Global Cities in Schwellenländern am Beispiel lateinamerikanischer Städte


Hausarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriff und Funktion der „global city“

3. Die Ausprägung von global citiy - Funktionen im Städtevergleich
3.1 Mexico City
3.2 São Paolo
3.3 Santiago de Chile
3.4 Die Bedeutung Miamis für zentralamerikanische Städte

4. Allgemeine Aspekte der Stadtentwicklung in Lateinamerika
4.1 Das Städtewachstum in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
4.2 Auswirkungen der Globalisierung auf die lateinamerikanische Stadt
4.2.1 Soziale Folgen der Globalisierung für Lateinamerika
4.2.2 „Gated communities“ als Ausduck residenzieller Segregation

5. Schlussgedanke

6. Quellenverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Die zum Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden Prozesse „wirtschaftlicher Globalisierung“[1] verursachten überregionale Machtverschiebungen, aus denen sich im Laufe der Zeit die Städte als bedeutende wirtschaftliche Zentren herauskristallisierten. Auf der Basis einer umfassenden Technologisierung von Produktions- und Arbeitsverfahren auf internationaler Ebene entwickelten sich dabei Unternehmen zu internationalen Akteuren, deren Handeln je nach Zielsetzung von jenen Orten gesteuert wird, welcher dafür die geeigneten Voraussetzungen bieten. In Folge eines schrittweisen Rückzugs politischer Entscheidungsträger aus dem schnell wachsenden globalisierter Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, nahm der Machtbereich einiger weniger, den Weltmarkt dominierender Konzerne, unermessliche Ausmaße an. Durch die Liberalisierung des Welthandels wuchs auch die Rolle der Städte in einzelnen Sektoren der Wirtschaft. Mit fortschreitender Globalisierung und unter dem Einfluss politischer bzw. struktureller Transformationsprozesse, konnten sich nun auch die urbanen Zentren in „Schwellenländern“[2] innerhalb des Weltmarktgeschehens etablieren. Wenngleich keinerlei Zweifel über die grundlegende Dominanz der Industrienationen im Bereich der Globalwirtschaft besteht, wirft die „neue“ Machtkonzentration in den Städten die Frage auf, welche spezifische Rolle die Städte des „Südens“[3] im weltumspannenden Verlauf von Informations- und Finanzströmen spielen; dies umso mehr, als dass sich Globalisierung determinatorisch auf die Lebensweise/-fähigkeit eines jeden Individuums auswirkt. In der vorliegenden Arbeit soll daher am Beispiel Lateinamerikas die Integration bzw. Nichtintegration von Städten der Schwellenländer in den Globalisierungsprozess erläutert werden. Ausgehend von der Annahme, dass diese Städte auf ganz spezielle Weise in den Globalisierungsprozess eingebunden sind und diesbezüglich gemeinsame Charakteristika aufweisen, wird die These vertreten wonach „die“ lateinamerikanische global city also solche existiert. Dabei gilt es zunächst, den Begriff der „global city“ zu erfassen, um anschließend auf eine eventuelle Erfüllung der Definitionskriterien anhand einer Städteauswahl zu überprüfen. Grundlegend für diese Auswahl ist das Heranziehen eines global city-Rankings, bei dessen Erstellung die entsprechenden Kriterien im Vordergrund standen.

Im Anschluss an die Klärung der Frage, inwieweit die Städte Lateinamerikas global city - Funktionen erfüllen, konzentriert sich der zweiten Teil der Arbeit auf die speziellen strukturellen Merkmale der „lateinamerikanischen Stadt“. Anhand des „Modells der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt“[4] werden räumliche Wandlungsprozesse innerhalb der Globalisierungsphase angeführt um anschließend festzustellen, inwieweit Zusammenhänge zwischen der global-city-Formierung und der Stadtentwicklung bestehen. In welcher Form äußern sich die speziellen Eigenschaften der lateinamerikanischen global city? Lassen sich aus die stadträumlichen Veränderungen als Folgen der Globalisierung begreifen? Um diese Fragen zu beantworten bedarf es zunächst einer klaren Erfassung des Konzepts der global city.

2. Begriff und Funktion der „global city“

Der Terminus „global city“[5] ist deutlich von jenem der „Metropole“, welcher die Vorreiterrolle „einer“ Stadt hinsichtlich bestimmter Funktionen innerhalb einer Region hervorhebt, sowie von der Bezeichnung „Megacity“ zu unterscheiden. Letztere „betont zweifellos die quantitative Dimension, und zwar sowohl mit Blick auf die Bevölkerungszahlen als auch mit Bezug auf die räumliche Ausdehnung der Stadt bis hin zur urbanen Agglomeration“[6]. Für deren Bestimmung geht man üblicherweise, entsprechend der UN- Definition 2002[7], von einer Mindestbevölkerungszahl von 8 Millionen aus. Mit einer Verstädterungsquote von 77 Prozent[8] befinden sich in Lateinamerika besonders viele Agglomerationen die mehrere Millionen Einwohner zählen. In der Regel handelt es sich dabei, mit wenigen Ausnahmen, um die Hauptstädte Zentral- und Südamerikas. Genau wie das nordamerikanische Mexico City mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 18,1 Millionen[9], lassen sich diese Städte als Megacitys Lateinamerikas bezeichnen. Auf nationalem Niveau erfüllen sie meist die Funktion der zentralen Metropole was ihr wirtschaftliches, kulturelles und politisches Gewicht anbelangt. Vor dem Hintergrund herausragender nationalen Funktionen stellt sich vor allem die Frage, inwieweit sich deren Einflussbereich über weltweite Globalisierungsprozesses erstreckt?

Jene Fragestellung führt zu den maßgeblichen Kennzeichen der global city. Einen Hinweis darauf, dass es sich bei einer Megacity nicht notwendigerweise auch um eine bedeutende global city handeln muss, liefert der „Global Cities Index“ (2008)[10] : Innerhalb einer Rangfolge der 60 bedeutendsten global cities belegt Mexico City Platz 25, direkt hinter Stockholm und vor Zürich. Der Index stellt die weltweite Bedeutung von Städten in 5 Dimensionen dar: „Business Activity“, „Human Capital“, „Information Exchange“, „Cultural Experience“ und „Political Engagement“.[11] Danach kennzeichnet sich eine global city nicht ausschließlich durch ihre ökonomische Handlungskraft, sondern zudem durch das Vorhandensein geistigen Kapitals und Institutionen, welche einer Stärkung der Wirtschaftsaktivität zuträglich sind. Der Herausgeber des Index', das „Foreign Policy Magazine“, beantwortet die Frage was eine global city ausmacht wie folgend:

The term itself conjures a command center for cognoscenti. It means power, sophistication, wealth, and influence. To call a global city your own suggests that the ideas and values of your metropolis shape the world. And to a large extent that is true. The cities that host the biggest capital markets, elite universities, most diverse and well-educated populations, wealthiest multinationals, and mist powerful international organizations are connected to the rest of the world like nowhere else. But, more than anything, the cities that rise to the top of the list are those that continue tot forge global links despite intensely complex economic environments. They are the ones making urbanization work to their advantage by providing the vast opportunities of global integration to their people; neasuring cities' international presence captures the most accurate picture of the way the world works.[12]

Die global city weist demnach einerseits ein hohes Maß an Beteiligung von Stadtbewohnern, Unternehmen und Institutionen am Globalisierungsprozess auf. Andererseits verfügt sie über ein hohes Maß an Bildungsvoraussetzungen. Es handelt sich hierbei um eine erweiterte Definition der global city, welche von der ursprünglichen Begriffsprägung durch Saskia Sassen in den 1990ern insofern abweicht, als dass sich die global city-Funktion nach Sassen vor allem am Grad der Aktivität und Vernetzung im weltweiten Wirtschaftssystem bemisst: „Gobal Cities sind zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen, wie sie für die Durchführung und das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten erforderlich sind.“[13]

Saskia Sassen stellt in „Metropolen des Weltmarkts“ einen der Kernpunkte der weltwirtschaftlicher Entwicklung zu Beginn der 1990er dar, indem sie betont: „Die mit der Globalisierung einhergehende territoriale Streuung der Wirtschaftstätigkeit auf nationaler wie auf weltweiter Ebene brachte neue Formen der Konzentration hervor.“[14] Aus jenen mit der Globalisierung einhergehenden Umstrukturierungsprozessen ergeben sich für global cities zentrale Steuerungsfunktionen. Darüber hinaus haben diese Städte laut Sassen „zwei weitere Funktionen: Erstens fungieren sie als post-industrielle Produktionsstätten der führenden Gewerbezweige unserer Zeit, des Finanz- und spezialisierten Dienstleistungsgewerbes, und zweitens erfüllen sie die Funktion transnationaler Marktplätze, auf denen Unternehmen und Staaten Finanzinstrumente und spezielle Dienstleistungen erwerben können.“[15]

Auch John Friedmann legt in seiner „World City Hypothesis“ (1986) den Schwerpunkt auf die Rolle der Weltstädte als wirtschaftliche Knotenpunkte, deren Struktur des Produktionssektors auf das globale Wirtschaftsgeschehen Einfluss nimmt, und welche sich durch Akkumulation internationalen Kapitals auszeichnen. Allerdings führt Friedmann zusätzlich das Kriterium der Präsenz einer hohen Anzahl In- und/oder Ausländischen Migranten an. Darüber hinaus betont er den Aspekt der sozialen Spaltung und die immense steuerliche Belastung, welche damit einher geht.[16] Fast zehn Jahre später, unter dem Eindruck fortschreitender Globalisierung, ergänzt Friedmann die „World City Hypothesis“ durch die strukturelle Beschaffenheit der global city/world city, sowie in Bezug auf die dominierenden Klasse in solchen Städten:

World Cities sind grosse, verstädterte Räume intensiver ökonomischer und gesellschaftlicher Beziehungen. […] Die gesellschaftliche Schicht, die die World Cities kontrolliert, wird als transnationale kapitalistische Klasse bezeichnet. Sie ist am reibungslosen Funktionieren des globalen Akkumulationssystems interessiert, ihre Kultur ist kosmopolitisch, und ihre Ideologie ist konsumorientiert. Ihr Vorhandensein löst oft ernsthafte Konflikte mit subalternen Klassen aus, die eher lokal definierte territoriale Interessen verfolgen und deren Aufstieg in die transnationale Klasse blockiert ist.[17]

Neben den Folgeerscheinungen massiver Einwanderung, lässt sich das durch Dominanz einer von ökonomisch motivierten Klasse hervorgerufene Konfliktpotential, als spezifisches Kennzeichen der „global city“ betrachten. Maßgeblich für deren Identifizierung ist jedoch ihre zentrale Rolle als Akteur in einem globalisierten Weltwirtschaftssystem. Aus diesem Grund dienen im Folgenden gleichermaßen die Begriffsbestimmung durch Saskia Sassen sowie jene John Friedmanns als Grundlage für die funktionale Einordnung lateinamerikanischer global cities.

3. Die Ausprägung von global citiy - Funktionen im Städtevergleich

Es hat sich herauskristallisiert, dass über die Charakteristika der „world city“ allein bezüglich ihrer ökonomischen Funktion Einigkeit herrscht. Dabei kann vor allem die Frage nach einer diesbezüglichen Relevanz kultureller und politischer Institutionen bisher noch nicht klar beantwortet werden. Im Kern der global city - Forschung steht daher nach wie vor der Einflussbereich einer Stadt in inter- und supranationalen Wirtschaftsaktivitäten. Wie oben bereits angeführt stellt jene „Business Activity“ im „Global Cities Index“ (2008) des Foreign Policy Magazines - welcher u.a. durch die Beratung von Saskia Sassen erstellt wurde - lediglich eine von vier Beurteilungskategorien dar.

Auf eine andere Art und Weise wurde bei der Erstellung des „Inventory of world cities“ (2008) des Forschungsnetzwerks „Globalization and World Cities“ (GaWC) vorgegangen. Hierbei lag der Schwerpunkt entsprechend der frühen Definition durch Sassen, auf global cities in ihrer Eigenschaft als „zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen“[18]. Das GaWC beschränkte sich bei der Städtebewertung auf die Präsenz global - agierender Dienstleistungszentren: „Global Service Centres in Accountancy“, „Global Service Centres in Advertising“, „Global Service Centres in Banking“ und „Global Legal Service Centres“.[19] Zudem werden die world cities nicht in einfacher Rangfolge dargestellt, sondern in alpha, beta, und gamma world cities untergliedert[20].

Danach befinden sich die Städte Buenos Aires, São Paolo, Mexico City, Caracas und Santiago de Chile unter den Alpha Minus-Städten, womit sie das GaWC zu den „very important cities that link major economic regions and states into the world economy“[21] zählt. In den Beta-Bereich der etwas weniger bedeutenden Städte, welche vor allem als Bindeglied einer Region („oder“ des Staates) und der Weltwirtschaft dienen, fallen neben Bogotá auch Lima, Montevideo und Rio de Janeiro. Unter die gamma-Städte fallen die bedeutendsten Hauptstädte Zentralamerikas[22] wobei die Frage offen bleibt, inwiefern diese überhaupt als global cities oder vielleicht eher als Anwärterstädte zu bezeichnen sind. Anders verhält sich dies im Falle der alpha world cities. Entsprechend der Forschungslage und des jeweiligen Bedeutungsgrades erläutert das folgende Kapitel die global city-Funktion der Städte São Paolo, Santiago de Chile.und Mexico City, wobei abschließend auf die interamerikanische Einbindung Miamis im Weltstadtnetzwerk eingegangen wird.

3.1 Mexico City

Die Entwicklung der globalwirtschaftlichen Bedeutung der mexikanischen Hauptstadt wurde im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Metropolen wie beispielsweise Buenos Aires, ausführlich untersucht. Wenngleich Newman und Thornley zu dem Schluss gelangen, dass „Mexico City articulates the national economy, but has no global role“[23], wird die Ausprägung bestimmter Funktionen mittlerweile kaum noch angezweifelt: „Die hohe und zunehmende Zentralisierung von „headquarters“ weisen ebenso wie die Konzentration der Unternehmensdienstleistungen darauf hin, dass Mexico City Global City- Funktionen ausbildet.“[24] Letztlich zeigt auch die Zuordnung durch das GaWC in die Gruppe der Alpha-Weltstädte, welche auf der Niederlassung von Kommandozentralen zahlreicher global agierender Finanz- und Dienstleistungsunternehmen basiert, dass die Stadt Mexiko zweifellos den Rang einer world city eingenommen hat. Jene Positionierung gründet sich viel mehr auf ihre - im lateinamerikanischen Vergleich - erhöhte Wirtschaftsaktivität als auf ihre Relevanz im wirtschaftlichen Globalisierungsprozess, wodurch sie sich grundlegend von den übermächtigen Kommandozentren New York und London unterscheidet:

A number of indicator give pause for thought, if not skepticism about Mexico and Mexico City's true insertion into the global economy. Comparing either the flow of international recources or stpck market investments and activity in major cities such as New York, London, Paris, Hong Kong,y Tokyo, Los Angeles, Frankfirt, and so on, one imediately observes Mexico's relatively modest role. For example the level of capitalization of the respective national stock markets (enterprises registred and share activites) ranges from 16 trillion dollars (US definition) for the USA in 2000, compared with 4.55 and 2.9 trillion for Japan and the UK respectively. In contrast Mexico's stock market capitalisation was relatively paltry 0.126 trillion dollars; […] Nevertheless, regionally Mexico City does play a more important economic role alongside São Paolo (Brazil), Buenos Aires (Argentina), and Santiago (Chile).[25]

Die zitierten Angaben zur Börsenmarktkapitalisierung stammen aus dem Jahre 2000. In Anbetracht eines sich wandelndem Bedeutungsgrades der global cities erscheint es daher sinnvoll, jene Werte um die Untersuchungsergebnisse Christof Parnreiters zu ergänzen, worin er sich auf Berechnungen der „World Federations of Exchange“ von 2009 bezieht: „Von den Megastädten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas haben nur Shanghai (2008: 2%), Mumbai und São Paolo (je 1%) einen nennenswerten Anteil am weltweiten Aktienhandel; Mexico City, Buenos Aires und andere Megastädte der Periphierie hingegen sind im globalen Vergleich Handelsplätze ohne Bedeutung.“[26] Neben der Börsenmarktkapitalisierung interpretiert Parnreiter die Präsenz der 500 größten Unternehmen in nicht-westlichen Megastädten, wobei er zu der Erkenntnis gelangt dass „Unternehmen aus Megastädten in Afrika, Asien und Lateinamerika immerhin für 10 % der Gewinne der 'Big 500' verantwortlich sind, wobei allerdings fast die Hälfte auf Peking und knapp 3 % auf Moskau entfallen (weiteres: Rio de Janeiro, Mumbai, Mexico-City, Shanghai, São Paolo).[…]Mexico-City kommt wie erwähnt, in der Geographie globaler Finanzmärkte und 'headquarters' nur am Rande vor.“[27] Andererseits betont Parnreiter die zentrale „gateway-Funktion“[28] der Stadt innerhalb des Weltstadtnetzwerkes, welche dazu führte dass sie ähnlich wie São Paolo und Miami für die Wirtschaftsregion Lateinamerika von essenzieller Bedeutung ist. Bemerkenswert ist zudem die Tatsache dass Mexico City durch seine spezielle geographische Lage hervor sticht, aufgrund derer die Stadt nicht nur innerhalb von Lateinamerika, sondern zugleich für die nordamerikanische Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielt. Die Nähe zur Wirtschaftsmacht USA, ist unter Mitwirkung des 1994 geschaffenen Freihandelsabkommens „NAFTA“ (North American Free Trade Agreement) ursächlich dafür, dass ca. die Hälfte der „ausländischen Direktinvestitionen“[29] nach Mexiko aus dem nördlichen Nachbarland stammen.

Darüber hinaus könnte sich Mexico City zu einem der Hauptzentren Lateinamerikas im Bereich der Finanzdienstleistungen entwickeln.[30] Diesbezüglich hat sich jedoch bislang vor allem die 18,7 Millionen[31] Einwohner zählende Metropole São Paolo etabliert.

3.2 São Paolo

Wie bereits angedeutet unterscheidet sich São Paolo von Mexico City in erster Linie durch eine weitaus höhere Präsenz von Kommandozentralen, welche jedoch eher auf regionaler als auf globaler Ebene von Bedeutung sind. Das GaWC positioniert die Stadt daher als eine der weltweiten „powerful cities“, resultierend aus der Klassifizierung durch Peter Taylor als „regional command centres“, „highly connected gatetway city“ und „emerging city gateway“.[32] Dagegen erfüllt Mexico City lediglich die zweite der genannten Eigenschaften. Die brasilianische Metropole erscheint zudem als die einzige Stadt Lateinamerikas in den Top 20 der weltweit am meisten vernetzten Finanzzentren. Diese ökonomische Machtpostion ist vor allem als Resultat einer hohen Dichte bedeutender globaler Wirtschaftsakteure zu betrachten: „Brazil's over 1,200 multinational firms, the single highest concentration in the region, have basically kept their headquarters at home, with a strong concentration in São Paolo.“[33] Innerhalb des Weltstadtnetzwerkes wird São Paolo als „minor dominant centre“ klassifiziert. Im Vergleich mit den Primary Cities New York und London ist die ökonomische Handlungskraft der Stadt allerdings verschwindend gering. Nichtsdestotrotz spielt deren Wirtschaftsaktivität eine gewisse Rolle im globalisierten Welthandel, wie die Positionierung im Master Card „World Wide Centers of Commerce Index“[34] (2008) aufzeigt: Unter 75 sich nahezu alle wirtschaftlichen Transaktionen von globaler Bedeutung abspielen.

[...]


[1] „Globalisierung“ spielt sich auf vielerlei Ebenen ab, welche sich teilweise gegenseitig beeinflussen. Neben globalen kulturellen und politischen Veränderungen, spielen dabei vor allem weltweite ökonomische Transformationsprozesse eine Rolle: „Als fassbarer Ausdruck dessen stehen die Entgrenzung der Finanzströme, der Märkte und Marktsysteme, des Wettbewerbs, der Regulierungsmechanismen und der Nationalstaaten“. Scholz 2000: 2.

[2] Als „Schwellenländer“ sollen hier die von der Weltbank nach dem Kriterium des Pro-Kopf Einkommens klassifizierten „Upper-middle-income economies“ gelten. Darunter fallen innerhalb Lateinamerikas u.a. die Länder Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Mexiko, Panama, Peru und Venezuela. Vgl. http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20421402~pa gePK:64133150~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html#OECD_membersl.

[3] Der Begriff „Süden“ steht nicht für die Länder welche sich südlich des Äquators befinden, sondern hat sich als offener Sammelbegriff zur Bezeichnung von Staaten durchgesetzt, welche in wirtschaftlicher Hinsicht allgemein nicht als „ hoch“-entwickelt angesehen werden.

[4] Vgl. Borsdorf/Bähr/Janoschka 2002: 305.

[5] Schon vor der Prägung des Begriffes „global city“ durch Saskia Sassen (1991), hatte sich die Bezeichnung „world city“ bzw. „Weltstadt“ durchgesetzt. Fortan wurden die beiden Begriffe in der Regel synonym verwendet, weshalb dies sinnvollerweise auch in der vorliegenden Arbeit geschehen soll.

[6] Schwentker 2006: 10.

[7] Vgl. http://www.un.org/esa/polulation/publications//wup2001/wup2001dh.pdf.

[8] Vgl. http://www.berlin institut.org/fileadmin/user_upload/handbuch_texte/pdf_Baehr_Entwicklung_Urbanisierung.pdf.

[9] „Demographia World Urban Areas & Population Projections“ - Bericht 2009: 27 auf http://www.demographia.com/db-worldua.pdf

[10] http://www.city-data.com/forum/general-u-s/501225-2008-global-cities-index.html

[11] Vgl. Ebd.

[12] http://www.foreignpolicy.com/articles/2008/10/15/the_2008_global_cities_index.

[13] Sassen 1994: 39 f.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Vgl. Friedmann in Knox/Taylor (Hrsg.) 1995: 317 ff.

[17] Friedmann in Hitz u.a. (Hrsg.)1995: 27 f.

[18] Sassen 1997: 40.

[19] Vgl. http://www.lboro.ac.uk/gawc/rb/rb5.html.

[20] Vgl. Abb. 1-3 in Kapitel 7 der vorliegenden Arbeit.

[21] http://lboro.ac.uk/gawc/gawcworlds.html.

[22] Vgl. hierzu Kapitel 3.4 .

[23] Newman und Thornley 2005: 100ff.

[24] Parnreiter 2009: 138 ff. Vgl. hierzu auch Friedmann 1986 in Knox/Taylor 1995: 317 ff.

[25] Ward 2004: 154 f.

[26] Parnreiter 2009: Die Megastädte des Südens in der Geographie globaler Finanzmärkte und weltweiter Unternehmensnetzwerke, 27-35. In Technikfolgenabschätzungen - Theorie und Praxis Nr. 1-18. Veröffentlicht auf http://www.itas.fzk.de/tatup/091/parn09a.pdf.

[27] Ebd.

[28] „Stark vernetzte Gateways zeichnen sich […] durch eine Übersetzungsfunktion zwischen nationalen bzw. regionalen Märkten und globalen Informationsströmen aus.“ Hoyler, M.: Funktionale Verflechtungen zwischen „Weltstädten“ zur Herausbildung eines globalen Städtesystems, 261 ff. In: Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Räumlicher Strukturwandel im Zeitalter des Internets: Neue Herausforderungen für Raumordnung und Stadtentwicklung. VS Verlag: Wiesbaden 2004. Veröffentlicht auf http://www.lboro.ac.uk/gawc/rb/rb127.html.

[29] Die Höhe der ausländischen Direktinvestitionen stellt einen der Indikator für die Positionierung im globalen Wirtschaftssystem dar. Im Zusammenhang mit Mexiko fällt diesbezüglich auf, dass trotz einer vergleichsweise geringen Präsenz von „headquartern“ der weltweit größten Unternehmen, eine beachtlich Summe von Direktinvestitionen in das Land strömt (Rekordwert im Jahre 2007: 23,2 Mrd. US $). Vgl. http://www.gtai.de/DE/Content/_SahredDocs/Links-Einzeldokumente- Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT200802288009. Darüber hinaus verzeichnet Mexiko eine einen enorme in den vergangenen 20 Jahre eine enorme Vervielfachung der Ex- und Importe, welches zusätzlich auf die z. T. Hohe Ausprägung von Integration in den Welthandel hinweist. Dementsprechend steigerte sich auch die „gobal city“-Funktion der mexikanischen Hauptstadt, wo

[30] Gugler 2004: 17 f.

[31] „Demographia World Urban Areas & Population Projections“ - Bericht 2009: 27 auf http://www.demographia.com/db-worldua.pdf.

[32] Vgl. Liste der „Powerful Cities“ in Taylor et al. 2002: Diversity and Power in the World City Network. In Cities, 19-4, 231-241. Veröffentlicht auf http://www.lboro.ac.uk/rb/rb56.html.

[33] http://www.urban-age.net/0_downloads/archive/_SA/02_NewsPaper_Essay_Sassen.pdf.

[34] Die Dimensionen zur Einordnung der Städte hinsichtlich ihrer Rolle als Zentrum des Welthandels, waren wie folgend: „Livability“, „Knowledge Creation and Information Flow“, „Business Center“, „Financial Flow“, „Ease of Doing Business“, „Economic Stability“, sowie „Legal and Political Framework“. Vgl. http://www.mastercard.com/us/company/en/insights/pdfs/2008/MCWW_WCoC- Report_2008pdf.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Global Cities in Schwellenländern am Beispiel lateinamerikanischer Städte
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
40
Katalognummer
V154653
ISBN (eBook)
9783640673094
ISBN (Buch)
9783640673292
Dateigröße
1265 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Global, Cities, Schwellenländern, Beispiel, Städte
Arbeit zitieren
Felix Zimmermann (Autor), 2010, Global Cities in Schwellenländern am Beispiel lateinamerikanischer Städte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154653

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