Die Polemik zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen (1386-1422)

Stationen – Argumente – Folgen


Masterarbeit, 2010

76 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Stationen der problembeladenen Nachbarschaft bis zur Schlacht bei Tannenberg (1410)
2.1 Die Reaktion des Deutschen Ordens auf die polnisch-litauische Union
2.2 Die frühen diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen
2.3 Die Beziehungen des Deutschen Ordens zu Litauen
2.4 Die Ausweitung zum Propagandakrieg
2.5 Die Schlacht bei Tannenberg

3 Die Entwicklung der Propaganda nach der Schlacht bei Tannenberg
3.1 Die frühe Propaganda des Deutschen Ordens
3.2 Die Propaganda Polens
3.3 Die Verschärfung der Ordenspropaganda
3.4 Die Verhandlungen unter Benedict von Macra

4 Die theologische Auseinandersetzung auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418)
4.1 Die Fortsetzung des Schiedsverfahrens in Konstanz
4.2 Die Anklagen vor der Generalkongregation
4.3 Die Anklage durch Paulus Wladimiri
4.4 Die Verteidigung durch Johannes Falkenberg
4.5 Die Endphase des Konzils

5 Die Entwicklungen bis zum Frieden von Melnosee (1422)

6 Schluss

7 Chronologie

8 Abkürzungsverzeichnis

9 Quellen- und Literaturverzeichnis

10 Anhang

1 Einleitung

Die Geschichte des Deutschen Ordens im Baltikum begann mit dem Hilferuf Konrads von Masowien, der den Orden im Winter 1225/26 um Unterstützung gegen die heidnischen Prussen bat. Der Orden, allen voran sein Hochmeister Hermann von Salza, erkannte sogleich die Gelegenheit, sich in dieser Region dauerhaft festsetzen zu können und schickte sich an, das Missionsgebiet als dauerhaftes Herrschaftsgebiet zu gewinnen. Im Baltikum sollte das gelingen, was zuvor im Burzenland gescheitert war. Die vertragliche Ausgangsposition für das preußische Unternehmen gestaltete sich allerdings schwierig. Denn bereits in der Bulle, die Papst Honorius III. am 15. Dezember 1220 ausgestellt hatte, wurde unmissverständlich klargestellt, dass dem Deutschen Orden jegliche „Lehnsbildung an irgendeine säkulare oder geistliche Gewalt verboten wurde.“[1]

Ein Missionsunternehmen machte Hermann von Salza von der Ausstellung umfangreicher Privilegien abhängig. Am Ende der Verhandlungen mit Kaiser Friedrich II. im März 1226 stand die Goldene Bulle von Rimini, die u.a. „das Kulmerland, die Schenkung Konrads von Masowien, und alle künftigen, den Heiden abzugewinnenden Gebiete des Ordens in den kaiserlichen Schutz stellt[e].“[2] Der Kaiser hatte zwar keine Verfügungsgewalt über die dem Orden zugesprochenen Territorien, dennoch wird in der Bulle sein Verständnis als monarcha mundi deutlich, ein Herrschaftsverständnis der römischen Kaiser, das über die Grenzen des Reiches hinausging.[3]

Der masowische Herzog war angesichts zunehmender preußischer Einfälle zu Zugeständnissen bereit. Im Jahre 1230 übertrug er dem Deutschen Orden schließlich im Kruschwitzer Vertrag das Kulmerland und alle künftigen Eroberungen in Preußen mit allen zugehörigen Rechten, ohne dass ihm selbst noch Rechte verblieben.[4] Eine derartige Abtretung eigener Rechte auf potentielles Expansionsgebiet hatte der am Ende überspielte Konrad von Masowien sicherlich nicht im Sinn gehabt, als er 1226 erstmals mit dem Deutschen Orden Kontakt aufgenommen hatte.[5] Letztlich war er auf dessen Hilfe im Kampf gegen die Prussen angewiesen.

Die Bulle von Rieti, die Papst Gregor im August 1234 ausstellte, schloss die Gründungsphase des Deutschen Ordens in Preußen ab. Dass sich der Papst vergleichsweise lange Zeit ließ, ist auf dessen Misstrauen gegenüber dem Vorhaben des Ordens zurückzuführen.[6] Ein päpstlicher Vorbehalt für dessen Zustimmung war die Bedingung, dass Papst Gregor die Eroberungen des Deutschen Ordens unter die Oberherrschaft der Kurie stellte. Er war scheinbar der festen Ansicht, dass „der Orden keinen Staat zu gründen […], sondern Mission zu treiben hatte.“[7]

Nach der Ansiedelung des Deutschen Ordens im Kulmerland waren die folgenden Jahrzehnte von den Missionsunternehmungen der Ordensritter geprägt, an denen in aller Regelmäßigkeit neben deutschen und böhmischen Rittern auch polnische Fürsten und Adlige teilnahmen.[8] Sogar der dem Orden gegenüber recht feindselig eingestellte polnische Chronist Jan Długosz berichtet in seine Annalen äußerst positiv über die Missionsunternehmungen des Deutschen Ordens. Er schildert immer wieder abgestimmte Aktionen der Deutschordensritter und der Polen zunächst gegen die Prussen und später gegen die Litauer, die er als grausame, gewalttätige, heidnische Barbaren darstellt, die brandschatzen, plündern und die guten Christen töten.[9] In diesen Schilderungen wird der Deutsche Orden als wichtiger Partner der Polen dargestellt und dabei ein besonders großer Wert auf die gemeinsamen Kriegstaten gelegt.

Die Okkupation Pommerellens im Jahre 1307/08 führte zu einem Bruch der freundschaftlichen oder zumindest neutralen Beziehung zu Polen. Der Deutsche Orden wurde fortan nicht mehr vorrangig als Missionsorden betrachtet, sondern zunehmend als ein Machtfaktor, der auch vor der Eroberung polnischen Gebietes nicht zurückschreckte.[10] Die Erwerbung Pommerellens hat dem Deutschen Orden folglich einen dauerhaften Konflikt mit dem polnischen König eingetragen.

Ein „Missverhältnis zwischen Mission und Unterwerfung“[11] wurde immer offensichtlicher und dem Orden auch in Prozessen bei der Kurie angelastet.[12] Nach einem jahrzehntelangen Konflikt mit dem Deutschen Orden verzichtete der polnische König Kasimir schließlich im Jahre 1343 im Vertrag von Kalisch endgültig auf das umstrittene Pommerellen. Der Hintergrund für diesen Sinneswandel war nicht etwa der Versuch einer Aussöhnung mit dem Deutschen Orden, sondern günstige Expansionsmöglichkeiten im Südosten.[13]

Nach der Vereinigung mit dem livländischen Schwertbrüderorden im Jahre 1237 rückte das heidnische Samaiten, welches keilartig in den Ordensstaat hineinragte und die beiden Ordenszweige voneinander trennte, in den Fokus der Missions- und Eroberungsunternehmungen des Deutschen Ordens.

Im Jahre 1283 schrieb der Ordenschronist Peter von Dusburg: „Hier endet der Kampf in Preußen und beginnt der Krieg gegen die Litauer.“[14] Die Aneignung Samaitens sollte zunächst durch ein Bündnis mit dem litauischen Herrscher Mindaugas realisiert werden. Der Orden unterstützte diesen in seinem Machtkampf um die Herrschaft in Litauen, der Orden erhielt als Gegenleistung Samaiten zugesichert. Doch aufgrund seiner politischen Schwäche konnte Mindaugas seine Schenkung nicht durchzusetzen und der Orden war nicht in der Lage, sie militärisch zu erzwingen.[15] Jahrelange militärische Auseinandersetzungen um Samaiten waren die Folge. Im Jahre 1326 charakterisierte Peter von Dusburg die Litauer als „ein mächtiges, heftigen Widerstand leistendes und kriegsgewohntes Volk“[16] und hatte damit in der Hinsicht recht, dass die Litauer einen weitaus stärkeren und sehr viel schwieriger zu unterwerfenden Gegner darstellten als die Prussen. Die größte Schwierigkeit im Umgang mit Litauen ist auf die Ursache zurückzuführen, dass es keinen gefestigten litauischen Gesamtstaat gab. Zahlreiche Machtkämpfe und die Selbstbestimmungsbestrebungen einzelner litauischer Herrscher machten Litauen zu einem unberechenbaren Nachbarn. Dies drückte sich sowohl in zeitweiligen Bündnissen[17] als auch in vielen teils heftigen kriegerischen Zwischenfällen sowie Ruhephasen aus.

Die Situation des Deutschen Ordens zu Beginn der 80er Jahre des 14. Jahrhunderts war äußerst frustrierend. Zwar war es gelungen, den Herrschaftsbereich bis nach Estland auszuweiten, an der Grenze zu Litauen war hingegen trotz zahlreicher Feldzüge kein dauerhafter Landerwerb gelungen und an Missionserfolge war gar nicht erst zu denken.

Gegen Ende des Jahres 1385 schlossen sich Polen und Litauen zu einer Union zusammen. Die Union von Krewo begründete die formal-juristische Grundlage für die polnisch-litauische Union. Die Konflikte, die der Deutsche Orden in den vergangenen Jahrzehnten mit den beiden Ländern ausgetragen hatte und noch immer ungelöst waren, belasteten das Verhältnis beider Länder von Anfang an. Viel schwerwiegender wog jedoch die Tatsache, dass die Litauer nun offiziell zum christlichen Glauben übertraten, eine Entwicklung, die dem Orden jegliche Legitimation zu entziehen drohte.

Die diplomatische Verstimmung beider Staaten entlud sich nicht etwa in einem Militärschlag, sondern entwickelte sich zu einem scharfen Meinungsstreit, einer Fehde, die von beiden Konfliktparteien zunehmend mit wissenschaftlichen Positionen untermauert wurde. Militärische Auseinandersetzungen wie etwa die Schlacht bei Tannenberg blieben die Ausnahme. Der hier verwendete Begriff ‚Polemik’ hat in seinem historischen Wandel eine Vielzahl an Bedeutungen angenommen, in diesem Zusammenhang ist er jedoch als eine ‚gelehrte Fehde’ zu verstehen, die maßgeblich in Form einer offensiven Propaganda ausgetragen wurde. Es handelt sich bei dem Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen also um einen Propagandakrieg, der mit einer solchen Vielzahl abgestimmter propagandistischer Aktionen geführt wurde, wie es sie niemals zuvor in diesem Ausmaß gegeben hatte.

Der Deutsche Orden verteidigte seinen Missionsauftrag mit der Begründung, der zum polnischen König gekrönte litauische Großfürst Jagiełło habe sich nur zum Schein taufen lassen. Dieser forderte im Gegenzug die Versetzung des Deutschen Ordens, da die Heidenmission im Baltikum nun abgeschlossen sei. Der sich anbahnende preußisch-polnische Konflikt zog sich über fast vier Jahrzehnte hin. Erst der Frieden von Melnosee markiert ein signifikantes Abschwächen dieser propagandistischen Auseinandersetzung, denn der 1422 abgeschlossene Friedensvertrag dokumentiert auch die gewachsene Machtfülle der preußischen Stände und eignet sich daher als sinnvoller Endpunkt des preußisch-polnischen Propagandakrieges und als Beginn des innerpreußischen Konflikts.

Die über viele Jahrzehnte andauernde Polemik zwischen dem Deutschen Orden und der polnisch-litauischen Union steht im Zentrum dieser Arbeit. Ihre inhaltliche Strukturierung folgt Schlüsselereignissen wie der Schlacht bei Tannenberg und dem Konzil von Konstanz, die die konfliktreiche Phase zwischen 1386 und 1422 prägten. Als Quellengrundlage dienen vor allem Ausschreiben und Briefe aus den jeweiligen Kanzleien, aber auch Traktate und Chroniken sowie Verträge, die seitens der Konfliktparteien geschlossen wurden. Ziel ist es, die propagandistischen Aktivitäten des Deutschen Ordens sowie Polen-Litauens in ihrer ganzen Komplexität darzustellen und zu analysieren. Es soll untersucht werden, inwiefern sich die jeweiligen Argumentationen gegenseitig beeinflusst haben, welche Motivationen und Zielsetzungen zu welchem Zeitpunkt vorherrschten und inwieweit sich die Polemik zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen in den fast 40 Jahren entwickelt, angepasst und verändert hat. Um zu überprüfen, welche Auswirkungen der preußisch-polnische Konflikt mittelfristig auf den Deutschen Orden hatte, soll in einer abschließenden Bewertung der Blick u.a. auf die Zeit nach dem Frieden von Melnosee gerichtet werden.

2 Die Stationen der problembeladenen Nachbarschaft bis zur Schlacht bei Tannenberg (1410)

2.1 Die Reaktion des Deutschen Ordens auf die polnisch-litauische Union

Das Jahr 1386 stellt in der Geschichte des Deutschen Ordens eine aus heutiger Perspektive folgenreiche Zäsur dar. Der polnische Königsthron musste nach dem Tod König Ludwigs I. von Anjou neu besetzt werden. Die zahlreichen Anwärter auf den polnischen Thron mussten für eine erfolgreiche Kandidatur die Gunst des einflussreichen kleinpolnischen Adels erlangen.[18] Dieser votierte schließlich für den litauischen Großfürsten Jagiełło, denn das benachbarte Großfürstentum war der ideale Partner, um die Expansion nach Osten voranzutreiben.[19]

Jagiełło versprach im Gegenzug, zusammen mit seinen Untertanen zum Christentum nach westlichem Ritus überzutreten, denn für Litauen bedeutete ein Bündnis mit Polen sowie der Übertritt zum römischen Christentum „eine starke Stütze in politischer, aber auch in militärischer und ideologischer Hinsicht.“[20]

In dem 1385 ausgehandelten Vertrag von Krewo, der die Grundlage für die polnisch-litauische Union darstellte, erklärte sich der litauische Großfürst Jagiełło zu der Annahme des christlichen Glaubens bereit und versprach, dem polnischen Adel auf eigene Kosten die Rückgewinnung jener Gebiete, die der polnischen Krone in der Vergangenheit verlorengegangen waren.[21] Mit der Heirat Jadwigas und Władysław II. Jagiełłos, so lautet der christliche Herrschertitel Jagiełłos, wurden Polen und Litauen im März 1386 auch formal unter einer Krone vereint.

Welche Folgen die Union von Krewo für den Deutschen Orden haben sollte, war zum damaligen Zeitpunkt nicht absehbar. Die größte Gefahr ging nicht etwa von der Größe bzw. der militärischen Stärke des neuen Nachbarn aus, denn aus militärischer und vor allem aus finanzieller Sicht war der Orden dem neuen Nachbarn gewachsen und auch politisch war man weitaus einflussreicher als Polen-Litauen, unterhielt man doch beste Kontakte zu Kaiser, Papst und Fürsten in ganz Europa. Angesichts dieser engen Verbindungen forderten die deutschen Kurfürsten und Herren immer wieder Unterstützung für den Deutschen Orden, denn er galt stets als „ aller ritterschaft fruntlicher und nuczlicher ufenthalt.“[22]

Die eigentliche Gefahr für den Orden ging von der Tatsache aus, dass die Litauer gemäß dem Vertrag von Krewo zum Christentum übergetreten waren. Die Bedrohung war nicht der Tatsache geschuldet, dass den Polen das gelungen war, was die Kreuzzüge des Ordens in 100 Jahren nicht fertiggebracht hatten, sondern dass ihm durch den offiziellen Übertritt zum Christentum auf einen Schlag „die Legitimation zum Heidenkampf gegen die Litauer und damit die wichtigste Grundlage seiner Herrschaftsbildung im Baltikum“[23] genommen wurde.

Die Hauptaufgabe des Ordens in Preußen war die Heidenmission, das hatte die Kurie in der Bulle von Rieti 1234 unmissverständlich klargestellt. Der Orden sollte Mission treiben, keinen Staat gründen.[24] Dieser war damals zu der Einsicht gelangt, dass er seinen Plan, einen Ordensstaat zu gründen, als Missionsunternehmen tarnen musste, um den päpstlichen Vorgaben gerecht zu werden. Dies tat er und errichtete unter dem Deckmantel der Mission im Laufe der Zeit einen mächtigen Ordensstaat, der aufgrund seiner militärischen und finanziellen Macht sowie im Vertrauen auf die räumlichen Distanz zu Kaiser und Papst, sogar christliche Gebiete annektierte und somit immer offensichtlicher gegen seinen ursprünglichen Missionsauftrag handelte.

Die Heidenkriege des Deutschen Ordens, die im 14. Jahrhundert zu einem ritterlichen Spektakel ersten Ranges avanciert waren[25], sorgten nicht nur für großes Ansehen in ganz Europa, sondern verhalfen ihm auch immer wieder zu der Argumentation, dass er im Baltikum gebraucht würde, was ihn auch gegen viele kritische Stimmen vor härteren Sanktionen bewahrte. Die Existenz von Heiden im Baltikum sicherte dem Orden also entgegen vieler kritischer Stimmen auch seine eigene Existenz. Diese Argumentationsstrategie entbehrte nun jeglicher Realität: Der Missionsauftrag, die Basis für die Ordensherrschaft im Baltikum, wurde dem Orden mit dem Übertritt der Litauer zum Christentum genommen.

Dass diese neue Situation folgenschwere Auswirkungen auf die Existenzberechtigung des Deutschen Ordens haben musste, ist an der anfänglichen Verwirrung Nikolaus’ von Schippenbeil zu erkennen, der an der römischen Kurie als Generalprokurator die Interessen des Ordens vertrat. Er erkannte, dass der Orden seine Ansprüche auf Litauen nun neu begründen musste. In der anfänglichen Verwirrung griff Schippenbeil zunächst auf die Urkunden Mindaugas’ zurück und ließ diese für den Transport nach Rom am 27. August 1386 und 26. Mai 1388 transsumieren.[26]

Die erste öffentliche Reaktion des Deutschen Ordens ist von seinem Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein zu beobachten. Dieser wurde von Jagiełło ganz bewusst als Taufpate auserwählt, denn neben der symbolischen Bedeutung dieses Vorgangs hätte der Hochmeister mit seiner Funktion als Taufpate des heidnischen Großfürsten den Übertritt der Litauer zum Christentum anerkannt und sich damit seiner Legitimation selbst beraubt. Der Hochmeister war dieser Einladung schließlich nicht gefolgt, sondern führte stattdessen einen Kriegszug ins litauische Grenzgebiet. Die Begründung für das Fernbleiben lautete, und diese lässt die Strategie des Ordens im Umgang mit dem neuen Nachbarn sehr gut erkennen, dass „die Taufe nur eine Täuschung, und Litauen weiterhin ein heidnisches Land sei, und er selbst den Heidenkrieg gegen die Litauer auch künftig führen müsse.“[27]

Die Reaktion des Deutschen Ordens auf die Taufe Jagiełłos zielte demnach darauf ab, dass sich nichts am Status quo geändert habe, die Taufe nur eine Täuschung sei und die Litauer weiterhin Heiden seien. Mit dieser Argumentationslinie blieb die Missionsverpflichtung des Ordens im Baltikum bestehen und an der Grundlage des Ordensstaates, dem Heidenkampf, hatte sich nichts geändert. Die Strategie, die der Orden verfolgte, ist durchaus verständlich. Er wollte seine Interessen gewahrt wissen und seinen mühsam errichteten Ordensstaat nicht an einen konvertierten Heidenfürsten verlieren. Der Hochmeister spielte auf Zeit und versuchte fortan, die junge, noch wenig gefestigte Union wieder zu entzweien.

Die Argumentation des Hochmeisters entbehrt keineswegs jeglicher Grundlage. Mit der Taufe Jagiełłos war gewiss nicht jeder Litauer zum Christentum konvertiert, aber dies war nach mittelalterlichem Verständnis auch gar nicht nötig.[28] Die Taufe des Fürsten und der Adligen galt als hinreichender Beweis dafür, dass nun Kirchen gebaut und sich alle Untertanen taufen lassen würden. Das Taufversprechen Jagiełłos musste dennoch für den Deutschen Orden nicht gleich das Ende des Heidenkampfes im Baltikum bedeuten. Dieser hatte schon allerlei Erfahrungen mit Taufversprechen litauischer Herrscher gemacht, die Taufe Jagiełłos schien zu diesem Zeitpunkt für den Deutschen Orden also nicht das Ende seiner Existenzberechtigung zu sein. Dies mussten erst die folgenden Jahre zeigen. Zunächst einmal schien es die klügste Strategie zu sein, die Taufe nicht anzuerkennen und alles Erdenkliche zu tun, um die Union zu spalten. Diese Strategie wurde von einer antipolnischen Propaganda in ganz Europa begleitet.

2.2 Die frühen diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen

Die Propagandaaktivitäten des Deutschen Ordens hatten bereits im Jahre 1385 begonnen, als die Verhandlungen in Krewo abgehalten wurden. Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein unternahm eine Vielzahl an Versuchen, die polnisch-litauische Union und insbesondere die Vereinbarungen von Krewo unglaubwürdig zu machen. Diese Bemühungen sollten nahezu über ein halbes Jahrhundert aufrechterhalten werden. Dabei sparte der Orden weder an finanziellen noch an militärischen Mitteln, er machte sich alle Zwistigkeiten um die Rechtskonzeption der polnisch-litauischen Union zunutzte.[29]

Der Umgang des Ordens mit dem rechtmäßig getauften und legitimen König Polens, Władysław, wird in einem Klageartikel vom April 1388 deutlich. Dort beklagte der polnische König, dass er auch nach seiner Taufe vom Deutschen Orden unwürdig behandelt worden sei und dass die Raubzüge seitens des Ordens nicht eingestellt worden seien. Besonders verärgert habe ihn, dass der Hochmeister ihn bei Papst, Kaiser und Fürsten verleumdet habe, indem der Hochmeister in seinen Briefen verbreitet habe, dass er den Glauben Christi betrüglich empfangen und die höchsten Adligen des Reiches Polen nach Litauen in ewige Gefangenschaft geschickt sowie Harnische, Pferde und alle möglichen Waffen dorthin gesandt habe, um, sobald das ganze Land davon voll wäre, vom Glauben wieder abzufallen. Des Weiteren beklagte er, dass er vom Orden nicht standesgemäß angesprochen worden sei und nicht mit seinem rechten Namen Władysław, sondern zu seiner Beschämung ‚hoffärtig’ mit ‚der Jagal’ bezeichnet worden sei.[30]

Auch der einstige Verlobte Jadwigas, Herzog Wilhelm von Österreich, verbreitete antipolnische Propaganda. Er behauptete, dass Władysław ein Ehebrecher sei und verklagte ihn bei der römischen Kurie, jedoch ohne Erfolg. Der Papst hatte gar kein Interesse daran, die Taufe des Litauerfürsten für einen Betrug und die Christianisierung Litauens für eine Täuschung zu halten.[31] Der Papst erkannte die Ehe Władysławs mit Jadwiga als legitim an und bezeichnete den neuen polnischen König sogar ausdrücklich als Vorkämpfer gegen das Heidentum.[32]

Die Ordenspropaganda der ersten Jahre war insofern erfolgreich, als dass es Polen-Litauen zunächst nicht gelang, in der christlichen Welt die politische Rolle einer militärischen Macht einzunehmen, die seiner Vormachtstellung in Osteuropa entsprach. Polen musste sich lange Zeit „erheblichen Vorwürfen zur Wehr setzen“[33], da es im übrigen Europa nur sehr schwer nachzuvollziehen war, wie ein ehemaliger Heide so plötzlich auf den Thron eines christlichen Reiches gelangen konnte und noch dazu eine Königin zur Frau nahm, die aus einem ehrwürdigen Adelsgeschlecht stammte. „Dieses Ergebnis musste mit Mißtrauen zur Kenntnis genommen werden, wozu auch die intensive Propaganda des Deutschen Ordens beitrug.“[34]

Die polnische Diplomatie war gezwungen, der antipolnischen Propaganda des Deutschen Ordens etwas entgegensetzen. Also kämpfte sie im Westen um die Anerkennung der polnisch-litauischen Union als ein vollberechtigtes Mitglied der christlich-abendländischen Gemeinschaft. Der polnischen Propaganda gelang es, im Westen Schritt für Schritt die Vorurteile gegenüber der Union abzubauen hin zu einer immer öfter vertretenen Meinung, dass Polen-Litauen als Antemurale Christianitatis angesehen wurde. „Das war [das] Ergebnis der Geschicklichkeit der polnischen Propaganda und zugleich der Aktivität der Diplomatie.“[35]

2.3 Die Beziehungen des Deutschen Ordens zu Litauen

Die polnisch-litauische Union mag territorial eine Großmacht gewesen sein und auch politisch war sie eine Macht ersten Ranges, doch ihre inneren Strukturen zeichnen das Bild eines sehr fragilen Staatswesens, das äußerst anfällig gegenüber Streitigkeiten in der Herrscherfamilie war. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten. Der polnische Adel strebte danach, Litauen in den polnischen Staat zu integrieren und jegliche staatliche Eigenständigkeit Litauens zu beseitigen. Bei dieser Streitfrage ging es auch um die Herrschaftskompetenzen des litauischen Fürsten Witold, der sich vehement gegen die polnischen Pläne stemmte.[36] In dieser Phase gelang es dem Deutschen Orden mehrfach, politische Gegensätze zwischen dem polnischen König Władysław und seinem Vetter Witold, der als litauischer Fürst eine gegenüber den Polen eigenständige Politik zu führen versuchte, durch eine Zusammenarbeit mit diesem zu verstärken.[37]

Zum Eklat kam es, als König Władysław, nachdem er seinem Vetter zugesichert hatte, dieser könne als Großfürst über ganz Litauen herrschen, begann, dessen Verwandte auszuschalten. Der Hintergrund dieser Aktionen war, dass Władysław insgeheim seinem Bruder Skirgal die Herrschaft über die väterlichen Erblande zugesagt hatte. Witold fühlte sich in Litauen nicht mehr sicher und fand im Jahr 1390 Zuflucht beim Deutschen Orden. Dieser nahm den litauischen Fürsten, mit dem man bereits als wankelmütigem Bündnispartner Erfahrungen gemacht hatte, herzlich auf, denn er wollte die Gelegenheit nutzen, die Differenzen zwischen den litauisch-polnischen Herrschern weiter zu verstärken.[38]

Noch im selben Jahr wurde ein Bündnis zwischen Witold und dem Orden geschlossen und das umkämpfte Samaiten dem Orden zugesprochen. Witold nahm sogar an Kriegszügen bis nach Wilna teil. Im Jahr 1392 änderte sich die Konstellation ein weiteres mal. König Władysław war nun bereit[39], sich mit Witold auszusöhnen und diesem als Großfürsten die Regentschaft über ganz Litauen zu übertragen. Dem Bündnis wurde damit seine Grundlage entzogen. Die Phase der Zusammenarbeit mit Witold war dennoch ein Erfolg: Dem Orden war es gelungen, die polnisch-litauische Union, wenn auch nur für wenige Jahre, wirksam zu schwächen.

Die Kontakte zu Witold brachen jedoch nicht ab. Die Absicht, die polnisch-litauische Union zu spalten, wurde weiterhin verfolgt, nun aber in der Weise, dass man Witold bei seinem Vorhaben unterstützte, Litauen von Polen unabhängig zu machen.[40] Ebenso bot sich auf Initiative des ungarischen Königs Sigmund die Perspektive, Polen aufzuteilen. In diesen Plan waren Sigmunds Brüder Wenzel und Johann, sein Vetter Jobst sowie der Deutsche Orden einbezogen, doch rasch stellte sich der Plan als unrealisierbar heraus, da Sigmund die nötigen Kräfte fehlten.[41]

Die Unterstützung der Politik Witolds führt im Jahre 1398 zum Vertrag von Sallinwerder. Die für den Orden wesentlichste Vertragsbestimmung war der Gewinn Samaitens, das dem Orden „für alle Zeit“[42] zufallen sollte. Ebenso verpflichtete sich der Fürst „zur Ausbreitung des Christentums“ und zur „Einhaltung des Friedens“. Die Vertragsbestimmungen waren für den Deutschen Orden ein großer Erfolg. Maßgeblich für das Zustandekommen des Vertrages war die Abwesenheit des polnischen Königs, der in diesem gar nicht zu Wort kam. Die polnisch-litauische Union war zu diesem Zeitpunkt „faktisch […] nicht existent.“[43]

Der Hintergrund für das Zustandekommen des Vertrags ist dem Umstand zu verdanken, dass Witold für Ruhe an der Grenze zum Deutschen Orden sorgen wollte, um die Schwäche des Tatarenreiches dahingehend zu nutzen, seine litauischen Erblande Richtung Süden bzw. Südosten auszudehnen. Die Umstände erinnern an die Ereignisse des Jahres 1343, als Polen im Vertrag von Kalisch Pommerellen abgetreten hatte, um, wie nun Witold, den Rücken für Expansionsbestrebungen frei zu haben.[44] Daher muss die Übergabe Samaitens an den Deutschen Orden durch Witold als taktisches Manöver „im Zusammenhang mit der vorübergehenden Schwäche der polnisch-litauischen Union“[45] verstanden werden.

Dem Orden war durchaus bewusst, was er von Witold sowie dessen Verträgen und Versprechungen halten konnte. Er hatte bereits vielfach Erfahrungen mit dem litauischen Großfürsten gemacht und kannte daher den begabten Staatsmann und dessen spontane politische Handlungen ausgesprochen gut. In diesen Eigenschaften unterschied er sich von dem gesetzten und gemäßigten polnischen König, dessen „charakteristische Eigenschaften in politischen Auseinandersetzungen […] eine spezifische Art von Schlauheit und Langsamkeit“[46] waren, die treffend als ‚Langwierigkeit’ gedeutet wurde.[47]

Der Feldzug Witolds gegen die Tataren im Jahre 1399 endete in einem Fiasko. An den Kämpfen war auch ein Ordenskontingent beteiligt, welches Seite an Seite mit Schismatikern und Heiden kämpfte. Dass dies nach christlicher Terminologie strengstens verboten war, kümmerte den Orden, der seinen Gegnern selbst stets vorwarf, gemeinsame Sache mit den Heiden zu machen, scheinbar nicht. Diese Haltung zeigt ganz deutlich, dass er sich selbst über Gebote hinwegsetzte, sofern dies für seine Ziele zweckmäßig erschien. Sogar die römische Kurie legitimierte die Kampagne des christlich-schismatisch-heidnischen Heeres als einen Kreuzzug.[48] Ganz so eng hat man es hier an der Grenzzone dreier Glaubensrichtungen mit der kirchenrechtlichen Theorie nie genommen. Hier waren immer wieder die verschiedensten Bündnisse in Konflikte verwickelt, sodass ein regelrechter Machiavellismus aufblühte, der von der Kurie geduldet wurde.[49]

Witolds Expansionsbestrebungen waren vorerst gescheitert und ihm blieb keine andere Wahl, als sich mit den Polen zu arrangieren, sodass der Fortbestand der polnisch-litauischen Union gesichert war.[50] Die neue Situation hatte neben dem Verlust eines Kontingentes noch weitere Folgen für den Orden: Das kürzlich ‚für ewige Zeit’ erhaltene Samaiten konnte ohne die Unterstützung Witolds nicht gehalten werden, sodass die umkämpfte Landbrücke wieder an Litauen fiel, ohne dass der Orden dagegen etwas unternehmen konnte.

2.4 Die Ausweitung zum Propagandakrieg

Im Jahre 1395 sah sich der Römische König Wenzel mit kriegerischen Auseinandersetzungen in seinem Königreich Böhmen konfrontiert, sodass er am 25. Juni ein Bündnisvertrag mit dem polnischen König ratifizierte.[51] Der Vertrag hatte zur Folge, dass der Römische König auf Polen zugehen musste und dem Deutschen Orden den Heidenkampf ausdrücklich untersagte. Dieser regierte auf das Verbot mit einem Brief an den böhmischen König Wenzel, in dem er darauf hinwies, dass der Heidenkampf ohne den Deutschen Orden nicht zu entscheiden sei.[52]

In dieser Phase nahm die Schärfe der jeweiligen Vorwürfe deutlich zu und der Orden sah sich zunehmend in der Defensive. Nachdem der Römische König diesem den Heidenkampf untersagt hatte, begann nun auch der gute Ruf des Deutschen Ordens im Reich unter den polnischen Schilderungen zu leiden. Denn der polnische König ließ an allen Fürstenhöfen Europas die Nachricht verbreiten, „daß die Litauer im Durchschnitt schon recht brauchbare Christen seien und daß Witold streng auf christlichen Gottesdienst halte. Wenn der Orden über sie herfalle, dann bekämpfe er in ihnen nicht mehr die Heiden, sondern richtige Christen.“[53]

In Argumentationsnöte kam der Orden nicht, dennoch musste er etwas unternehmen, um seine Taten zu rechtfertigen und die Taten Polen-Litauens zu verteufeln. Daher sandte der Deutsche Orden in regelmäßiger Folge Gesandte ins Reich und weiter nach Westeuropa. Sie nahmen lange propagandistische Ausarbeitungen mit und sollten auch mündlich die Position des Ordens darlegen.[54] In einer Instruktion einer Gesandtschaft zum Römischen König Wenzel aus dem Jahre 1396 erbat der Orden Schutz gegen die unrechten Vorwürfe des polnischen Königs.[55] Dass der Deutsche Orden weniger den Schutz als die Schwächung des polnisch-böhmischen Bündnisses anstrebte, ist offensichtlich. Beschützen oder gar verteidigen konnte sich der Orden sehr wohl allein, denn militärisch stand er auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Im Jahr darauf beklagte der Deutsche Orden in einer Instruktion für die Gesandtschaft an die deutschen Kurfürsten das Verhalten des polnischen Königs und des litauischen Großfürsten gegen den Orden und wies auf deren Unterstützung der Ungläubigen und der Gegner des Ordens hin.[56] In einer weiteren Instruktion für seine Gesandten zum Kurfürstentag in Frankfurt an 25. Juli 1397 legte der Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Jungingen nach. Die Gesandtschaft sollte den Kurfürsten die Lage des Ordens darstellen und dabei auf die beständige Stärkung der Litauer durch den König von Polen (mit Waffen, Harnisch, Büchsen), aber auch auf Witolds Bündnis mit den Tataren hinweisen. Sie sollte aber keineswegs den Römischen König angreifen, den Orden aber durchaus gegen Vorwürfe verteidigen.[57]

[...]


[1] Hellmann, Manfred: Über die Grundlagen und die Entstehung des Ordensstaates in Preußen, in: Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft 31 (1962), S. 115.

[2] Ebenda, S. 117.

[3] Die Goldene Bulle von Rimini muss im Zusammenhang mit dem „Manifest an die Völker“ des östlichen Baltikums gesehen werden, das Kaiser Friedrich II. 1224 erlassen hatte. Vgl. hierzu Boockmann, Hartmut: Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, München 41994, S. 85.

[4] Vgl. Sikorski, Dariusz: Neue Erkenntnisse über das Kruschwitzer Privileg. Studien zu Zeit, Umfeld und Kontext seines Entstehens, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 51 (2002), H. 3, S. 317ff.

[5] Vgl. Boockmann, 12 Kapitel, S. 79f.

[6] Vgl. ebenda, S. 90f.

[7] Hellmann, Grundlagen, S. 121.

[8] Vgl. Biskup, Marian & Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen. Wirtschaft - Gesellschaft - Staat - Ideologie (Klio in Polen, 6), Osnabrück 2000, S. 183, 167.

[9] The Annales of Jan Długosz, Annales seu cronicae incliti regni Poloniae, übersetzt ins Englische von Maurice Michael, Chichester 1997, S. 161, 163.

[10] Vgl. ebenda, S. 169.

[11] Boockmann, 12 Kapitel, S. 96.

[12] Vgl. ebenda, S. 142-146.

[13] Vgl. Sonthofen, Wolfgang: Der Deutsche Orden. 800 Jahre Geschichte, Augsburg 1995, S. 108f.

[14] Peter von Dusburg: Chronik des Preußenlandes, übers. und erläutert von Klaus Scholz und Dieter Wojtecki (= Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 25), Darmstadt 1984, III, 221, S. 337.

[15] Vgl. Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 209.

[16] Peter von Dusburg, Chronik, III, 221, S. 337. Die Textstelle lautet im Original wie folgt: „[…] gentem illam potentem et durissime cervicis exercitatamque in bello […]“ (S. 336). Das vielseitige ‚ durissime ’ ließe sich aber auch als ‚halsstarrig’ oder ‚erbarmungslos’ übersetzen, was Dusburgs Absichten wahrscheinlich näher kommen dürfte.

[17] Die Politik der litauischen Fürsten war nie langfristig ausgerichtet, ein beliebtes Mittel war die Annahme des katholischen oder auch des orthodoxen Glaubens, um Bündnisse zu erreichen. Die Taufversprechen hielten aber nie lang und wurden spätestens bei der Aufkündigung eines Bündnisses für nichtig erklärt (z.B. Mindaugas, Jagiełło oder Witold).

[18] Die Tochter Ludwigs I. von Anjou Jadwiga (Hedwig) war ursprünglich für den ungarischen Thron vorgesehen. Die Verlobung mit dem österreichischen Herzog Wilhelm zielte auf ein österreichisch-ungarisches Bündnis. Mit dem Erbe des polnischen Throns war der Verlobung mit dem österreichischen Herzog die Grundlage entzogen und somit aus polnischer Sicht hinfällig. Auch der spätere ungarische und deutsche König Sigmund war an der polnischen Krone interessiert, doch wurde dessen Kandidatur nicht wie erhofft vom Deutschen Orden unterstützt, denn dieser favorisierte einen masowischen Herzog. Vgl. hierzu Boockmann, 12 Kapitel, S. 171.

[19] Ebenda, S. 171.

[20] Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 389.

[21] Welche Gebiete Jagiełło genau im Sinn hatte, geht aus dem Vertrag nicht hervor. Wahrscheinlich sind Gebiete im Osten gemeint, denn der kleinpolnische, d.h. der südpolnische Adel war am ehesten an der Eroberung der altrussischen Fürstentümer interessiert. Dennoch erscheint der Deutsche Orden als Expansionsziel auch möglich, waren die breiten Massen in Polen doch der Überzeugung, dass das Königreich Polen ein unumstößliches Anrecht auf Pommerellen und das Kulmerland besäße. Vgl. hierzu Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 389; Boockmann, 12 Kapitel, S. 171f.

[22] Israel, Ottokar: Das Verhältnis der Hochmeister des Deutschen Ordens zum Reich im 15. Jahrhundert (= Johann-Gottfried-Herder-Institut Marburg/L. – Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas), Marburg 1952, S. 3ff.

[23] Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden, München 2007, S. 90.

[24] Hellmann, Grundlagen, S. 121.

[25] Vgl. Prietzel, Malte, Krieg im Mittelalter, Darmstadt 2006, S. 99-104.

[26] Vgl. Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an der Kurie, Bd. 1: Die Geschichte der Generalprokuratoren von den Anfängen bis 1403, bearb. v. Kurt Forstreuter (= Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung, 12), Göttingen 1961, S. 136.

[27] Boockmann, Hartmut: Ostpreußen und Westpreußen (= Deutsche Geschichte im Osten Europas), Berlin 1992, S. 177.

[28] Ebenda, S. 177.

[29] Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 391.

[30] Vgl. Bühler, Johannes: Ordensritter und Kirchenfürsten. Nach zeitgenössischen Quellen (= Deutsche Vergangenheit, Bd. 7), Leipzig 1927, S. 139f.

[31] Vgl. Boockmann, 12 Kapitel, S. 172f.

[32] Vgl. ebenda, S. 173f. Tatsächlich unternahm der polnische König große Anstrengungen, den katholischen Glauben in Litauen durchzusetzen. In einem von Władysław am 22. Februar 1387 in Wilna erlassenen Dekret betonte er ausdrücklich den „königlichen, durch ein feierliches Gelübde untermauerten und von allen litauischen Fürsten und Rittern gutgeheißenen Willen, alle Menschen mit litauischer Volkszugehörigkeit zum katholischen Glauben und zum Gehorsam gegen die heilige römischen Kirche zu bekehren. Der unbedingte Wille des Königs an diesem Vorhaben ist daran zu erkennen, dass er die Litauer nicht nur heranziehen (inducere, attrahere, convocare), sondern alle, welcher Sekte sie auch angehörten, zur Taufe zwingen (compellere) wollte. Vgl. hierzu Drabina, Jan: Die Religionspolitik von König Władysław Jagiełło im polnisch-litauischen Reich in den Jahren 1385-1434, in: Zeitschrift für Ostforschung 43 (1994), S. 161-173, hier S. 168.

[33] Nowak, Zenon Hubert: Kaiser Siegmund und die polnische Monarchie (1387-1437), in: Zeitschrift für historische Forschung 15 (1988), S. 425.

[34] Ebenda, S. 425.

[35] Ebenda, S. 425.

[36] Vgl. Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 390.

[37] Vgl. Sach, Maike: Hochmeister und Großfürst. Die Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden in Preußen und dem Moskauer Staat um die Wende zur Neuzeit (= Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa 62), Stuttgart 2002, S. 39.

[38] Vgl. Zimmerling, Dieter: Der Deutsche Ritterorden, Düsseldorf 1988, S. 234f.

[39] Die Ursachen für den plötzlichen Sinneswandel liegen darin, dass sich Skirgal bei seinem Bruder, dem polnischen König, wegen seiner Trunksucht und anderer Ausschweifen so unbeliebt gemacht hat, dass dieser ihn an den Rand des litauischen Reiches nach Kiew verbannt hat. Vgl. hierzu Zimmerling, Ritterorden, S. 237. Mit der Aussöhnung wollte Władysław die Streitigkeiten beenden, die Union stärken und den Deutschen Orden schwächen.

[40] Vgl. Biskup/Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, S. 391.

[41] Vgl. Nowak, Kaiser Sigmund und die polnische Monarchie, S. 428.

[42] Die Staatsverträge des Deutschen Ordens in Preußen im 15. Jahrhundert, Erster Band, 1398-1437, hrsg. im Auftrage der historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung v. Erich Weise, Marburg 21970, Nr. 2, S. 9.

[43] Boockmann, Westpreußen, S. 181.

[44] Vgl. Boockmann, 12 Kapitel, S. 175.

[45] Łowmiański, Henryk: Anfänge und politische Rolle der Ritterorden an der Ostsee im 13. und 14. Jahrhundert, in: Udo Arnold und Marian Biskup (Hrsg.): Der Deutschordensstaat Preußen in der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart, Marburg 1982, S. 81.

[46] Nowak, Sigismund und die polnische Monarchie, S. 426.

[47] Paszkiewicz, Henryk: Dzieje Polski (Geschichte Polens), Teil 2: Czasy Jagiellonow (Die Jagiellonenzeit), Warschau 1925, S. 73.

[48] Vgl. Boockmann, 12 Kapitel, S. 175.

[49] Vgl. ebenda, S. 154.

[50] Im Januar 1401 ernannte der polnische König seinen Vetter Witold zu seinem Stellvertreter in Litauen auf Lebenszeit und übertrug ihm ebenso für dieselbe Dauer die oberste Herrschaft über Litauen. Witold verpflichtete sich daraufhin zur Treue gegenüber König, Krone, Königreich und den Magnaten Polens. Vgl. hierzu Hellmann, Manfred, Das Großfürstentum Litauen bis 1569, in: Handbuch der Geschichte Russlands, Bd. 1, Stuttgart 1989, S. 757f.

[51] Vgl. Scriptores rerum Prussicarum (SRP). Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, hrsg. v. Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke, Bd. 3, Leipzig 1866, ND Frankfurt a. M. 1965, S. 196f.

[52] Vgl. PrUB, JS 395 (5. August 1395, Marienburg), abgedruckt in: Codex Diplomaticus Prussicus (CDP). Urkundensammlung zur älteren Geschichte Preußens, hrsg. v. J. Voigt, Bd. 6, 1861, ND Osnabrück 1965, S. 10-11, hier S. 11. In der betreffenden Stelle heißt es:

Ouch allirgned[igster] herre, die sache, die ir myr anmutende seit von mynes ordins wegen, ich alleyne das nicht macht habe czu thun, want sie ist eyne grose sache und die groste, worumb myn ordin gestiftet ist czu halden den krig wedir die ungeloubigen. Und dorumb myn ordin von den gnaden gotis vorderunge hat gehat bis an dese czeit und noch hat von der heiligen Romischen kirchen, von dem heyligen reyche und von allen cristenlichen konigen, fursten und herren, die dy sache also wol angeet als mynen orden, besundern der herren, der land an die ungeloubigen stossen, und myn orden mochte in semelicher wise groslichen beschuldiget werden.

[53] Zimmerling, Ritterorden, S. 240.

[54] Vgl. Boockmann, 12 Kapitel, S. 176.

[55] Vgl. PrUB, JS 380 (29. Oktober 1396, Marienburg), abgedruckt in: CDP 6, S. 27-30, hier S. 30.

[56] PrUB, JS-JL 11 (26. April 1397, Stuhm), abgedruckt in: Codex Diplomaticus Prussicus (CDP). Urkundensammlung zur älteren Geschichte Preußens aus dem königl. Geheimen Archiv zu Königsberg nebst Regesten, Bd. 5, hrsg. v. Johannes Voigt, Königsberg 1857, ND Osnabrück 1965, S. 125-130.

[57] PrUB, JS 365 (8. Juli 1397, Meselanz), abgedruckt in: CDP 6, S. 46-47, hier S. 47.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Die Polemik zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen (1386-1422)
Untertitel
Stationen – Argumente – Folgen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Geschichtswissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
76
Katalognummer
V153952
ISBN (eBook)
9783640663712
ISBN (Buch)
9783640663934
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Torsten Gruber (Autor), 2010, Die Polemik zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen (1386-1422), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153952

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