Ringen und Raufen im Sportunterricht. Soziales Lernen in einer 4. Klasse


Projektarbeit, 2009

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. THEMENBEGRÜNDUNG
1.1. Das Thema
1.2. Das Thema und die Klasse
1.3. Das Thema und ich
1.4. Das Thema und der Bildungsplan

2. PLANUNG
2.1. Kontaktspiele
2.2. Gleichgewicht
2.3. Ziehen und Drücken
2.4. Um Gegenstände kämpfen
2.5. Expertenbesuch
2.6. Gruppenkämpfe
2.7. Rückblick

3. GESAMTREFLEXION DES PROJEKTS

4. LITERATURVERZEICHNIS

5. ANHANG .
5.1. Spielbeschreibungen

1. THEMENBEGRÜNDUNG

1.1. Das Thema

Ringen ist ein Kraft- und Kampfsport mit Ganzköpereinsatz, der zu den ältesten Sportarten zählt und der in allen Zeiten von allen Kulturen aktiv betrieben wurde. Heute wird Ringen in zwei Stilrichtungen ausgeübt, dem Freistil und dem griechisch-römischen Stil. Ziel ist es, den Gegner mit beiden Schulterblättern auf die Matte zu drücken.

Neben den motorischen Eigenschaften, die beim Ringen in einem ausgewogenen Maß geschult werden, wird das Herz-Kreislaufsystem besonders gut trainiert. Unter pädagogischen Gesichtspunkten dient es der Entwicklung von Fairness, Achtung vor dem Gegner und kanalisiertem Abreagieren von Aggressionen. Durch gezielte Übungen entwickelt Ringen in besonderem Maß eine realistische Selbsteinschätzung, Selbstdisziplin und Selbstsicherheit.

1.2. Das Thema und die Klasse

Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 unterrichte ich das Fach Sport mit zwei Wochenstunden in der Klasse 4c der X Schule in Y. In die Klasse gehen 9 Mädchen und 6 Jungen, die sehr lebhaft sind und häufig Konflikte untereinander austragen. Wöchentlich findet eine der beiden Stunden mit einer jahrgangsgemischten (3./4. Klasse) Außenklasse der V Schule statt, wodurch die Klassengröße einmal in der Woche 25 Kinder umfasst. In diese Kooperationsklasse (Koop-Klasse) gehen 4 Mädchen und 6 Jungen, die mit dem Ziel der Eingliederung in Regelschulklassen eine solche Förderklasse besuchen. Die gemischten Sportstunden werden zudem mit der Klassenlehrerin der Außenklasse im Teamteaching gehalten.

Die wöchentlich gemischte Sportstunde traf zu Beginn des Schuljahres bei der Klasse 4c auf große Gegenwehr, die sich in den gemeinsamen Sportstunden in häufigen Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten untereinander ausdrückte. Gruppenspiele und damit gemischte Gruppen führten bei den Schülerinnen und Schülern zu Schwierigkeiten. Diesen Antipathien und negativen Stimmungen wollte und musste ich im Unterricht begegnen und sie aufgreifen, da ich sonst Schwierigkeiten haben würde, die gemischte Sportstunde auch weiterhin angemessen zu gestalten. Das Thema war meines Erachtens sehr für dieses Ziel geeignet.

Ein weiterer Grund für die Themenwahl ist, dass ich in Hofpausen häufig Rangeleien und Kämpfe beobachtet hatte. Besonders die Jungen waren häufig beim gegenseitigen, spielerischen Kräftemessen anzutreffen. Viele erklärten mir, dass sie bestimmte Griffe und Bewegungen von bekannten Showkämpfern, so genannten Wrestlern oder Catchern, imitierten und ausprobierten. Über Gefahren oder Regeln machten sie sich keine Gedanken und nicht selten kam ein weinendes Kind zur Pausenaufsicht und beschwerte sich, dass es beim Ringen und Rangeln verletzt wurde. Ich wollte durch das Thema „Ringen und Raufen“ die Schülerinnen und Schüler für ein bewusstes Einsetzen und Wahrnehmen von Kräften, sowie deren Auswirkungen auf das jeweilige Gegenüber sensibilisieren und so den Hofprügeleien im Schulalltag einen fairen Kampf entgegensetzen, der von Respekt und Rücksichtnahme geprägt ist. Zudem wollte ich den Kindern eine Möglichkeit bieten, die Einhaltung von festgelegten Grenzen und Regeln einzuüben.

1.3. Das Thema und ich

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema „Kämpfen“ habe ich in meiner Schulzeit gesammelt. Ein engagierter Referendar hatte damals eine Kampfsport- AG initiiert, in der er hauptsächlich die brasilianische Kampfart „Capoeira“ lehrte, uns Schüler aber auch über die Grenzen auf andere Kampfsportarten blicken ließ. Mit großer Begeisterung gingen wir damals in diese AG und genossen es, diese dem Sportunterricht fremden Sportarten ausprobieren zu dürfen und unsere Kräfte „legal“ messen zu können.

Zu Beginn meiner Vorbereitungszeit kam ich dann wieder mit Kampfsportarten in Form des Ringens in Kontakt. In meinem Nachbarort Z ging ich spontan zu einem Kampftag der 2. Bundesliga und erlebte dort eine sehr spannende und mitreißende Kampfdarbietung, die sehr strengen Regeln folgt. Beeindruckend war nach allen Kämpfen, dass alle Ringer sich noch einmal mit ihrem Rivalen auf der Matte trafen, um über ihren Kampf zu sprechen. Diese Tradition diente der Fairness und der Reflexion des Kampfes, wie mir später erklärt wurde. Meine Idee war es nach diesem Abend und nach der Hospitation in einer Stunde, in der es um Ringen und Raufen ging, selbst eine projektorientierte Unterrichtseinheit über das Kämpfen durchzuführen mit dem Ziel, soziale und personale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

1.4. Das Thema und der Bildungsplan

Im Folgenden beziehe ich mich auf den aktuellen Bildungsplan und weise auf wichtige soziale, personale und fachliche Kompetenzen hin, die durch das Ringenund Raufenprojekt gefördert werden:

Schüler/innen können...

- ...ihre Kräfte beim kontrollierten Raufen und Kämpfen messen. (S. 115)
- ...mit einem Partner oder der Gruppe kooperieren. (S. 17)
- ...sich an abgemachte Regeln halten.
- ...erkennen Grenzen des Gegenübers an und halten diese ein.
- ...am Gegenüber ihre eigene Geschicklichkeit und Stärke kennen lernen und eigene Grenzen überschreiten.
- ...ihren sicheren Stand auf dem Boden gegen einwirkende Kräfte standhalten.
- ...mit dem Partner und der Gruppe ihre Erfahrungen austauschen und hilfreiche Tipps und Tricks an die anderen weitergeben. (S. 113)
- ...sich an Gesprächen über Stärke und Schwäche, Technik und Taktik beteiligen. (S. 112)
- ...motorisch geschickter, kräftiger und schlagfertiger werden.
- ...die Sportart „Ringen“ und ihre verschiedenen Ausprägungen (Freistil, griechisch-römisch) kennen lernen.
- ...Vertrauen und Wahrnehmung zu ihrem Körper und ihren Fähigkeiten ausbilden und stärken.
- ...etwas riskieren und wagen lernen.
- ...das Gelernte in ihren Alltag transferieren.

2. PLANUNG

Da es nach mehreren Gesprächen mit der Klassenlehrerin nicht möglich war, das Projekt in wenigen Tagen durchzuführen, musste ich mich an den vorhandenen Stunden orientieren. Insgesamt hatte ich also 14 Stunden zur Verfügung, 7 Stunden davon würden mit der Koop-Klasse statt finden.

In einem Text über Projektunterricht von Anja Fabian, den ich im Wissensmanagement der Lernplattform „moodle“ fand, wurden bestimmte Unterrichtsmethoden genannt, die Elemente des Projektunterrichts sind und mir projektorientierten Unterricht auch in den Regelstunden ermöglichte:

„Die Abgrenzung zu anderen Unterrichtsmethoden, wie beispielsweise Entdeckendes Lernen, Offener Unterricht oder Handlungsorientierter Unterricht ist nicht klar zu erkennen. Doch dies liegt wahrscheinlich daran, dass diese Unterrichtsformen, genauso wie der Fächerübergreifende Unterricht und der Gruppenunterricht Elemente des Projektunterrichts sind. Daher fällt es schwer zu entscheiden, wann der Projektunterricht wirklich beginnt.“

Nachdem ich also die Klassensituation und den organisatorischen Rahmen geklärt hatte, überlegte ich mir, welche Elemente eines Projekts in diesem Unterrichtsvorhaben vorkommen sollten. Die Handlungsorientierung war durch die Thematik sicher und würde wohl ein zentraler Punkt werden. Die Schülerinnen und Schüler sollten viele Möglichkeiten haben, zu experimentieren, auszuprobieren und sich so der Thematik zu nähern und damit auseinander zu setzen. Dazu wollte ich das Thema gelenkt anbahnen und mich dabei an Gudjons orientieren:

„Vorplanung des Lehrers und Selbständigkeit der Schüler sind kein Widerspruch, wenn die Vorplanung geschmeidig genug ist, sich den Interessen der Schüler/innen anzupassen.“

Nach den ersten Stunden wollte ich evaluieren, welche Themen den Kindern besonders wichtig geworden waren und diese in offenen Gruppenarbeiten an Stationen vertiefen. Dabei war mir wichtig, dass die einzelnen Stunden einen ritualisierten Rahmen bekamen, der von den Kindern mitentwickelt werden sollte. Auch der Ablauf einer Unterrichtsstunde sollte eine feste Struktur erhalten. Zu Beginn der Stunde sollten Formen von Berührungsspielen und Aufwärmübungen stehen, die den Kindern als Einstimmung dienen sollten. Eine längere Phase der Anspannung und des Ausprobierens sollte Folgen, um danach durch Partnerübungen Entspannung zu ermöglichen. Abschluss möglichst jeder Stunde sollte eine Zeit der Reflexion sein, in der man Gelerntes besprechen und reflektieren konnte.

Als Highlight überlegte ich mir, einen Ringer einzuladen und ihn eine Stunde gestalten zu lassen. Ein Traum von mir war noch, mit der Klasse einem Bundesligakampf beizuwohnen oder an einem Training des TUS Z teilnehmen zu können.

Am Ende der Projekteinheit sollte eine Evaluierung und Reflexion stehen, die den Kindern das Erlebte und Gelernte erneut vor Augen führen sollte und Brücken zum Schulalltag schlagen sollte.

2.1. Kontaktspiele

2.1.1. Zielsetzung

Schüler kommen mit dem Thema „Ringen“ in Kontakt.

Schüler lassen sich auf Berührungen mit den Mitschülern ein.

Schüler können auf spielerische Weise ihre soziale Kompetenz erweitern. Schüler können in einer Reflexionsphase Erlebtes benennen.

2.1.2. Durchführung

Die erste Stunde fand am 3.11.2008 gemeinsam mit der Koop-Klasse statt. Ich hatte mit der Klassenlehrerin das Projektthema besprochen und geplant, dass wir die Gruppe im gemeinsamen Unterricht in zwei gemischte Gruppen teilen würden, um intensiveres Arbeiten zu ermöglichen. Während sie mit der einen Gruppe Spiele machte, wandte ich mich dem anderen Teil mit ersten Übungen zu, welche die Kinder für die Thematik des Kämpfens sensibilisieren sollten. Bei den Übungen sollte Körperkontakt angebahnt werden, da dieser in den späteren Stunden essentiell werden würde. Als Aufwärmspiel hatte ich deshalb den „Amöbengang“ gewählt, bei dem das aufeinander Acht geben und Körperkontakt zentral war. Es folgten die Spiele „Komm auf meine Seite“ und das „Keulen umwerfen“, bei denen die folgenden Themen wie Ziehen, Drücken, um Gegenstände ringen und das Gleichgewicht halten angedeutet wurden. Am Ende kamen wir als ganze Gruppe zusammen und tauschten unsere Erfahrungen aus und Dinge, die wir gelernt hatten.

2.1.3. Reflexion

In dieser ersten Stunde konnten die Kinder schon einige Schranken überwinden und sich beim „Amöbengang“ anfassen und aufeinander einlassen. Bei der Austauschrunde zu meinen Übungen sagte ein Mädchen, dass ein schwereres Kind es gegen ein leichteres Kind viel leichter habe, das Gleichgewicht zu halten und dass der ganze Körper angespannt sein müsse. Ebenso kam der Tipp von einer Schülerin, dass man stabiler stehen könne, wenn man einen Fuß nach hinten versetzen würde. So könne man das Gleichgewicht besser halten. Die Kinder waren begeistert von diesen ungewohnten Übungen und forderten weitere Übungen. Eine Entspannungsübung konnte ich wegen der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr einbringen.

2.2. Gleichgewicht

2.2.1. Zielsetzung

Schüler nehmen Gleichgewicht und Verlust des Gleichgewichts wahr. Schüler finden Wege, Gleichgewicht zu halten.

Schüler können ihren Partnern vertrauen.

2.2.2. Durchführung

Nachdem eine Stunde in der Vorwoche wegen Krankheit ausgefallen war, fand die zweite Stunde des Projekts am 10.11.2008 erneut mit der Koop-Klasse statt. Wir hatten die ganze Stunde als Großgruppe geplant, weshalb wir mit einer Variante des „Amöbengangs“ begannen, bei dem das Tier kontinuierlich wuchs, bis alle Kinder Teil einer großen Amöbe waren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ringen und Raufen im Sportunterricht. Soziales Lernen in einer 4. Klasse
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Grund- und Hauptschulen) Lörrach
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V155276
ISBN (eBook)
9783668207929
ISBN (Buch)
9783668207936
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterricht, Projekt, Sport
Arbeit zitieren
Tilman Fuchs (Autor), 2009, Ringen und Raufen im Sportunterricht. Soziales Lernen in einer 4. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155276

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ringen und Raufen im Sportunterricht. Soziales Lernen in einer 4. Klasse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden