Aus Sicht der Sozialen Arbeit werden sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen sowie Handlungsansätze aufgezeigt, die auf die Realisierbarkeit von Selbstbestimmung in der Arbeit mit Menschen mit psychischer Erkrankung abzielen. Im beruflichen Alltag stationärer sowie auch ambulanter Psychiatrie ist der schmale Grat zwischen Selbst- und Fremdbestimmung allgegenwärtig. Einerseits geht es um das Selbstbestimmungsrecht der uns anvertrauten Menschen, andererseits erleben genau diese Menschen Übergriffe, die mit Gewalt und Zwang einhergehen.
Diese Arbeit widmet sich übergeordnet den folgenden Leitfragen:
Mit welchen Möglichkeiten können Fachkräfte die Betroffenen professionell dabei unterstützen ihre Rechte auf Selbstbestimmung realisierbar und geltend zu machen? Wo stoßen sie an Grenzen und wie sehen diese aus?
Zur theoretischen Einbindung werden unter anderem Theorien von Silvia Staub-Bernasconi und Dieter Röh herangezogen.
Darüber hinaus wird in Anbetracht des oftmals immer noch stigmatisierenden Umgangs mit psychischen Erkrankungen durch die Gesellschaft, die Relevanz dieses Themas verdeutlicht und als Gegenstand eines aktuellen, sozialpolitischen Diskurses dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Psychische Erkrankungen
2.1. Geschichtlicher Hintergrund der Psychiatrie
2.2. Beispiel – Affektive Störung
2.3. Beispiel – Angststörung
3. Selbstbestimmung – Rechte und Grenzen
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Menschenrechte und Grundgesetz
3.3. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)
3.4. Bundesteilhabegesetz (BTHG)
3.5. Psychisch-Kranken-Gesetz (Psych-KG)
3.6. Paternalismus
4. Theoretische Grundlagen
4.1. Salutogenese
4.2. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession nach Staub-Bernasconi
4.3. Soziale Arbeit als Daseinsmächtige Lebensführung nach Röh
5. Methoden zur Realisierbarkeit von Selbstbestimmung
5.1. Empowerment
5.2. Psychoedukation
5.3. Case Management
5.4. Recovery
5.5. Open Dialogue
6. Fazit & Schlussfolgerung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit bei der Realisierung des Rechts auf Selbstbestimmung von Menschen mit psychischen Erkrankungen unter besonderer Berücksichtigung professioneller Handlungsansätze.
- Historische und rechtliche Einordnung der Psychiatrie und Selbstbestimmung.
- Theoretische Fundierung durch Salutogenese und professionelle Ethikansätze.
- Analyse praktischer Methoden wie Empowerment und Case Management in der psychiatrischen Praxis.
- Kritische Reflexion von Spannungsfeldern zwischen Autonomie und Paternalismus.
Auszug aus dem Buch
2. Psychische Erkrankungen
Die Inanspruchnahme professioneller Hilfe aufgrund von psychischen Erkrankungen bei Erwachsenen steigt. Zu diesem Resultat gelangt die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung e.V. (DPtV) in den Ausführungen des Report Psychotherapie aus dem Jahr 2021. Einerseits wirkten sich psychische Erkrankungen auf die alltäglichen, unmittelbaren Lebensumstände der Menschen aus, in dem sie diese wesentlich einschränken oder beeinflussen. Auf der anderen Seite seien psychische Erkrankungen auch auf gesellschaftlicher Ebene sichtbar, denn sie machen z.B. eine der überwiegenden Krankheitsursachen bei Fehltagen von Arbeitnehmenden aus. Außerdem seien sie sogar für die meisten Fälle verantwortlich, in denen Menschen vor dem üblichen Renteneintrittsalter aus gesundheitlichen Gründen die Rente vorziehen. (vgl. DPtV 2021: 10)
Das Robert Koch-Institut (RKI) erhebt in der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) seit dem Jahr 2008 Daten zur allgemeinen Gesundheitsbeurteilung der erwachsenen Bevölkerung (vgl. RKI o.J.). Neben der physischen Gesundheit wurde die Studie auch ein Modul zur psychischen Gesundheit (DEGS-MH) erweitert. An der Erhebung des Zusatzmoduls nahmen mehrere tausend Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren teil. Die Forschenden kamen nach der ersten Erhebung zu dem Ergebnis, dass etwa 27,7 Prozent der Gesamtbevölkerung über den Zeitraum eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Dies würde auf die erwachsene Bevölkerung in Deutschland bezogen einem Anteil von rund 17,8 Millionen Menschen entsprechen. Daraus lässt sich schließen, dass fast jede*r vierte Erwachsene betroffen ist. Die größten Anteile machen dabei Angststörungen (15,3%) und Affektive Störungen (9,3%) aus. Zu den Angststörungen zählen beispielsweise die Generalisierte Angststörung oder die Soziale Phobie. Beispiele für Affektive Störungen sind die Diagnosen einer Bipolaren Störung oder einer Depression. (vgl. Jacobi et al. 2014: 77 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Selbstbestimmung bei psychisch erkrankten Menschen ein und formuliert das Erkenntnisinteresse der Autorin.
2. Psychische Erkrankungen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über psychische Erkrankungen bei Erwachsenen, deren gesundheitliche und gesellschaftliche Auswirkungen sowie beispielhafte Krankheitsbilder.
3. Selbstbestimmung – Rechte und Grenzen: Es werden die begrifflichen, rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen der Selbstbestimmung im Kontext psychiatrischer Interventionen beleuchtet.
4. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel bietet einen theoriebasierten Kontext durch die Salutogenese und Konzepte der Sozialen Arbeit nach Staub-Bernasconi und Röh.
5. Methoden zur Realisierbarkeit von Selbstbestimmung: Hier werden zentrale handlungsorientierte Methoden wie Empowerment, Psychoedukation, Case Management, Recovery und Open Dialogue auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.
6. Fazit & Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Möglichkeiten und Grenzen der untersuchten Methoden zusammen und zieht Schlüsse für die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit.
7. Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche im Text verwendeten Quellen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Selbstbestimmung, Psychiatrie, Psychische Erkrankungen, Empowerment, Case Management, Recovery, Open Dialogue, Menschenrechte, Paternalismus, Salutogenese, Psychoedukation, Teilhabe, Autonomie, Professionelles Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Soziale Arbeit die Selbstbestimmung von Menschen mit psychischen Erkrankungen fördern kann und wo die Grenzen dieser Unterstützung liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Grundlagen der Selbstbestimmung, theoretischen Modellen der Sozialen Arbeit sowie spezifischen Methoden der psychiatrischen und sozialraumorientierten Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Möglichkeiten und Barrieren aufzuzeigen, die für die Realisierbarkeit selbstbestimmter Lebensgestaltung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen im professionellen Hilfekontext relevant sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, welche bestehende Fachliteratur, rechtliche Grundlagen und Konzepte der Sozialen Arbeit sowie methodische Ansätze im psychiatrischen Kontext aufbereitet und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-rechtliche Einordnung, die theoretische Fundierung sowie die detaillierte Darstellung und kritische Reflexion von Methoden wie Empowerment, Case Management und Open Dialogue.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Selbstbestimmung, Empowerment, Recovery, Case Management, Paternalismus und psychiatrische Versorgung.
Inwiefern beeinflusst das Psych-KG die Selbstbestimmung?
Das Psych-KG stellt eine rechtliche Grenze dar, da es unter strengen Voraussetzungen Unterbringungen gegen den Willen des Betroffenen bei Eigen- oder Fremdgefährdung ermöglicht, was in einem Spannungsfeld zur individuellen Selbstbestimmung steht.
Warum wird im Kontext des Open Dialogue der Verzicht auf Psychopharmaka diskutiert?
Der Open Dialogue verfolgt systemische Ansätze, die den Fokus auf Kommunikation und soziale Netzwerke legen, wobei eine Reduzierung oder Vermeidung von Medikamenten dazu beitragen kann, Nebenwirkungen zu minimieren und die Teilhabe der Betroffenen zu fördern.
Wie definiert die Autorin den Begriff Paternalismus im psychiatrischen Kontext?
Paternalismus wird als Form der Verletzung des Selbstbestimmungsrechts bezeichnet, bei der Fachkräfte bevormundend über den Kopf des Betroffenen hinweg entscheiden, oft unter der Annahme, im vermeintlichen Interesse des Adressaten zu handeln.
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- Kathrin Bauer (Author), 2022, Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit zur Realisierbarkeit der Selbstbestimmung von Menschen mit psychischer Erkrankung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1555616