Das Theater als Mediensystem und Institution

Versuch einer rhetorischen Betrachtung


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Systemkomponenten des medialen Systems „Theater“
2.1 Bühnenleiter/Intendant
2.2 Autor/Stoff/Quelle
2.3 Dramaturg
2.4 Regie/Regisseur
2.5 Bühnengestaltung / Charaktergestaltung
2.6 Schauspieler

3. Der Ablauf im institutionalisierten Mediensystem Theater

4. Versuch eines rhetorischen Konzepts

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Sich dem Theater aus rhetorisch-theoretischer Perspektive zu nähern bedeutet, sich mit einem komplexen medialen System auseinander zu setzen. Diese Auseinandersetzung jedoch gelingt nur wenn man sich auf eine bestimmte Struktur und Fragestellung konzentriert, ohne dabei die Komplexität dieses verwoben Systems einzelner Elemente und ihrer Wechselwirkung außer acht zu lassen. In der folgenden Arbeit soll daher unter Einbeziehung des komplexen Mediums „Theater“ die Frage geklärt werden, welche Rolle der Figur des Bühnenleiters/Intendanten zukommt und wie diese Rolle rhetorik-theoretisch erfasst werden kann. Anhand des Begriffes der Gesamtinszenierung wird hierbei versucht ein Konzept für den Orator Bühnenleiter/Intendant zu finden, um die komplexen Abläufe des theatralen Prozesses unter rhetorischen Gesichtspunkten ausgehend vom Orator Bühnenleiter/Intendant zu schematisieren. Dabei wird im ersten Teil die Fragen nach Stellung und Funktion des Bühnenleiters/Intendanten im Kontext der Institution Theater und deren Systemkomponenten erarbeitet. Um hier zu vermeiden, dass es beim späteren rhetorik-theoretischen Konstrukt zu einer übermäßigen Unschärfe kommt, muss hierbei die Funktion und Rolle der Einzelkomponenten (wie z.B. des Dramaturgen, des Regisseurs, des Bühnenbildners etc.) scharf abgegrenzt werden. Hierbei sind teilweise die komplexen Differenzierungen und Definitionen verschiedener theaterwissenschaftlicher Ansätze hinderlich, was dazu führt, dass um der scharfen Begriffe Willen, der Komplexität der theaterwissenschaftlichen Theorien nicht immer genüge getan werden kann. Dazu werden ebenso rechtswissenschaftliche und juristische Ansätze herangezogen, um die theoretischen Kompetenzfelder verschiedener Systemkomponenten genaust möglich einzugrenzen. Dahinter steht der Gedanke, dass das Ziel nicht eine umfassende Zusammenfassung der wissenschaftlichen Theoreme zum Theater, sondern der Versuch einer rhetorischen Systematisierung eines komplexen Mediensystems ist.[1]

Um dieses Systematisierung zu gewährleisten, werden im zweiten Teil anhand des Prozesses einer fiktiven Gesamtinszenierung die Einzelschritt des rhetorischen Prozesses einer Inszenierung und die Abläufe der bzw. zwischen den einzelnen Komponenten deutlich gemacht.

Im dritten und letzten Teil wird dann der Versuch eines rhetorischen Modells für das komplexe Mediensystem Theater angestellt, indem der bereits beschriebene Prozess und dessen Komponenten in einem rhetorischen Konzept dargestellt werden. Abschließend wird die beschrieben Systematik reflektiert, um eine Verfeinerung und Weiterarbeit an selbiger anzudeuten, anzustoßen und zu implizieren.

Es ist zu beachten, dass das Theaterwesen in Deutschland, speziell die Theateranstalten der öffentlichen Hand, als Bezugspunkt dient.

2. Systemkomponenten des medialen Systems „Theater“

In diesem Teil stehen vor allem die theaterwissenschaftliche und die juristische Perspektive im Vordergrund. Das Theater wird hierbei als „ein hierarchisch gegliedertes, soziales, wirtschaftliches und kulturelles System“[2] betrachtet in dem verschieden „ ‚Handlungsrollen’ (S.J. Schmidt) an der Herstellung eines […] ästhetischen Produktes arbeiten“[3]. Ziel soll es sein die Einzelkomponenten so klar wie möglich durch Position und Aufgabenfeld im Mediensystem zu verorten. Es werden lediglich die Rollen innerhalb der Institution „Theater“[4] berücksichtigt und bereits rhetorik-theoretische Vorüberlegungen angestellt. Dabei werden die einzelnen Komponenten Bühnenleiter/Intendant, Autor/Stoff, Dramaturg, Regie, Bühnengestaltung, Charaktergestaltung, Schauspieler betrachtet.

2.1 Bühnenleiter/Intendant

Als erstes wird, auf Grund seiner hervorgehobenen Stellung, der Intendant betrachtet. Aufschluss über dessen Funktion bzw. Handlungsrolle sollen die folgenden drei Zitate geben.

„Intendant, in Dtl. Titel für den Leiter künstler. Leiter eines städt. Oder staatlichen Theaters; bei Theater mit mehreren Sparten oder Häusern[…]: Generalintendant“[5]

„Der Intendant ist Bühnenleiter. […] Ausgehend vom Zweck eines Theaters, dramatische oder musikalische Kunstwerke zur Aufführung zu bringen, bedeutet Theaterleitung die Bestimmung von Art und Forum sowie die Kontrolle dieser Aufführungen. […]

Er gilt als Repräsentant der Bühne und als die natürliche Autorität, die die […]Kräfte des Theaters koordiniert und auf die geschlossene Gesamtleistung hin ausrichtet.“[6]

„Der Intendant ist und bleibt der Angelpunkt für das Theater. Man muss ihn zu höchster Verantwortlichkeit aufrufen, aber man muss ihm auch die Möglichkeit geben sich dieser Verantwortung gewachsen zu zeigen“[7]

Anhand dieser drei Zitate, aus den Bereichen Theatertheorie, Theaterpraxis und theaterbezogener Rechtwissenschaften, lässt sich die hervorgehobene Rolle des Intendanten deutlich herausarbeiten. Allen drei Definitionen ist gemein, dass sie ihn ins Zentrum sowohl des medialen Systems[8] also auch der Institution sehen. Diese Position bringt dabei weitreichende Eingriffsmöglichkeiten an vielen Punkten mit sich. Im Friedrich‘schen Theaterlexikon kommt vor allem der Begriff des künstlerischen Leiters zum tragen, der später im Lexikon von Brauneck/Seiling um den Begriff des künstlerischen Konzepts, das der Intendant zu vermitteln sucht erweitert wird.[9] Dünnwald beschreibt ihn als „aufgeklärten Despoten“ (Laube, 1869) der entscheidet, kontrolliert und koordiniert, dabei aber immer auch die Verantwortung für die Institution „Theater“ hat.[10]

Dabei

„...obliegt dem Intendanten in eigener Verantwortung

die Gestaltung des Spielplans,

die Erneuerung, Nichterneuerung oder Kündigung von

Dienstverträgen und Gastspielverträgen[...]

die Rollenbesetzung,

die Verteilung der Regie- und Dirigieraufgaben und

die Beurlaubung von Mitgliedern

Ihm ist das gesamte künstlerische, technische und Verwaltungspersonal des Theaters unterstellt“[11]

[...]


[1] Vgl. (Rieder, 2005)

[2] (Rieder, 2005, S. 51)

[3] (Rieder, 2005, S. 51)

[4] „Die Institution Theater […] dient der organisatorischen Basis für theatralische Aufführungen“ (Rieder, 2005, S. 51)

[5] (Gröning & Kließ, 1969, S. 222)

[6] (Dünnwald, 1964, S. 27)

[7] (Gründgens, 1963, S. 206)

[8] Nämlich als Künstlerischen Leiter vgl. Anm. 6 & 8

[9] Vgl. Gröning & Kließ (Anm. 6) & (Brauneck & Seiling, 2007, S. Intendant)

[10] Vgl. (Dünnwald, 1964, S. 27)

[11] Aus einem Intendanten-Mustervertrag abgedruckt im Nachrichtendienst des DBV 1949, Nr.8

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Theater als Mediensystem und Institution
Untertitel
Versuch einer rhetorischen Betrachtung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Neuphilologisches Institut)
Veranstaltung
Rhetorik und Theater
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V152702
ISBN (eBook)
9783640649303
ISBN (Buch)
9783640649129
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theater, Mediensystem, Institution, Versuch, Betrachtung
Arbeit zitieren
Stefan Kraft (Autor), 2008, Das Theater als Mediensystem und Institution , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152702

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