Die Ritterfiguren in Konrad von Würzburgs Herzmaere und Heinrich von Kempten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Märe - Begriffsdefinition

3. Die Figur des Ritters in Literatur und Realität

4. Das Herzmaere
4.1 Funktion des Hauptcharakters
4.2 Der ,,minne-Ritter“

5. Heinrich von Kempten
5.2 Funktion des Hauptcharakters
5.3 Der feudale Ritter

6. Schlussteil

1. Einleitung

Der Autor Konrad von Würzburg, dessen Darstellungen des Rittertums in dieser Arbeit interpretiert werden sollen, gilt als klassischer Autor der deutschen Literaturgeschichte von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in das 15. Jahrhundert hinein. Denn kein anderer Autor dieser Zeit hat ein „quantitativ derart umfangreiches und gattungsmäßig so breites und differenziertes Œvre“[1] hinterlassen. Zu seinen zahlreichen Dichtungen zählen Leichs, Sangsprüche und Lieder. Zudem war von Würzburg ein gefragter Berufsdichter zahlreicher Lied-, Lob- und Erzähldichtungen, erkennbar daran, dass seine Auftraggeber oftmals entweder im Epilog oder im Prolog genannt waren. Zu seinen Auftraggebern zählten unter anderem Grafen und Dompropste.

Trotz der damit gezwungenermaßen gesteuerten Auswahl der Gattung und der Themenstellungen war auch der Erfolg seiner Verserzählungen sehr groß. So sind noch heute bis zu elfHandschriften erhalten geblieben, denen Konrad von Würzburg nachweislich als Autor zugeordnet werden kann.

Für die Interpretation von literarischen Darstellungen des mittelalterlichen Rittertums, wie sie in dieser Arbeit vorgenommen werden sollen, ist von Würzburgjedoch nicht nur wegen seiner Popularität geeignet. Vielmehr ist es seine „elegische Sehnsucht nach der vergangenen, ritterlich-höfisch bestimmten Welt“[2], die in seinen zum Teil thematisch höchst individuell geprägtenVerserzählungen deutlich hervortritt. Und obwohl ihm bewusst war, dass seine persönliche Idealwelt der Staufischen Klassik politisch, gesellschaftlich und künstlerisch nicht mehr realisierbar war, versuchte er auch seinen bürgerlichen Lesern hövescheit als verpflichtende Aufgabe vorzustellen.[3]

Diese starke persönliche Affinität und Hinwendung zum Ritterlichen ist es daher, die seine Dichtungen als Basis für eine Interpretation des Ritterbildes im Mittelalter prädestinieren.

Da die beiden Mären Heinrich von Kempten und Das Herzmaere sowohl typische Auftragsarbeiten als auch typische Zeugnisse der Affinität von Würzburgs zum Rittertum sind, wurden sie für diese Arbeit zur Interpretation der Ritterdarstellungen von Würzburgs ausgewählt.

Zur Interpretation des literarischen Ritterbegriffs von Würzburgs wird in dieser Arbeit zunächst kurz auf die Gattung seiner hier verwendeten Dichtungen eingegangen.

Um die literarische Darstellung des Rittertums einordnen zu können, wird anschließend die Bedeutung und Entwicklung des Ritterbegriffs untersucht und die Unterschiede zwischen der historischen Ritterfigur und dem literarischen Charakter kurz skizziert.

Im Hauptteil der Arbeit wird schließlich das Thema Ritterlichkeit anhand der Ritterfiguren derjeweiligen Märe von Würzburgs systematisch ausgearbeitet.

Die Intention dieser Arbeit ist es somit, die Hauptcharaktere von Konrad von Würzburgs zwei (von drei) Mären Heinrich von Kempten und Das Herzmaere zu untersuchen und ihre spezifischen Rollen als Ritterfiguren herauszuarbeiten und in den historischen Kontext des Ritterbegriffs einzuordnen.

2. Märe

Die in dieser Arbeit behandelten Texte von Konrad von Würzburg Das Herzmaere und Heinrich von Kempten bilden zusammen mit dem Schwanritter eine Gruppe von Texten, die zu den „frühen Vertretern einer iml4. und 15. Jahrhundert dann sehr verbreiteten kleinepischen Untergattung gehören, des so genannten Märe“.[4]

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Märe ist 'Kunde' oder 'Bericht'. Die vorwiegend kurzen Verserzählungen haben eine belehrende Funktion. Die Hauptfiguren, die auch meistens als Ritter betitelt wurden, beweisen in unterschiedlichsten Situationen Mut, Stärke, Standhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Treue und sollen somit exemplarisch als tugendhafte Vorbilder für die Leser dienen.

Das meist individuell motivierte Verhalten der handelnden Personen ist in einen Rahmen verschiedener gesellschaftlicher Zwänge eingebunden.[5] Die Spannung dieser Texte entfaltet sich dann an der Frage, welche Entscheidungen die Protagonisten unter diesen Umständen zu treffen fähig sind. Das dann folgende, oftmals originelle Agieren der Ritter wird entweder schon im Prolog oder abschließend im Epilog vom Autor kommentiert und resümiert. Das tugendhafte Verhalten des 'Helden' wird als beispielhaftes Benehmen vorgeführt und die Musterhaftigkeit hervorgehoben.

Daran lässt sich erkennen, dass Mären fär die Leser eine beispielgebende Funktion zur Darstellung eines allgemein gesellschaftlich erwünschten Wohlverhaltens besaßen. Dieser Funktion gerecht zu werden, verlangt vom Autorjedoch eine möglichst plastische, vom Leser in seiner Alltagswelt nachvollziehbare Beschreibung des Ritterlichen. Der im nächsten Kapitel vorgenommene Vergleich der in den Mären dargestellten Ritter mit der historischen Figur des Ritters erscheint daher interessant.

3. Die Figur des Ritters in Literatur und Realität

Der historische, mittelalterliche Ritter war ein berittener und gepanzerter Angehöriger des Berufskriegerstands. Das Wort Ritter wurde vom althochdeutschenVerb riten abgeleitet, der erste Wortsinn war tatsächlich Reiter. Im Mittellateinischen wurde das Wort Ritter in miles[6] übertragen und engte den Wortbegriff insofern ein, als dass es sich dabei um einen berittenen Krieger handelte.[7]

Auslöser und für die Entstehung und Kultivierung des Rittertums und Blütezeit zugleich waren die Kreuzzüge. Dazu gehören unter anderem die Kreuzzüge der Könige Friedrich I. und Heinrich VI.[8] Die Motive der Kreuzzüge waren vorgeblich moralisch-ethisch-religiöser Natur, vor allem aber ging es um die Bekehrung der Ungläubigen, der Kampf gegen das Heidentum, denn „Heide ist, und kann nur sein, des Teufels“.[9] Diese starke religiös-ethische Intendierung übertrug und fokussierte sich auf die Rolle und das Selbstbild des Ritters, der verpflichtet war, den Glauben und die Kirche zu schützen. „Beim Rittertum handelt es sich um ein Amt“.[10]

Während zunächst nur der per Status untadelige Adel den Ritterschlag erhielt, konnten im Laufe der Jahrhunderte nicht nur adelige Grundherren sondern auch die unfreien Ministerialen Ritter werden.

[...]


[1] vgl. Brandt, Rüdiger: Konrad von Würzburg. Kleinere epische Werke.Berlin: Erich Schmidt, 2000 S. 9

[2] Röllecke, Heinz: Konrad von Würzburg: Heinrich von Kempten; Der Welt Lohn; Das Herzmaere. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Stuttgart: Phillip Reclamjun., 1968, S.151

[3] vgl. Röllecke, 1968, S.151f

[4] vgl. Brandt, 2000, S. 10

[5] vgl. Fischer, Hubertus; Volker, Paul-Gerhard: Konrad von Würzburg: >Heinrich von Kempten< Individuum und feudale Anarchie, in: Richter, Dieter (Hrsg.): Literaturwissenschaft und Sozialwissenschaft 5. Literatur im Feudalismus. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung. 1975, S. 83

[6] Soldat

[7] vgl. Reitzenstein, Alexander von: Rittertum und Ritterschaft. München: Prestel. 1972, S. 9

[8] vgl. Reitzenstein, 1972, S. 13

[9] Reitzenstein, 1972, S. 13

[10] Paravicini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters. München: R. Oldenbourg Verlag. 1994. S. 3

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Ritterfiguren in Konrad von Würzburgs Herzmaere und Heinrich von Kempten
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Minne und Freundschaft in den Erzählwelten Konrads von Würzburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V155262
ISBN (eBook)
9783640677337
ISBN (Buch)
9783640677214
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ritterfiguren, Konrad, Würzburgs, Herzmaere, Heinrich, Kempten
Arbeit zitieren
Olga Glinski (Autor), 2007, Die Ritterfiguren in Konrad von Würzburgs Herzmaere und Heinrich von Kempten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155262

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