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Referenztexte als Reflexionsprinzip in Arno Schmidts "Schwarze Spiegel"

" ... für eine phantastische Erzählung fiel mir ein ..."

Title: Referenztexte als Reflexionsprinzip in Arno Schmidts "Schwarze Spiegel"

Research Paper (undergraduate) , 2010 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Britta Wehen (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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„(1.5.1960) / Lichte? (ich hob mich auf den Pedalen) –: – Nirgends. (Also wie immer seit den fünf Jahren). / Aber: der lakonische Mond längs der zerbröckelten Straße (von den Rändern her haben Grad und Quecken die Teerdecke aufgebrochen, so daß nur in der Mitte noch zwei Meter Fahrbahn bleiben: das genügt ja für mich!) / Weiter treten: starrt die spitze Silberlarve aus m Wacholder – also weiter –“

So unvermittelt setzt das Geschehen von Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“ ein. Ein namenloser Ich-Erzähler ist einer der letzten Überlebenden eines Dritten Weltkrieges und durchstreift die Lüneburger Heide. Von seiner einsamen Existenz berichtet er in Tagebuchform und hält in seinem Bericht immer wieder inne, um Versatzstücke aus Literatur, Philosophie, Kunst, Religion oder Kultur im Allgemeinen einzustreuen. Die Zahl der Verweise ist dabei enorm, kaum ein Satz kommt ohne inhaltliche oder strukturelle Anspielung aus, immer wieder werden Titel und Autoren erwähnt. Dass „Ego“ tatsächlich auch fremde Texte zitiert, bleibt in der Regel unmarkiert und fällt nur geübten und belesenen Rezipienten ins Auge. Die Referenztexte sind daher in ihrer Art auch sehr heterogen, für den Fortgang der Handlung haben sie keine unmittelbare Bedeutung. Wozu aber werden dann diese Textreferenzen aufgebaut?
Inhaltlich eng verwandt mit dem Begriff der „Textreferenz“ ist der Begriff der „Intertextualität“, der erstmalig von Julia Kristeva eingeführt wurde. Der Begriff der Textreferenz ist dem engeren Verständnis von Intertextualität am nächsten, da hierbei der Grad der Intertextualität betrachtet wird und nicht nur wörtliche Zitate einbezogen werden, sondern komplexe Strukturen, die durch die Menge aller Textreferenzen gebildet werden. Textreferenz kann also in bestimmten Texten aufgebaut werden, muss aber nicht auf jeden literarischen Text zutreffen.
Intertextuelle Anspielungen bzw. Textreferenzen können darüber hinaus selbstreflexiv sein.
Was also heißt Selbstreflexion überhaupt und welche Möglichkeiten hat eine Erzählung, ihren eigenen Status und die Regeln ihrer Produktion und Rezeption zu reflektieren?

Wie kann die Selbstreflexion für eine funktionale Analyse eines Erzähltextes detaillierter aufgeschlüsselt werden und welche Funktionen erfüllen in diesem Zusammenhang die zahlreichen Textreferenzen in Arno Schmidts Erzählung, die doch „ständig herumliegen“?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terminologische Überlegungen: Selbstreflexion im narratologischen Sinn

3. Erzähltheoretische Voraussetzungen in Schmidts „Schwarze Spiegel“

4. Die Funktion der Referenztexte

4.1 Formale und inhaltliche Klassen von Referenztexten

4.2 „Akustischer Abfall“ – Schlagertitel

4.3 Postkarten und Briefe

4.4 Die phantastische Erzählung Achamoth

4.5 Professor Stewarts „Man, an Autobiography“

4.6 „Meine Ansicht“ – Die Rede von Ego

4.7 Die Kindheitserinnerungen des Erzählers

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion von Referenztexten in Arno Schmidts Erzählung „Schwarze Spiegel“ und analysiert, wie diese als Reflexionsprinzip dienen, um den Status des Textes, dessen Produktion und Rezeption zu spiegeln. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Ich-Erzähler durch die Bezugnahme auf Literatur, Philosophie und Kultur ein geschlossenes, kulturelles Wertesystem konstruiert.

  • Analyse der narratologischen Selbstreflexion im Werk.
  • Untersuchung der formalen Klassifizierung von Textreferenzen.
  • Erforschung der poetologischen Funktion der Referenztexte.
  • Herausarbeitung der Abgrenzung von Kultur zu Nicht-Kultur durch den Protagonisten.
  • Betrachtung der Erzählsituation und der verschiedenen Erzählerinstanzen.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

„(1.5.1960) / Lichte? (ich hob mich auf den Pedalen) –: – Nirgends. (Also wie immer seit den fünf Jahren). / Aber: der lakonische Mond längs der zerbröckelten Straße (von den Rändern her haben Grad und Quecken die Teerdecke aufgebrochen, so daß nur in der Mitte noch zwei Meter Fahrbahn bleiben: das genügt ja für mich!) / Weiter treten: starrt die spitze Silberlarve aus m Wacholder – also weiter –“

So unvermittelt setzt das Geschehen von Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“ ein. Ein namenloser Ich-Erzähler ist einer der letzten Überlebenden eines Dritten Weltkrieges und durchstreift die Lüneburger Heide. Von seiner einsamen Existenz berichtet er in Tagebuchform und hält in seinem Bericht immer wieder inne, um Versatzstücke aus Literatur, Philosophie, Kunst, Religion oder Kultur im Allgemeinen einzustreuen. Die Zahl der Verweise ist dabei enorm, kaum ein Satz kommt ohne inhaltliche oder strukturelle Anspielung aus, immer wieder werden Titel und Autoren erwähnt. Dass „Ego“ tatsächlich auch fremde Texte zitiert, bleibt in der Regel unmarkiert und fällt nur geübten und belesenen Rezipienten ins Auge. Die Referenztexte sind daher in ihrer Art auch sehr heterogen, für den Fortgang der Handlung haben sie keine unmittelbare Bedeutung. Wozu aber werden dann diese Textreferenzen aufgebaut?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Erzählung und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Funktion der Textreferenzen.

2. Terminologische Überlegungen: Selbstreflexion im narratologischen Sinn: Theoretische Definition der Begriffe Selbstreflexion und Selbstbezüglichkeit im Kontext der Erzähltheorie.

3. Erzähltheoretische Voraussetzungen in Schmidts „Schwarze Spiegel“: Analyse der Ich-Erzählsituation und der spezifischen Struktur des inneren Monologs.

4. Die Funktion der Referenztexte: Hauptteil, der verschiedene Klassen von Referenztexten (z.B. Schlagertitel, Briefe, Kindheitserinnerungen) detailliert analysiert.

5. Schlussbemerkung: Zusammenfassendes Fazit über die Rolle der Referenztexte bei der Konstruktion einer eigenen Poetik und eines kulturellen Wertesystems.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Schwarze Spiegel, Intertextualität, Referenztexte, Selbstreflexion, Ich-Erzähler, Literatur, Kultur, Zivilisationsgeschichte, Erzähltheorie, Poetologie, Misanthropie, Narratologie, Postapokalypse, Werk-Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die umfangreichen Textreferenzen in Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“ und untersucht, welche Funktion diese für die Selbstreflexion der Erzählung haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kultur und Zivilisation, die Rolle des Ich-Erzählers als „letzter Mensch“ und die Konstruktion eines individuellen kulturellen Kanons.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch die Einbindung heterogener Referenztexte die eigene Poetik des Romans reflektiert und die Erzählung als „kulturell wertvoll“ klassifiziert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine narratologische Analyse durchgeführt, die Begriffe der Intertextualität (nach Julia Kristeva) und der Selbstreflexion (nach Genette/Scheffel) auf den Primärtext anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert die Referenztexte in formale und inhaltliche Klassen und untersucht spezifische Beispiele wie Schlagertitel, den Brief an Stewart und die Kindheitserinnerungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Intertextualität, Selbstreflexion, Poetologie und Kulturabgrenzung definiert.

Warum fungiert der Ich-Erzähler als „Herr der Welt“?

Er definiert sich durch sein Wissen und seine Zugehörigkeit zum semantischen Raum „Kultur“ als letzter Mensch, der die Sinnlosigkeit der übrigen, von ihm abgelehnten „Unkultur“ überlebt hat.

Welche Rolle spielt die „Höllenstadt“ in der Erzählung?

Sie dient als Spiegelbild der menschlichen Zivilisation und wird durch den Vergleich mit Piranesi als Ort der „Strafe“ und Bestrafung interpretiert.

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Details

Title
Referenztexte als Reflexionsprinzip in Arno Schmidts "Schwarze Spiegel"
Subtitle
" ... für eine phantastische Erzählung fiel mir ein ..."
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Course
Reflexion des Mediums Literatur
Grade
1,0
Author
Britta Wehen (Author)
Publication Year
2010
Pages
24
Catalog Number
V156157
ISBN (eBook)
9783640704880
ISBN (Book)
9783640704996
Language
German
Tags
Schmidt Spiegel Utopie schwarze Spiegel Reflexion Selbstreflxivität Reflexivität Achamoth Ego Referenz Textreferenz Intertextualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Britta Wehen (Author), 2010, Referenztexte als Reflexionsprinzip in Arno Schmidts "Schwarze Spiegel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156157
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