Die Vater-Sohn-Beziehung


Hausarbeit, 2001

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Vaterschaft im Wandel der Zeit
1.1 Die Vaterrolle im 18. Jahrhundert
1.2 Neue Ideale – Ablösung des Patriarchats
1.3 Der Mann in der Familie des 19. Jahrhunderts
1.4 Rückkehr zur tradierten Vaterrolle
1.5 Die Rolle des Mannes im New Age

2 Väter und Söhne – ein Überblick über die Entwicklungspsychologie
2.1 Die Urszene
2.2 Idealisierung der Vaterfigur
2.3 Spiel als Aggressions- und Affektlehre
2.4 Die Rolle des Vaters bei der Ausbildung der Geschlechtsidentität
2.5 Der Ödipuskomplex
2.6 Väter in der Adoleszenz

3 Entwicklungsprobleme durch abwesende Väter
3.1 Der Sohn als Partnerersatz für die Mutter
3.2 Entwicklungsstörungen der Geschlechts-identität
3.3 Aggressionsentwicklung ohne Vater-beziehung

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Väter haben einen schweren Stand. Sie gelten als verantwortungslos, sind verschrien als Drückeberger und manch einer hält sie für die Erziehung des Kindes als überflüssig.

Auf der anderen Seite wird die Beziehung zwischen Vater und Sohn als eine besondere, trotzdem aber noch wenig erforschte zwischenmenschliche Beziehung angesehen. In der Fachliteratur der letzten 50 Jahre taucht der Vater nur als Randfigur auf. Marga Kreckel (1996) erklärt sich diesen Fakt damit, dass die Männer jeher die Herrscher im Hause waren, einen unantastbaren Status besaßen. Doch dies hat sich in unserer respektlosen Reporterdemokratie geändert, endlich wird auch der Vater in das Blickfeld entwicklungspsychologischer Wissenschaft gerückt.

Mit dieser Arbeit möchte ich selber mein Interesse an diesem Thema stillen und aufzeigen, dass Vätern gerade in der Beziehung zu ihren Söhnen sehr viel Bedeutung beigemessen wird.

1 Vaterschaft im Wandel der Zeit

Die Rolle des Vaters hat sich über die verschiedenen Zeitepochen in Abhängigkeit von wirtschaftlichen, demographischen und gesellschaftlichen Komponenten verändert. Auch die Präsenz von Kriegen und eine Veränderung zeittypischer Wertvorstellungen haben diesen Prozess unterstützt. Nur eines ist laut der Aussage von verschiedenen Wissenschaftlern und Buchautoren gleich geblieben: Der Vater – Sohn – Beziehung kommt nach wie vor eine besondere Bedeutung zu. Im folgenden soll ein kurzer Umriss dieser Entwicklung erfolgen.

1.1 Die Vaterrolle im 18. Jahrhundert

Hier gehen die Meinung über die Bedeutung der Vaterfigur auseinander. Es existieren zwei widersprüchliche Auffassungen über die Rolle des Vaters in dieser Zeit.

Zum einen sagt man, das die Lebensbedingungen dieser Zeit förderlich für ein intensives männliches Engagement im Familienleben waren, da nicht die Trennung zwischen häuslichem und Arbeitsleben, wie wir sie heute weitgehend vorfinden, erfolgte. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten untermauern diese Ansicht. Die zentrale Produktionseinheit war der Bauernhof, alle Familienmitglieder trugen unter der Leitung des Vaters zum Familieneinkommen bei.

Auf der anderen Seite sind viele Forscher der Meinung, dass eine hierarchische Ordnung maßgebend für das Funktionieren des Haushaltes war. Väter waren vor allem für die Lenkung familiärer Aktivitäten verantwortlich, ihre Autorität war ein maßgebliches Instrument für die Umsetzung dieser Aufgabe. Väter und Ehegatten oblagen die zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung. So ist es verständlich, dass ihnen explizite und weitreichende Verantwortlichkeit für alle Aspekte des familiären Lebens übertragen wurden. Entscheidungen bezüglich Berufswahl und Heirat seiner Kinder fielen in das Ressort des Vaters.

Erstaunlich schnell aber wurden diese patriarchalischen Muster unbrauchbar. Die wachsende geografische Mobilität unterminierten diese Ordnungsform.

Auch eine sich rasant entwickelnde Jugendkultur außerhalb der Kontrolle der Erwachsenen, der Verlust der externen Kontrolle der Kirchen, Gerichte und Eltern über das Sexualverhalten von Kindern, die daraus resultierenden hohen außerehelichen Geburtsraten und auch lokal hohe Todesraten und ein deswegen zahlenmäßiges Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen machten die stabile patriarchalische Familie unmöglich.

1.2 Neue Ideale – Ablösung des Patriarchats

Kameradschaft, Zuneigung, Gefühl und emotionale Besorgnis waren neue Werte, die eine Ehe beschrieben.

„Die Familie war keine Produktionseinheit, sondern ein geschützter Garten von Liebe und Fürsorge in einer ungastlichen Welt (Fthenakis, 1999, S. 19).

Junge Leute fanden zunehmend Gelegenheiten außerhalb des familiären Bauernhofes zu arbeiten, Vätern war es somit immer seltener möglich, ihre Standespositionen an die Kinder zu überliefern. Auch kam den Frauen im Zuge der Ablehnung des Patriarchats die freie Partnerwahl zugute. Trotz dieser Entwicklung wurde die Stellung des Vaters in der Familie nicht angegriffen. Auch die Förderung einer Lebensart, in der eine gleichberechtigte Lebensführung zwischen Mann und Frau angestrebt wurde, hatte darauf nur geringen Einfluss. Gerade jetzt wurde viel Wert auf die Selbständigkeit und Initiative von Söhnen gelegt, dass hatte die Forderung nach mehr männlichem Engagement in der Familie zur Folge. Dieser Umstand maß der Vaterrolle weiterhin eine große Bedeutung bei.

1.3 Der Mann in der Familie des 19. Jahrhunderts

Diese Zeit ist Sinnbild für die Trennung von Arbeitsplatz und Familie. Michael Bode und Christian Wolf (1995) stellen es in ihrem Buch es noch ein wenig dramatischer dar:

„Der Mann und Vater verabschiedeten sich sowohl physisch als auch emotional aus dem Familienverband“.

Es kam verstärkt zu einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, der Vater wurde zum Beschützer und Ernährer.

Der Vater war durch die Einführung der Schulpflicht von der umfassenden Bildung seiner Kinder entlastet. Auch die Verhaltensregeln änderten sich:

„Während er früher noch Freud und Leid mit seinen Kindern teilen durfte, galten solche Gefühlsäußerungen in der bürgerlichen Familie als unmännlich, Ernst und Strenge waren angesagt“ (M. Bode & C. Wolf, 1995, S. 34 u. 35).

So kam es zu einer Abnahme des väterlichen Engagements in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Deutlich wurde dies auch im Städtebau, Wohnbezirke entstanden fernab von Geschäftsdistrikten.

Die väterliche Autorität wurde stark durch den Beruf definiert. Es kam aufgrund einer instabileren ökonomischen Position des Mannes zu einem Anstieg des Alkoholverbrauchs um 200%. Durch den Konsum von Alkohol wurde versucht, den gewachsenen ökonomischen und sozialen Druck zu kompensieren.

Ab 1870 wurde die Forderung laut, Väter sollten sich wieder aktiv bei der Entwicklung ihrer Kinder einbringen. Grund hierfür war die Befürchtung, Jungen könnten durch die ausschließliche Betreuung von Frauen verweichlichen. So sollten Väter sich vermehrt um ihre Söhne kümmern und sich als Rollenmodell für männliche Identität anbieten. Die Involvierung der Väter in die Kindererziehung hatte dieser Appell nicht zur Folge, die Experten richteten ihre Befürchtungen und Anregungen fast ausschließlich an die Mütter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Vater-Sohn-Beziehung
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Entwicklungspsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V15370
ISBN (eBook)
9783638204965
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vater-Sohn-Beziehung, Entwicklungspsychologie
Arbeit zitieren
Jan Schubert (Autor), 2001, Die Vater-Sohn-Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15370

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Vater-Sohn-Beziehung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden