Das "entartete" Werk Rudolf Bellings. Die Plastik "Max Schmeling"


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biographisches

2. Der Arbeitsrat für Kunst und die Novembergruppe

3. Die “entarteten” Werke Bellings
3.1 Der Dreiklang
3.2 Der Kopf in Messing

4. Die Plastik “Max Schmeling”

5. Abbildungen

6. Literatur


1. Biographisches

Rudolf Belling wurde am 26. August 1886 in Berlin als Sohn des Kaufmanns Ernst J. Belling und dessen Ehefrau Helene geboren.[1] Mit 16 Jahren begann er eine kaufmännische Lehre, die er aber nach kurzer Zeit wieder abbrach. Nachdem er einige Jahre in verschiedenen Berufen tätig war, beschloss er 1905 eine Lehre als Modelleur, Kleinplastiker und Kunstgewerbler zu absolvieren, die er 1907 auch mit Erfolg beendete. Hier erlangte er die Grundlagen für sein späteres Schaffen, welche u.a. Gießen, Ätzen, Gravieren, Feinpolieren und Montage waren. Durch seine Arbeit in einem kleinen Unternehmen für dekorative Metallarbeiten kam er auch in Berührung mit dem Jugendstildekor, was vor allem seinen Sinn für das Stilisieren von Kunstwerken schärfte und in seinem gesamten Werk zum Ausdruck kommt.[2]

1908 machte er sich schließlich mit einem Kollegen selbstständig und eröffnete ein eigenes Atelier. Er arbeitete ab jetzt vor allem für Berliner Theater, die für ihre Bühne große, besonders plastische Kulissen benötigten. Belling bediente sich hierzu der Kaschiertechnik, die es erlaubte, aus nicht-dauerhaften Materialien wie Leinwand, Gips, Pappe und Papier, die vermischt mit Wasser über Gestelle aus Draht, Holz oder Eisen gewickelt wurden, Karyatiden, stilisierte Bäume und auch Statuen herzustellen.[3] Aufgrund der Beschäftigung mit dem additiven Verfahren in diesen zum Teil gewaltigen Dimensionen kann man Belling bereits früh eine Bevorzugung der Großplastik zuschreiben.

Durch den Regisseur Max Reinhardt, der zu dieser Zeit das Deutsche Theater in Berlin leitete, lernte Belling den Maler Ernst Stern kennen, dessen Berater in Ausstattungsfragen. Stern bemalte drei Komikerfigurinen, die Belling für das Stück “Turandot”, das 1914 im Deutschen Theater aufgeführt wurde, geschaffen hatte.[4] Die Figuren waren “streng stilisiert und bizarr bewegt”.[5] Noch in der “Tänzerin” von 1916, ja sogar im “Dreiklang” von 1919 klingen Bellings Anfänge plastischen Gestaltens mit derartigen Figurinen nach, die die Welt des Theaters und des Tanzes verkörpern, die ihm Zeit seines Lebens beschäftigte. 1911 nimmt Peter Breuer Belling als Meisterschüler auf und überlässt ihm bis 1922 ein eigenes Schüleratelier an der Kunstakademie Berlin-Charlottenburg.[6] In dieser Zeit entstehen einige von Bellings bekanntesten Werken, die stilistisch vom Expressionismus über die Abstraktion, den Dadaismus, Futurismus, Kubismus und Konstruktivismus bis zur Art déco bzw. Naturalismus reichen. Er nimmt dabei zwar Anleihen bei Werken seiner Bildhauerkollegen, wandelt diese aber zu einem eigenständigen Stil um.

Er ist Mitbegründer der Novembergruppe im Jahre 1918, die es sich als “Vereinigung der radikalen Bildenden Künstler”[7] zur Aufgabe gemacht hat, alle Künste zu einer einzigen zu vereinen, wobei die Architektur als die wichtigste Gattung der Malerei und Bildhauerei vorangestellt ist. Innerhalb der nächsten Jahre arbeitet Belling dann auch vorrangig mit Architekten zusammen, so bei der Ausstattung der Villa Gurlitt 1918 und des Scala-Tanzcasinos 1920, beide Male mit seinem Künstlerkollegen Würzbach.[8] Zwischen diesen beiden Aufträgen entsteht im Akademieatelier im Jahre 1918 sein Hauptwerk, der “Dreiklang”, der durch den Titel Bezug zum Ziel der Novembergruppe nimmt, alle drei Kunstgattungen “zusammenklingen” zu lassen. Auch der Bezug zum Dreiklang in der Musik wird sofort mit dem Titel assoziiert, die Skulptur war auch ursprünglich als sechs Meter hoher Musikpavillon gedacht.[9]

Im Jahre 1931 wurde Rudolf Belling zusammen mit anderen Kollegen zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin berufen.[10] 1935 erhielt er eine Einladung nach New York, unterrichtete dort an einer Privatschule und bekam eine Einzelausstellung im Rockefeller Center. Im Jahr darauf unterschrieb er einen Vertrag mit der türkischen Regierung, die ihn zum Leiter und Professor der Bildhauerabteilung der Kunstakademie Istanbul berief. Er blieb bis 1966 in der Türkei. In der Zwischenzeit war er in Deutschland unter den Nationalsozialisten als “Entarteter” diffamiert worden, seine Werke wurden aus den Museen entfernt, zum teil auch vernichtet, zwei davon, der “Dreiklang” und der “Kopf in Messing” wurden 1937 in der Münchner Ausstellung “Entartete Kunst” gezeigt. Im selbem Jahr tritt Belling auch per Telegram aus der Preußischen Akademie der Künste aus. Nach dem Krieg wird ihm von Bundespräsident Theodor Heuss das Große Bundesverdienstkreuz verliehen und er wird wieder zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt.[11] Es folgen mehrere Einzelausstellung in Deutschland und der Türkei, bis Belling schließlich im Januar 1966 endgültig nach Deutschland zurückkehrt und 1972 in Krailling bei München stirbt.[12]

2. Der Arbeitsrat für Kunst und die Novembergruppe

Im November 1918, dem selben Monat, in dem auch die Republik in Deutschland ausgerufen wurde, wurde in Berlin der Arbeitsrat für Kunst gegründet. Die Idee einer solchen Vereinigung kam aus Russland, wo es bereits zur Zeit der ersten Revolution 1905 sogenannte “Sowjets”, d.h. Räte gab, die als Vertreter der unteren Schichten (Bauern, Arbeiter und Soldaten) die politische und wirtschaftliche Macht innehatten. Lenin übernahm diese Idee für die zweite russische Revolution von 1917 unter der Parole “Alle Macht den Räten”. Auch in Deutschland entstanden zu dieser Zeit solche Räte, die aber nach der Entscheidung für eine National- und keine Räteversammlung kaum noch politische Bedeutung hatten.[13]

Der Arbeitsrat für Kunst folgte dem revolutionären Gedanken, allerdings beschränkte er seinen Einflussbereich auf die Bereiche der Kunst. Seine Maximen waren ein Neubeginn des Kunstschaffens frei von staatlicher Bevormundung und akademischen Traditionen, der Wunsch einer Einwirkung der Kunst auf die Gesellschaft und die Vereinigung aller Gattungen der Kunst.[14] Er bestand aus drei Gruppen: dem Arbeitsausschuss, der Arbeitsgemeinschaft Berliner Künstler, der auch Belling angehörte und einer Gruppe einheimischer und auswärtiger Freunde, zu denen unter anderem Ernst Cassirer gehörte.[15]

Rudolf Belling kam wohl durch César Klein, mit dem er seit 1918 zusammenarbeitete, in diesen Kreis, was ihm wichtige Anregungen und neue Gedanken für seine Werke einbrachte. Er engagierte sich ebenfalls in der am 3. Dezember 1918 gegründeten Novembergruppe, die sich als “Vereinigung aller radikaler bildender Künstler” ähnlich wie der Arbeitsrat für Kunst für die Vereinigung aller Künste aussprach, wobei die Architektur eine Schlüsselrolle einnahm.[16]

[...]


[1] Wolfgang Ketterer, Rudolf Belling. Ausstellungskatalog, München 1967, S.1. Dort ein ausführlicher Lebenslauf des Künstlers.

[2] Ketterer, S.4

[3] Siehe Fußnote 2

[4] Diese Figurinen werden im Katalog der Großen Berliner Kunstausstellung vom Mai 1914 aufgeführt, ein Nachweis der ersten Beteiligung Bellings an einer Ausstellung. Ketterer, S.5

[5] Ketterer, S.5

[6] Ketterer, S.1

[7] Will Grohmann, Kunst der Zeit (Zeitschrift für Kunst und Literatur) Sonderheft: 10 Jahre Novembergruppe, Berlin 1928, S.11: Richtlinien der „Novembergruppe“ vom Januar 1919.

[8] Ketterer, S.1

[9] Christian Tümpel (Hg.), Deutsche Bildhauer 1900-1945. Entartet. Ausstellungskatalog. Nimwegen, 1991/1992, S.133

[10] Ketterer, S.2

[11] Ketterer, S.2

[12] Tümpel, S.203

[13] Winfried Nerdinger, Rudolf Belling, Berlin 1981, S.21

[14] Nerdinger, S.21

[15] Nerdinger, S.22

[16] Will Grohmann, Zehn Jahre Novembergruppe, in: Kunst der Zeit, Berlin (?) 1928, S.11

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das "entartete" Werk Rudolf Bellings. Die Plastik "Max Schmeling"
Hochschule
Universität Hamburg  (Kunstgeschichtliches Seminar)
Veranstaltung
Seminar Entartete Kunst
Note
2,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V155458
ISBN (eBook)
9783668755666
ISBN (Buch)
9783668755673
Dateigröße
1338 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skulptur, Entartete Kunst, Belling, Dreiklang
Arbeit zitieren
Isabelle Schütz (Autor:in), 2007, Das "entartete" Werk Rudolf Bellings. Die Plastik "Max Schmeling", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155458

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