Exegetische Arbeit über Genesis 11,1-9


Seminararbeit, 2005
23 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Inhaltsverzeichnis

2 Übersetzung

3 Textkritik

4 rachliche Beschreibung

5 Literarkritik
5.1 Abgrenzung des Textes
5.2 Kohärenzprüfung
5.3 Wortwahl undil
5.4 Einheitlichkeit

6 Formkritik
6.1 Gattungsbestimmung
6.2 Sitz im Leben

7 Überlieferungskritik

8 Traditionskritik

9 Redaktionskritik
9.1 Entstehungsort
9.2 Entstehungszeit

10 Einzelexegese

11 Gesamtinterpretation

12 Literaturverzeichnis

2 Übersetzung von Genesis 11, 1-9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Und auf der ganzen Erde waren einerache und dieselben Worte.
2 Und es war als sie wanderten von/nach Osten: da fanden sie eine Ebene im Landehinear und sie ließen sich dort nieder.
3 Und sie sprachen, jeder zu seinem Genossen: „Wohlan, wir ziegeln Ziegel und brennen sie zu Brand.“ Und so ward ihnen der Ziegel zuein und der Asphalt ward ihnen zu Mörtel.
4 Und sie sprachen: „Wohlan, wir bauen uns eineadt und einen Turm und seineitze in den Himmel und wir schaffen uns einen Namen, damit wir uns nicht zerstreuen übers Angesicht der ganzen Erde.“
5 Und Jahwe stieg herab, zu sehen dieadt und den Turm, von denen gilt, es bauten sie diehne des Menschen.
6 Und Jahwe sprach: „Siehe, ein Volk und einerache ist bei ihnen allen und dies ist der Beginn ihres Tuns; und nun: nichts von dem, wonach sie zu tun trachten, wird für sie unerreichbar sein.
7 Wohlan, wir steigen hinab und verwirren dort ihrerache, dass nicht hört ein Mann die Rede seines Genossen.“
8 Und Jahwe zerstreute sie von dort übers Angesicht der ganzen Erde und sie ließen ab, zu bauen dieadt.
9 Darum nennt man ihren Namen Babel, denn dort verwirrte Jahwe dierache der ganzen Erde und von dort zerstreute Jahwe sie [die Menschen] übers Angesicht der ganzen Erde.

3 Textkritik

Der textkritische Apparat merkt zu Genesis 11, 1-9 lediglich drei Dinge an; so fügt LXX in Vers 1 „pasin“ (etwa: „für sie alle“) hinzu. Da damit keine Lese- oder Verständnisschwierigkeit überbrückt wird, handelt es sich gemäß der „Lectio brevior lectio potior“ wahrscheinlich um einen Zusatz, der in der ältesten Version dieses Textes nicht zu finden war.[1]

In Vers 8 setzenr und LXX zwischen den beiden letzten Worten „wt“ hinzu. Diese Lesart scheint grammatikalisch flüssiger zu sein als die masoretische Version; wieder kann die Regel „Lectio brevior lectio potior“, wenn nicht sogar die „Lectio difficilor lectio probabilior“ angewandt werden. Das bedeutet, dass dasbjekt wohl in einer späteren Bearbeitung des Textes ergänzt wurde.[2]

Ebenfalls in Vers 8 fügenr und LXX amtzende „ksdov-wtu“ hinzu und wiederholen damit die aus den Versen 4 und 5 bekannte Formulierung „Stadt und Turm“.
Auch hier hilft die „Lectio brevior lectio potior“ weiter, also lässt sich diese Ergänzung als späterer Zusatz deuten.[3]

4 Sprachliche Beschreibung

Vers 1

Bei Vers 1 handelt es sich um einen Nominalsatz, den man aufgrund seiner Funktion im Text auch als vorangestellten Zustandssatz bezeichnen kann[4], da er einen Ausgangszustand schildert, aus dem heraus sich erst die Geschichte entwickelt und der zudem im Gegensatz zu Vers 9 steht. Daher bildet Vers 1 zusammen mit diesem den Rahmen der Erzählung – die Einheitlichkeit des Textes vorausgesetzt (siehe 5 Literarkritik).[5]

Das „hvhu“ zu Beginn des Textes ist sinngemäß als eine Art „Es war einmal“ zu verstehen, welches die in weiter zeitlicher Ferne verortete Geschichte einleitet. Ähnlich eingesetzt findet sich das „hvhu“ an verschiedenenellen der Bibel, z. B. in 1.Sam 1,1.[6]

Bei Vers 1 handelt es sich um die Einleitung der Erzählung.

Vers 2

Dasbjekt des zweiten Verses lässt sich nur aus dem Kontext erschließen (`die Menschen´), denn es bleibt ungenannt.[7]

Eine sprachlichehwierigkeit ergibt sich aus dem „nsen“. Während Westermann das vorangestellte „in“ eindeutig als „von“ übersetzt[8], diskutiertggin auch die Möglichkeit, dass es als „nach“ / „in Richtung“ verstanden werden kann, wie dies möglicherweise auch in Gen 2,8 und Gen 4,16 der Fall ist. Verhielte es sich so, dann wäre die Herkunft desbjektes der syropalästinische Raum. Verhielte es sich anders und müsste die Präposition als „von“ interpretiert werden, wäre eine Gegend im Bereich der iranischen Hochebene die ursprüngliche Heimat der Menschen dieser Geschichte. Dies könnte mit der sumerischen Tradition verbunden werden, nach der die Bewohner Mesopotamiens aus dem heutigen (südlichen) Iran eingewandert seien.[9]

Die Exegetin ließ dies in der Übersetzung offen, tendiert aber zu letztgenannter Deutungsmöglichkeit.

Vers 2 hat die „Sprachform des Itinerars“.[10] Dieses besteht aus drei verschiedenen Vorgängen, welche alle in Vers 2 genannt sind: dem Aufbruch – dem Finden – demch-Niederlassen.[11]

Wie Westermann anmerkt, bewegt sich das Itinerar „aus dem fernen Dunkel der Vorzeit in die hellen Anfänge der Geschichte.“[12]

Damit erfüllt es hier zwei Funktionen: einerseits tritt hier das geschichtliche Geschehen andeutungsweise aus der Urgeschichte hervor[13] (wie dies insgesamt für den ganzen Text gilt – 11 Gesamtinterpretation), andererseits kann erst aus dem Zustand desch-Niederlassens die im weiteren Verlauf des Textes beschriebene Handlung heraustreten.[14]

Dass es sich in Vers 2 um einen Übergang der Urgeschichte zur Geschichte handelt, erhellt der Umstand, dass eine geographische Bezeichnung – „Landehinear“ – gebraucht wird, was dem geschichtlichen Geschehen zuzuordnen ist.[15]

Dass „Schinear“ als Babel zu verstehen ist (siehe Vers 9) zeigt bereits Gen 10,10.[16]

Vers 2 enthält die Exposition.

Vers 3

In Vers 3 setzt die eigentliche Handlung ein, indem die Menschen einen Beschluss fassen und ihn verbal ausdrücken. Ihre Rede lässt der Erzähler mit einem Imperativ („vcv“; kal m.pl.) beginnen, der als „Gib!“ übersetzt, im Textzusammenhang aber mehr imnne von „Wohlan!“ zu deuten ist. Im weiteren Verlauf der Rede wird eine Figura etymologica verwandt („ziegeln Ziegel (…) brennen zu Brand“).

In 3b werden zwei verschiedene Bauweisen einander gegenübergestellt, nämlich auf der einenite die mit Ziegel und Asphalt und auf der anderenite die mitein und Mörtel.[17]

Dies lässthlüsse auf die Herkunft des Textes zu, und soll daher in der Redaktionskritik (9) näher erörtert werden.

Vers 4

Auch Vers 4 enthält eine Rede des Menschen, welche erneut mit dem schon erwähnten Imperativ („Wohlan!“) beginnt. Diese konstruierte Parallele durch eine Anapher lässt erkennen, dass der Gedanke aus dem vorhergehenden Vers hier wieder aufgegriffen und fortgeführt wird, indem nämlich nun gesagt wird, was mit den hergestellten Ziegeln (deren Herstellung selbst nicht berichtet wird), geschehen soll. Durch das „iP” in 4b werden zwei Motive miteinander verbunden, die voneinander unabhängig sein könnten[18], nämlich die zu verhindernde Zerstreuung sowie dashaffen eines Namens, bzw. deradt-/Turmbau.[19]

Die Absicht, den Turm bis in den Himmel ragend zu erbauen, ist nicht notwendigerweise als Wunsch nach Himmels-Stürmung zu verstehen, sondern vielleicht als hyperbolischer Ausdruck zu deuten, wie ein Vergleich mit Dtn 1,28 nahe legt;[20] die Vorstellung des Himmels als Wohnort Gottes tritt erst in den Psalmen (z.B. 2,4; 11,4) deutlich hervor.

Vers 4b ist nur von den Versen 8a und 9b her zu verstehen[21], weist also auf diese hin.

Vers 5

In Vers 5 tritt ein neuesbjekt, vuvh, in das Geschehen. Das den Vers einleitende Verb „srh“ wird vonggin als „Absicht, zu handeln“[22] gedeutet, während Westermann es als „erzählendes Imperfekt“[23] interpretiert. Diese Deutungsmöglichkeit wurde auch in der Übersetzung berücksichtigt.

Einige Kommentatoren deuten Vers 5 als Ausdruck der Ironie; Gott muß hinabsteigen, um sich das Menschenwerk zu betrachten, da es der von den Erbauern angestrebten Größe zum Trotz so klein ist.[24]

Vers 6

Auch in Vers 6 ist vuvhbjekt. Das zutzbeginn stehende „rnthu“ leitet hier nicht zwangsläufig eine Rede ein, sondern ist möglicherweise imnne einer Reflexion zu verstehen.[25] Die Rede/der Gedanke, die/der hier vuvh zugeschrieben wird, beginnt mit einer Zustands-feststellung und wiederholt beinahe wörtlich die Exposition aus Vers 1.[26]

Im weiteren Verlauf drückt sich die Befürchtung aus, welche zur Grundlage der im Textverlauf erfolgenden Geschehnisse werden wird.

Westermann betrachtet das „nicht wird für sie unerreichbar sein alles, von dem gilt, sie trachten danach es zu tun.“ als den Höhepunkt des Textes[27], doch teilt die Exegetin diese Meinung nicht (vgl. Vers 8).

Vers 7

Vers 7 führt die in Vers 6 begonnene Rede/den Gedanken zu Ende. Der vom Erzähler vuvh in den Mund gelegte auf ihn selbst bezogene Imperativ „vcv“ imitiert die Rede des Menschen in Versen 3 und 4[28] und ist also vielleicht auch als Ausdruck der Ironie (vgl. Vers 5) zu verstehen.

Dass vuvh mit sich selbst im Plural spricht („vcv“), lässt sich durch den Plural deliberationis erklären[29], der bereits in Gen 1,26 auftritt. Handelte es sich hier um zugrunde liegende polytheistische Vorstellungen, müsste beispielsweise auch Vers 5 im Plural stehen.[30]

Vers 8

Auch in Vers 8a ist vuvh das handelndebjekt und wieder (vgl. Vers 2) werden `die Menschen`, die hier, wie der Kontext deutlich macht, das Objekt sind, nicht genannt. Auch dann nicht, wenn sie in 8b selbst zumbjekt werden.

Diesertz enthält den Höhepunkt des Textes, indem nämlich vuvh den Gedanken aus Vers 6 offenbar fortgeführt und nun die Konsequenz daraus gezogen hat, was sein Handeln deutlich macht (vgl. Vers 6). Dass dieser Vers den Höhepunkt der Geschichte ausmacht, wird dadurch deutlich, dass alles zuvor Geschehene letztlich auf die hier geschilderte Handlung hin abzielt.

Vers 9

Diesertz enthält eine Etymologie; der Name deradt Babel wird erklärt (vgl. 10 Einzelexegese).

Vers 9 ist Teil des Rahmens der Erzählung (vgl. Vers 1). Im Gegensatz zu Vers 1, welcher einen früheren Zustand schilderte, findet sich hier in gewissemnne eine Darstellung der jetzigen Gegebenheiten (Sprache verwirrt, Menschen zerstreut).[31]

Somit ist Vers 9 derhluss der Geschichte.

Die sprachliche Beschreibung lässt bereits erkennen, dass die Erzählung aus zwei parallel konzipierten Teilen besteht, in denen auf der einenite die Menschen und vuvh auf der anderenite stehen[32]. Auf diesen Umstand soll aber erst in der Literarkritik näher eingegangen werden, da er bei der Frage nach der Einheitlichkeit des Textes möglicherweise eine Hilfe sein kann.

[...]


[1] Kreuzer,egfried / Vieweger, Dieter u.a.: Proseminar I. Altes Testament,uttgart / Berlin / Köln 1999. 45

[2] Kreuzer / Vieweger, Proseminar I. 45

[3] Kreuzer / Vieweger, Proseminar I. 45

[4] Westermann, Claus: Genesis 1-11, BK.AT I/1, Neukirchen-Vluyn, 1974. 710/722

[5] Westermann, Claus: Am Anfang – 1. Mose; Teil 1, Die Urgeschichte / Abraham, Neukirchen-Vluyn 1986. 121

[6] Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis, Darmstadt 1997. 176

[7] Westermann, Genesis. 723

[8] Westermann, Genesis. 724

[9] Soggin, Genesis. 180

[10] Westermann, Urgeschichte. 122

[11] Westermann, Genesis. 724

[12] Westermann, Urgeschichte. 123

[13] Westermann, Urgeschichte. 122

[14] Westermann, Genesis. 723

[15] Westermann, Genesis. 724

[16] von Rad, Mose. 123

[17] Westermann, Genesis. 726f

[18] Westermann, Genesis. 727

[19] Westermann, Genesis. 727

[20] von Rad, Mose. 124

[21] Westermann, Genesis. 730

[22] Soggin, Genesis. 177

[23] Westermann, Genesis. 731

[24] vgl. Procksch, Otto: Die Genesis 31924; nach von Rad, Mose. 124

[25] Westermann, Genesis. 731

[26] Westermann, Genesis. 733

[27] Westermann, Genesis. 733

[28] Soggin, Genesis. 178

[29] Seebass: Urgeschichte. 282

[30] Westermann, Genesis. 734

[31] Westermann, Urgeschichte. 121

[32] Westermann, Genesis. 711 / Westermann, Urgeschichte. 121

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Exegetische Arbeit über Genesis 11,1-9
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,6
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V156594
ISBN (eBook)
9783640701452
ISBN (Buch)
9783640700721
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gen 11, Exegese, Turmbau
Arbeit zitieren
Andrea Gropp (Autor), 2005, Exegetische Arbeit über Genesis 11,1-9, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156594

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