Triebtheorie nach Sigmund Freud im Hinblick auf Aggressionen


Hausarbeit, 2003

17 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Instanzenmodell bzw Der psychische Apparat

3. Ersatzbefriedigungen

4. Abwehrmechanismen

5. Die Entwicklungsphasen

6. Aggressionen

7. Zusammenfassung

8. Bibliographie

1. Einleitung

Ich beschäftige mich in dieser Hausarbeit mit dem Triebmodell von Sigmund Freud. Diesbezüglich möchte ich zunächst allgemein die Theorie Freuds hinsichtlich des Instanzenmodells sowie die Ersatzbefriedigungen und Abwehrmechanismen des Menschen betrachten. Im weiteren Verlauf werde ich außerdem auf die nach Freud bedeutendsten Entwicklungsstadien der Persönlichkeitsentwicklung eingehen. Anschließend werde ich meine Untersuchungen spezifizieren, indem ich versuchen werde den Aspekt der Aggressionen auf dem Hintergrund der Theorie Freuds zu betrachten.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da S. Freud eine der bedeutensten Personen der Psychoanalyse ist. Außerdem finde ich seine Theorie sehr zugänglich, obwohl sie auch kritikwürdige Punkte beinhaltet.

Auf die Biographie Freuds gehe ich in dieser Hausarbeit nicht ein, da sie für das Verständnis der Theorie nicht benötigt wird. Bezüglich der Aggressionen ist jedoch interessant zu wissen, dass Freud selbst anfangs nicht davon ausging, dass es im Menschen auch einen „bösen“ Trieb gibt, im Gegenteil sträubte er sich zunächst gegen diese Theorie und brachte Verständnis auf, für alle, die später Widerwillen hatten, seinen Gedanken zu folgen.

Weiterhin finde ich es erwähnenswert, dass Anna Freud, die Tochter Sigmund Freuds, ebenfalls im Gebiet der Psychoanalyse tätig war. Im Gegensatz zu ihrem Vater hatte Anna Freud direkt mit Kindern zu tun, da sie von Beruf Lehrerin war. Mit den frühkindlichen Entwicklungsstadien hat sie sich ausführlich auseinandergesetzt, denn sie war nicht nur Praktikerin in Form ihres Berufes, sondern auch eine bewundernswerte Theoretikerin.

In einer abschließenden Zusammenfassung werde ich nochmal die bedeutendsten Punkte dieser Hausarbeit zusammentragen.

2. Das Instanzenmodell bzw. der psychische Apparat

S. Freud geht davon aus, dass der psychische Apparat eines Menschen aus drei Instanzen besteht. Jede dieser Instanzen hat ihre eigene Funktion, wobei diese Funktionen aneinander gebunden sind. Freud benennt die psychischen Instanzen mit ES, ICH und ÜBER ICH. Alle Vorgänge im psychischen Apparat sind unbewusst.

Unter dem Begriff ES fasst Freud die instinkthafte Energie zusammen, die er als Triebe bezeichnet. Diese Triebe sind Ursprung von allem menschlichen Handeln und somit grundlegend für die Persönlichkeitsbildung. Alle Triebe lassen sich nach Freud in zwei Klassen einteilen, in die Lebenstriebe und die Todestriebe. Im Bezug auf die Lebenstriebe ( Eros) hat Freud einen besonderen Schwerpunkt auf den Sexualtrieb gelegt, da dieser aus vielen verschiedenen Trieben zusammen gesetzt ist, und sich dadurch viele körperliche Bedürfnisse in Form erotischer Wünsche äußern. Die Form, in der sich die Lebenstriebenergie darstellt, bezeichnet Freud als Libido.1 Während die Lebenstriebe das Leben erhalten wollen, sind die Todestriebe ( Thanatos) zerstörende Triebe. Die Basis für die Todestriebe war lediglich die Annahme, dass alles Leben sich im Sinne des Konstanzprinzips wieder der Stabilität der anorganischen Materie zuneigt.2

Eros und Thanatos existieren in einem ewigen Konflikt. Beide versuchen den anderen zu überwinden und ihre Wünsche, ohne andere Faktoren zu berücksichtigen, zu erfüllen. Das ES ist dadurch der Vertreter des Lustprinzips. Die Triebe wollen ohne Rücksicht auf die Realität sofort erfüllt werden, um Unlust zu vermeiden und Lust zu gewinnen. Zur Erfüllung seiner Wünsche benötigt das Es einen Vermittler zur Realität außerhalb der Persönlichkeit: das ICH.

Das ICH ist der Vertreter des Realitätsprinzip. Seine Aufgabe ist die Umwelt wahrzunehmen und nach Möglichkeiten zur Erfüllung der Triebe zu suchen, unter der Berücksichtigung des ÜBER ICHs. Dabei ist es manchmal eine Behinderung für das ES, da es möglich ist, dass die Realität der Umwelt keine Möglichkeit zur Erfüllung der Triebe bietet. Obwohl das Ich abwägt zwischen ES, Umwelt und ÜBER ICH, hat es letztlich das Ziel, die Bedürfnisse des ES in der Realität umzusetzen.

Ist dies nicht direkt möglich, so werden die Triebe teilweise durch Ersatzbefriedigungen erfüllt (siehe Kapitel Ersatzbefriedigungen ).

Das ÜBER ICH bildet eine Art inneres Gewissen. Es wird während der Erziehung gebildet und beinhaltet Normen und Werte der Gesellschaft, die z.B.

von den Eltern vermittelt wurden. Daraus entwickelt sich als Bestandteil des ÜBER ICHs das Ich-Ideal, welches anhand der gelernten Normen eine Art Idealbild von sich selbst darstellt. Das Über ICH wirkt auf das ICH ein, indem es versucht die Handlungen mit den erworbenen Idealen zu vereinbaren. In diesem Sinne ist es die moralische Instanz des psychischen Apparates. Das ÜBER ICH übernimmt die Funktion, die im frühen Kindesalter die Eltern haben.

Daraus ergibt sich, dass nicht alle Instanzen von Geburt an vorhanden sind. Während das ES angeborene Triebe beinhaltet, bildet sich das ICH erst im zweiten bis dritten Lebensjahr aus, das ÜBER ICH sogar erst im dritten bis vierten Lebensjahr. Genaueres dazu im Kapitel zu den Entwicklungsphasen.

Ein Beispiel für das Zusammenspiel der drei Instanzen, ist ein kleiner Junger, der im Fahrstuhl ist und dringend zur Toilette muss. Das ES sagt, dass es sofort den Druck von der Blase nehmen will, das ICH sieht jedoch momentan keine Möglichkeit zur Erfüllung des Bedürfnisses, da keine Toilette vorhanden ist und das ÜBER ICH besagt, dass es sich nicht gehört in die Hose zu machen. Das Bedürfniss des ES wird vom ICH zurückgestellt, bis der Junge aus dem Fahrstuhl kommt und zur Toilette gehen kann.

Neben den Trieben betrachtet Freud die Verteilung und Anwendung der psychischen Energie sowie die Angst als Faktoren für die Persönlichkeitsdynamik.3

Wie bereits am Anfang erwähnt, geht Freud davon aus, dass die Triebe die psychische Energie beinhalten, somit ist zunächst alle Energie im ES. Das ES ist jedoch nicht in der Lage, seine Bedürfnisse in der Realität zu befriedigen, dafür benötigt es das ICH. Um seine Bedürfnisse zu erfüllen, muss das ES dem ICH Energie abgeben. Das ICH bezieht demnach alle seine Energie aus dem ES, dies geschieht durch die Identifikation. Ebenfalls durch die Identifikation erhält das ÜBER ICH seine Energie aus dem ES. Die durch Lob und Tadel erlernten Werte fließen in die Persönlichkeitsbildung ein. Demnach hat alle psychische Energie den selben Ursprung. Zwischen den Instanzen besteht daher dauerhaft eine Konkurrenz. Nur wenn die Energie gleichmäßig verteilt wird, kann der Mensch eine normale Persönlichkeit entwickeln. Hat eine Instanz einen höheren Anteil an Energie als die anderen beiden, führt das zu pathologischen Symptomen. Ist z.B. das ES übermächtig, so wird der Mensch triebhaft und berücksichtigt seine Mitmenschen, sowie die Werte und Normen der Gesellschaft nicht.

Ein starkes ÜBER ICH macht den Menschen moralisch, ist es jedoch zu stark, so kann das zu Handlungslähmung, Frustration, Minderwertigkeitskomplexen und zu depressiven Einstellungen führen.

Der Mensch überfordert sich z.B. mit seinem Ich-Ideal selbst, da er einen so hohen Maßstab ansetzt, dass er seine Erwartungen nicht erfüllen kann.

Der dritte Faktor, der die Persönlichkeitsdynamik beeinflusst, ist die Angst. Die Angst erwächst aus der Tatsache, dass der Mensch zur Erfüllung seiner Bedürfnisse auf die Umwelt angewiesen ist. Die Umwelt hat demnach auch die Möglichkeit die Erfüllung der Wünsche zu verhindern, außerdem kann sie das Bedürfniss an sich ablehnen oder sie als Gefahr empfinden. Die Reaktion des Menschen auf das Handeln der Umwelt ist in solch einem Fall die Angst. Freud unterteilt die Angst in drei Formen: Realitätsangst, neurotische Angst und moralische Angst ( Schuld).4 Realitätsängste sind solche, die eine reale Gefahr aus der Umwelt als Grundlage haben. Die Angst, die wir z.B. bei einem Überfall erleben ist ein Beispiel dafür. Aber auch die beiden anderen Formen der Angst haben, wie wir bereits erkannt haben, ihren Ursprung in der Umwelt. Neurotische Angst, ist die Befürchtung, dass die Triebe unkontrollierbar werden. So haben die Eltern im frühen Kindesalter durch Lob und Tadel dafür gesorgt, dass wir lernen, die Triebe zu kontrollieren ( ÜBER ICH Entwicklung), dennoch hat der Mensch die Erfahrung gemacht, dass er nicht immer dazu in der Lage ist. Das kleine Mädchen, das zur Toilette muß und es nicht lange genug aushält, wodurch es in die Hose macht ist eine Form der Überwältigung durch die Triebe. Die Scham, die das Mädchen dadurch empfindet bleibt in ihrem Gedächtnis. Solche Erlebnisse können dazu führen, dass man sein Leben lang neurotische Angst empfindet. Die moralische Angst ist der neurotischen sehr ähnlich. Sie ist die Angst vor dem Gewissen. So hat man Normen und Werte der Gesellschaft erlernt und im ÜBER ICH verankert. Wenn der Mensch in der Situation ist, dass er gegen diese Normen verstößt oder auch nur dran denkt gegen sie zu verstoßen empfindet er moralische Angst, da er weiß, dass falsch ist was er tut. Er hat bereits gelernt, dass er bestraft wird, wenn er gegen die Normen verstößt, diese Erinnerung äußert sich in Form von moralischer Angst.

[...]


1 Correll, Werner: Persönlichkeitspsychologie, eine Einführung in die Ludwig Persönlichkeitspsychologie von Freud bis Skinner. Donauwörth: Verlag Auer 1976. S. 19.

2 Correll, Werner: Persönlichkeitspsychologie, eine Einführung in die Ludwig Persönlichkeitspsychologie von Freud bis Skinner. Donauwörth: Verlag Auer 1976. S. 20..

3 Correll, Werner: Persönlichkeitspsychologie, eine Einführung in die Ludwig Persönlichkeitspsychologie von Freud bis Skinner. Donauwörth: Verlag Auer 1976. S. 17.

4 Correll, Werner: Persönlichkeitspsychologie, eine Einführung in die Ludwig Persönlichkeitspsychologie von Freud bis Skinner. Donauwörth: Verlag Auer 1976. S. 22.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Triebtheorie nach Sigmund Freud im Hinblick auf Aggressionen
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Fachbereich Erziehungswissenschaften und Soziologie)
Veranstaltung
Erklärungsansätze menschlicher Aggression und ihr Beitrag zum Abbau aggressiven Verhaltens
Note
bestanden
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V15347
ISBN (eBook)
9783638204828
ISBN (Buch)
9783638746977
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Triebtheorie, Sigmund, Freud, Hinblick, Aggressionen, Erklärungsansätze, Aggression, Beitrag, Abbau, Verhaltens
Arbeit zitieren
Jennifer Knuth (Autor), 2003, Triebtheorie nach Sigmund Freud im Hinblick auf Aggressionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15347

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