Seit Mitte Mai des Jahres 2016 müssen Zigarettenhersteller auf den Zigarettenpackungen neben den insgesamt 14 warnenden Schriftzügen auch Schockbilder drucken lassen, die insgesamt 60% der Packung einnehmen sollen. Obwohl die Maßnahme auf die Gesundheitsschäden aufmerksam machen soll, zeigt das Ergebnis in einer DAK-Gesundheit Umfrage im Jahre 2016, dass etwa 81% der Befragten die Schockbilder für unwirksam halten.
Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den Grundlagen zur Einstellungsbildung, Einstellungsänderung und Beeinflussung von Einstellungen. Das Ziel ist es, aus diesen Grundlagen die genannte Maßnahme gegen das Rauchen zu diskutieren und in Verbindung dazu, die Frage zu beantworten, warum in Deutschland noch ca. 1/3 der Männer und 1/4 der Frauen rauchen.
Zu Beginn wird ein Überblick über die Arten von Einstellungen gegeben werden. Daraufhin werden die Einstellungsänderung und der Zusammenhang von Verhalten und Einstellung näher erläutert. Im Anschluss werden verschiedene Methoden zur Einstellungsänderung herausgearbeitet. Darauf folgen Grundlagen zum Rauchen und es werden verschiedene Aspekte durchleuchtet. Nachfolgend wird der Schwerpunkt auf die Wirkungsweise der Zigarettenpackungen auf Basis der theoretischen Aspekte gelegt. Es folgt die Diskussion, warum die Menschen dennoch weiter rauchen. Auch wird erläutert, inwieweit die Maßnahme Erfolg zeigt und den Konsum reduziert hat.
Inhaltsübersicht
Einleitung
1. Einstellungen - Definition und Grundlagen
2. Einstellungsarten und Einstellungsbildung
2.1 Explizite und implizite Einstellung
2.2 Kognitiv basierte Einstellung
2.3 Affektiv basierte Einstellungen
2.3 Verhaltensbasierte Einstellung
2.5 Erlernen von Einstellungen
3. Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten
4. Einstellungsänderung
4.1 Einstellungsänderung durch die Theorie der kognitiven Dissonanz
4.2 Einstellungsänderung durch persuasive Kommunikation
4.3 Einstellungsänderung durch Emotionen
4.4 Immunität gegenüber Einstellungsänderungsversuchen
5. Maßnahmen gegen das Rauchen
5.1. Der Zigarettenkonsum
5.2 Vorteile des Rauchens
5.3 Abschreckende Bilder und Sätze als Maßnahme gegen das Rauchen
5.4 Wirksamkeit
6. Diskussion
Zielsetzung & Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Grundlagen der Einstellungsbildung und -änderung, um daraus die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen gegen das Rauchen, wie etwa bildgestützte Warnhinweise auf Zigarettenpackungen, kritisch zu diskutieren und zu analysieren, warum trotz bekannter Gesundheitsrisiken weiterhin eine signifikante Anzahl an Menschen raucht.
- Psychologische Grundlagen der Einstellungsbildung und -struktur
- Wechselwirkung zwischen individuellen Einstellungen und tatsächlichem Verhalten
- Mechanismen persuasiver Kommunikation und Furchtappelle zur Einstellungsänderung
- Analyse der Wirksamkeit von Schockbildern und Warnhinweisen auf Zigarettenverpackungen
- Soziopsychologische Einflussfaktoren auf das Rauchverhalten und Strategien der Prävention
Auszug aus dem Buch
5.2 Vorteile des Rauchens
Durch das Rauchen hat der Raucher das Gefühl, seine Leistungsbereitschaft zu erhöhen, da er sich für unangenehme Aufgaben leichter motivieren kann (Troschke, 1987, S. 56). Als Beispiel soll eine Angestellte in einem Unternehmen dienen: Anna, 24 Jahre, mag es nicht für ihren Chef Buchungstätigkeiten zu machen. Sie erledigt es zwar, allerdings verabscheut sie es. Deswegen denkt Anna während der Buchungen daran, dass sie rausgehen und rauchen gehen kann, sobald sie mit der Tätigkeit fertig ist. Anna arbeitet nun schnell, aber gewissenhaft, damit sie schneller rauchen gehen kann. Auf der einen Seite hat die Zigarette ihre Leistungsbereitschaft erhöht und zur selben Zeit dient die Zigarette als Belohnung für ihre Arbeit, sodass sie nicht auf die Anerkennung anderer angewiesen ist (v. Troschke, 1987, S.57).
Ein weiterer Vorteil ist, dass das Rauchen emotionale Angespanntheit reduziert, sowohl psychisch als auch physisch, v.a. in Verbindung mit sozialen Konflikten. Zum Beispiel rauchen in einer Beziehung die Partner oft nach einem Konflikt eine Zigarette, um den Stress, das Unwohlsein und die Angespanntheit abzubauen. Viele Menschen sehen das Rauchen als eine Möglichkeit, sich das Leben in schwer zu bewältigenden Lebenssituationen zu erleichtern, wie z.B. in stressigen und belastenden Situationen auf der Arbeit. Zweifellos ist eine Verbindung zwischen psychischen Belastungen und Konsum von Nikotin vorhanden. Zusammengefasst liegt der soziale Nutzen vorrangig in der eigenen Bedürfnisbefriedigung von sozialer Kommunikation (v. Troschke, 1987, S. 58-64).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der gesundheitlichen Risiken des Tabakkonsums ein und beschreibt das Ziel, die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen vor dem Hintergrund psychologischer Einstellungsmodelle zu untersuchen.
1. Einstellungen - Definition und Grundlagen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Einstellungsbildung nach dem Drei-Komponenten-Modell sowie deren Funktion als kognitive Schemata erläutert.
2. Einstellungsarten und Einstellungsbildung: Dieses Kapitel differenziert zwischen expliziten, impliziten, kognitiv, affektiv und verhaltensbasierten Einstellungen und beleuchtet deren Entstehung durch Lernprozesse.
3. Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten: Der Fokus liegt hier auf der Korrespondenz zwischen Einstellung und Verhalten und der Vorhersagekraft von Verhaltensintentionen nach Ajzens Theorie des geplanten Verhaltens.
4. Einstellungsänderung: Hier werden zentrale Mechanismen wie kognitive Dissonanz, persuasive Kommunikation durch zentrale oder periphere Routen sowie furchtauslösende Botschaften zur Einstellungsänderung analysiert.
5. Maßnahmen gegen das Rauchen: Dieses Kapitel prüft die Effektivität von Schockbildern und Warnhinweisen als Präventionsstrategie unter Einbeziehung von Modellen gesundheitlicher Überzeugungen.
6. Diskussion: Das abschließende Kapitel diskutiert die Diskrepanz zwischen Wissen und Verhalten bei Rauchern und bewertet kritisch die Wirksamkeit bisheriger staatlicher Interventionsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Einstellungsbildung, Einstellungsänderung, Rauchen, Tabakkonsum, Kognitive Dissonanz, Persuasive Kommunikation, Furchtappelle, Schockbilder, Gesundheitsprävention, Selbstwirksamkeitserwartung, Sozialpsychologie, Verhaltensintention, Gesundheitserziehung, Theorie des geplanten Verhaltens, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse von Einstellungen und deren Änderung, um zu verstehen, warum Menschen trotz offensichtlicher gesundheitlicher Risiken rauchen und wie Präventionsmaßnahmen effektiver gestaltet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Einstellungs- und Motivationspsychologie, die Theorie der Einstellungsänderung, die Tabakprävention sowie die Analyse der Wirksamkeit von bildgestützten Warnhinweisen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aus psychologischen Modellen zur Einstellungsänderung Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Präventionsmaßnahmen gegen das Rauchen abzuleiten und die Barrieren für einen erfolgreichen Rauchstopp zu identifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse psychologischer Theorien (z.B. Theorie der kognitiven Dissonanz, Theorie des geplanten Verhaltens) sowie auf die Auswertung aktueller Statistiken zur Wirksamkeit von Anti-Rauch-Kampagnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Einstellungsbildung, Theorien zur Einstellungsbeeinflussung und eine spezifische Anwendung dieser Erkenntnisse auf das öffentliche Gesundheits-Thema Zigarettenkonsum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Einstellungsänderung, Furchtappelle, Nikotinabhängigkeit, Präventionsmaßnahmen und gesundheitliche Überzeugungen geprägt.
Warum zeigen Schockbilder auf Zigarettenpackungen oft nicht die gewünschte Wirkung?
Die Autorin verdeutlicht, dass Schockbilder zwar Angst auslösen können (Furchtappelle), jedoch häufig der notwendige "Lösungsweg" fehlt. Zudem können Menschen bei zu starker Angst mit Verleugnung oder Reaktanz reagieren, um ihr positives Selbstbild zu schützen.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) beim Rauchstopp?
Die SWE ist essentiell, da Raucher nur dann ihr Verhalten ändern, wenn sie subjektiv davon überzeugt sind, dass sie über die Kompetenz verfügen, den Entzug und die damit verbundenen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.
Welche Bedeutung haben soziale Gruppen und der "peer pressure" bei Jugendlichen?
Soziale Kontakte und der Gruppenzwang sind zentrale Motivatoren für den Einstieg in das Rauchen; als Gegenmaßnahme wird das Training durch Rollenspiele und Einstellungsimpfungen empfohlen, um Jugendliche gegen soziale Einflüsse zu stärken.
- Quote paper
- Angelina Nuttley (Author), 2019, Einstellungsänderung durch Schockbilder? Die Wirksamkeit von Anti-Rauch-Kampagnen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1563577