Design Thinking

Eine neue Methode im Innovationsprozess


Bachelorarbeit, 2010
32 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation

2 Definition von Design Thinking
2.1 Design Thinking nach Tim Brown
2.2 Design Thinking nach dem Hasso-Plattner-Instiut
2.3 Design Thinking nach Roger Martin
2.4 Design Thinking nach Herbert Simon

3 Voraussetzungen für Design Thinking:
3.1 Teamzusammensetzung

4 Design Thinking Prozesse und Werkzeuge:
4.1 Prozess nach Gavin Ambrose und Paul Harris
4.1.1 Definition
4.1.2 Recherche
4.1.3 Ideenfindung
4.1.4 Prototyping
4.1.5 Auswahl
4.1.6 Umsetzung
4.1.7 Lernen
4.2 Prozess nach dem HPI, der School of Design Thinking
4.2.1 Verstehen
4.2.2 Beobachten
4.2.3 Standpunkt definieren
4.2.4 Ideen finden
4.2.5 Prototypen entwickeln
4.2.6 Testen
4.3 Design Thinking Prozess nach Prof. Dr. Robert Bauer
4.3.1 Verstehen
4.3.2 Phantasieren
4.4 Realisieren

5 Beispiele von Design Thinking Projekten
5.1 Erfindungen von Isambard Kingdum Brunel
5.2 National Endowment for Science Technology and the Arts (NESTA)
5.3 Die letzte Meile beim privaten Einkauf
5.4 „Keep the change“- Service der Bank of America
5.5 „Swiffer Carpetflick“ von Procter & Gamble

6 Persönliches Resümee

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Beispiel eines T-Profils

Abb.2: Beispiel eines T-Profils eines Design Thinking Teams

Abb.3: Sieben Schritte des Design Thinking Prozesses

Abb.4: Prototyp für Operationswerkzeug

Abb.5: Design Thinking Prozess nach Hasso-Plattner-Institut

Abb.6: Design Thinking Prozess nach Prof. Dr. Robert Bauer

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

In den SechzigerJahren des vergangenen Jahrhunderts haben Designer die Erfahrung gemacht, dass Sie immer häufiger eng mit anderen Disziplinen, wie etwa Konstrukteuren, Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammen arbeiten mussten. Häufig gab es Kommunikationsprobleme, wenn es darum ging, den Kreativprozess anderen verständlich zu machen. Jeder Designer hatte zwar ein Gefühl dafür was er machen sollte, jedoch fehlte es an Theorie und Methoden die das Vorgehen allgemeinverständlich beschrieben. Ende des vorigen Jahrhunderts entwickelt man die Vorstellung, Design als einen sozialen Prozess zu definieren. Ziel war es sich nicht mehr, sich rein auf die Lösungssuche zu konzentrieren, sondern stärker auf die Formulierung der zu lösenden Aufgabe und Probleme einzugehen.[1]

Die neue Methode „Design Thinking“, nutzt die aus den Designprozessen gewonnene Erkenntnis zur Innovationsentwicklung und stellt sowohl einen exzellenten Entwicklungsansatz für Produkte als auch Dienstleistungen dar. Wichtigstes Kriterium bei der Entwicklung ist das eigentliche Bedürfnis des Kunden, der sogenannte „human centered developement“ Ansatz.[2]

2 Definition von Design Thinking

Um ein besseres Verständnis für den Begriff „Design Thinking“ zu bekommen, muss man sich bewusst machen, dass das Wort „Design“ im deutschsprachigen Raum etwas anderes beschreibt als im englischen Sprachraum. Design beschreibt im deutschsprachigen Raum weitgehend die Gestaltung von Dingen und Produkten unter künstlerischen und formalen Aspekten. Im englischen Sprachgebrauch beschreibt das Verb „design“ hingegen das bewusste und planmäßige Gestalten von Objekten, Systemen oder Strukturen.[3]

Das Zusammenführen von „Design“ und „Thinking“ beschreibt einen durchdachten Prozess für das Entwickeln neuer Produkte und Dienstleistungen. Dabei ist Design Thinking mehr als eine Strategie. Es soll als Kultur des Denkens und Arbeitens verstanden werden, die größere Zusammenhänge aufdeckt und sichtbar machen kann und gleichzeitig den Menschen, seine Wahrnehmungen und Erfahrungen, sowie seine soziale und kulturelle Umgebung in den Mittelpunkt stellt.[4]

Nachfolgend sind unterschiedliche Definitionen von Design Thinking angeführt. Diese sind zwar auf den ersten Blick, beeinflusst von der beruflichen Vorgeschichte des jeweiligen Entwicklers, unterschiedlich verfasst, das Kernelement jeder Definition beschreibt jedoch sehr gut was unter Design Thinking zu verstehen ist.

2.1 Design Thinking nach Tim Brown

Thomas Edison entwickelte die elektrische Glühbirne und schuf in weiterer Folge einen neuen Industriezweig. Die Glühbirne wird oft als seine wertvollste Erfindung gesehen. Edison bemerkte jedoch, dass seine Erfindung in einer Welt ohne Stromgeneratoren und Stromverteiler nutzlos war. Darum erfand er auch diese Geräte. Wir verdanken ihm also nicht nur die Erfindung der Glühbirne, er war auch maßgeblich am Aufbau der Infrastruktur verantwortlich, um seine Invention richtig nutzen zu können. Seine Annahmen stellten sich auch nicht immer als richtig heraus. So dachte er zunächst, dass der Phonograph nur zum Aufzeichnen von Besprechungen von Geschäftsleuten Verwendung finden würde. Edison legte jedoch stets großen Wert auf die eigentlichen Kundenbedürfnisse und Anforderungen.

Edisons Bemühungen sind ein frühes Beispiel dafür, was man heute als „Design Thinking“ bezeichnen könnte. Eine Methode, die das volle Spektrum an kundenorientierter Innovation abdeckt. Um das eigentliche Kundenbedürfnis zu erkennen, muss man wirklich verstehen wie der Kunde lebt, was er möchte und noch wichtiger, was er nicht möchte. Wie die Produkte, die ihn umgeben, gefertigt, verpackt, vermarktet, verkauft und unterstützt werden. Es war Ihm ein Anliegen, aus jedem Misserfolg im Entwicklungsschritt zu lernen und diesen Schritt dann nochmals zu wiederholen.

Den linearen Nachfolger dieser Grundeinstellung könnte man heute als Design Thinking betrachten.[5]

Auf der Homepage der amerikanischen Produktentwickleragentur IDEO ist eine verkürzte Definition von Tim Brown zu finden, die die Definition auf den Punkt bringt.

“ Design thinking is an approach that uses the designer ’ s sensibility and methods for problem solving to meet people ’ s needs in a technologically feasible and commercially viable way. In other words, design thinking is human-centered innovation. ” [6]

2.2 Design Thinking nach dem Hasso-Plattner-Instiut

Eine weitere interessante Definition aus dem deutschsprachigen Raum wurde von Meinel Christoph, Lektor am Hasso-Plattner-Institut, kurz HPI, der Universiät von Potsdam verfasst.

„ Design Thinking ist eine neuartige Methode zur Entwicklung innovativer Ideen in allen Lebensbereichen. Entwickelt von David Kelley, dem Gr ü nder der weltweit agierenden Design-Agentur IDEO, basiert das Konzept auf der Ü berzeugung, dass wahre Innovation nur dann geschehen kann, wenn starke multidisziplin ä re Gruppen sich zusammenschlie ß en, eine gemeinschaftliche Kultur bilden und die Schnittstellen der unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven erforschen. “ [7]

2.3 Design Thinking nach Roger Martin

Eine etwas offenere Definition wurde vom Studiendekan der Rotman School of Management, der Universität von Toronto, Roger Martin, gefunden.

“ Design thinking is about creating better things, while traditional analytic thinking is about choosing between things. We need both, but surely the world would be in a better place if there was a bit more design thinking in play out there. ”

2.4 Design Thinking nach Herbert Simon

Den Grundstein der heutigen Definitionen von Design Thinking legte der amerikanische Sozialwissenschaftler Herbert Alexander Simon. Simon war Sohn deutschstämmiger Eltern, erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und war von 1968 bis 1971 im wissenschaftlichen Beraterstab für die amerikanischen Präsidenten Johnson und Nixon tätig.

Simon definierte das Wort Design als die Transformation von bereits Existierendem in etwas nützlich Anwendbarem. Im Gegensatz zum konventionellen kritischen Denken, was sich mit dem Beurteilen und Wegstreichen von Ideen beschäftigt, setzt Design Thinking bei bestehenden Ideen weiter auf. Im Design Thinking gibt es keine Bewertung. Diese Sichtweise eliminiert jegliche Angst vor Fehlern und regt dabei die Beteiligten an, mehr Input zu geben. Verrückte Ideen sind dabei willkommen, weil sie häufig zu den kreativen zählen. Jeder kann ein Designer von Ideen sein. Design Thinking ist ein Weg, um Design- Methoden bei jeglichen Aufgaben anwenden zu können. Simon setzte weiter fort und zerlegte den Prozess in sieben Schritte. Diese lauten Definition, Recherche, Ideenfindung, Prototyping, Auswahl, Umsetzung sowie Lernen und werden im fünften Kapitel dieser Arbeit näher beschrieben.[8]

3 Voraussetzungen für Design Thinking:

Die Herausforderungen heutiger Märkte sind oft zu komplex, um von einem einsamen Erfinder gelöst zu werden. Das ist mitunter auch der Grund, warum Kollaborationen wie Open Innovation, Open Source und Werkzeuge wie das Web 2.0 so erfolgreich sind. Auch beim Design Thinking geht es um Kollaborationen.

3.1 Teamzusammensetzung

Die unabdingbare Grundvoraussetzung eines jeden Desing Thinking Prozesses bildet ein Team, das sich aus verschiedenen Disziplinen, Abteilungen und Hierarchieebenen zusammensetzt und aus internen wie auch externen Mitgliedern bestehen kann. Die Stärke dieser Teams liegt zum Einen in der Vervielfältigung der jeweiligen inhaltlichen und methodischen Besonderheit, zum Anderen bringt jedes Teammitglied einen anderen Blickwinkel und Erfahrungen mit ein.

Die Mitglieder sollten dabei eine bestimmte Eigenschaft, das sogenannte T-Profil nach Leonard Barton besitzen. Hierbei steht der vertikale Balken für die Tiefe des fachspezifischen Wissens, das der Einzelne aus seiner Disziplin mit in das Team bringt. Der horizontale Balken bezeichnet die weitere, entscheidende Eigenschaft, der eigenen Neugier, der Offenheit gegenüber anderer Disziplinen und anderen Menschen, gegenüber der Welt, sowie die Fähigkeit, das eigene Wissen mit dem andere zu vernetzten, es übertragen zu können und eine gemeinsame Sprache zu finden.[9]

In Abbildung 1 ist als Beispiel ein T-Shape Profil eines Workflowmanagement- Experten dargestellt. Dieses zeigt im Breitenwissen an, dass Kenntnisse in Projektmanagement sowie bei Kommunikation und Empathie vorhanden sind, diese interdisziplinären Eigenschaften sind Grundvoraussetzung um im Team erfolgreicher zu sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Beispiel eines T-Profils [10]

In der nächsten Abbildung sind die T-Profile eines Design Thinking Teams dargestellt. Hierbei ist, wie eingangs erwähnt, auf die Heterogenität des Tiefenwissens der einzelnen Teammitglieder zu achten.

Die besten Ideen entstehen, wenn man mehrere Experten mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringt.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Beispiel eines T-Profils eines Design Thinking Teams[12]

3.2 Arbeitsumgebung

Damit die Offenheit bei konkreten Arbeiten, die Kommunikation sowie die Kreativität des Teams gefördert werden, ist die Gestaltung der Räumlichkeiten, in denen Design Thinking Projekte bearbeitet werden, maßgeblich. Darum wird bei Ausbildungsplätzen wie etwa der Universität in Stanford und Potsdam, als auch bei Unternehmen wie Procter & Gamble die räumliche Umgebung durch eine bestimmte Einrichtung definiert. Diese besteht aus flexiblen Möbeln, viel Platz an den Wänden, Werkzeugen für das Recherchieren und Visualisieren von ersten Ideen sowie Materialien für die Fertigung von Prototypen.

[...]


[1] Vgl.: Plattner, Hasso/Meinel, Christoph/Weinberg, Ulrich (2009): Design Thinking. Innovation lernen - Ideenwelten öffnen. München: FinanzBuch Verlag GmbH. S. 68.

[2] Vgl.: Pratschke, Margarete/Grots, Alexander (2009): Design Thinking - Kreativität als Methode. Marketing Review St.Gallen. Gabler Verlag. S. 18.

[3] Vgl.: Plattner, Hasso/Meinel, Christoph/Weinberg, Ulrich (2009): Design Thinking. S. 59.

[4] Vgl.: Beckerath, Verena (2009) Design Thinking. Innovation lernen - Ideenwelten öffnen. München: FinanzBuch Verlag GmbH. S. 59.

[5] Vgl.: Brown, Tim (2008): Design Thinking. Harvard: Harvard Business School Publishing. S.1.

[6] Brown, Tim (2010): Design Thinking. http://www.ideo.com/thinking/approach/ [Stand: 07.04.2010].

[7] Meinel, Christoph (2010): Design Thinking. Was ist design thinking? http://www.hpi.uni- potsdam.de/d_school/design_thinking.html [Stand: 07.04.2010].

[8] Vgl: Dziersk, Mark (2006): Design Thinking… What is That? http://www.fastcompany.com/resources/design/dziersk/design [Stand: 19.04.2010].

[9] Vgl.: Pratschke, Margarete/Grots, Alexander (2009): Design Thinking.S. 19.

[10] Quelle: Verändert übernommen aus Heinemann, Elisabeth (2010): T-Shaped Professionals - Die Alternative zu Generalisten und Spezialisten. http://www.onpulson.de/themen/1740/t-shaped- professionals-die-alternative-zu-generalisten-und-spezialisten/ [Stand: 20.04.2010].

[11] Plattner, Hasso/Meinel, Christoph/Weinberg, Ulrich (2009): Design Thinking. S. 67.

[12] Quelle: Verändert übernommen aus Heinemann, Elisabeth (2010): T-Shaped Professionals - Die Alternative zu Generalisten und Spezialisten. http://www.onpulson.de/themen/1740/t-shaped- professionals-die-alternative-zu-generalisten-und-spezialisten/ [Stand: 20.04.2010].

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Design Thinking
Untertitel
Eine neue Methode im Innovationsprozess
Hochschule
Campus02 Fachhochschule der Wirtschaft Graz  (Fachhochschule)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
32
Katalognummer
V153113
ISBN (eBook)
9783640655663
ISBN (Buch)
9783640655960
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich zunächst mit den unterschiedlichen Definitionen von Design Thinking und den wichtigsten Voraussetzungen um die Methode durchführen zu können. Im Hauptteil der Arbeit sind die wichtigsten Design Thinking Prozesse, die aus unterschiedlichsten Quellen herausgearbeitet wurden, zusammengefasst. Am Ende sind praktische Beispiele von Design Thinking Projekten angeführt die zeigen, welch breites Spektrum an Problemstellungen gelöst werden können.
Schlagworte
Design, Thinking, Eine, Methode, Innovationsprozess
Arbeit zitieren
Ing. Stefan Ponsold (Autor), 2010, Design Thinking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153113

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