Religionstransfer in der Antike – aus der Perspektive Indiens


Seminararbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gymnosophisten der Alexander-Historiker

3. Bedeutung der Gymnosophisten für die antike Welt und die späte Information

4. Alexander der Große im Gespräch mit den Gymnosophisten

5. Schlussbemerkungen und Diskussion

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ganz wesentlich hat Alexander der Große dazu beigetragen die Religion der Inder in die antike Mittelmeerwelt zu tragen. Allgemein kann man das Indienbild in der Antike in zwei Teile gliedern: vor und nach dem Alexanderzug. Vor dem Alexanderzug waren die Informationen und Kontakte über Indien sehr spärlich. Ab dem 4.Jht BC rückte aber Indien mehr und mehr in den Horizont der Griechen. Leute reisten nach Indien und lebten auch dort und in römischer Zeit entwickelte sich der Indienhandel intensiv. In Griechenland wurde Indien erst im späten 6.JhtBC durch Skylax bekannt, der im Auftrag des Perserkönigs Dareios I den NW des Landes besuchte1. Zunächst kursierten viele Wundergeschichten vom Ende der Welt2. Indien war Teil der Sagenweltethnografie und seine geografische Lage unklar3 und wurde oft mit Äthiopien verwechselt. Herodot berichtete bereits über Sitten und Gebräuchen und kannte auch Asketen. Er schrieb die asketische Lebensweise einem ganzen Stamm zu. „Es wird kein Lebewesen getötet, man bebaut auch nicht den Acker und hat keine Häuser, sondern lebt von Gras4“. Es blieb aber das Bild um Indien eher dunkel und änderte sich erst mit dem Alexanderzug nach Indien. Bei seinem Feldzug begleiteten Alexander auch Landvermesser, Wissenschaftler, Historiker und Philosophen, wie Kallisthenes der Neffe des Aristoteles oder Pyrrhon der Gründer der skeptischen Schule5.

In Taxila begegneten Alexanders Leute und wahrscheinlich auch er selbst6 indischen Heiligen, die im Westen als Gymnosophisten oder nackte Weise berühmt werden sollten7.

2. Die Gymnosophisten der Alexander-Historiker

Nachrichten über die Asketen, auf die Alexander und seine Begleiter bei taxila trafen, finden sich bei Nearchos, Aristoboulos und Onesikritos, sowie in einem Papyrus, der auf etwa 100 BC datiert8.

Wissenschaften. Philosophisch Historische Klasse (1923), 150-183.

Sämtliche Fragmente sind auch bei Plutarch, Arrian und Strabon zusammengefasst9.

Onesikritos erzählt, er sei von Alexander, der von den berühmten Asketen erfahren hatte, zu diesen geschickt worden, um ihre Weisheit zu hören und ihm davon zu berichten. Nach Arrian hat Alexander selbst die Gymnosophisten auf einer Wiese angetroffen und sie zu überreden versucht, mit ihm zu ziehen. Onesikritos traf die Asketen vor der Stadt an. Sie waren nackt und verharrten in verschiedenen asketischen Stellungen. Zwei der Asketen wurden ihm auch namentlich bekannt, nämlich Kalanos und Dandamis. Diese wurden mittels Dolmetscher befragt. Dadurch erfuhr er etwas über die Zeitlehre und das Ziel der Asketen. Für sie waren die obersten Ziele ihres Daseins folgende:

- die Leidenschaften zu unterdrücken
- die Seele von Lust und Schmerz und vom Körper zu befreien

Außerdem beschäftigten sie sich mit der Natur und der Heilkunst und ernährten sich von den Gaben frommer Menschen. Einzelheiten über die Lehre konnte Onesikritos aufgrund der Sprachbarrieren nicht in Erfahrung bringen. Onesikritos konnte Kalanos überreden Alexander zu begleiten10. Kalanos erkrankte später in Persien und verbrannte sich selbst. Dies war eine Sensation, sollte sich aber nach den Quellen mit einem indischen Gesandten, ein Brahmane, der später auf dem Weg zu Kaiser Augustus war und sich in Athen verbrannte wiederholen. Der Name des Brahmanen war Zarmanochegas, und lässt sich aus dem Sanskrit übersetzen als shramanakarya – „Lehrer des Shramana“11.

Ein weiterer Teilnehmer des Alexanderzuges, Aristobulos, sah in Taxila zwei Brahmanen. Einen älteren mit geschorenem Kopf und einen jüngeren mit langen Haaren. Diese scharten Schüler um sich. Alexander lud beide zu sich an seine Tafel, wo sie zum Vergnügen der Gesellschaft verschiedene asketische Übungen vorführten. Der ältere blieb beim König und gab die asketische Lebensweise auf12.

Nearchos unterschied zwischen Brahmanen und Asketen. Die Brahmanen beschrieb er als Berater der Könige und an der Staatsverwaltung beteiligt. Die Asketen beschäftigen sich mit der Natur. Die Lebensart beider sei hart.

Ausführlich widmete sich Megasthenes den indischen Asketen. Das leider nur in Fragmenten erhaltene Werk enthält enthielt Beschreibungen zu Land und Leuten, zur Religion, zur Gesellschaft und zum Staat der Maurya. Megasthens Werk wird von den meisten Wissenschaftlern als die glaubwürdigste Quelle betrachtet. Auch Megasthenes kannte die Geschichte des Onesikritos und die beiden Gymnosophisten Kalanos und Dandamis. Von Kalanos erzählt er, dass ihn die anderen Weisen als Abtrünnigen beschimpften, der sich die „Rechtgläubigkeit“ nicht bewahrt hatte. Er sei an den Tischen Alexanders zum Sklaven geworden und seine Selbstverbrennung entspach nicht den Lehrsätzen der Gymnosophisten13. Da Megasthenes sich in Pataliputra aufhielt, lässt die Kritik an Kalanos möglicherweise Unterschiede annehmen, da die Brahmanen in den verschiedenen Landesteilen unterschiedliche orthodoxe Lehransätze hatten. Dies zeigt wie heterogen die hinduistische Religiosität in Wirklichkeit damals schon war.

Megasthenes berichtet aber noch genauer über die Gymnosophisten. Er unterscheidet zwischen Brahmanen und Sarmanen (Sa.qa.e., sanskr. Shramana). Bei den Sarmanen handelt es sich um Asketen und es stand jedem frei, egal welchem Stand er angehörte, ein solcher zu werden14. Bezüglich Stände teilte er die indische Gesellschaft in sieben Klassen ein:

[...]


1 FGrH 709

2 A. Dihle, RAC 18 (1998), Indien, Sp. 2ff.

3 A. Dihle, RAC 18 (1998), Indien Sp. 9

4 Herodot, Historien, 17 3, 100

5 Hansen, Alexander, 379, Anm.3

6 nach Dihle (RAC 18, 1998) Indien Sp.7

7 A. Dihle, Indische Philosophen, 78.

8 U. Wilcken, Alexander der Große und die indischen Gymnosophisten, Sitzungsberichte der preußischen Akademie der

9 Plutarch Al. 64-69; Arr.an. 7, 1-3 und Ind. 1, 11-12; Strab. 15, 1, 57-73.

10 M. Pfeiffer, Die Gymnosophisten – Indische Asketen aus der Perspektive antiker Quellen. 2003. 3-6.

11 A. Dihle, RAC 18, 1998, Indien, Sp.23

12 A. Michaels, Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart. München. 1998. 355

13 Strab. 15, 1, 2, 4.

14 Arr.Ind. 1. 11

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Religionstransfer in der Antike – aus der Perspektive Indiens
Hochschule
Universität Wien  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Seminar aus römischer Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V155546
ISBN (eBook)
9783640697960
ISBN (Buch)
9783640698271
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionstransfer, Antike, Perspektive, Indien
Arbeit zitieren
Robert Fischer (Autor), 2009, Religionstransfer in der Antike – aus der Perspektive Indiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155546

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