterricht Deutsch und die positive Rückmeldung der Schüler zeigen, dass gute Lernergebnisse in Partner- und Gruppenarbeitsphasen erzielt werden. Deshalb werden diese Sozialformen auch im vorliegenden Unterrichtsentwurf Berücksichtigung finden.

Die mediale Ausstattung des Unterrichtsraumes ermöglicht einen vielfältigen Medieneinsatz und für die geplanten Arbeitsformen steht genügend Platz zur Verfügung.

2 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz

Die Unterrichtssequenz hat einen Umfang von acht Stunden und ist im Schuljahrgang 11/12 in den Aufgabenbereich 2 „Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch“ einzuordnen (vgl. KMLSA 2003, S. 130f.). Die Schüler sollen dabei „kommunikations- und sprachtheoretische Grundlagen kennen und reflektieren können“, einen „Überblick über die sprachliche Differenziertheit von Erscheinungs- und Verwendungsformen von Sprache“ besitzen und „Einsicht in die historisch-gesellschaftliche Bedingtheit von Sprache erhalten“ (ebd., S. 133).

Die in den Auswahlempfehlungen der Rahmenrichtlinien ausgewiesenen inhaltlichen Schwerpunkte, wie die Entwicklung eines Sprachdifferenzbewusstseins, Kenntnisse zur Kommunikationstheorie, die kommunikativen, kognitiven und appellativen Leistungen von Sprache und Störungen bzw. das Misslingen von Kommunikation, finden in der geplanten Unterrichtseinheit Berücksichtigung.

Weiterhin berührt die Unterrichtssequenz auch den Aufgabenbereich 1 „Mündlicher und schriftlicher Sprachgebrauch“, denn die Schüler entwickeln und schärfen durch das Kennenlernen sprachlicher Varietäten ihre eigene Sprachhandlungskompetenz (vgl. ebd., S. 128).

Die geplante Stunde ist die vierte Stunde innerhalb der Sequenz. Sie thematisiert die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Kommunikation zwischen Frau und Mann. Zuvor sind bereits Grundlagen zu geschlechtsdifferenzierten Stereotypen in der Gesellschaft und der historischen Entwicklung von Frauensprache und Männersprache erarbeitet worden. Die Folgestunden beinhalten kommunikationstheoretische Erklärungsansätze und weitere Aspekte des Sexismus und Feminismus der Sprache.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Lernziele

Grobziel der Stunde

Die Schülerinnen und Schüler schärfen ihr Sprachbewusstsein, indem sie die Ursachen der Differenzierung in sprachliche Varietäten am Beispiel des geschlechtsspezifischen Kommunikationsverhaltens kennen und dieses in Form einer Gesprächsanalyse nachweisen.

Kognitive und instrumentelle Lernziele
- Die Schülerinnen und Schüler kennen Merkmale geschlechtsspezifischen Gesprächsverhaltens, indem sie einem sprachwissenschaftlichen Text Informatio- nen entnehmen.
- Die Schülerinnen und Schüler können die Merkmale geschlechtsspezifischen Ge- sprächsverhaltens anwenden, indem sie ein Gespräch analysieren.
- Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, das erworbene Wissen anzuwen- den, indem sie zu einer problematisierenden Frage Stellung nehmen.
Affektive Lernziele
- Die Schülerinnen und Schüler sind durch den audiovisuellen Zugang zum Thema und dessen jugendkulturelle Affinität motiviert.
- Die Schülerinnen und Schüler können ihre eigenen Erfahrungen bzw. Meinungen zum geschlechtsspezifischen Gesprächsverhalten reflektieren.
Soziale Lernziele
- Die Schülerinnen und Schüler festigen ihre sozial-kooperative Kompetenz, indem sie die Arbeitsaufträge in Partnerarbeit und in Kleingruppen erfüllen.

4 Sachanalyse

Die Forschung der feministischen Sprachwissenschaft und Sprachkritik beschäftigte sich in Grundzügen bereits seit den 70er-Jahren und intensiv seit den 80er-Jahren mit den Zusammenhängen und Wirkungsweisen von Sprache und Geschlecht (vgl. Peyer & Groth 1996). Sämtliche in der Folgezeit entstandene Studien lassen sich zwei hauptsächlichen Betrachtungsebenen zuordnen: die erste betrifft das Verhältnis von Genus und Sexus in der Sprache, also die Bezeichnungen für Frauen und Männer und die zweite das sprachliche Verhalten von Frauen und Männern (vgl. Pusch 1991; Trömel-Plötz 1992).

Der Gegenstand der Unterrichtsstunde bezieht sich auf die zuletzt genannte Betrachtungsebene, das geschlechtsspezifische Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern. Die Studien zum Sprachgebrauch von Frauen und Männern führten in der Folge zur Herausbildung verschiedener determinierender A1hmen: Die Defizit - Hypothese beschreibt Frauensprache als empathisch, emotional und solidarisch, wobei der weibliche Gesprächsstil im Vergleich zum männlichen als defizitär eingestuft wird (vgl. Klann-Delius 2005, S. 10ff.). Die Differenz - Hypothese betrachtet weibliches und männliches Gesprächsverhalten zwar auch als different, aber grundsätzlich gleichwertig. So werden typisch weibliche Sprechverhaltensweisen wie Zurückhaltung und Höflichkeit diskursanalytisch als Leistung bzw. Stärke bewertet und nicht als Defizit (vgl. Peyer & Groth 1996, S. 5; Klann-Delius 2005, S. 13f.). Die Differenzen - Hypothese, treffender als Code - switching - Hypothese bezeichnet, berücksichtigt zusätzlich die Situationsbedingungen der Kommunikation. So verhalten sich Frauen und Männer nicht in allen Situationen gleich, sondern setzen die unterschiedlichen Gesprächsstile tendenziell ein. Entscheidend für diese Tendenzenunterschiede sind die kontextuellen Bedingungen von Sprechsituationen, z. B. private, institutionelle, juristische Kontexte. Auch kulturelle und psychosoziale Aspekte sind hierbei von Bedeutung (vgl. Peyer & Groth 1996, S. 5f.; Ayaß 2008, S. 65ff.).

Von Linguisten wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Ergebnisse der sprachwissenschaftlichen Forschung zur Frauensprache und Männersprache nicht generalisieren lassen. Es ist durchaus problematisch Frauensprache als ausschließlich kooperativ und Männersprache als ausschließlich dominant zu bezeichnen, da jeweils die „Gegenevidenz“ ausgeschlossen wird (Ayaß 2008, S. 84). Eine weitere These geht davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedlichen Kulturen

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verstehen wir uns? – Eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, Klassenstufe 11
Untertitel
Sprachliche Varietäten – Frauensprache und Männersprache
Hochschule
Staatliches Seminar für Lehrämter Halle
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V152535
ISBN (eBook)
9783640650170
ISBN (Buch)
9783640650583
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Abbildungen und Arbeitstexte im Anhang der Arbeit mussten aus urheberrechtlichen Gründen entfernt werden. Sie lassen sich aber anhand der Quellen leicht rekonstruieren.
Schlagworte
Sprache, Geschlecht, Kommunikation, Sprachpflege, Männersprache, Frauensprache, gender, Sprachforschung, Schule, Unterricht, Deutschunterricht, Unterrichtsentwurf, Prüfung, Material, Planung
Arbeit zitieren
Ron Klug (Autor), 2010, Verstehen wir uns? – Eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, Klassenstufe 11, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152535

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