Die Entwicklung Privater Sicherheits- und Militärunternehmen nach dem Kalten Krieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.1 Typisierung und PSMF im Einsatz
2.1.1 ^Military provider firms"
2.1.2 „Security provider firms"
2.1.3 ^Military and security consultant firms"
2.1.4 ^Military and security support firms"

3 Grunde des Aufschwungs privater Militar- und Sicherheitsunternehmen
3.1 Die geostrategische Lage nach dem Kalten Krieg
3.2 Die „neuen Kriege" als Wachstumsfaktoren der Branche
3.3 Die Privatisierungstendenzen in der Sicherheitspolitik des Westens

4 Vor- und Nachteile beim Einsatz privater Sicherheits- und Militarfirmen
4.1 Vorteile
4.2 Nachteile

5 Fazit

6 Literatur

Einleitung

Nicht erst nach den Vorfallen in Falludscha (Irak) im Marz 2004, bei denen vier Mitarbeiter der privaten Militar- und Sicherheitsfirma Blackwater (heute Xe) von Irakern getotet, ihre Leichen geschandet und offentlich zur Schau gestellt wurden, oder im September 2007, als Mitarbeiter derselben Firma 14 Zivilisten erschossen, sind private Unternehmen als Anbieter von Dienstleistungen im Sicherheitssektor offentlich erst in den Fokus und dann in die Kritik geraten. Historisch ist Soldnertum, individuell und als Unternehmensform, bereits in der Antike nachweisbar. So wird z.B. im Alten Testament (2. Samuel, 10) von der Anwerbung von Streitwagen und Reitern gegen Gold durch die Ammoniter gesprochen. In der neueren Geschichte konnen im 14. Jahrhundert die Condottieri als private Militarunternehmer fur die reichen Stadtstaaten Italiens, oder der Kaperfahrer und spatere Pirat Klaus Stortebecker, als Vertreter privatisierter Gewalt genannt werden. In beiden Beispielen ubertrugen die Souverane das Recht der Gewaltanwendung auf nichtstaatliche Akteure. Aus dieser Zeit hat sich bis in die Gegenwart die Schweizer Garde im Vatikan als Leibwache des Papstes erhalten und zeugt von der intensiven Soldneraktivitat der Schweiz im ausgehenden Mittelalter. (vgl. Troxler, 2005: 6) Der Einsatz von Soldnern ist in der G eschichte haufiger anzutreffen, als j ener von nationalstaatlichen Streitkraften. Einen B edeutungsverlust erfuhr das Soldnerwesen erst mit dem Aufkommen nationalstaatlicher Armeen ab dem 17. Jahrhundert. Dabei wurden die Soldner nie ganz verdrangt, wie beispielsweise den Baden-Wurttembergischen Landeskindern in den nordamerikanischen Kolonialkriegen des 18. und 19. Jahrhunderts, oder den Soldnerfuhrern im postkolonialen Afrika in der zweiten Halfte des 20. Jahrhunderts. Fur offentliche Emporung sorgten zum Beispiel Bob Denard mit den „Les Affreux" („die Schrecklichen"), oder der Deutsche Siegfried „Kongo" Muller. Zwar kamen seit 1960 auch die ersten privatwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen im heutigen Sinne auf dem Markt der privaten Sicherheit auf, gewannen aber erst ab 1990, mit dem Ende des Kalten Krieges, zunehmend an Bedeutung. (vgl. Binder 2004: 16)

Der Verkauf der Dienstleistung Sicherheit, oder militarischen Fahigkeiten und somit Macht ist also keineswegs neu, wenn Singer auch vom neusten Zusatz auf den modernen Schlachtfeldern in B ezug auf private Militar- und Sicherheitsunternehmen spricht. (vgl. Singer, 2001/2: 187) Dennoch sei die Expansion des Marktes fur private militarische Dienstleistungen „[...]the strongest since the 18th century." (Perlo-Freeman, 2008: 3) Der Frage, was unter privaten Militar- und Sicherheitsfirmen heute verstanden wird, wie und warum es nach dem Kalten Krieg zu ihrem immensen Bedeutungszuwachs kommen konnte und welche Probleme durch ihren Einsatz entstehen konnen, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Das Hauptaugenmerk soll hierbei auf die Arten von Firmen gelegt werden, welche direkt im Konflikt- und im Post Konflikt-Kontext aktiv werden. Formen der Auslagerung von indirekt militarischen Aufgaben im Rahmen der allgemeinen Verwaltungsreform, dem sog. „new public managment", der offentlichen Dienste in den Heimatlandern der auftraggebenden Staaten, werden nicht naher betrachtet.

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Eine Definition oder allgemein anerkannte Begriffsbestimmung zu Privaten Militar- und Sicherheitsfirmen (PSMF) im eigentlichen Sinne, gibt es in der wissenschaftlichen Literatur nicht. In der breiten Offentlichkeit scheint sich eine Definition, oder zumindest ein Verstandnis, abgeleitet aus der Definition des Soldners an sich, anzubieten. Die vermeintlich negative Belegung des Begriffes „Soldner" im Zusammenhang mit individuellem Profitstreben, ihre mangelnde Legitimation als Kombattanten, aber auch die Organisationsform der PSMF als zumeist legale Unternehmen, trafe nicht ihren Wesenskern. Des Weiteren grenzen sich die PSMF durch die groRere Bandbreite der angebotenen Dienstleistungen, dem Streben nach Maximierung des Unternehmensprofits, diversifizierter Auftraggeber und dem Auftreten unter Wettbewerbsbedingungen auf verschiedenen Markten von klassischen Soldnern ab.

Den Versuch einer Definition unternimmt P.W. Singer in seinem Beitrag Corporate Warriors: Demnach seien PSMF „[...]profit-driven organizations that trade in professional services intricately linked to warfare. They are corporate bodies that specialize in the provision of military skills-including tactical combat operations, strategic planning, intelligence gathering and analysis, operational support, troop training, and military technical assistance." (ebd.: 186) Diese Definition ist sehr weit gefasst, um dem breiten Spektrum der angebotenen Dienstleistungen Rechnung zu tragen. Dennoch schlieRt sie die wichtigsten Eigenschaften ein: Den privatwirtschaftlichen Aufbau, die Holdingstruktur, dem Streben nach Profitmaximierung und vielfach mit dem Bereich Militar und Sicherheit auf globaler Ebene vernetzt zu sein. Die meisten Unternehmen sind entweder durch ihre originar angebotenen Dienstleistungen, oder durch ihre Unternehmensstruktur als Holding uber Tochterfirmen miteinander verflochten, in verschiedenen Bereichen des Militar- und Sicherheitssektors tatig. Eine Unterteilung der PSMF erscheint daher schwierig bis wenig sinnvoll Ein Ansatz ist Singer's so genanntes „Speerspitzenmodell", in welchem er die Einteilung unterschiedlicher Typen von PSMF an ihrer N ahe zum eigentlichen Kampfgeschehen vornimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Afafai/dung i; The "Tip o/the Spear" Typo/ogy; PMFs Distinguished fay Range o/Services and Force teve/s. fSinger 200i/2; 200)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung Privater Sicherheits- und Militärunternehmen nach dem Kalten Krieg
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar Aktuelle Probleme der Sicherheitspolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V155361
ISBN (eBook)
9783640680290
ISBN (Buch)
9783640678464
Dateigröße
740 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PSMF, PSMU, Söldner, Kalter Krieg, Private Sicherheits- und Militärunternehmen, Privatisierung, Sicherheitspolitik
Arbeit zitieren
Sebastian Reuther (Autor), 2010, Die Entwicklung Privater Sicherheits- und Militärunternehmen nach dem Kalten Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155361

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