Folgen einer Geiselnahme: Das Stockholmsyndrom

Eine erwiesene Wissenschaft oder Einzelphänomen?


Studienarbeit, 2010
30 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Die Geiselnahme
2.2 Der Terminus Stockholm-Syndrom

3 Voraussetzungen für die Entstehung und Erklärungsansätze

4 Folgen für die Opfer von Geiselnahmen
4.1 Posttraumatische Belastungsstörung
4.2 Sekundäre Viktimisierung
4.3 Bewältigung des Erlebten

5 Geiselnahme und Medien
5.1 Allgemeines
5.2 Medien und Geiseln
5.3 Medien und die Angehörigen

6 Kritik und Bewertung

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es ist Donnerstag, der 23. August 1973. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm stürmt ein schwer bewaffneter Mann[1] die Filiale der Svenska Kreditbanken am Norrmalmsplatz und nimmt vier Menschen als Geiseln. Mit den Worten: "The party has just begun!" eröffnet er das Feuer in dem er eine Salve von Schüssen in die Wände und Glasfassaden abgibt. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich mehr als sechzig Angestellte und Kunden in der Bank, welche der Täter in Angst und Schrecken versetzt. Die Geiselnahme dauerte fünfeinhalb Tage an. Die vier Geiseln, drei junge Frauen und ein Mann, wurden in einem Tresorraum festgehalten. Neu war zu dieser Zeit, dass die Medien die Angst der Geiseln vergleichsweise offen zeigten. Es wurden ausführliche Interviews über Telefon und Radio geführt. Dabei wurde die ein bis dahin unbekanntes Phänomens beobachtet. Entgegen aller Erwartungen hatten die Geiseln größere Angst vor der Polizei als vor ihrem Geiselnehmer (vgl. HARNISCHMACHER/ MÜTHER, S.1 in Archiv für Kriminologie).

Dieser Überfall gilt als die Geburtsstunde des Stockholm-Syndroms und impliziert gleichzeitig den Einstieg in diese Hausarbeit. Letzteres befasst sich mit der Entstehung, notwendigen Vorraussetzungen, Erklärungsansätzen und in der kritischen Betrachtung möglicher Herangehensweisen.

Auf Grund dessen, dass das Syndrom am häufigsten bei Geiselnahmen in Erscheinung tritt, werde ich die Geiselnahme kurz erläutern und nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die drei Phasen einer Geiselnahme eingehen. Dies stellt für mich einen wichtigen Punkt dar um Verständnis zu erlangen, was psychisch in einem Geiselnehmer während einer Geiselnahme abläuft und in wiefern sich in Folge des Geschehensablaufes ein Stockholm-Syndrom entwickeln kann. Des weiteren definiere ich den Terminus des Stockholmsyndroms. Im darauf folgenden Gliederungspunkt zeige ich die Voraussetzungen für ein Zustandekommen des Syndroms auf als auch Erklärungsansätze, welche zur Erforschung der Entstehung des Stockholm-Syndrom, beitragen können oder beigetragen haben. Danach erläutere ich die Folgen für die Opfer von Geiselnahmen und Gewalttaten und wie sie diese versuchen selbst zu bewältigen. Expliziert wird auf die Posttraumatische Belastungsstörung als auch die sekundäre Viktimisierung eingegangen. Da das Stockholm-Syndrom durch die Medien bekannt und bestärkt wurde, werde ich auch auf die Rolle und Bedeutung der Medien bei Geiselnahmen eingehen. Während der gesamten Arbeit beziehe ich Beispiele bedeutender Geiselnahmen oder Entführungen mit ein, um eine Verbindung zum Geschehen und dem Syndrom herzustellen. In der Bewertung gehe ich auf den allgemeinen Forschungstand ein und reflektiere kritische Fakten bezüglich der Verallgemeinerung des Stockholm-Syndroms. In einem abschließenden Fazit möchte ich meine Arbeit abrunden, nocheinmal auf die wichtigsten Punkte hinweisen und meine eigene Sichtweise zur Thematik einbringen.

2 Grundlagen

In diesem Kapitel möchte ich notwendige definitorische Grundlagen erläutern, welche für ein einheitliches Verständnis notwendig sind. Ich lehne mich dabei stark an die polizeiliche Arbeit und ein entsprechendes Begriffverständnis an.

2.1 Die Geiselnahme

"Eine Geiselnahme im taktischen Sinne liegt vor, wenn der Täter unter Verwirklichung der Tatbestände der §§ 239a oder 239b StGB[[2] Anm. d. Verf.] Personen zur Durchsetzung ihrer Ziele an einem der Polizei bekannten Ort in ihrer Gewalt haben" (vgl. PDV 100, Nr. 4.9.1.1.). Dagegen ist die Geiselnahme von der Entführung abzugrenzen. Letzteres wird angenommen, wenn der Aufenthalt der sich in der Gewalt eines Anderen befindenden Person nicht bekannt ist. Die Entstehung der Geiselnahme, reicht weit in die Frühgeschichte zurück. Aus privatrechtlicher Sicht wurden Geiseln früher als Pfand genommen und hafteten mit Leib und Leben für getroffene Verbindlichkeiten. Die Grundlage dafür bildeten in der Regel freiwillige Verträge zwischen den betroffenen Personen. Wurden die vertraglichen Verbindlichkeiten nicht eingehalten, verfiel die Geisel ihrem Vertragspartner. Die Verbürgung mit Leib oder Leben für Forderungen verlor im Mittelalter an Bedeutung. Infolge dessen diente die Geiselnahme im Kriegs- und Völkerrecht als Sicherheit für die Einhaltung von politischen Vereinbarungen, was sich bis ins 18. Jahrhundert fortsetzte. Letztmalig wurden Geiseln aus politischem Hintergrund beim Aachener Friedensvertrag[3] zwischen Frankreich und Großbritannien 1748 gestellt. Die einseitige Geiselnahme wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts verdrängt. Heute spielt die Geiselnahme inbesondere im internationalen Terrorismus eine bedeutende Rolle. Als Schlüsselereignis steht die Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer durch die R.A.F im Jahre 1977[4].

Die klassische Geiselnahme in Form des "Zwei- Personen- Verhältnis[5] " gewann erst im letzten Jahrhundert vermehrt an strafrechtlicher und gesellschaftliche Würdigung. Die Entführung des Kindes von Charles A.Lindbergh[6] im Jahre 1932 impliziert die Grundlage für die Aufnahme des Paragrafen 239a ins Strafgesetzbuch. Mit Blick auf das Münchner Geiseldrama[7] von 1972 wurde der Straftatbestand des Paragrafen 239b StGB in das Strafgesetzbuch aufgenommen (vgl. ZSCHIESCHACK, 2001, S. 19ff.).

Eine Geiselnahme stellt für die Geiseln als auch für die Täter eine psychische Ausnahmesituation dar. Welche meist von den Täter nicht geplant sind. Auf Grund dessen, lässt sich eine Geiselnahme in drei Phasen gliedern (vgl. Abb. 1).

Die erste Phase wird als affektive Phase oder Initialphase bezeichnet und dauert etwa zwei bis drei Stunden. Je größer die Tätergruppe und je vertrauter die Mitglieder miteinander sind, desto kürzer verläuft die Phase (vgl. GROOTE, 2002, S. 33 ff.). In diesem ersten Phase hat der Täter noch keinen Überblick über die Tatsituation. Er ist meist sehr nervös und angespannt. Sein Erregungsniveau ist sehr hoch, was bedeutet, dass erhöhte Gefahrenmomente bestehen. Sein rationales Denken und organisiertes Handeln ist zu diesen Zeitpunkt sehr eingeschränkt. Es besteht die Gefahr, dass er von einer Vielzahl von Umgebungsreizen überflutet wird. Dies bewirkt beim Geiselnehmer die Bereitschaft zu unkontrollierten und voreiligen Handlungen. Charakteristisch sind irrationale Gewaltanwendung gegenüber den Geiseln. Das Vorgehen der Polizei sollte auf Grund dieser Begebenheiten der ersten Phase sehr behutsam und gut bedacht sein, um die Lage zu stabilisieren. Im Grundsatz des polizeilichen Handelns steht, dass die eingesetzten Beamten möglichst nicht im Sichtfeld des Täters stehen und in keinem Fall durch ihr Handeln Zeit- beziehungsweise Handlungsdruck auf den Geiselnehmer ausüben. (vgl. KOCH/SCHMIDT, 2008, S. 122ff.). Dabei ist allerdings zu betonen, dass dies normative Handlungsvorgaben sind, die in der Praxis situaionsbedingt nicht immer eingehalten werden können.

Die zweite Phase wird als kognitive oder auch Ambivalenzphase terminiert. Die Dauer kann zwei bis 20 Stunden betragen. Bei dem Täter stellt sich das Gefühl ein, dass er die Lage kontrolliert und die Situation an der Tatörtlichkeit sich nach seinem Willen entwickelt. Infolge dessen, stellt sich sein rationales Denken wieder ein und er baut seine innere Anspannung und seine Ängste ab. Die Gefahr von gewalttätigen Handlungen gegenüber den Geiseln sinkt langsam (vgl. GROOTE, 2002, S. 34). Die positive Stimmungslage kann jedoch schnell wieder zum Negativen umschlagen, sobald der Täter die Kontrolle über das Tatgeschehen verliert oder an seinem zielgerichteten Verhalten gehindert wird. Die kognitive Phase bildet die Grundlage zur Ausprägung des Stockholm-Syndrom. Der Täter gelangt vorrübergehend zur Ruhe und kann sich den Geiseln zuwenden und sich mit ihnen auseinandersetzen. Er entwickelt eine Sympatie gegenüber den Geiseln, welche im Falle des Stockholm-Syndroms erwiedert wird. Im Auftrag die Polizei liegt die weitere Stabilisierung der Lage als auch die Initiative zu Verhandlungen. Jedoch sollte eine Kontaktaufnahme ohne dringenden Grund und ohne sorgfältiger Vorbereitung nicht erfolgen (vgl. KOCH/ SCHMIDT, 2008, S. 122 ff.).

Zum Schluss folgt die Chaotische oder die Schlussphase. Sie kann eine Zeitspanne von 20 und bis 50 Stunden betragen. Ein typisches Merkmal ist die physische und psychische Zermürbung des Geiselnehmers, was mit einem Ohnmachtsgefühl einhergehen kann. Der Hauptgund dafür ist, dass der Täter erkennt, dass seine Forderungen nicht beziehungsweise nur ungenügend befriedigt werden (GROOTE, 2002, S. 34). Ein daraus resultierendes Problem stellt das schnell ansteigende Erregungsniveau des Täters dar. Es kann daher zu einem Zusammenbruch des Geiselnehmers als auch zur Eskalation kommen. Dies umfasst exemplarisch die Tötung der Geiseln oder den Suizid des Geiselnehmers. Von polizeilicher Sicht erscheint es angemessen, in dieser Phase den Kontakt zwecks Beruhigungs-, Einlenkungs- und Ablenkungstaktiken aufrecht zu erhalten. Verhandlungen zur Befreiung der Geiseln können gegebenenfalls aufgenommen oder intensiviert werden (vgl. KOCH/ SCHMIDT, 2008, S. 122ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Der Terminus Stockholm-Syndrom

Das Stockholm-Syndrom[8], welches fälschlicherweise zum Teil als Helsinki-Syndrom klassifiziert wird, findet seinen Ursprung in dem eingangs geschilderten Szenario. Es impliziert einen Prozess, bei welchem die Opfer von Gewalttaten, exemplarisch Geiselnahmen, eine positiv emotionale Beziehung zu ihren Tätern entwickeln. Die positive Gefühlsregung wird von dem Tätern zumeist erwiedert, um ihr verbrecherisches Vorhaben erfolgreich zu beenden. Um die Bedrohungsituationen erträglicher zu gestalten, solidarisieren sich die Opfer mit dem Tätern und suchen dessen Nähe (GUFLER, 2008, S. 52), wobei die ursprüngliche Initiative deutlich von den Geiseln ausgeht. Dies ist beispielsweise daran erkennbar, dass die Geiseln der Ursprungslage von 1973 eine mildere Strafe als gerichtlich für den Geiselnehmer Olsson forderten und ihn im weiteren Verlauf im Gefängnis besuchten, obwohl Olosson mit Erschießung der Geiseln drohte. Ein weiteres Indiz für das Sympathieempfinden der Geiseln zu ihrem früheren Geiselnehmer wird durch eine Verlobung zwischen einer der Geiseln und Olosson begründet.

Das Syndrom stellt weiterhin einen unbewussten psychologischen Schutz- oder Abwehrmechanismus dar, bei welchem eine extreme, situationsgebundene Existenzangst unterdrückt wird. Die Opfer identifizieren sich weitestgehend mit dem Delinquenten und versuchen sein Denken, Handeln und Fühlen nachzuvollziehen. Dies kann zu einem Realitätsverlust auf Seiten der Geiseln führen. Der Realitätsverlust liegt in den Tatsachen begründet, dass es zu einer Leugnung der Gefahr, zu Hilflosigkeit und zu einer Demütigung auf Seiten der Geiseln kommt. Die Opfer verfügen über keine Kontrolle der Situation, in der sie sich befinden. Von einem auf den anderen Moment, entscheidet eine andere Person über ihr Leben und ihr Handeln. Die Aussicht, den Partner, die Kinder oder die Eltern möglicherweise nicht wieder sehen zu können, als auch die Tatsache, dass ihr eigenes Leben gefährdet ist und die Angst, Schmerzen zugefügt zu bekommen, stellt in jedem Fall eine existenzielle Ausnahmesituation dar (vgl. WIECZOREK, 2003, S. 430).

Auf Grund dessen versuchen die Opfer jegliche die Lage verschlechternde Reaktionen zu vermeiden und ordnen sich dem Täter unter. Dies ist jedoch kein eindeutiges Indiz für das Vorliegen des Stockholm-Syndroms, sondern eher eine rationale und angemessene Reaktion aus Selbsterhaltungsgründen der Opfer. Auf Seiten der Geiseln liegt lediglich ein stark ausgeprägter Überlebenstrieb vor, wodurch die Basis für eine Entwicklung gemeinsamer Interessen zwischen Täter und Opfer gegeben ist. Der Täter will gleichsam unbeschadet und mit größtmöglichen Gewinn aus der Geiselnahme herausgehen, sofern absehbar ist, dass die Polizei gegen ihn vorgeht. Sowohl Opfer als auch Täter befinden sich dadurch in einer ungünstigen und lebensbedrohlichen Situation, wodurch es zur Entwicklung vergleichbarer Ängste als auch Erwartungen, gefolgt von gemeinsamen Gruppenstrukturen und kognitiver sowie emotionaler Schemata kommt. Dies führt zum nächsten Aspekt, worin die Geiseln gegenüber der Polizei eine Vorwurfshaltung einnehmen.Ursache dafür ist die auf Opferseite aufkommende Frage, warum diese nicht eher befreit wurden und ob nicht alles versucht wird die unangenehme Situation zu beseitigen. Das Stockholmer Geiseldrama dauerte 131 Stunden an, also nahezu sechs Tage, in welchen sich die Opfer in den Händen von Olsson befanden. In diesem Zeitraum ist verständlich, dass sich jede Hoffnung an die Polizei und auf eine Freilassung minimieren. Das Vorgehen der Einsatzkräfte und Polizei wird vom Täter als auch den Opfer als bedrohlich eingestuft und infolge dessen abgelehnt. Eine Geisel aus der Geiselnahme in Stockholm äußerte in einem Gespräch mit dem damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme[9] wörtlich: "[...] mich bedrückt, dass die Polizei uns angreift und vielleicht unseren Tod verursachen wird [...] Jan [[10] Anm. d. Verf.] sitzt hier und beschützt uns vor der Polizei [...]" (WIECZOREK 2003, S. 429).

Die aufgezeigten Aspekte sind durchaus auch bei anderen Gewalttaten, wie zum Beispiel Vergewaltigung oder Folter zu erkennen. Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass es sich hierbei um normale Reaktionen auf Gewalttraumata handelt und nicht wie vorher angenommen um pathologische[11] Verhaltensweisen von Geiseln. Die Medizin als auch die Psychopathologie sieht den Terminus eines "Syndrom" nur dann gegeben, wenn mehrere Symptome bei einer Krankheit gemeinsam auftreten. Ein Verhältnis zwischen der Ursache der Krankheit und deren Wirkung muss nicht bestehen. Selbst die ablehnende Haltung der Geiseln gegenüber der Polizei kann nicht zwangsläufig als Störung gewertet werden. Letztere liegt erst dann vor, wenn das Opfer sein eigenes Normen- und Wertesystem aufgegeben und das des Geiselnehmers angenommen hat. Eine solche Identifikation liegt bei einer stark positiv- emotionalen Bindung vor, was im Beispiel der Stockhomer Geiselnahme durch die nachfolgende Verlobung vorliegt. Die Aufgabe des eigenen Wertesystems sowie die Annahme der Werte des Gewalttäters ist demnach eine Vorraussetzung für das Vorliegen einer Störung beziehungsweise eines Syndroms, da dieses Verhalten der Werteverschiebung über den Überlebenswillen hinaus geht (vgl. WIECZOREK, 2003, S. 430ff.).

[...]


[1] Bei dem bewaffneten und vorbestraften Mann handelte es sich um Jan-Erig Olsson. Er forderte die Freilassung des zu diesem Zeitpunkt inhaftierten Clark Olofson.In Anlehnung an dieses Beispiel erfolgt die Darstellung in dieser Arbeit anhand von einem Geiselnehmer und mehreren Geiseln, wobei gleichfalls auch andere Konstellationen möglich sind.

[2] Die Paragrafen 239a und 239b des Strafgesetzbuches implizieren die Straftatbestände erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme.

[3] Der Frieden von Aachen, umfasst ein am 18. Oktober 1748 abgeschlossenes völkerrechtliches Vertragswerk. Letzteres sollte den Erbfolgekrieg in Österreich beenden. Der seit 24. April 1748 begonnene Kongress in der freien Reichsstadt Aachen, war dem Friedesnvertrag vorrausgegangen (vgl. ZSCHISCHACK, 2001, S.19).

[4] Hanns Martin Schleyer wurde am 05. September 1977 durch Anhänger der Roten Armee Fraktion (R.A.F.) entführt um die Freilassung von elf inhaftierten R.A.F. Mitgliedern zu bewirken. Schleyer wurde am 18.September 1977 erschossen, da auf die Forderungen nicht eingegangen wurde.

[5] Auf Grund der Neufassung der Paragrafen 239a, 239b des Strafgesetzbuches fallen auch jene Fälle darunter, bei welchen nicht eine Dritte Person, sondern die Geisel selbst Adressat der Nötigung ist. Da bei dieser Form der Geiselnahme nur zwei Personen beteiligt sein müssen (Geiselnehmer und Geisel), enstand der Begriff Zwei-Personen-Verhältnis. (vgl. ZSCHISCHACK, 2001, S.16)

[6] Charles A.Lindbergh überquerte 1927 im ersten Nonstop Alleinflug den atlantischen Ozean von New York nach Paris. Der Entführer drang ins das Kinderzimmer der Lindbergh'schen Wohnung ein, entführte das Kind und verlangte ein Lösegeld für die Freilassung. Das Lösegeld wurde beglichen, doch der Säugling wurde 73 Tage später tot in einem Waldstück aufgefunden.

(vgl.SPIEGEL ONLINE GmbH, pass.)

[7] Das Münchner Geiseldrama ereignete sich 1972 während den Olympischen Spielen. Acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September brachten elf Geiseln der israelischen Olympiamannschaft in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endete mit dem Tod der Geiseln und eines deutschen Polizisten auf dem Flugfeld von Fürstenfeldbruck.

(vgl. KOCH/SCHMIDT, 2008, S. 109)

[8] Aus medizinischer und psychologischer Sicht wird von einem Syndrom gesprochen, wenn gleichzeitig mehrere Symptome vorliegen, deren ursächlicher Zusammenhang und Entstehung beziehungsweise Entwicklung weitesgehend bekannt sind (vgl. HÄCKER/ STAPF, 2009, S. 982).

[9] Sven Olof Joachim Palme wurde am 30. Januar 1927 in Stockhom geboren. Er war schwedischer Sozialdemokrat und zwei mal Ministerpräsident Schwedens (1969–1976 und 1982–1986). Er starb am 28.Februar 1986 in Stockholm.

[10] Damit wird der Geiselnehmer Jan-Erig Olsson assoziiert.

[11] Der Terminus Pathologie impliziert die Erforschung von krankhaften und abnormen Zuständen, ihren Ursachen, ihre Entwicklung und Erscheinungsformen als auch die durch sie hervorgerufene Veränderungen von Organen und Gewebe (vgl. HÄCKER, STAPF, 2009, S. 730).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Folgen einer Geiselnahme: Das Stockholmsyndrom
Untertitel
Eine erwiesene Wissenschaft oder Einzelphänomen?
Hochschule
Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung; ehem. VFH Wiesbaden
Note
1,1
Autor
Jahr
2010
Seiten
30
Katalognummer
V153428
ISBN (eBook)
9783640655878
ISBN (Buch)
9783640656158
Dateigröße
1519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geiselnahme, Stockholmsyndrom, Opferverhalten, Geisel, Geiselnehmer
Arbeit zitieren
Christin Wolf (Autor), 2010, Folgen einer Geiselnahme: Das Stockholmsyndrom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153428

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