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Normen, Devianz und Sanktionen in dem Spielfilm „Dem Himmel so fern“

Title: Normen, Devianz und Sanktionen in dem Spielfilm „Dem Himmel so fern“

Seminar Paper , 2006 , 44 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katharina Fischer (Author)

Sociology - Media, Art, Music
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Summary Excerpt Details

Im Seminar „Regeln und Abweichler“ haben wir uns mit „abweichendem Verhalten“ beschäftigt. Wir haben uns gefragt, warum das Verhalten eines Akteurs in einem Kontext in Ordnung, in einem Anderen aber „falsch“ ist. Jeder von uns hat sich schon einmal anders verhalten als erwartet. Menschen sind per se Regelverletzer.
Angefangen vom Abschreiben bei der Klassenarbeit über zivilen Ungehorsam bis hin zu Mobbing, Geisteskrankheit und Delinquenz ist alles möglich. So wie es scheint gibt es spezielle Normen, die menschliches Verhalten regeln. Aber was passiert, wenn wir die Regeln nicht einhalten? Und wer stellt diese Regeln überhaupt auf und für wen gelten sie?
Diese Arbeit beschäftigt sich mit diesen Fragen, oder genauer: Mit Normen, Normverletzungen und deren Folgen für die betroffenen Akteure in dem US-Spielfilm „Dem Himmel so fern“ aus dem Jahre 2002.
Zuerst werden drei Theorien über Devianz vorgestellt. Der Erste ist ein klassisch soziologischer Ansatz, nämlich der von Howard Becker über Normen und Abweichung. Die anderen zwei Ansätze betrachten Regeln und deren Verletzung aus psychiatrischer und psychologischer Sicht. Zum einem wäre da David Goffmans Beschreibung des Weges eines normalen Bürgers hin zum klinischen Patienten zu nennen, mit all seinen fatalen Folgen; zum anderen David Rosenhans berühmtes Experiment mit gesunden Scheinpatienten, bei denen in psychiatrischen Kliniken psychische Auffälligkeiten und Krankheiten diagnostiziert worden waren.
Anhand der Themen Rassismus und Homosexualität im Amerika der 50er Jahre werden die Normverletzungen und die daraus folgenden Sanktionen für die Akteure unter den Gesichtspunkten der oben genannten Theorieansätze untersucht.
Dabei soll die Arbeit nicht nur zeigen, dass sich die Theorien bequem auf den Film und seine Themen übertragen lassen. Es soll auch bewusst gemacht werden welche sozialen Mechanismen der menschlichen Interaktion hinter unser aller Verhalten stecken und inwiefern diese Mechanismen und die Regeln uns und unsere Gesellschaft prägen, ohne dass wir es bemerken. Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere nicht hinterfragte Heteronormativität. Vor allem aber ist wichtig zu erkennen, dass Normen nicht in Stein gemeißelt sind. Sie sind keine Dogmen für die Ewigkeit sondern immer einem Wandel unterworfen. Das ist auch gut so, denn dadurch dass sie immer einer aktiven Deliberation durch die Gesellschaft benötigen, stärkt uns dies als soziale Akteure im demokratischen Prozess des Interessenausgleichs.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Idee und Ziel dieser Arbeit

2. Theorieansätze zu Normen und Devianz

2.1 Howard S. Beckers „Außenseiter“

2.2 Erving Goffman: „Die moralische Karriere des Geisteskranken“

2.3. David L. Rosenhan: „Gesund in kranker Umgebung“

3. „Dem Himmel so fern“ – Über den Film

4. Normen, Devianz und Sanktionen anhand zwei Themen des Films

4.1 Rassismus und Emanzipation der Afroamerikaner

4.2. Männliche Homosexualität und Heteronormativität im KaltenKrieg

5. Scheitern und Neubeginn

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Mechanismen von sozialen Normen, deren Verletzung sowie die daraus resultierenden Sanktionen im US-Spielfilm „Dem Himmel so fern“ (2002). Anhand soziologischer und psychologischer Theorien wird analysiert, wie abweichendes Verhalten gesellschaftlich konstruiert, stigmatisiert und kontrolliert wird, insbesondere im Kontext von Rassismus und Homosexualität in den 1950er Jahren.

  • Analyse von Devianz auf Basis der Theorien von Howard S. Becker, Erving Goffman und David L. Rosenhan.
  • Untersuchung von Rassismus und der Segregation im Amerika der 50er Jahre.
  • Analyse des Einflusses von Kalter Krieg-Männlichkeitsidealen auf die Wahrnehmung von Homosexualität.
  • Darstellung der Mechanismen von Stigmatisierung und Ausgrenzung im Film.
  • Kritische Reflexion gesellschaftlicher Normsetzung und demokratischer Teilhabe.

Auszug aus dem Buch

Rassismus als Norm im Amerika der 50er Jahre

Wie sehen die Verhaltensregeln für Schwarze und Weiße in den 50er Jahren in den USA? Wer bestimmt die Normen, wie können sie durchgesetzt werden, auf wen werden sie angewandt und warum? Um diese Fragen zu beantworten ist zunächst ein kleiner Exkurs in die US-Amerikanische Geschichte notwendig.

In einer Szene des Films schaut Frank abends Nachrichten. Im Fernsehen wird über die ersten Schwarzen an der High School in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas berichtet, und wie sie von Eisenhowers Truppen beim Schulbesuch vor rassistischen Angriffen geschützt werden. Danach ist ein kurzer Ausschnitt einer Rede zu sehen, in denen der Präsident sein Handeln, nämlich die Umsetzung eines Supreme Court Urteils rechtfertigt (Kapitel 7: Der Alltag geht weiter). Was hier in der Szene nur beiläufig dargestellt wird - denn das Hauptthema sind Franks Psychiatergespräche - hatte nachhaltigen Einfluss auf die beginnende schwarze Bürgerrechtsbewegung und das zukünftige Zusammenleben von weißen und schwarzen US-Amerikanern.

Begonnen hatte die amerikanische Version der Apartheid mit der Sklavenbefreiung durch den damaligen Präsidenten Abraham Lincoln. Das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs 1865 ging einher mit der Befreiung der Afroamerikaner von ihrem Status als Sklaven und ihre Eingliederung in die Lohnarbeit (Jordan 2005: 49). Damit waren sie kein Besitz von Weißen mehr, aber noch lange keine gleichwertigen und gleichberechtigten Bürger. Der Kongress verabschiedete zwar die ersten Bürgerrechte der US- Geschichte, so etwa 1868 den 14ten Zusatzartikel, der sogenannte „Civil Rights Act“, der jeden Amerikaner unabhängig von der Hautfarbe unter verfassungsmäßigen Schutz stellte, sowie 1870 den 15ten Zusatzartikel, der allen männlichen Schwarzen das Wahlrecht zugestand, (Jordan 2005: 49 f.). Jedoch kann man ohne Zweifel von einer Zwei-Klassen Justiz dieser Zeit sprechen, die die Rechte für Schwarze im Alltag nicht umgesetzt wurden, sondern im Gegenteil, jegliche Emanzipation unterbunden wurde. Die Rechte weiblicher Afroamerikaner wurden zudem noch nicht einmal erwähnt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Idee und Ziel dieser Arbeit: Einführung in die Problemstellung des abweichenden Verhaltens und Zielsetzung der Untersuchung im Kontext des Films.

2. Theorieansätze zu Normen und Devianz: Theoretische Fundierung durch Howard S. Becker, Erving Goffman und David L. Rosenhan zur Erklärung von gesellschaftlicher Stigmatisierung.

3. „Dem Himmel so fern“ – Über den Film: Zusammenfassung der Handlung des Films und Vorstellung der Protagonisten.

4. Normen, Devianz und Sanktionen anhand zwei Themen des Films: Analyse von Rassismus und Homosexualität im Film mittels der theoretischen Konzepte.

5. Scheitern und Neubeginn: Abschließende Betrachtung der emanzipatorischen Aspekte und der Bedeutung für den gesellschaftlichen Interessenausgleich.

6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur.

Schlüsselwörter

Normen, Devianz, Sanktionen, Rassismus, Homosexualität, Stigmatisierung, Labeling, Moralunternehmer, Kalter Krieg, Heteronormativität, Identität, Soziale Kontrolle, Amerika 50er Jahre, Emanzipation, Dem Himmel so fern.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie soziale Regeln und Normen menschliches Verhalten definieren und wie Abweichungen davon im Kontext des Spielfilms „Dem Himmel so fern“ sanktioniert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind Rassismus, die Emanzipation afroamerikanischer Bürger sowie Homosexualität und Heteronormativität im gesellschaftlichen Klima der 1950er Jahre in den USA.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, soziale Mechanismen der Interaktion hinter menschlichem Verhalten aufzudecken und zu zeigen, dass Normen veränderbar sind und einer ständigen kritischen Deliberation bedürfen.

Welche wissenschaftlichen Theorien werden verwendet?

Es werden soziologische und psychologische Ansätze genutzt, insbesondere Howard Beckers Theorie über Außenseiter, Erving Goffmans Konzept der moralischen Karriere eines Patienten und David Rosenhans Experiment zur Macht von Diagnosen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und die konkrete Anwendung dieser Theorien auf den Film, wobei Rassismus und Homosexualität jeweils in ihrem historischen Kontext analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Normen, Devianz, Stigmatisierung, Labeling, Heteronormativität, soziale Kontrolle und die gesellschaftliche Situation in den USA der 50er Jahre.

Wie beeinflusste der Kalte Krieg das Männlichkeitsbild im Film?

Der Kalte Krieg förderte ultrakonservative Männlichkeitsideale, die Dominanz und Aggression betonten, wodurch Homosexualität als „unmännlich“ oder „kommunistisch“ stigmatisiert und als Bedrohung wahrgenommen wurde.

Welche Rolle spielt die „moralische Karriere“ nach Goffman für den Charakter Frank Whitaker?

Frank wird durch sein Coming Out und den anschließenden Druck, sich einer psychiatrischen „Heilung“ zu unterziehen, in den Status eines Patienten gedrängt, was seine soziale Identität maßgeblich beeinflusst.

Inwiefern zeigt das „Rosenhan-Experiment“ Parallelen zum Film?

Wie bei Rosenhans Scheinpatienten wird auch bei Frank Whitaker ein abweichendes Verhalten vorschnell pathologisiert, wodurch sein gesamtes Handeln fälschlicherweise als krankhaft interpretiert wird.

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Details

Title
Normen, Devianz und Sanktionen in dem Spielfilm „Dem Himmel so fern“
College
University of Kassel  (FB 05 - Gesellschaftswissenschaften Soziologie)
Course
Seminar: Regeln und Abweichler
Grade
1,3
Author
Katharina Fischer (Author)
Publication Year
2006
Pages
44
Catalog Number
V154156
ISBN (eBook)
9783640663798
ISBN (Book)
9783640664122
Language
German
Tags
dem himmel so fern devianz norm sanktion abweichler regeln filmanalyse rassismus homosexualität kalter krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Fischer (Author), 2006, Normen, Devianz und Sanktionen in dem Spielfilm „Dem Himmel so fern“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154156
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