Der folgende Praktikumsbericht behandelt die inneren Widerstände, die während der Beobachtung von Unterricht und der Gespräche mit der Kunstmentorin aufkamen. Der Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Reflexion der Rahmenbedingungen der Schule und deren Zusammenhang mit der kunstpädagogischen Haltung der Kunstlehrerin. Es gilt zu untersuchen, welche konkreten Auswirkungen diese auf den Kunstunterricht haben. Im Anschluss daran hinterfrage ich den Rahmen meiner eigenen kunstpädagogischen Ausbildung und deren Auswirkungen auf meine bisherige Haltung, die die inneren Widerstände deutlich machen. Ich nutze den Widerstand, der sich hin und wieder in Form eines Unwohlseins und eines angespannten Bauches äußerte, wie eine Art Kontrastmittel, um etwas Klarheit über die eigene vage kunstpädagogische Haltung zu erlangen. Anhand der Analyse wird es mir möglich sein, am Ende Fragen auszuformulieren, die ich weiterverfolgen möchte und ich werde meine nächsten Entwicklungsziele benennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil: Reflexion des Praktikums
a) Reflexion der schulischen Rahmenbedingungen der Schule und der persönlichen Erwartungen und Einstellungen
b) Darstellung des beobachteten Unterrichts und Reflexion eines bestimmten Schwerpunktthemas - Wie sich das Zusammenwirken der Rahmenbedingungen an der Schule und der Haltung meiner Kunstmentorin auf den Kunstunterricht auswirkt
3. Fazit: Ableitung von persönlichen Entwicklungszielen
4. Literaturangaben
5. Anhang
a) Hospitationsprotokolle
b) Tischvorlage: Schritt für Schritt zum Kubismus
c) Kriterien eines kubistischen Werkes
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit reflektiert die subjektiven Widerstände einer Praktikantin während des Kunstunterrichts an einer leistungsorientierten deutschen Auslandsschule. Ziel ist es, den Einfluss von institutionellen Rahmenbedingungen auf die kunstpädagogische Haltung der Lehrkraft zu untersuchen und ausgehend von eigenen Erfahrungen Fragen für eine tiefere kunstpädagogische Auseinandersetzung abzuleiten.
- Reflexion schulischer und institutioneller Rahmenbedingungen
- Analyse der kunstpädagogischen Haltung und deren Auswirkung auf den Unterricht
- Spannungsfeld zwischen Leistungsorientierung und künstlerischem Prozess
- Rolle der Lehrkraft als Mentorin und Vorbild
- Untersuchung von Zielsetzungen im Fach Kunst (Technik vs. persönliche Entwicklung)
Auszug aus dem Buch
Die eigene (noch unausgereifte und vage) Haltung zeigt sich im inneren Widerstand
Bei Alldem wird sichtbar, dass „die Wirkung von Unterricht und die Ermöglichung selbstständiger Bildungsprozesse entscheidend von dem (professionellen) Selbstverständnis der Lehrenden […] abhängt“ (Lenk/Wetzel, 2016, S. 2). Die Lehrerin wiederum gibt zu verstehen, dass ihr Selbstverständnis durch die Rahmenbedingungen der Schule bestimmt wird – ihr Ton kommuniziert das in einer Art und Weise, die vermittelt, dass ihre Herangehensweise letztlich aus der einzig mögliche Schlussfolgerung erfolgt ist: Die Notengebung und die Leistungsorientierung an der Schule gibt in Kombination mit etwas Gerechtigkeitssinn einen eng geführten Kunstunterricht vor.
Im kunstpädagogischen Diskurs finden sich deshalb viele Haltungen und Positionen, die meine Kunstmentorin als naiv und unrealistisch abtun würde. Daraus folgen die Fragen: Welchen Einfluss hat es für den Kunstunterricht, wenn dieser benotet wird? Inwiefern werden die spezifischen Rahmenbedingungen von Schule in der Ausbildung und Begründung kunstpädagogischer Positionen mitgedacht?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Erwartungen und die schmerzliche Konfrontation mit einem starren, leistungsorientierten Kunstunterricht im Auslandspraktikum, was zur Formulierung der Reflexionsabsicht führt.
2. Hauptteil: Reflexion des Praktikums: Der Hauptteil analysiert kritisch die Rahmenbedingungen der Schule, das Spannungsfeld zwischen Ergebnis- und Prozessorientierung im Kunstunterricht sowie die dominierende Haltung der Kunstmentorin.
3. Fazit: Ableitung von persönlichen Entwicklungszielen: Hier werden die während des Praktikums entstandenen Fragen und Widerstände gebündelt, um zukünftige Schwerpunkte für das weitere Studium und die eigene kunstpädagogische Entwicklung zu definieren.
Schlüsselwörter
Kunstpädagogik, Praktikumsbericht, Schulpraktikum, Kunstunterricht, Leistungsorientierung, Kunstdidaktik, Rahmenbedingungen, künstlerischer Prozess, Reflexion, Lehrerinnenhaltung, Bildende Kunst, Kunstmentorin, Bildkompetenz, künstlerische Ausbildung, Schullogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Praktikumsbericht, der die Erfahrungen und die kritische Reflexion einer Kunst-Studierenden an einer deutschen Auslandsschule dokumentiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Einfluss von Leistungsdruck und Benotung auf den Kunstunterricht, das Spannungsfeld zwischen der Logik der Schule und der Kunstpädagogik sowie die Rolle des künstlerischen Prozesses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der eigenen kunstpädagogischen Ausbildung an der Kunsthochschule und der erlebten Unterrichtspraxis an der Schule zu reflektieren und die eigenen inneren Widerstände theoretisch zu durchdringen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine reflektierende Analyse auf Basis von Hospitationsprotokollen, Unterrichtsmaterialien und Gesprächen mit der Mentorin in Verbindung mit kunstpädagogischer Fachliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die schulischen Rahmenbedingungen, die Haltung der Mentorin, die Art der Aufgabenstellungen (Technikfokus vs. freier Prozess) und die Diskurse um künstlerische Bildung kritisch hinterfragt.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Schlagworte wie kunstpädagogische Haltung, Institution Schule, Prozessorientierung, Bildkompetenz und das Spannungsfeld der Benotung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Benotung im Kunstunterricht der Schule?
Sie kritisiert, dass durch den starken Druck zur Konkretion und Transparenz der Benotung der Fokus zu stark auf das Endergebnis gelegt wird und somit der eigentlich wertvolle, offene kreative Prozess verloren geht.
Was schlussfolgert die Autorin über das Verhältnis von Künstlersein und Kunstpädagogik?
Sie schlussfolgert, dass die reine Künstlerpersönlichkeit als pädagogisches Konzept nicht ausreicht, da das System Schule eigene, repressive Konventionen besitzt, mit denen sich die Lehrkraft aktiv auseinandersetzen muss, um nicht von der Schullogik vereinnahmt zu werden.
- Arbeit zitieren
- Sofia Zafiridou (Autor:in), 2020, Praktikumsbericht im Fach Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1571170