Gesundheitliche Risiken im Rettungsdienst

Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Kontext des demographischen Wandels


Studienarbeit, 2010
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesundheitliche Risiken im Rettungsdienst
2.1 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems
2.2 Weitere Erkrankungen
2.2.1 Psychische Belastung
2.2.2 Arbeits- und Wegeunfälle
2.2.3 Verletzungsarten bei Arbeits- und Wegeunfällen
2.2.4 Infektionskrankheiten
2.3 Anerkannte Berufskrankheiten

3 Gesundheitsmanagement
3.1 Aufbau der Wirbelsäule
3.2 Prävention im Rettungsdienst
3.2.1 Rücken schonendes Arbeiten im Rettungsdienst
3.2.2 Reduktion der psychischen Belastung
3.2.3 Vorbeugung vor Infektionen
3.2.4 Fit für den Rettungsdienst
3.3 Persönliche Schutzausrüstung im Rettungsdienst

4 Schlussbetrachtung und Ausblick

5 Literatur- und Quellenverzeichnis
5.1 Bücher
5.2 Online Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prävalenz von ärztlich diagn. Erkrankungen, nach Lebensalter.

Abbildung 2: Körperliche Beschwerden.

Abbildung 3: Verteilung der Unfälle nach verletztem Körperteil.

Abbildung 4: Aufbau der Wirbelsäule

Abbildung 5: Bandscheibenbelastung

Abbildung 6: Einstiege in Rettungswagen

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Arbeits- und Wegeunfälle.

1 Einleitung

Der „demographische Wandel“ ist ein Begriff, der meist in der Politik, und dort im Besonderen im Zusammenhang mit den sozialen Sicherungssystemen, genannt wird. Hinter diesem Begriff stehen die Veränderung der Altersstruktur einer Bevölkerung sowie deren Zusammensetzung. Beeinflusst wird die Altersstruktur von der Geburten- bzw. Sterberate einerseits, sowie durch die immer älter werdende Bevölkerung andererseits. Auch die Zuwanderung meist jüngerer Menschen aus anderen Staaten bzw. die Abwanderung teils älterer Menschen beeinflussen die Altersstruktur wesentlich.[1]

Neben der Politik und den sozialen Sicherungssystemen sind jedoch alle in einem Wirtschaftsraum zusammenlebenden Subjekte (Staat, Haushalte und Unternehmen) von dieser Thematik betroffen. So müssen sich bereits heute Unternehmen damit beschäftigen, wie ein Arbeitsplatz in der Zukunft gestaltet sein sollte, damit die Wirtschaft auch mit einer alternden Belegschaft weiterhin im globalen Umfeld wettbewerbsfähig bleibt.

Die Gesundheit der immer älter werdenden Mitarbeiter gewinnt somit mehr und mehr an Bedeutung. Hiervon sind die Beschäftigten im Gesundheitswesen nicht ausgenommen; im Gegenteil - gerade im Rettungsdienst kommt es darauf an, dass das eingesetzte Personal kurzfristig körperlichen Höchstleistungen sowie physischem und psychischem Stress gewachsen ist. Im besonderen Maße ist hier das Muskel-Skelett-System betroffen, da der Patiententransport (Patient und Trageeinrichtung) eine besondere körperliche Belastung darstellt.[2]

Der Autor wird in dieser Arbeit den Schwerpunkt auf die Wirbelsäulenbelastung im Rettungsdienst und deren Folgen legen, und die weiteren gesundheitlichen Risiken wie z. B. Erkrankungen durch psychische Belastungen, Unfälle oder Infektionskrankheiten nur peripher behandeln.

2 Gesundheitliche Risiken im Rettungsdienst

Das Personal im Rettungsdienst gilt als besonders gefährdete Gruppe für physische und psychische Belastungen. Derzeit gibt es ca. 47.000 hauptberuflich Beschäftigte im deutschen Rettungsdienst. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Rettungsassistenten (berufliche Ausbildung), die die primäre Besatzung von Notfall-Rettungsmitteln stellen.[3] Neben den Rettungsassistenten gibt es Rettungssanitäter sowie Rettungshelfer mit geringerer Ausbildungstiefe.

Der Beruf des Rettungsassistenten ist erst seit 1989 staatlich anerkannt.[4] Im Folgenden werden die häufigsten Erkrankungen näher erläutert.

2.1 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems gehören zu den am häufigsten gesundheitlichen Erkrankungen in der westlichen Welt. Gerade im Rettungsdienst treten diese Beschwerden verstärkt auf. Ein Mensch wiegt im Durchschnitt 70 kg, zusammen mit dem Gewicht einer Trage (ca. 30 kg) wird so eine zu tragende Last von rund 100 kg erreicht. Auf den einzelnen Rettungsdienstmitarbeiter entfallen somit ca. 50 kg des zu tragenden Gewichts. Neben der eigentlichen Last führen zusätzlich eine ungünstige Körperhaltung (beim Heben oder in Treppenhäusern), als auch das Tragen über lange Wegstrecken zu zusätzlichen Belastungen respektive Erkrankungen. Häufig ist es jedoch der Fall, dass Patienten deutlich schwerer sind als das Durchschnittsgewicht von 70 kg und zusätzlich medizinisches Gerät transportiert werden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass die zu hebenden Lasten aufgrund der Einsatzhäufigkeit und der Dauer der Schichtdienste zur erheblichen Belastung der Mitarbeiter beitragen. In den ersten Berufsjahren ist dies meist problemlos zu bewältigen. Mit zunehmendem Alter sowie ansteigenden Berufsjahren führt dies jedoch langfristig zu gesundheitlichen Beschwerden. Die folgende Abbildung 1 zeigt die einzelnen gesundheitlichen Erkrankungen mit ihrer jeweiligen Ausprägung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prävalenz von ärztlich diagnostizierten Erkrankungen, nach Lebensalter.

Quelle: Gebhardt, Klußmann, Maßbeck, Topp, Steinberg, 2006, S. 57.

Die Abbildung verdeutlicht im besonderen Maße die physische Belastung für die Mitarbeiter im Rettungsdienst, die vor allem mit steigendem Alter zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems führen können.

Bei den Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems muss grundsätzlich zwischen den einzelnen Beschwerdepunkten unterschieden werden. Die folgende Abbildung 2 zeigt, dass vor allem Beschwerden im unteren und oberen Bereich der Wirbelsäule und auch im Bereich der Kniegelenke angegeben werden. Unterschieden wird in Jahresprävalenz (innerhalb der letzten 12 Monate) sowie in Punktprävalenz (der letzten sieben Tage).[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Körperliche Beschwerden.

Quelle: Gebhardt, Klußmann, Maßbeck, Topp, Steinberg, 2006, S. 59.

Da der Beruf des Rettungsassistenten noch relativ jung ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerden mit zunehmendem Alter exponentiell ansteigen werden. Die demographische Entwicklung wird dies vermutlich noch beschleunigen.

2.2 Weitere Erkrankungen

Neben Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems bilden die folgenden Erkrankungen erhebliche Risiken für die Mitarbeiter im Rettungsdienst.

2.2.1 Psychische Belastung

Die deutsche Industrienorm DIN EN ISO 10075-1 definiert psychische Belastungen als die von außen auf die Psyche einwirkende Faktoren. Diese ergeben sich aus den Arbeitsbedingungen, beispielsweise:

- der Arbeitsaufgabe (Art und Umfang der Tätigkeit)
- der Arbeitsumgebung (z. B. Lärm)
- der Arbeitsorganisation (z. B. Arbeitszeit, Arbeitsabläufe)
- den sozialen Komponenten (z. B. Führungsstil, Betriebsklima)
- den Arbeitsmitteln (z. B. Software)[6]

Unterstützt durch die Berichterstattung in Medien werden die psychischen Belastungen der Rettungsdienstmitarbeiter mehr und mehr verdeutlicht. So muss beispielsweise das ICE-Unglück in Eschede, welches sich am 03. Juni 1998 ereignet hatte, neben den primären Opfern auch bei den Helfern grauenhafte Eindrücke hinterlassen haben. Neben den physischen Belastungen (Schichtdienst, Heben und Tragen schwerer Lasten) sind die Mitarbeiter im Rettungsdienst besonders psychisch belastenden Ereignissen wie Unfällen und Katastrophen ausgesetzt.

Das ständige Miterleben von menschlichem Leid führt häufig zur sogenannten „Posttraumatischen Belastungsstörung“. Hierbei handelt es sich um eine schwere, über Wochen bis viele Monate, teils Jahre andauernde Stresssituation, die nach Erleben besonders schwerer Ereignisse auftreten kann.[7] Nicht selten führt diese, ebenfalls wie das „Burn-Out-Syndrom“, zum frühzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf.

Eine besondere Bedeutung erhalten die psychischen Belastungen im Zusammenhang mit Kindernotfällen. Etwa 4 bis 5 % der Einsätze betreffen Notfallsituationen im Kindesalter. Neben dem erkrankten Kind zählen Luxem, Kühn, und Runggaldier die Eltern gleichermaßen zu den Patienten. Daher kommt dem Rettungsdienstpersonal hier eine besondere Rolle zu, indem es Ruhe und Gelassenheit sowie fachliche als auch menschliche Kompetenz ausstrahlt.[8]

Neben den einsatzbedingten Belastungen können auch Konflikte mit Vorgesetzten sowie ungünstige Arbeitszeiten im Schichtdienst zu negativen Belastungen führen. Die genannten Beispiele verdeutlichen die enormen psychischen Belastungen, die der Alltag im Rettungsdienst mit sich bringt.

2.2.2 Arbeits- und Wegeunfälle

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) veröffentlicht regelmäßig die aktuellen Zahlen für Arbeits- und Wegeunfälle. Die abschließenden Zahlen für das Jahr 2009 lagen zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit noch nicht vor. Die folgende Tabelle 1 bildet die gesamthafte Entwicklung der Unfälle im Bereich der gewerblichen Wirtschaft sowie der öffentlichen Hand ab. Grundsätzlich findet eine Unterscheidung zwischen meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfällen statt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Arbeits- und Wegeunfälle.

Quelle: Vgl. DGUV, URL: http://www.dguv.de/inhalt/zahlen/broschueren/index.jsp [(11.07.2010), eigene Darstellung].

Die Tabelle stellt einerseits die Entwicklung der meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle der vergangenen drei Jahre dar, andererseits auch die absoluten Zahlen sowie deren Veränderung in Prozent. Die absolute Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist im Jahre 2008 mit 971.620 relativ stabil geblieben und unterliegt lediglich einer leichten Steigerung von 1,24 %. Die meldepflichtigen Wegeunfälle zeigen im Drei-Jahres-Rückblick deutliche Schwankungen. Die für 2008 gemeldete absolute Zahl von 176.608 Unfällen bedeutet eine Steigerung gegenüber 2007 um 5,71 %. Erfahrungsgemäß kommt es bei den Wegeunfällen häufiger zu größeren Schwankungen, die meist in Abhängigkeit zum Wetter stehen. Längere und stärkere Winter erhöhen in der Regel die Anzahl der Verkehrsunfälle, sowohl mit Kraftfahrzeugen, als auch mit Fahrrädern oder bei Fußgängern.

2.2.3 Verletzungsarten bei Arbeits- und Wegeunfällen

Bei den Verletzungsarten wird nach Körperteil unterschieden. Die folgende Abbildung 3 zeigt eine Aufstellung der am häufigsten betroffenen Körperteile im Bereich Gesundheitsdienst der öffentlichen Hand.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verteilung der Unfälle nach verletztem Körperteil.

Quelle: DGUV, URL: http://www.dguv.de/inhalt/zahlen/documents/arbeit08_Internet.pdf , (11.07.2010).

Die Abbildung verdeutlicht die Schwerpunkte der verletzten Körperbereiche. Allen voran liegen die allgemeinen Handverletzungen an erster Stelle, dicht gefolgt von den allgemeinen Fußverletzungen. Kniegelenks- und Kopfverletzungen bilden das Mittelfeld der Übersicht. Hals- bzw. Wirbelsäulenverletzungen liegen dagegen lediglich im mittleren Durchschnitt der Statistik. Dabei ist festzustellen, dass das Risiko, einen Arbeitsunfall zu erleiden, hier sogar kleiner ist als die Gefahr eines Wegeunfalles.

Die Nadelstichverletzungen zählen hauptsächlich zur Gruppe der allgemeinen Handverletzungen, wobei auch andere Körperteile betroffen sein können. Zu diesem Thema ergänzen Brokmann und Rossaint: „Die häufigsten Arbeitsunfälle im medizinischen Bereich sind Nadelstichverletzungen, vor allen Dingen durch Zurückstecken einer Kanüle in die Hülle, dem sog. >> recapping<<“.[9]

Hierbei steht jedoch primär nicht die Verletzung als solche im Vordergrund, sondern vielmehr die Gefahr einer Infektion bzw. die einer Ansteckung, worauf der Autor im folgenden Punkt näher eingehen wird.

[...]


[1] Vgl. ec.europa, URL: http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=502&langId=de (10.07.2010).

[2] Vgl. Gebhardt, Klußmann, Maßbeck, Topp, Steinberg, 2006, S. 9.

[3] Deutsches Rotes Kreuz, URL: http://www.drk-mettmann.de/erkrath/Krankentransportdienst.htm (10.07.2010).

[4] Vgl. Gesetzte-im-Internet: URL: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/rettassg/gesamt.pdf (10.07.2010).

[5] Vgl. Gebhardt, Klußmann, Maßbeck, Topp, Steinberg, 2006, S. 59f.

[6] Vgl. ergo-online, URL: http://www.ergo-online.de/site.aspx?url=html/gesundheitsvorsorge/psychische_belastungen_stress/psychische_belastungen.htm (12.07.2010)

[7] Vgl. Gebhardt, Klußmann, Maßbeck, Topp, Steinberg, 2006, S. 62.

[8] Vgl. Luxem, Kühn, Runggaldier, 2010, S. 402.

[9] Brokmann, Rossaint, 2008, S.45.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Gesundheitliche Risiken im Rettungsdienst
Untertitel
Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Kontext des demographischen Wandels
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V155167
ISBN (eBook)
9783640685189
ISBN (Buch)
9783640685455
Dateigröße
1738 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsförderung, Prävention, Gesundheitsmanagement, Public Health, Rettungsdienst, Gesundheitsdienst, Rettungssanitäter, Rettungsassistent, WHO, Gesundheitswissenschaften, Demographische Entwicklung, Wirbelsäule, Bandscheiben, Physische Belastung, Psychische Belastung, Muskel Skelett System, Burn out, Berufskrankheit, Gesundheitswesen, Arbeitsorganisation, Infektion, Gesundheitsschutz, Posttraumatische Belastungsstörung
Arbeit zitieren
MSc Christian Bonack (Autor), 2010, Gesundheitliche Risiken im Rettungsdienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155167

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