Allgemeine Aspekte der Sportpädagogik und die Entwicklung im 19. Jahrhundert


Seminararbeit, 2002

16 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Ausgewählte Grundlagen der Sportpädagogik
1.1 Die Bedeutung des Begriffes „Sportpädagogik“
1.2 Betrachtung verschiedener Denkweisen der Sportpädagogik
1.2.1 Die anthropologische Denkweise
1.2.2 Der psychologische Denkansatz
1.2.3 Thematisch orientierte Theoriebildung aus soziologischer Sicht
1.3 Die Bedeutung der Sportpädagogik für die Sportwissenschaft

2. Die reformpädagogische Leibeserziehung im 19 Jahrhundert
2.1 Die Einwirkungen durch Friedrich Ludwig Jahn
2.2 Das Schulturnen nach Adolf Spiess
2.3 Aspekte der reformpädagogischen Leibeserziehung
2.3.1 Grundlegende Aspekte der Leibeserziehung in dieser Zeit
2.3.2 Verschiedene Richtungen der reformpädagogischen Leibeserziehung während des 19. und 20. Jahrhunderts
2.3.2.1 Die Gymnastikbewegung
2.3.2.2 Das natürliche Turnen
2.3.2.3 Die Sportbewegung
2.3.3 Auswirkungen dieser Zeit auf die Spätere Entwicklung des Sports

Literaturverzeichnis

1. Ausgewählte Grundlagen der Sportpädagogik

1.1 Die Bedeutung des Begriffes „Sportpädagogik“

Die Sportpädagogik wird als jene wissenschaftliche Disziplin verstanden, die den Zusammenhang zwischen Sport und Erziehung in sich birgt. Sportpädagogik ist nicht nur an Problemen der absichtsvollen Erziehung im Rahmen der Bewegungskultur interessiert, zum Beispiel des Sportunterrichts, sondern ebenso an Phänomenen der „Bildung“ womit die Selbstgestaltung des Menschen im Prozeß der Auseinandersetzung mit den Inhalten und Werten der Bewegungskultur gemeint ist (vgl. Grupe in Röthig u.a. 1992, 91ff.). Nach der Umbenennung des Begriffes Leibeserziehung in Sportpädagogik Ende der 60er Jahre hat sich einiges verändert. Sport als Begriff hat seit einiger Zeit eine Ausweitung erfahren, dass man vom Sport in verschiedenen Reichweiten sprechen muß. Die heutige Vielfalt der Leibesübungen und Bewegungsaktivitäten, in den sich der Mensch mit seiner Umwelt in meist zweckfreier Weise körperlich auseinander setzt, ist mit dem engen Sportbegriff nicht mehr zu erfassen.

Wie jede Teildisziplin der Sportwissenschaft musste sich auch die Sportpädagogik entwickeln. Nach dem sie zu Anfang der Entwicklung der Leibesübungen den größten Stellenwert eingenommen hat, ist dieser mit der weiteren Entwicklung und der Entwicklung des modernen Sports entschieden zurückgegangen. Dies hatte verschiedenste Gründe. Das waren zum Beispiel Aspekte der Kommerzialisierung, des zunehmenden Interesse an alternativen Sportarten und nicht zuletzt an dem Aspekt, dass die Weltbevölkerung durch ihr Berufsleben immer weniger Freizeit hat. Der Trend geht sogar heute noch zu Sportarten mit hohem Risikofaktor und hohen finanziellen Aufwand. In diesem Rahmen hat die Sportpädagogik nur untergeordneten Rang eingenommen, da die Prioritäten auf andere Bereiche, wie zum Beispiel technischen Wissen oder technische Mittel, gesetzt werden.

Die Sportpädagogik, wie sie im jahnschen Sinne vollzogen wurde gibt es heute nur noch in der Schule. Dieser erzieherische Sport dient nicht zum Spaß haben oder zum Aggressionsabbau. Daher ist ebenfalls ein Rückgang in der Bedeutung der Sportpädagogik erkennbar.

Diese Aspekte zeigen zwar, dass die Sportpädagogik an Bedeutung verloren hat, aber immer noch eine bedeutende Rolle in der Ausbildung der Sportlehrer und Sporttrainer einnimmt. Ohne diese bedeutende Rolle wäre selbst heutzutage der Sport nicht durchführbar, da sich sonst jeder Sportler durch falsches Training, oder jeder Schüler durch falschen Schulunterricht seinen Körper zerstört bzw. seine Leistungsfähigkeit einschränkt.

1.2 Betrachtung verschiedener Denkweisen der Sportpädagogik

1.2.1 Die anthropologische Denkweise

Die anthropologische Denkweise der Sportpädagogik besteht darin, dass nach letzten Sinndeutungen des menschlichen Daseins gefragt wird und diese Sinndeutungen, pädagogisch übersetzt, in gültige, meist über Raum und Zeit hinaus bestehende Zielformen und Verhaltensweisen übertragen werden ( vgl. Widmer 1977, 9). So werden etwa aus der Antwort auf die Frage nach dem Leib-Seelen-Verhältnis oder aus der These der Selbstverwirklichung und der Freiheit die Begründung und die Rechtfertigung des Sportunterrichts hergeleitet. Sportliche Bewegung wird demnach zum Modell des menschlichen Daseins. Und aus diesem Grund, der Sinndeutung, ergibt sich die Notwendigkeit der sportlichen Aktivität, es wird bewertet und praktische Hinweise dazu formuliert. Auf Grund dieser vereinfachten anthropologischen Denkweise haben große Pädagogen, wie Pestalozzi, Salzmann, Comenius und Fröbel den Sportunterricht gefördert und ihn verändert. Im Sport verwirklicht sich Freizeit, in Bezug auf Leistenkönnen ohne Leisten zu müssen, im Tun des nicht Notwendigen, in den Erlebnissen der Selbstbewegung, des Spielens, in den Grunderlebnissen der Einordnung. Röhrs schreibt, „Das Erzieherische ist immer- unabhängig von der Spielart- auf die Entfaltung des Menschlichen im Menschen in Richtung auf ein individuelles Selbstverständnis als Ergebnis der Welterkenntnis gerichtet...“ „ Im Rahmen dieses Prozesses hat die Leibesübung ihre Bedeutung als Selbsterprobung und Bewährung der individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten“ – sofern dies unter „erzieherischer Motivierung“ geschieht. Leibesübungen werden zum persönlichkeitsformenden Glied einer existentiellen Bildung, wenn der Aspekt der Menschenbildung angestrebt wird. Der anthropologische Denkansatz zur Rechtfertigung des Sportunterrichts stützt sich nicht allein nur auf die großen Pädagogen, sondern auf die eigentlichen Sportpädagogen, wie Diem, Gruppe, Drechsler und Hanebuth, deren Ausgangspunkt und zentrale Problematik die sportliche Wirklichkeit ist. Ihre phänomenologischen Gedanken führten zu sehr wertvollen pädagogischen Theorien in bezug auf den Sport und deren Ausbildung. J.N. Schmitzbegründet die Leibeserziehung auf einem Humanitätsideal, das „wirkliches Menschesein“ beinhaltet. Er schreibt, das sie zu „gesunder und gesicherter Lebensführung in der Fülle des rechtverstandenen Menschlichen“ zu verhelfen kann. Was aussagt, dass Leibesübungen allein um ihrer selbst willen betrieben werden. Die anthropologisch- phänomenologische Denkweise in der erziehungswissenschaftlich fundierten Sportpädagogik hat eine zentrale Bedeutung in bezug auf die Frage nach den Zielstellungen und grundsätzlichen Orientierungen der sportlichen Aktivität.

1.2.2 Der psychologische Denkansatz

In diesem Denkansatz stehen vor allem die psychophysischen Funktionen, wie Motorik oder andere medizinische Aspekte im Vordergrund. Weiterhin wird neben der allgemeinen Psychologie, der Tiefenpsychologie und der Bewegungspsychologie die Entwicklungspsychologie angewandt, bzw. in Betracht gezogen. Diese Ansätze der Entwicklungspsychologie, wie zum Beispiel die Beeinflussung des Leistungssport im Kindesalter, können als Ausgangspunkt für sportpädagogische Theorien gesetzt werden (Widmer 1977, 11).

Es ist deutlich, dass die allgemeine Pädagogik in Wechselbeziehung mit der Entwicklung des Individuums steht. Darum ist es auch verständlich, dass die Sportpädagogik Aspekte der Motorik einbeziehen muss. Begründet wird diese Annahme durch die Tatsache, dass die Motorik ein Bindeglied zwischen physischen und psychischen Entwicklungsprozessen ist (Widmer 1977, 12).

1.2.3 Thematisch orientierte Theoriebildung aus soziologischer Sicht

Aus dieser Sicht wird geklärt welche Rolle der Sport für die Gesellschaft entwickelt und welche Folgen es für das einzelne Individuum hat. Dabei untersucht die Sportpädagogik die gesellschaftlichen Prozesse, welche im Sporttreiben wirksam werden (Widmer 1977, 12).

Ein Beispiel für diesen Sachverhalt wäre die Integration eines Individuums durch Sport und die Art der Gruppen, d.h. ist eine Art der Gruppe besonders integrativ für ein Individuum mit besonderen Merkmalen. Anders formuliert, wird ein Außenseiter der Gesellschaft durch Aktivität in einem Sportverein oder einer Sportgruppe in die Gesellschaft integriert.

Auf der anderen Seite beschäftigt sich die soziologische Denkweise der Sportpädagogik mit der Kleingruppenforschung, so werden zum Beispiel Gruppenkohäsion oder Gruppendynamik in Betracht gezogen. Widmer beschreibt es wie folgt: „So begründet beispielsweise Plessner den Sport als eine gesellschaftliche Notwendigkeit, weil „sich unsere Gesellschaft in ihrem natürlichen Verhältnis zum Körper irritiert, um nicht zu sagen gestört“ fühle“ (Widmer 1977, 12). Dies beruht auf der Annahme, dass das gestörte Gleichgewicht zwischen geistiger Beanspruchung und körperlicher Aktivität mit Hilfe des Sports ausgeglichen werden kann. Somit kann ein sozialer Außenseiter, welcher sich in diesem Spannungsverhältnis befindet, durch den Sport in Kleingruppen zurück in die Gesellschaft integriert werden.

Diese Problem der inneren Ungleichheit zwischen Geist und Körper tritt vor allem bei Kindern auf, da sie ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten nicht voll entwickelt haben und das Ausmaß der Körperlichkeit und Geistigkeit nicht kennen (Widmer 1977, 12). Ein weiteres Thema der soziologischen Denkweise der Sportpädagogik ist das heutige Problem „Jugend, Sport und Freizeit“. In dieser Thematik wird die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen betrachtet und nach neuen Wegen gesucht, welche die Kinder zum Sport treiben bewegen.

Die soziologische Denkweise spielt also genauso eine bedeutende Rolle in der Sportpädagogik wie etwa die psychologische Denkweise. Für die Entwicklung einzelner Individuen ist der Sport enorm wichtig und deshalb sollte der soziologische Ansatz unbedingt mit zur Sportpädagogik gehören.

1.3 Die Bedeutung der Sportpädagogik für die Sportwissenschaft

In diesem Kapitel wird die Beziehung zwischen Sportpädagogik und der Sportwissenschaft erläutert. Dabei ist anzumerken, dass die Sportpädagogik aus der allgemeinen Pädagogik entstanden ist. Sie ist also Bestandteil der Erziehungswissenschaften. Mit der Entwicklung der Sportwissenschaft wurde die Sportpädagogik immer mehr ein Teilgebiet dieser. Genauer formuliert ist die Sportwissenschaft aus der Pädagogik entstanden. Die Pädagogik früherer Jahre behandelte Fragen des Sports mit. Als die Komplexität des Sports anstieg, die Pädagogik die Fragen des Sports nicht mehr beantworten konnte, gliederte sich der Sport von der Pädagogik ab und es entstand die Sportwissenschaft.

Da am Anfang die staatlichen Einflüsse sehr groß waren, wurden in der Sportwissenschaft nur Sportlehrer ausgebildet. Somit ist es verständlich, dass die Pädagogik in dieser Zeit des größten Stellenwerts in der Sportwissenschaft einnahm. Mit der Entwicklung des Breiten- bzw. Leistungssportes kamen einige weitere wichtige Unterfächer hinzu. Diese sind zum Beispiel Sportmotorik oder die Sportsoziologie. Dieser Prozeß der Ausdifferenzierung in verschiedene Teildisziplinen hat mit der Entwicklung der Sportwissenschaft immer zugenommen, so dass zum Beispiel die Sportpsychologie erst vor cirka 40 Jahren entstanden ist (vgl. Prohl 1999, 206).

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Details

Titel
Allgemeine Aspekte der Sportpädagogik und die Entwicklung im 19. Jahrhundert
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Sportwissenschaft)
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V154505
ISBN (eBook)
9783640672332
ISBN (Buch)
9783656872948
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allgemeine, Aspekte, Sportpädagogik, Entwicklung, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Thorsten Reichelt (Autor), 2002, Allgemeine Aspekte der Sportpädagogik und die Entwicklung im 19. Jahrhundert , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154505

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